Geld oder Leben / THEMA DES MONATS

„Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft“. Jean-Jacques Rousseau im 18. Jahrhundert

Dass Geld allein nicht glücklich macht und laut Aristoteles allenfalls als Mittel zum Zweck dienen sollte, scheint weltweit vergessen zu sein. Irgendwann wird aus viel Geld Kapital und dann kommt die Gier, zu sehen, was noch geht. Mehr als das, was ein gutes Leben ermöglicht, brauchen wir nicht - eigentlich. Die Kunst ist sicher, die Grenze zu erkennen zwischen Gier und Freiheit. Die Konzentration von Reichtum in den Händen weniger nimmt ständig zu, während Milliarden Menschen mehr schlecht als recht leben. Wenn, wie ein Oxfam-Bericht 2017 zeigt, knapp 51 Prozent des weltweiten Vermögens in den Händen von 1 Prozent der Weltbevölkerung liegt, ist das mehr als schockierend (www.oxfam.de; wikipedia.org; www.taxjustice.net). Wann es genug ist für ein gutes Leben, kann die sechsteilige Reihe mit Spiel- und Dokumentarfilmen nur anreißen.

Fr. 6.9. / 20:30 * mit Einführung

Das Geld

Ein Gymnasiast bringt einen gefälschten Geldschein in Umlauf, um seine Schulden bezahlen zu können. Der Besitzer eines Fotogeschäfts gibt den Schein an den LKW-Fahrer Yvon weiter, der durch die Falschaussagen des Ladenpersonals verurteilt wird und seine Arbeit verliert. Aus finanzieller Not lässt Yvon sich überreden, als Fahrer bei einem Banküberfall mitzumachen. Er wird gefasst, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und nach seiner Entlassung zum Mörder.

Mit diesem Film beendete der 81-jährige Ausnahme-Regisseur Robert Bresson nach 40 Jahren seine Karriere. „Bresson stellt die Mechanismen eines gesellschaftlichen Systems, dessen sichtbarer Gott das Geld ist, in seinem meisterlichen Spätwerk mit der ihm eigenen radikalen Konsequenz dar und verzichtet auf alle Effekte und jeden Anflug von Sentimentalität…. Selten hat ein Alterswerk so verstörend, analytisch und zugleich unversöhnlich die Gesellschaft dargestellt.“(Stefan Krauss, www.arsenal-berlin.de/Das Geld).

L'argent - F/CH 1983, Regie: Robert Bresson, mit Christian Patey, Sylvie Van den Elsen, Vincent Risterucci, 85 Min., frz. OmU

Zum Weiterlesen:

"Das Geld" setzte der seinerzeit 81-jährige Regisseur Robert Bresson 1982 nach 40 Jahren den Endpunkt seiner Karriere. In seinem letzten Film verbindet Bresson wie in fast allen Werken formale Strenge im Einsatz der filmischen Mittel mit einer pessimistischen Weltsicht. /www.prisma.de

Mo. 9.9., Do. 12.9. + Fr. 13.9. / 17:45

Di. 10.9. + Mi. 11.9. / 20:00

Let's Make Money

Was geschieht mit unserem Geld, wenn wir es bei einer Bank deponieren? Hinter der Hochglanzkulisse von Banken und Versicherungen und im Wirrwarr globaler Finanzwirtschaft werden mit den Abermilliarden vor allem Mensch, Natur und Umwelt ausgebeutet. Für ihren Gewinn gehen die Investmentbanker über Leichen. Wenn noch Blut auf den Straßen der Länder liegt, erklärt der Investor Guru Mark Mobius, dann ist der Zeitpunkt für Investitionen besonders günstig. Erwin Wagenhofer zeigte bereits 2008 deutlich und schonungslos, wie quasi jede*r von uns Mitverursacher von Leid und Ausbeutung ist. Sobald wir ein Konto eröffnen, sind wir Teil weltweiter Finanzspekulationen. Mit unserem Geld kann dann im Auftrag der Weltbank ein Dritte-Welt-Staat ruiniert und so politisch gefügig gemacht werden. Oder unsere Altersvorsorge heizt die Immobilienblase in Spanien weiter an. Während sich unser global angelegtes Geld vermehrt, bleiben spanische Bauarbeiter oder afrikanische Bauern selbst arm. Und die Regierungen erleichterten seit den 1970er Jahren über Steuergesetze konstant den Geldfluss für einige wenige Reiche zu Lasten der Gesellschaft. Und so sind wir alle sind direkt von diesem „Ausverkauf“ betroffen, wie Wagenhofer eindrücklich belegt. Ein wichtiger und beängstigender Film.

Österreich 2008, Regie: Erwin Wagenhofer, 107 Min., dt, engl. und frz. OmU

Zum Weiterlesen:

Interview mit Erwin Wagenhofer: www.fuereinebesserewelt.info

"Let’s Make Money" ist Erwin Wagenhofers dokumentarische Kritik am internationalen Finanzsystem, das die Vermehrung von Kapital zum vermeintlich obersten Gebot erklärt hat. www.kino-zeit.de

Do. 19.9. Fr. 20.9. + Di. 24.9. / 18:00

Sa. 21.9. + So. 22.9. / 20:30

Mi. 25.9. / 15:00

Der unverhoffte Charme des Geldes

Der examinierte Philosoph Pierre Paul schlägt sich als Kurierfahrer durch. Pierre Paul ist überzeugt, er sei zu intelligent, um erfolgreich zu sein. Und zu sensibel noch dazu. Eines Tages wird er Zeuge einer Schießerei nach einem Überfall. Zwei Gangster sind tot, ein dritter flieht schwer verletzt. Zurück bleiben zwei Sporttaschen voller Geld, die Pierre-Paul spontan an sich nimmt. . Nach einigen anfänglichen Annehmlichkeiten, die sich der Glückspilz leistet, stellt sich für den eingefleischten Kapitalismusgegner Pierre-Paul bald die Frage: Wohin mit dem vielen Geld? Hinzu kommt, dass auch die Mafia, das Finanzamt und zwei Polizisten seinen plötzlichen Reichtun mitbekommen. Doch mithilfe eines jüngst aus dem Knast entlassenen Finanzgenies, eines Offshore-Bankers und seiner neuen, teuren Freundin Aspasie will Pieere-Paul das System austricksen, in dem nur Geld und Erfolg zählen.
„Denys Arcand („Die Invasion der Barbaren“) macht aus dem Komödienstoff einen sehenswerten Film mit Thrill und Witz: ein modernes, intelligentes Ganovenmärchen, in dem sich Robin Hood und „Pretty Woman“ treffen.“ (Gaby Sikorski, www.programmkino.de)

Chute de l'empire américain – CAN 2018, Drehbuch & Regie: Denys Arcand, mit Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, 128 Min., frz. OmU

Zum Weiterlesen:

„Denys Arcand („Die Invasion der Barbaren“) macht aus dem Komödienstoff einen sehenswerten Film mit Thrill und Witz…www.programmkino.de

So. 22.9. / 20:00 * mit Produzent Thomas Tielsch

Mo. 23.9. / 20:00

Di. 24.9. bis Do. 26.9. / 17:45

Was kostet die Welt

Man braucht ein sonniges Gemüt, um auf der kleinen Insel Sark im Ärmelkanal leben zu können. Von Oktober bis April versinkt Sark im Nebel. Die Menschen hier leben von sanftem Tourismus und Landwirtschaft. Die mit 600 Menschen dünn besiedelte Insel war bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts ein Überbleibsel des britischen Feudalismus. Erst vor zehn Jahren gab es die ersten demokratischen Wahlen. Das Leben war einfach und beruhte mehr auf gegenseitigem Vertrauen als auf Gesetzesvorgaben. Ab 2007 war es damit vorbei. Die britischen Barclay-Brüder entdeckten die Insel und kündigten „Investitionen“ an. Ein Luxusresort solle Sark werden – aber das ist die Insel bis heute nicht. Die Milliardäre kauften vielen Einwohnern ihr Land ab und überschrieben es auf die Virgin Islands – einer Steueroase. Sollte aus Sark auch eine Steueroase werden? Wer bereit war zu verkaufen, an den zahlten die Barclays angeblich jede Summe. Misstrauen breitete sich unter den Bewohnern aus, langsam, wie ein Gift. Bettina Borgfeld hat die Inselbewohner vier Jahre begleitet. Noch ist der Krieg der Barclay-Brüder gegen Sark in vollem Gange. „Sark ist ein Mikrokosmos. Und auf dieser Insel passiert, so sehe ich es, auf engstem Raum, in kürzester Zeit, was sonst bei uns auf dem Globus passiert und was sonst bei uns Jahrzehnte dauert", sagt Borgfeld.

Zur Vorstellung am So. 22.9. zu Gast ist der Produzent Thomas Tielsch (u.a. "An den Rändern der Welt").

D 2018, Regie: Bettina Borgfeld, Produzent: Thomas Tielsch, 91 Min.,  OmU

Mo. 23.9., So. 29.9. + Di. 1.10. / 18:00

Di. 24.9. + Do. 26.9. / 20:30

Sakikos geheimer Schatz

Sakiko arbeitet nicht zufällig als Angestellte einer Bank: Seit ihrer Kindheit ist sie fasziniert von Geld - nicht davon, es auszugeben, sondern es zu besitzen. Sie verfügt bereits über ein veritables Bankkonto, aber ihr einziges Ziel im Leben ist, mehr und mehr Geld anzuhäufen. Eines Tages überfallen zwei Räuber die Bank und nehmen Sakiko als Geisel. Auf der Flucht kommen die Gangster ums Leben, während Sakiko wie durch ein Wunder überlebt. Die Beute gilt fortan als verschollen, doch Sakiko weiß als einzige, dass die Beute auf dem Grunde einer unzugänglichen Schlucht am Fuße des Fujiyama liegt. Und sie will das Geld, immerhin 500 Millionen Yen, unbedingt haben. Ihre Versuche nehmen immer absurdere Züge an.

J 1996, Regie: Shinobu Yaguchi, mit Taketoshi Naitô, Gô Rijû, 83 Min., jap. OmU

Zum Weiterlesen:

Kritik von Silvia Hallensleben / epd film: www.filmzentrale.com

Do. 26.9., Mo. 30.9. + Mi. 2.10. / 18:00

Fr. 27.9. + So. 29.9. / 20:30

Talking Money – Rendezvous bei der Bank

„Über Geld spricht man nicht“, heißt es immer noch oft. Und so muss Sebastian Winkels über 150 Anfragen bei Kreditinstituten stellen, bevor ihm 15 erlauben, bei Beratungsgesprächen zwischen Bankern und Kunden mit der Kamera dabei sein zu dürfen. Von Benin bis Pakistan, von Bolivien bis in die Schweiz beobachtet Winkels konzeptueller Dokumentarfilm diese Gespräche, bei denen es um viel geht. Um sich Geld zu leihen oder anzulegen, müssen die Menschen immer auch persönliche Lebensumstände offenbaren.

„Von der Beraterseite des Tisches aus wirft Regisseur Sebastian Winkels einen ebenso spannenden wie unterhaltsamen Blick auf die unsichtbare Macht des Kapitals, die uns alle verbindet. Er lässt den Zuschauer an einem tragikomischen Machtspiel teilhaben, bei dem Bluff und Pokerface zum guten Ton gehören. Ein Rendezvous bei der Bank kann ein Western sein.“ (Berlinale.de)

D /CH /GEO 2015-2017, Regie: Sebastian Winkels, 87 Min., OmU

Zum Weiterlesen:

Über Geld redet man doch! Simon Hauck in www.kino-zeit.de