Corona-Kino – Kurzfilm der Woche

Velo – Mysterium
D 2013, Regie: Jörn Staeger, 7 Min.

Mit Filmen durch die Krise – Filmtipp der Woche

Gemeinsame Kinokultur in Zeiten von Physical Distancing und Quarantäne – geht das? Wir finden: es muss! Auch wenn wir gerade leider kein Kinoprogramm für euch machen können, wollen wir auf gemeinsame Filmerlebnisse nicht verzichten. Mit persönlichen Empfehlungen aus unserem Team wollen wir dazu beitragen, dass ihr den Überblick in der Masse von Online-Angeboten nicht verliert. Wir suchen für euch die Nadel im Heuhaufen, durchforsten kostenlose, kostengünstige und/oder solidarische Angebote abseits der Streaming-Riesen und präsentieren euch jeden Donnerstag unseren Filmtipp der Woche. Natürlich seid ihr herzlich eingeladen, mit uns auf Facebook über die Filme zu diskutieren. Let's stay at home and watch together!

Filmtipp vom 4.3.

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

MAZ/B/F 2019, Regie: Teona Strugar Mitevska, mit Zorica Nusheva, Labina Mitevska, 100 Min., DF

2020 hatten wir den kompletten Monat März zum Thema „Female Directors“ mit Filmen von Frauen und über Frauenthemen gestaltet. Weltfrauentag am 8. März und die Initiative „Pro Quote“ waren die Aufhänger. Doch am 16. März war Schluss… Den zum Thema passenden, vielfach ausgezeichneten „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ durften wir bereits im November 2019 bei uns im Kino zeigen. Und die Produzentin und Schauspielerin Labina Mitevska sowie die grandiose Hauptdarstellerin Zorica Nusheva waren zu Gast. Jetzt gibt es digital die „Zweite Chance“, diesen ernsten, wütenden wie komischen Film über eine junge Frau zu entdecken, die sich traut, in einer frauenfeindlichen Umgebung aus der Rolle zu fallen.

Regisseurin Teona Strugar Mitevskas Film spielt in einem kleinen Ort in Mazedonien: Petrunya, eine arbeitslose 32jährige Historikerin, die noch zu Hause wohnt, geht nach einem demütigenden Vorstellungsgespräch nach Hause. Spontan folgt sie der orthodoxen Dreikönigs-Prozession zum Fluss. Als der Pope das gesegnete Kreuz ins Wasser wirft, springen Männer in den eisigen Fluss, um es zu finden und ihr Leben lang Glück zu haben. Auch Petrunya springt – und ergattert das Kreuz. Dazu haben hier aber nur die Männer das Recht, sagt die Kirche. „Sie hat die Regel verletzt, sie ist eine Frau“, so der Pope. Die wütenden Männer bedrohen sie massiv. Aber Petrunya weigert sich, das Kreuz zurückzugeben und besteht darauf, die Gewinnerin zu sein. Die Polizei schaltet sich ein. Das Ganze weitet sich zu einem waschechten Skandal aus.

Was im Film „Petrunya“ an keiner Stelle erwähnt wird, kommt nur in den Artikeln über ihn zur Sprache: Er beruht auf einem echten Vorfall in 2014. Kaum zu glauben im Europa des 21. Jahrhunderts. Zorica Nusheva als Petrunya ist eine Entdeckung in ihrer ersten Filmrolle und Teona Strugar Mitevska nutzt ihre Körperlichkeit und wunderbare Bildideen, um ihre Emotionen ohne zu viel Dramatik nahe zu bringen. Denn Petrunya muss viel verbale Gewalt einstecken. Ihre Mutter beschimpft sie als »undankbares Monster, Dreckstück«, auf dem Revier und bei den jungen Männern schlägt ihr blanker Hass entgegen. Doch Petrunya will kein Opfer sein. Täterin ist sie auch nicht, sie hat kein Gesetz gebrochen. Wie sie stoisch und schlagfertig ihr Handeln verteidigt, ist eine Freude anzusehen. Ob sie das Kreuz zurück gibt… (Silvia Schierenbeck / CITY 46)

 

Filmtipp für Kids vom 4.3.

Ente gut! – Mädchen allein zu Haus

D 2016, Regie: Norbert Lechner, mit Linda Anh Dang, Lynn Dortschack, FBW-Prädikat: bes. wertvoll, 95 Min., empf. ab 9 J.

Jedes Kind träumt bestimmt einmal von einem Leben ohne Erwachsene: Keine Regeln, keine Verantwortung, essen was du willst und solange aufbleiben, wie es dir gefällt! Dass dieser Traum auch eine Schattenseite hat, zeigt der farbenfrohe Film "Ente gut!", der innerhalb der Initiative "Der besondere Kinderfilm" entstand und der eingefleischten Fans unter euch vielleicht noch vom KIJUKO 2016 im Gedächtnis geblieben ist.

Die 11-jährige Linh muss unvermittelt alle Pflichten einer Erwachsenen übernehmen, als ihre Mutter in die Heimat nach Vietnam reist, um dort die kranke Oma zu pflegen. Das heißt für Linh kochen, putzen, Rechnungen bezahlen, im Asia-Imbiss der Familie aushelfen und sich um ihre kleine Schwester Tien kümmern. Außerdem darf das Jugendamt auf keinen Fall herausfinden, dass die beiden Schwestern auf unbestimmte Zeit auf sich allein gestellt sind. Und als die draufgängerische Pauline aus der Nachbarschaft plötzlich ihr Geheimnis entdeckt, geht der Ärger so richtig los: Die einsame Rothaarige wird in der Schule gemobbt und träumt zuhause von einem Leben ohne Eltern. Sie liebt Spionagegeschichten und verwickelt Linh und Tien kurzerhand in ihr eigenes Abenteuer. Dass Pauline den beiden dabei mehr Probleme bereitet als zu helfen, stellt die beginnende Freundschaft zwischen den Mädchen auf eine harte Probe. Gleichzeitig beginnt die 8-jährige Tien zu rebellieren, weil sie ihre Mutter vermisst. Ärger in der Schule und eine spontane Party in der eigenen Wohnung, bei der zu allem Überfluss auch noch das hart verdiente Geld für die Imbiss-Miete geklaut wird, führen schon bald die Polizei und das Jugendamt auf die Spur der Schwestern. Können sie es mithilfe ihrer neuen Freundin schaffen, ihr Geheimnis zu bewahren?

Mit viel Leichtigkeit erzählt "Ente gut!" die Geschichte der drei Mädchen und entführt euch atmosphärisch gelungen in eine kleine vietnamesische Community mitten in der ostdeutschen Gesellschaft. (Insa Melzer / CITY 46)

 

Filmtipp Spezial vom 4.3.

Femmes Totales – Filme von Frauen

Eine Filmreihe mit prämierten Arbeiten von Regisseurinnen anlässlich des Weltfrauentags 2021

2017 machte die Reihe „Femmes Totales – Filme von Frauen“ auch Station bei uns im CITY 46. Anlässlich des Weltfrauentags 2021 veröffentlicht der eksystent Filmverleih unter dem Label absolut MEDIEN nun zehn „Femmes Totales“-Filme aus den letzten Jahren als VoD. Für kleines Geld lässt sich hier großes zeitgenössisches Kino von Frauen entdecken:

Die Reihe „macht sichtbar, dass Filme von Frauen gleichermaßen spannend, abwechslungsreich und unterhaltsam sind, zeigt vielfach ausgezeichnete Werke, die für ein junges, rebellisches und internationales Kino stehen. Sie erzählen von ‚real girl power‘, von Menschen, die ihren Platz in der Gesellschaft erkämpfen, Gefühlsextremen, Familiengeheimnissen oder Diskriminierung“. Die Auswahl eröffnet ein breites internationales Spektrum. So gehört der Episodenfilm „Geschichten aus Teheran“ von Rakhshan Bani-Etemad dazu, der über kleine Mikro-Dramen ein Kaleidoskop unterschiedlichster Probleme innerhalb der iranischen Gesellschaft eröffnet, in denen sich Privates und Politisches, Absurdes und Tragisches in wildem Wechsel aneinanderreihen. Außerdem mit dabei: „Das unmögliche Bild“ von Sandra Wollner, der 2019 mit dem „Preis der deutschen Filmkritik“ ausgezeichnet wurde, ein experimentelles, auf 16mm gedrehtes Drama um ein Mädchen aus Wien, das 1957 mit der Filmkamera seines Vaters seine Familie porträtiert. Auch der schwedische Film „Träum weiter“ gehört zu der Reihe, ein ungewöhnliches Coming-of-Age-Drama um ein Mädchen aus einer Plattenbausiedlung, das sich dafür entscheidet, Verantwortung zu übernehmen.

 

Filmtipp vom 25.2.

Kriegerin

D 2012, Regie: David Wnendt, 99 Min.

Gerade erst wurde mit der Hashtag-Aktion #SayTheirNames der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau gedacht (19. Februar), kurz darauf wurden in Frankfurt, Köln und Göttingen Gedenkorte für die Opfer zerstört, beschmiert und verwüstet. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit und erschreckende Aktualität von Filmen wie „Kriegerin“, David Wnendts Regiedebüt, das vor der Aufdeckung der rechtsextremen Terrorzelle NSU entstand. „Kriegerin“ erzählt auf mitreißende Weise von der jungen "Nationalen Aktivistin" Marisa, die in Ostdeutschland ihre rechtsextreme Gesinnung ungehindert auslebt.

Der Film erzählt von einer verrohten Jugend-Szene, einem Sammelbecken Gescheiterter. Das Feindbild: alles Fremde. Das Umfeld wird terrorisiert und hat sich arrangiert, anstatt sich zu wehren. Er erzählt aber auch vom Ende pubertärer Verbissenheit und davon, wie Marisa schließlich das lebensgefährliche Risiko eingeht, schwesterliche Verantwortung für den jungen Afghanen Rasul zu übernehmen. Regisseur Wnendt hat für seinen Film intensiv in ostdeutschen Landstrichen recherchiert, um seinem toll aufspielenden Ensemble realistische und konkrete Vorbilder zu ermöglichen – von aggressiver Hemmungslosigkeit bis zu den leisen Momenten, die den Zuschauer Mitgefühl empfinden lassen.

Vielleicht mag „Kriegerin“ an einigen Stellen übertrieben erscheinen und Klischees von Orientierungslosigkeit und unbegründetem Hass bedienen. Anderen wiederum mag er zu wenig in die Tiefe gehen. Sicher ist: er ist sozialkritisch, gesellschaftlich relevant, bedrückend, schonungslos, authentisch und regt zum Nachdenken an. Aufgrund seiner ungeheuren Wucht und Körperlichkeit, seines genauen Blicks auf Milieus, auf Gruppendynamiken oder die Lebensverhältnisse junger Neonazis wird Wnendts mehrfach ausgezeichneter Film auch mit Shane Meadows Skinhead-Drama „This Is England“ verglichen. „Kriegerin“ ist Teil der ZDF Themenreihe „Film ab gegen Rechtsextremismus", zu der unter anderem auch „Wir sind jung. Wir sind stark.“, „Die Arier“ und „Leroy“ gehören. Gegen das Vergessen kämpfen und Demokratie leben! (Johannes Eichwede / CITY 46)

 

Timetrip – Der Fluch der Wikinger-Hexe

DK 2009, Regie: Mogens Hagedorn, mit Jonas Wandschneider, Clara Maria Bahamondes, Jacob Cedergren, 91 Min., empf. ab 9 J.

Hexen, Wikinger und Könige – habt ihr euch nicht auch schon immer mal gewünscht, die Figuren aus alten Sagen und Geschichtsbüchern mit eigenen Augen sehen zu können? Für die Geschwister Valdemar und Sille wird dieser Traum wahr, als sie auf einen verschrobenen Wissenschaftler mit einer geheimnisvollen Zeitmaschine treffen.

Die Eltern sind für ein paar Tage aus dem Haus. Für Sille heißt das Gruselfilme schauen, Süßigkeiten futtern und viel Zeit mit ihrem großen Bruder Valdemar. Leider hat der andere Pläne. Jetzt wo Papa nicht da ist, ist das die Gelegenheit endlich mal sein neues Auto zu fahren. Ohne Führerschein und trotz des ausdrücklichen Verbots will Valdemar seine Freunde beeindrucken und baut prompt einen Unfall. Die Reparatur scheint unbezahlbar, bis Valdemar bei einem Schulausflug den Physiker Benedict kennenlernt. Der zunächst abweisende Wissenschaftler sieht in dem Jungen eine mögliche Testperson für seine neue Zeitmaschine. Er bietet Valdemar eine erhebliche Summe Geld, damit er für ihn in die Vergangenheit reist und ein Artefakt beschafft, das Benedict dringend benötigt. Plötzlich findet sich Valdemar im Jahre 963 wieder – zur Zeit der Wikinger in Dänemark! Dort erfährt er, dass Benedict unsterblich geworden ist, nachdem er von einer Hexe verflucht wurde. Auf ewig verdammt alle Menschen um sich herum zu überleben, strebt Benedict seit hunderten von Jahren danach den Fluch aufzuheben und ein normales Leben zu führen. Während Valdemar nur zögerlich einwilligt dabei zu helfen, ist seine kleine Schwester Sille ihm heimlich gefolgt und stürzt sich begeistert mit ihrem Bruder in die Zeitreisemaschine, um den finsteren Hexenfluch der Vergangenheit zu brechen.

Ein bisschen Science-Fiction hier, ein bisschen Mittelalter-Fantasy dort und zwei sympathische Jungdarsteller in der Mitte dieses Abenteuers ergeben einen spannenden Genre-Mix für die ganze Familie! (Insa Melzer / CITY 46)

 

Filmtipp vom 18.2.

The Red House

D/I 2021, Regie: Francesco Catarinolo, 81 Min., OmU

Mit seinen rund 2000 Einwohnern ist Tasiilaq die größte Siedlung Ostgrönlands. Die nun hier sesshaften Indigenen Ivi lebten seit Generationen von der Jagd. Doch seit Robbenfelle und das Fleisch der Wildtiere nicht mehr gehandelt werden dürfen, haben die Ureinwohner*innen ihre Existenzgrundlage verloren. Als Ausgleich erhielten sie Sozialhilfe aus Dänemark und bekamen feste Häuser. Ihr Leben als Halbnomaden mussten sie aufgeben. Vor 35 Jahren kam der damalige Extremsportler Robert Peroni aus Südtirol im Zuge einer Expedition nach Grönland. Sie sollte sein gesamtes Leben verändern. Hier in Tasiilaq gründete er das Rote Haus. Von Anbeginn an war es mehr als nur ein Hostel. Es wurde zu einer Begegnungsstätte zwischen Europäer*innen und Grönländer*innen. Zugleich ist das Gästehaus ein Refugium für Einheimische in Not. Vor allem junge Menschen kommen ins Rote Haus, wenn sie nicht weiter wissen.

„Das Rote Haus verspricht zwar Hoffnung in Form des aufopferungsvoll für seine Leidenschaft einstehenden Robert Peroni, der die Grönländer als Freund*innen wahrnimmt und sich zu jedem Zeitpunkt darum bemüht, sich an das Leben in Grönland anzupassen. Doch um zu zeigen, wie notwendig seine Hilfe ist, scheut der Film nicht davor zurück, in Abgründe zu blicken.“ (Antje Wessels).

Wir nehmen teil an einigen Lebensgeschichten der Einwohner*innen von Tasiilaq. Respektvoll aber nah begleitet sie das Filmteam dabei, wie sie im alltäglichen Leben ihren Platz zwischen Tradition und Moderne finden. Beeindruckend vermittelt der Film, dass eine neue Zeit Anpassung fordert, bei der die Menschen keine Chance haben, davor zu entfliehen. Aber wie es auch gelingen kann, die eigene Identität nicht zu verleugnen oder sie gänzlich zu verlieren. Robert Peroni möchte durch einen nachhaltigen Tourismus dem Jägervolk der Ivi eine Zukunft bieten. Er ist davon überzeugt, dass nicht nur die Einheimischen davon profitieren, sondern auch seine Gäste. Sie nehmen aus der Begegnung mit der fremden Kultur des Nordens wertvolle Erfahrung mit nach Hause. „Wir können von den Ivi mehr lernen als sie von uns“ – daran glaubt Robert Peroni noch immer fest. (Holger Tepe / CITY 46)

Filmtipp vom 4.2.

Urmila – Für die Freiheit

D 2016, Regie/Drehbuch/Kamera: Susan Gluth, 88 Min., nepali/engl. OmU, FBW-Prädikat: bes. wertvoll, empf. ab 12 J.

Horizonte erweitern, Grenzen überwinden, Fremde/s vertraut machen, ohne Reisen, nur durch Hinsehen – gute Filme können das. „Urmila“ ist einer der wunderbaren Dokumentarfilme, der für mich eine Tür in eine bisher unbekannte Welt aufgestoßen hat: moderne Sklavenhaltung, in diesem Fall in Nepal. Offiziell lange verboten, inoffiziell weiterhin praktiziert. Ebenso faszinierend ist, wie eng die deutsche Regisseurin Susan Gluth die zu Drehbeginn 18-jährige Urmila über viele Jahre begleiten darf.

Urmila ist erst sechs Jahre alt, als sie von ihrer armen Familie als Haushaltssklavin nach Nepals Hauptstadt Kathmandu verkauft wird. Klägliche 50 € im Jahr bekommt ihre Familie dafür! 12 Jahre dauert das Martyrium als „Kalamari“, dann kann sie sich befreien. Mit der eigenen Freiheit gibt sich Urmila nicht zufrieden, aus dem Erlebten zieht sie die Kraft, sich für andere Mädchen in ihrem Land einzusetzen. Voller Zuversicht kämpft sie für die Organisation „Freed Kamalari Development Forum“ (FKDF), die seitdem 13.000 Mädchensklaven befreien konnte (Stand 2016). Doch Urmila will mehr, will als Anwältin auch international für Frauenrechte eintreten. Sie, die nie eine Schule besuchen durfte, versucht alles nachzuholen. Auch international macht Urmila auf die Situation in ihrer Heimat aufmerksam und hält mitreißende Reden, u.a. auf dem Oslo Freedom Forum. Das Lernen versucht die mittlerweile 25-Jährige mit ihrer Arbeit als Aktivistin zu vereinbaren, stößt dabei aber zunehmend an ihre Grenzen.

Das Porträt dieser so traumatisierten jungen Frau, die in aller Stille so viel Kraft für das Wohl anderer Frauen mobilisiert, in einer Gesellschaft, in der Frauen keinen Wert haben, hat mich sehr berührt. Susan Gluth hat dieser Kraft vertraut und fängt einzigartige, ehrliche Momente ein. Ganz ohne Kommentare oder Fragen entfaltet sich Urmilas Geschichte, und es ist Gluth zu verdanken, dass sie diese Geschichte gefunden und erzählt hat. Hier geht es zu einem Interview mit Susan Gluth: Filmloewin.de

Nachtrag 2018: Die Aktivistin Urmila Chaudhary wurde in den Niederlanden der „Laureate Freedom from Fear Award 2018“ überreicht. Der Preis wird alle zwei Jahre an Menschen und Organisationen vergeben, die sich im besonderen Maße für Freiheit und Menschenrechte einsetzen. (Plan international) (Silvia Schierenbeck / CITY 46)

 

Filmtipp vom 28.1.

The Cleaners

D 2018, Regie: Hans Block & Moritz Riesewieck, 89 Min., FSK 16

Als Donald Trumps Accounts kurz vor seinem Amtsende auf verschiedenen Plattformen gesperrt wurden, empfanden das viele Menschen mit später Genugtuung. Endlich konnte seine Propaganda keinen Nährboden mehr finden. Andere hingegen äußerten Bedenken, so auch Bundeskanzlerin Merkel: Die Betreiber sozialer Netzwerke trügen zwar Verantwortung dafür, dass die politische Kommunikation nicht mit Hass und Anstiftung zu Gewalt vergiftet werde. Die Meinungsfreiheit als Grundrecht von elementarer Bedeutung könne aber nur durch den Gesetzgeber, nicht nach der Maßgabe von Unternehmen eingeschränkt werden.

Hans Block und Moritz Riesewieck beginnen ihre Dokumentation auf den Philippinen, bei den Menschen, die die Plattformen vom „Schmutz“ befreien müssen. Sie zeigen die belastende Arbeit der „Content Moderators“, wie sie sich vor ihren Monitoren durch die Abgründe des Internets kämpfen. Sie sind THE CLEANERS, die zu Tausenden im Sekundentakt in ausgelagerten Dienstleistungsunternehmen in Manila über Verbleib oder Verschwinden von Inhalten bei Facebook, Twitter und Co. entscheiden müssen. Die Grausamkeit und die kontinuierliche Belastung dieser traumatisierenden Arbeit verändert ihre Wahrnehmung und Persönlichkeit. Psychische Störungen bis hin zum Selbstmord sind die Folgen.

Neben den Geschichten der Content Moderator*innen erzählen die beiden Regisseure von den globalen Auswirkungen der Onlinezensur, wie Fake News und Hass durch die Sozialen Netzwerke verbreitet und verstärkt werden. Aber auch wie Internetkonzerne um des Profits willen gemeinsame Sache mit autoritären Regimen machen und ihre Seiten in deren Sinne zensieren. Das Ideal einer Welt freier Kommunikation, wie es Marc Zuckerberg propagiert, verwandelt sich in ein Zerrbild menschlicher Abgründe, von deren Auswüchsen es in anonymen Büroetagen in Manila geheilt zu werden versucht. Das Bemerkenswerte dieses Films ist seine vielschichtige Betrachtungsweise und der Perspektivwechsel, um die Zuschauer*innen immer wieder aufzufordern, die eigenen vertrauten Positionen kritisch zu hinterfragen. (Holger Tepe / CITY 46)

 

Filmtipp für Kids vom 28.1.

Ich bin William

DK 2017, Regie: Jonas Elmer, mit Alexander Magnússon, Rasmus Bjerg, Stinne Henriksen, 81 Min., empf. ab 8 J.

Schlimmer geht immer. Homeschooling kann doof sein, die Freunde nicht treffen können sowieso. Doch es gibt andere Kinder, die richtig große Probleme haben. So wie der zehnjährige William in Roskilde in Dänemark. Seine Mutter lebt in der geschlossen Psychiatrie und jetzt ist auch noch sein Vater gestorben. Zum Glück hat William Onkel Nils, bei dem er nun unterkommen kann.

Das klingt nach einem traurigen Film, ist es aber überhaupt nicht! Denn der gute Onkel mit einem Herz aus Gold steckt bis über beide Ohren in Spielschulden und Hehlerware, sodass für einen normalen Kinderalltag nicht viel Zeit bleibt. Dann gibt es eben kein Pausenbrot und jeden Tag nur Eier in allen Variationen. Für Onkel Nils besteht die ganze Welt eh´ nur aus Idioten – William ausgenommen. Und Williams Mutter, die kein Wort spricht und meist nur reglos da sitzt, hält Onkel Nils für bekloppt. William ist das egal, er liebt beide. Als William von ein paar fiesen Kerlen aus der Schule erpresst wird und sein Onkel wegen Wettschulden Probleme mit einem Gangster hat, beginnt seine Mutter, ihm Zettel mit merkwürdigen Botschaften zuzustecken. Ob die William helfen können?

William muss also in seinem Leben eine Menge Sachen regeln, für die eigentlich die Erwachsenen zuständig sein sollten. Wie er das macht, ist sehr witzig, phantasievoll und mit echten Überraschungen erzählt. Vieles wird aus der Ich-Perspektive von William gezeigt und so kriegen wir mit, was in dem sanften aufgeweckten Jungen vorgeht. Und das ist eine Menge! Wie William es ohne große Action schafft, von den Erwachsenen ernst genommen zu werden, ist ein großer Spaß. Der Film lief schon auf einigen Filmfestivals, hat Preise gekriegt, und eine begeisterte Kinderjury hat dies gesagt: „In diesen coolen Film sind wir ganz schnell hineingekippt und wir konnten uns auch sehr gut in William hineinversetzen! Wir sind restlos begeistert! Wir sind William!“ Na, dann schaut mal, ob ihr das auch seid! (Silvia Schierenbeck / CITY 46)

 

Filmtipp Spezial vom 28.1.

Das Geheimnis Georges Méliès

F 2020, Regie: Eric Lange, 59 Min.

Georges Méliès (1861–1938), französischer Wegbereiter der Filmkunst, Regisseur, Illusionist, Zauberkünstler und Theaterbesitzer, ist einer der großen Pioniere des frühen Films. Er drehte Hunderte von Kurzfilmen und gilt als Erfinder der Special Effects, der Stop-Motion Technik sowie des narrativen Kinos. Anfang des 20. Jahrhunderts betrieb Méliès in Paris das erste Filmstudio der Welt, das er sich in seinem Garten in Montreuil gebaut hatte. Dort drehte er zwischen 1896 und 1902 mehr als 500 Filme, die durch aufwendige Szenografien und innovative Spezialeffekte die Zuschauer begeisterten. Als legendär gilt sein Kurzfilm „Die Reise zum Mond“ bei dem sich Georges Méliès 1902 von Jules Verne inspirieren ließ und der eines der ikonischen Bilder der Filmgeschichte hervorbrachte (siehe Filmstill).

Méliès einzigartiges Werk galt jedoch als weitestgehend zerstört, da er 1923 nach dem Konkurs seiner Firma alle Negative verbrannt hatte. Im Jahr 2006 kommt es dann zu einem spektakulären Fund: In der Library of Congress tauchen fast 80 Negativfilme des Filmpioniers auf, die uns das Werk von Méliès neu entdecken lassen. „Das Geheimnis Georges Méliès“ ist die erste große Dokumentation über das Leben und Werk des Filmpioniers. Aktuell zeigt Arte.tv in seiner Mediathek den Dokumentarfilm und eine Reihe seiner fantastischen Kurzfilme – 13 an der Zahl.

Im Januar 2021 sollte eigentlich auch das Pariser „Musée de la Cinémathèque“ nach einem Make-Over unter dem neuen Namen „Musée Méliès“ wieder seine Türen öffnen – nun müssen wir alle noch ein bisschen warten. Stummfilme mit Livemusik sind bei uns im CITY 46 ein fester Bestandteil des Programms – einer, der uns am Herzen liegt. Schön, dass sich mit dieser Doku nun die Möglichkeit aufgetan hat, Stummfilmfans zu erfreuen und ein Einblick in ein Stück Filmgeschichte zu geben. (Johannes Eichwede / CITY 46)

 

Filmtipp vom 24.12.

Searching for Sugar Man

S/GB 2012, Regie: Malik Bendjelloul, 86 Min., OmU

Rodriguez, Sixto Rodriguez… Noch nie gehört? Na, dann wird es aber Zeit! Es gibt sie diese Musiker, Künstler, Persönlichkeiten und verrückten Geschichten, die uns nicht mehr loslassen. Und eine grandiose Doku wie “Searching For Sugar Man“ schreit geradezu nach einem Filmtipp.

Es war einer der gemütlichen Wein- und Vinyl-Abende, die man mit lieben Menschen verbringt, als sie vom Sofa aufstand und zunächst “I Wonder“, dann “Sugar Man“ auflegte… Schon nach den ersten Klängen wollte ich wissen, wer das ist… „Love at first listen!“, dachte ich mir. Die Antwort: Rodriguez! Sixto Rodriguez – genialer Musiker und faszinierender Typ, dessen wundervoll-poetische und klare Texte mich bis heute begeistern. “Searching For Sugar Man“ ist die Geschichte eines Stars, der seiner Zeit voraus war. Während er in seiner Heimat Amerika unbekannt blieb und nach zwei grandiosen aber erfolglosen Alben spurlos verschwand, wurde er in Südafrika in den 1970er Jahren – ohne es selbst zu wissen – zum Superstar. Sein Album „Cold Fact“ wurde zum Soundtrack der Antiapartheidbewegung und gab einer ganzen Generation Hoffnung und eine Stimme. So gibt die Doku neben all der tollen Musik einen wichtigen Einblick in die Kulturgeschichte Südafrikas.

Bestens geeignet für einen gemütlichen Abend auf der Couch mit einem guten Getränk. Eine Doku wie ein Thriller: Fesselnd, mitreißend, inspirierend, magisch. Ein Juwel der Musikdokumentation, 2012 völlig zu Recht mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Unbedingt anschauen! (Johannes Eichwede / CITY 46)

 

Filmtipp für Kids vom 24.12.

Pan Tau

D 2020, Regie: Franziska Meyer Price, 14 Folgen à 25 Min., empf. ab 7 J.

Vielleicht habt ihr von euren Großeltern schon von dem freundlichen Mann mit dem magischen Hut gehört, der niemals spricht: Pan Tau. Er war der Kinder-Fernsehliebling der 1970er Jahre. Nun ist der verschmitzt lächelnde Mann im Anzug und mit Melone zurück und im Jahr 2020 gelandet! Und wie schon vor 50 Jahren hilft er auch hier Kindern, in der verwirrenden Schul- und Erwachsenenwelt klar zu kommen. Wenn es sein muss, auch mit etwas Magie. Immer, wenn ein Kind in der Westpark-Schule Hilfe benötigt, sind Pan Tau und seine Zauberkräfte zur Stelle.

Gleich in den ersten zwei Folgen geht es ins Mittelalter. Denn Karlotta kann nicht verstehen, warum alle so verrückt nach den Fantasy-Romanen von „Swordstone“ sind. Lesen würde Karlotta die nie, obwohl ihre Eltern einen Buchladen haben und ihr Bruder Justus ein glühender Fan der Abenteuer ist. Warum auch. Die Prinzessin in Swordstone ist eingesperrt, und die Helden und Ritter sind ja immer Männer. Also erfüllt Pan Tau ihren Wunsch, die Geschichte umzuschreiben mit einer mutigen Prinzessin, die fechten und reiten kann. Das geht aber dann doch nicht so einfach, wie Karlotta es sich vorgestellt hat. Mit Pan Taus Hilfe findet sie ihren Weg durch die seltsamen Sitten und Gebräuche des Mittelalters und kann sogar noch ihren Eltern helfen, deren Buchladen in Gefahr ist.

Was für ein beruhigender Gedanke, dass da jemand wie Pan Tau ist, der dir im richtigen Moment zur Seite steht, wenn es eng wird, du unglücklich bist oder nicht weißt, wie du aus einer Sache raus kommst. Pan Tau hilft dir nur, denn das Meiste schaffst du dann doch ganz alleine. Wer weiß, vielleicht ist in den 14 Folgen genau deine Geschichte auch dabei? (Silvia Schierenbeck / CITY 46)

 

Filmtipp vom 17.12.

Das neue Evangelium

D/CH/I 2020, Regie: Milo Rau, 107 Min., OmU

Seit fast 20 Jahren beschäftigt sich Milo Rau in Theaterstücken, Filmen und Büchern mit den Widersprüchen der Weltwirtschaft und der Rolle Europas darin. Seinen neuen Film hat der Schweizer Regisseur und Autor („Das Kongo Tribunal“, 2017) in der süditalienischen Kleinstadt Matera gedreht, die in 2019 eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte war. Der Ort hat bereits Filmgeschichte geschrieben, er bildete die Kulisse für Pier Paolo Pasolinis „Die Matthäus Passion“ und Mel Gibsons „Die Passion Christi“. Was heute oftmals übersehen wird, in der Umgebung befinden sich aktuell zahllose Flüchtlingslager. Ein Heer von geschätzt 500.000 rechtlosen Arbeiter*innen ist einem kriminellen Ausbeutungssystem schutzlos ausgeliefert. Wer Probleme macht, bekommt keine Arbeit, erhält keinen (Hunger-)Lohn. Hier herrscht ein Kapitalismus im Ursprungsstadium: nur das individuelle Dasein zählt. Milo Rau: „So habe ich gerade in der Europäischen Kulturhauptstadt Matera gelernt, wie Sklaverei funktioniert: nicht durch Gewalt, sondern durch Isolation jedes Einzelnen. Die völlige soziale und physische Auslöschung vor Augen, kämpft der Mensch nur noch ums Überleben.“

Der Film bewegt sich geschickt zwischen Dokumentation, Spielfilm und politischer Aktionskunst. Gemeinsam mit dem Flüchtlingsaktivisten Yvan Sagnet inszeniert der Regisseur eine moderne Geschichte eines Schwarzen Jesus mit radikal aktuellen Bezügen. In den Flüchtlingslagern rund um Matera, in der Stadt Matera und bei den Kleinbäuer*innen der Region, findet er Laiendarsteller*innen, die gemeinsam auf die Missstände aufmerksam machen.

Ohne den Lockdown hättet ihr DAS NEUE EVANGELIUM sicherlich im CITY 46 sehen können. Für heute war der Bundesstart in den Kinos geplant. Nun entschied sich der Verleih notgedrungen für die Herausbringung auf einer Videoplattform. Aber ihr könnt das Kino auswählen, „in dem ihr den Film sehen möchtet“ bzw. ihr bestimmt, welches Kino an eurem Ticketkauf beteiligt wird. Rund 75 Kinos starten heute den Film. So ist es fast ein bisschen wie im normalen Spielbetrieb, und das CITY 46 erhält trotz Schließung etwas an Einnahmen.  (Holger Tepe / CITY 46)

 

Filmtipp vom 10.12.

Wolken ziehen vorüber

FIN 1996, Regie: Aki Kaurismäki, 96 Min., FSK 12

In den 90er Jahren gehörten die Premieren der Aki Kaurismäki Filme zum festen Programm meines Berlinale-Besuchs. Sobald das handliche Programmheft im Tip Magazin erschienen war, durchsuchte ich das Internationalen Forum des jungen Films nach dem Namen des finnischen Regisseurs. Wohl ein halbes Dutzend Filme habe ich in der Zeit von ihm hier gesehen. Selbstverständlich kam als Aufführungsort nur das Delphi Kino in der Kantstraße in Frage. Unvergessen: Das Schlangestehen, die Entscheidung linker oder rechter Treppenaufgang und das Hochstürmen in den Saal, um einen möglichst guten Sitzplatz zu bekommen. Nach dem Film wurden ein Tisch und Stühle auf die Bühne getragen und Ulrich Gregor, der all die Jahre einen (denselben?) zeitlosen grauen Anzug trug, befragte charmant und klug den Regisseur. Nur einmal, 1999, nach der Aufführung des Stummfilms „Juha“ bekamen lediglich die Musiker*innen Applaus, Aki Kaurismäki ausdrücklich nicht. Wütend beschimpfte er das Publikum und verließ aufgebracht den Saal. Seine späteren Filme müssen an anderen Orten ihre Premieren gehabt haben, auf der Berlinale habe ich danach nie wieder einen Aki Kaurismäki Film gesehen.

„Wolken ziehen vorüber“ ist ein berührender Film voller finnischer Lakonie und feiner Tristesse. Ein typischer Kaurismäki Film, der zwei Menschen beim unverschuldeten Scheitern begleitet. Beide sind Verlierer*innen im kapitalistischen Verwertungsprozess, deren Arbeitskraft plötzlich nicht mehr benötigt wird. Wenn das Schicksal es kurzfristig gut mit ihnen meint, zerstört es doch Momente später den zarten Hoffnungsschimmer und lässt uns Zuschauer*innen nur noch intensiver mit ihnen leiden. Doch immer wieder bringen wohldosierte komische Momente unsere Gefühlswelt ins Wanken und lassen uns ganz nah bei den Protagonist*innen bleiben.

„Wolken ziehen vorüber“ ist der erste Teil von Aki Kaurismäkis Finnland-Trilogie, die er mit „Der Mann ohne Vergangenheit“ (2002) und „Lichter der Vorstadt“ (2006) fortsetzte. Bei Interesse schaut euch in der arte Mediathek um. (Holger Tepe / CITY 46)

 

Filmtipp für Kids vom 10.12.

Rübezahls Schatz

D/CZ 2017, Regie: Stefan Bühling, 88 Min., empf. ab 7 J.

Als ich dieses Jahr im März an einem grauen langweiligen Nachmittag während des ersten Lockdowns durchs Fernsehprogramm zappe, erinnert mich ein farbenfroher Film auf einmal an meine große Vorliebe für Märchen. Ohne den Filmtitel zu kennen, verweile ich kurz mit dem Wunsch zu erraten, welches Märchen denn gerade gezeigt wird, aber ich komme einfach nicht darauf. Zu viele Elemente verschiedener Geschichten vermischen sich und formen eine ganz neue Version der zahlreichen Sagen um den Naturgeist Rübezahl. Nun habe ich dieses fesselnde Märchen zufällig in der ZDF-Mediathek wiederentdeckt und möchte es euch gerade in der gemütlichen Weihnachtszeit nicht vorenthalten:

Der Berggeist Rübezahl wacht seit jeher über die Natur des Riesengebirges und hält das Gleichgewicht zwischen Mensch und Umwelt im Einklang. Als eine neue Baronin Teile seines Lands kauft und den Wald darauf roden will, ist der Geist erzürnt und versucht mit aller Macht sein Reich zu schützen. Dabei begegnet er der schönen Magd Rosa, die scheinbar vergeblich auf ihren verschwundenen Verlobten wartet. Während Rübezahl sich Rosa in Gestalt des wilden Jägers Montanus annähert, hat die Baronin es auf seine versteckte Schatzkammer in den Bergen abgesehen. Von der frisch entflammenden Liebe abgelenkt, vernachlässigt Rübezahl seine Aufgabe als Naturwächter und die gierige Baronin kommt seinem Schatz immer näher…

Über Rübezahl schrieb der Sagen-Sammler Johann Karl August Musäus 1783: "Rübezahl ist geartet wie ein Kraftgenie, launisch, ungestüm, sonderbar, bengelhaft, roh, unbescheiden, stolz, eitel, wankelmütig, heute der wärmste Freund, morgen fremd und kalt; schalkhaft und bieder, störrisch und beugsam." (Insa Melzer / CITY 46)

 

Filmtipp vom 3.12.

What You Gonna Do When the World’s on Fire?

USA/I/F 2018, Regie: Roberto Minervini, 123 Min., engl. OmU

Um das Kino als kulturellen Ort gestalten und erhalten zu können, ist eine Sache unerlässlich: Die Zusammenarbeit mit kleinen unabhängigen Verleihern. Auch sie leiden unter der Corona-Pandemie. Doch ohne sie geht es nicht, ohne sie hätten wir besondere, gewagtere Arthouse-Filme nicht, und ohne sie wäre alles halb so interessant. Der Grandfilm Verleih wagte im Juli mit “What You Gonna Do When the World‘s on Fire?“ den Weg auf die große Leinwand. Er lief bei uns im CITY 46. Es ist eine beeindruckende und herzzerreißende Doku. Leider kam der Film zu einer Zeit, in der die Vorsicht viele noch zögern ließ, Kino und Kulturstätten wieder aufzusuchen. Nun bekommt ihr eine zweite Chance, wenn auch leider nicht bei uns im Kino.

“What You Gonna Do When the World’s on Fire?“ porträtiert den alltäglichen Überlebenskampf einer schwarzen Community in New Orleans mit samt ihren Erfahrungen, Ängsten und Wünschen und nimmt den Zorn und Widerstandsversuche bei den Opfern des Rassismus in den Blick. Die Doku gibt in kunstvollen Schwarz-Weiß-Bildern einen intimen Einblick, wird zu einer Begegnung voller spannender Momentaufnahmen, schöner und erschreckender Aspekte in einem Land, das Gewalt zu einer Kunstform erhoben hat. Sie lässt uns in den Alltag einer Gruppe von Menschen eintauchen – allen voran in den von Barbesitzerin July –, die versuchen, in diesem System zu existieren und es zu verändern.

In einer Zeit, in der das Misstrauen groß ist und die Konflikte immer wieder zu eskalieren drohen, wirkt die Doku wie ein Weckruf, sich der harten Realität des Rassismus bewusst zu werden. Intensiv, krass, kulturell wichtig und von gesellschaftlicher Relevanz. Das gilt nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt. (Johannes Eichwede / CITY 46)

 

Filmtipp vom 19.11.

Schlaf

D 2020, Regie: Michael Venus, mit Sandra Hüller, 102 Min.

Im Hotel Sonnenhügel, tief in der deutschen Provinz, spielen sich schreckliche Dinge ab – zumindest in den Albträumen, von denen Marlene immer wieder geplagt wird. Nachdem sie herausfindet, wo das Hotel ist, fährt sie spontan dorthin. Doch schon kurz nach der Ankunft am Ort ihrer schlaflosen Nächte erleidet sie einen Zusammenbruch und muss eingewiesen werden. Ihre Tochter Mona findet sie in einem komaähnlichen Zustand in der örtlichen Klinik. Mit den Traumtagebüchern ihrer Mutter ausgerüstet, bezieht Mona selbst ein Zimmer im Hotel, um herauszufinden, was passiert ist. Doch je tiefer Mona in der Geschichte des Sonnenhügels gräbt, desto mehr stößt sie bei den Hotelbesitzern auf Widerstand. Und als sie auch noch von denselben Albträumen heimgesucht wird wie ihre Mutter, vermischen sich Traum und Realität (CITY 46).

Mit seinem Debutfilm greift Regisseur Michael Venus geschickt die emotionalen Motive und die Gewalt des Horrorfilmgenres auf, um sie mit den abgründigen Mythen deutscher Märchenromantik zu verbinden. Das Ergebnis ist ein „leise flirrender und überaus stylisher, gut aussehender Horrorfilm." (Filmdienst).

Ich weiß, dass dieses Genre sicher nicht den Filmgeschmack eines breiten Publikums trifft, wünsche aber allen mutigen und neugierigen Zuschauer*innen einen spannungsvollen Filmabend. (Holger Tepe / CITY 46)