Made in Bangladesh

F/BAN/DK/P 2019, Regie: Rubaiyat Hossain, mit Rikita Nandini Shimu, Novera Rahman, 95 Min., Bengali OmU
TICKETS

Bereits als Kind floh Shimu aus ihrem Dorf, weil ihr eine Zwangsheirat mit einem viel älteren Mann drohte. Jetzt ist die 23-Jährige eine von vielen Arbeiter*innen in einer Textilfabrik in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh. Trotz des sehr niedrigen Gehalts und der ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse bedeutet diese Beschäftigung für sie ein kleines Stück Selbstbestimmung. Während ihr Mann nach Arbeit sucht, verdient Shimu so den Unterhalt für sie beide. Als bei einem verheerenden Brand in der Fabrik eine ihrer Kolleginnen ums Leben kommt, will Shimu nicht weiter tatenlos zusehen. Mit Hilfe eines Anwalts informiert sie sich über ihre Möglichkeiten und startet schließlich den Versuch, die Arbeiter*innen der Textilfabrik gewerkschaftlich zu organisieren. Doch nicht nur bei ihren Vorgesetzten, sondern auch unter den Kolleg*innen stößt Shimus Aktivismus auf Widerstand und Ablehnung. Denn im globalisierten Kapitalismus wird sich immer ein Ersatz finden, egal wie unwürdig die Bedingungen sind.

Der Spielfilm stellt die Zusammenhänge der modernen und globalisierten Textilproduktion realistisch und nachvollziehbar dar. […] Mit seiner Protagonistin Shimu zeigt er eine authentische und würdevolle Identifikationsfigur. „Made in Bangladesh“ erzählt eine Geschichte über Empowerment von Frauen. Auch wirft er ein Licht auf die ursprüngliche Rolle von Gewerkschaften, deren „goldene Zeiten“ in Deutschland längst der Vergangenheit angehören. (Film des Monats, Jury der Evangelischen Filmarbeit)

[…] ‘Made in Bangaldesh’ ist ein fesselnder Thriller. Bis zuletzt folgt man gespannt den immer neuen Herausforderungen, die Shimu zu überwinden hat. Das Drehbuch inszeniert geschickt die verfahrene Situation, der Shimu an allen möglichen Fronten ausgesetzt ist. […] (Ulkar Alakbarova, moviemovesme.com)

Hossain, die zusammen mit Philippe Barrière das Drehbuch erarbeitet hat, baut in ihrem zweiten Kinofilm nun nicht auf Zahlen und Statistiken, sondern auf menschliche Schicksale: keine Spur von flachem Agitprop oder Appellen ans westliche Publikum, Kleidung »Made in Bangladesh« künftig zu verschmähen; das liegt nicht im Interesse der Arbeiterinnen. Hossain, Jahrgang 1981, nähert sich einem sozioökonomischen Phänomen mit den Mitteln filmischer Poesie. (Dietmar Kanthak, epd film)

[…] there’s no denying the power inherent in Shimu’s grueling pursuit: one which, in many other countries, would simply be a matter of filling out some forms, but here takes on nearly Melvillian proportions of impossibility. That Shimu needs to pull off a few dirty tricks in order to edge closer to the finish line is less indicative of her own failings than of that of an entire system. And yet the price she pays may well be worth it — in any case, it’s surely worth more than all the bargain-bin T-shirts in the world. (Jordan Mintzer, Hollywood Reporter)

Die Welt jenseits der Stille

D 2021, Regie: Manuel Fenn, 119 Min., diverse OmU
TICKETS

Seit nun über eineinhalb Jahren hält die Corona-Pandemie die ganze Welt buchstäblich in Atem. Die Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens sowie die gesundheitliche Gefahr, sichtbar in den stetig steigenden Opferzahlen, veränderten den Alltag aller Menschen von Grund auf. Manuel Fenn dokumentiert in 12 Kapiteln aus der ganzen Welt die Ausnahmesituation des ersten Pandemiejahres. Die verlassenen Straßen in den sonst so überfüllten Metropolen London, Berlin oder New York sind beeindruckend. Ebenso, wie das Leben mit dem Virus den selbstverständlichen Alltagstrott überall ausgebremst hat und stattdessen neue Lösungen notwendig macht. Ob in Nadschafabad, Kuala Lumpur, Rom oder Nairobi – das Nachdenken über ein bewussteres Globales Handeln und mögliche Wege aus der aktuellen Krise ist essenziell. Denn wir können nicht so weitermachen wie bisher. Wie kann eine neue Welt nach der Pandemie aussehen? Wie wird sich unser Zusammenleben verändern?

Ich hoffe, dass uns ein emotionaler und authentischer Film über das erste Jahr der Pandemie gelungen ist, in dem man merkt, dass die Menschen noch die Kraft und den Willen hatten, aus den Wunden, die das Virus aufgerissen hat, etwas zu lernen und aus dieser Krise irgendetwas Gutes für sich mit zu nehmen. (Manuel Fenn, Regisseur)

Es ist die Geschichte der ganzen Welt, erzählt in zwölf Miniaturen. Aus der Luft beobachten wir den Stillstand und tauchen mit der dokumentarischen Kamera mitten hinein ins Leben. Vielleicht der interessanteste Film über Corona, weil er nicht die Leere erzählt, sondern das, was sie verbirgt. (Ysabel Fantou, DOKfest München)

Beim Zusehen entsteht ein verbindendes Gefühl, viele Geschichten berühren, stimmen sogar zuversichtlich und optimistisch. (Bianka Piringer, Kino-Zeit)