Memories / THEMA DES MONATS Oktober

Seit die Hirnforschung mehr und mehr Erkenntnisse über dieses Organ zu Tage bringt, wird auch in Filmen zunehmend reflektiert, welche Leistungen durch unser Gehirn möglich sind oder welche Defizite entstehen können. Die Darstellung oder Dokumentation von Menschen mit Demenz oder anderen Erinnerungslücken ist im Film fast zu einer Art Subgenre geworden. Und sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilme zum Thema Gedächtnis und Erinnerung spielen gerne mit der Frage, ob wir unseren Erinnerungen trauen können. Ebenso waren Filmemacher*innen immer wieder von außerordentlichen Gedächtnisleistungen fasziniert. Und Film war seit jeher ein ideales Medium der Erinnerungskultur, wenn damit zum Beispiel weit zurück liegende Ereignisse festgehalten wurden.

Di. 1.10. / 20:30 * mit Gast: Tanja Meier (DIKS - Demenz Informations- und Koordinationsstelle e.V. Bremen)

Mi. 2.10. / 20:30 * mit Gast: Tobias Opelt (DIKS - Demenz Informations- und Koordinationsstelle e.V. Bremen)

Do. 3.10. + Fr. 4.10. / 18:00

Das innere Leuchten / MEMORIES

Demenz ist eine Diagnose, die für die Betroffenen und ihre Angehörigen alles verändert. Die Erkrankung zu akzeptieren scheint ebenso schwierig, wie ein angemessener Umgang mit ihr. In seinem Debutfilm begleitet Stefan Sick die Bewohner in einem Demenz-Pflegeheim auf der Schwäbischen Alb. „Es kommt was Besonderes!“ Manfred Volz fängt an, ein Lied zu summen, seine Hände dirigieren, dann schließt er die Augen und sieht, vielleicht, sein inneres Leuchten. Manfred und seine Mitmenschen im Heim leben im Hier und Jetzt, Vergangenheit und Zukunft sind in ihrer Welt nicht von Bedeutung. Stefan Sick beobachtet seine Protagonist*innen mit behutsamer Kameraführung und in langen Einstellungen. Dabei zeigt er, ohne jemals vorzuführen, auch die Situationen, die manchmal in Komik münden. Außer Krankheit und Vergesslichkeit sehen wir so auch Schönheit und Würde. Es gibt keine Fragen, Interviews oder Off-Kommentare. So kommt er sehr nah an das heran, was Demenzkranke erleben: eine von allen Erinnerungen befreite Gegenwart.

„Dieser Dokumentarfilm baut Ängste im Umgang mit Demenz ab – es geht um das Mitfühlen und Verstehen.“ www.dokfest-muenchen.de

D 2019, Drehbuch, Kamera & Regie: Stefan Sick, 95 Min.

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Verleihseite: www.dasinnereleuchten-film.de

„Das innere Leuchten“ lief auf der Berlinale 2019 in der Perspektive Deutsches Kino

Interview während der Berlinale bei radioeins Filmmagazin von und mit Knut Elstermann www.radioeins.de

SWR-TV-Bericht zum Berlinale Screening: www.ardmediathek.de

Do. 3.10., Sa. 5.10. + So. 6.10. / 17:45

Mo. 7.10. / 20:30

Auf der Suche nach dem Gedächtnis / MEMORIES

Eric Kandel ist quasi der „Rockstar“ der Neurowissenschaften und der bedeutendste Hirnforscher des 20. Jahrhunderts. Seit mehr als fünfzig Jahren erforscht der Nobelpreisträger das menschliche Gehirn. Für Eric Kandel gibt es „nichts im Universum, das komplexer ist als das menschliche Gehirn – es ist phantastisch." Im Fokus seiner Forschungen stand stets das Gedächtnis. Kandel entdeckte, dass durch Veränderungen der Nervenzellen Erinnerungen möglich werden, und sorgte damit für eine sensationelle Erkenntnis: der Geist ist Materie.

Petra Seegers Film dokumentiert Kandels traumatische Kindheit in Wien während der Nazizeit, den spannenden Laboralltag des Wissenschaftlers an seinem Institut an der Columbia University in New York und führt ins Zentrum seiner Forschungen - dorthin, wo unsere Erinnerungen im Gehirn gespeichert sind. „In cleverer Verknüpfung macht »Auf der Suche nach dem Gedächtnis« den Forscher Eric Kandel und seine Erinnerungen selbst zum Forschungsgegenstand und bringt den Zuschauern anhand ihrer Rekonstruktion seine wissenschaftlichen Ergebnisse nahe. Die Autorin hält sich dabei konsequent im Hintergrund, die Regie scheint ganz bei Eric Kandel zu liegen, der uns wie ein Moderator durch sein Leben führt.“ www.epd-film.de

D 2009, Buch & Regie: Petra Seeger, 95 Min., 35mm, OmU

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Interview mit Eric Kandel: www.wfilm.de

Kritik in epd Film 2009: www.epd-film.de

Do. 3.10., Fr. 4.10. + Sa. 5.10. / 20:30

So. 6.10. + Mo. 7.10. / 18:00

Di. 15.10 + Do. 17.10. / 17:45

Memory Games / MEMORIES

Johannes, Simon, Nelson und Yanjaa sind Gedächtnissportler. Die Erinnerungs-Genies aus Deutschland, Schweden und den Vereinigten Staaten können sich Unmengen von Informationen merken. Yanjaa kann sich innerhalb von 5 Minuten über 400 Bilder merken, Johannes merkt sich in 5 Minuten über 500 Ziffern, Nelson kann sich in kürzester Zeit fast 50 Gesichter und die Namen dazu einprägen. Gerade bereiten sie sich auf die Gedächtnis-WM vor. Durch den Einsatz von Animation erleben wir, wie die Genies einzigartige Visualisierungstechniken verwenden, um sich unglaubliche Datenmengen zu merken.

Gedächtnisleistung ist heute gefragter denn je. Denn vom Smartphone über USB-Sticks, Online-Enzyklopädien und intelligente Kühlschränke wird das Erinnern heute an Maschinen delegiert. Zeit für eine Inventur: wie hat sich die Gedächtnis-Kultur verändert? Wie funktioniert das Erinnern eigentlich und was riskieren wir mit der immer weiteren Verbreitung digitaler Gedächtnisleistung? Wie funktioniert die magische Welt der Erinnerung?

D, USA, SW 2018, Drehbuch & Regie: Janet Tobias & Claus Wehlisch, 85 Min., deutsch, englisch, schwedisch, mongolisch OmU

Fr. 18.10. / 20:30

Sa. 19.10. / 18:00

Di. 29.10. / 17:45

Do. 31.10. / 20:00

Memento / MEMORIES

Leonard Shelby jagt den Vergewaltiger und Mörder seiner Frau. Sein Rachefeldzug wird jedoch von seinem gestörten Kurzzeitgedächtnis behindert. Alle 15 Minuten wird sein Kurzzeitgedächtnis komplett gelöscht. Aber Shelby vergisst nicht seine Mission. Um nicht jedes Mal wieder von vorne beginnen zu müssen, trägt er alle Beweise und Indizien als Tätowierungen und Polaroidfotos bei sich. Doch er weiß nie, ob er die Tattoos oder Bilder auch tatsächlich richtig deutet oder wem er trauen kann. Und doch kann Leonard nicht aufhören mit seiner Suche.

Mit der rückwärts erzählten Rachegeschichte von „Memento“ gelang Christopher Nolan ein so noch nie eingesetzter Spannungsbogen: „… ein besonderer Clou an Nolans Umkehrung der Chronologie ist, dass eine Analogie hergestellt wird zwischen dem Zuschauer, der ständig versucht, sich an die vorherige Szene zu erinnern, und der Hauptfigur Leonard, der auf Grund seiner angeblich real existierenden Form von Amnesie ebenfalls fortwährend versucht, sich gerade erst Erlebtes wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die formale Struktur des Films ist also nicht nur Spielerei, sondern wird zu einer Visualisierung der Psyche seines Helden.“ Kai Mihm in www.epd-film.de

USA 2000, Drehbuch & Regie: Christopher Nolan, mit Guy Pearce, Carrie-Anne Moss, Joe Pantoliano, 116 Min., OmU

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„Es bereitet größte Freude, Memento nach der Vorführung vor dem geistigen Auge nochmals ablaufen zu lassen. Und weil man, passend zur Handlung, schnell feststellt, wie trügerisch und unsicher die eigene Erinnerung sein kann, verspürt man bald das Bedürfnis, sich das Ganze nochmal anzusehen. Was kann man über einen Film Besseres sagen?“ Kai Mihm in www.epd-film.de

Sa. 19.10. + So. 20.10. / 20:30

Di. 22.10. + Di. 29.10. / 18:00

Do. 24.10. / 17:45

They Shall Not Grow Old / MEMORIES

Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg, der 17 Millionen Menschen das Leben kostete und den die Briten bis heute den „Great War“ nennen. Es gibt viele historische Bild- und Tonaufnahmen, die den Alltag der Soldaten in den Schützengräben an der Front dokumentiert haben. Zum 100. Jahrestag veröffentlicht Peter Jackson im Auftrag der BBC „They Shall Not Grow Old“.  Aus dem Stummfilmarchiv des Londoner Imperial War Museums haben Jackson und Editor Jabez Olssen etwas mehr als 90 Minuten Originalfilm aus dem Ersten Weltkrieg extrahiert, diese aufwändig restaurieren, dann kolorieren und anschließend in 3D umwandeln lassen. Statt einer erklärenden Off-Erzählerstimme sind auf der Tonebene ausschließlich Ausschnitte aus Interviews mit Veteranen des Ersten Weltkriegs zu hören. Überdies hat Jackson professionelle Lippenleser eingesetzt und herausgefunden, was die Soldaten auf den historischen Filmaufnahmen gesagt haben. Es sind intensive, erschütternde und tief berührende Eindrücke, die so entstanden sind: „Ständig zwingt der Regisseur den Zuschauer, den Soldaten direkt ins Gesicht zu sehen, lange, sehr lange, immer wieder. Das gab es in dieser Eindringlichkeit noch nie; unvergesslich bleibt das in Todeserwartung flackernde Kindergesicht eines Soldaten, der auf den Befehl wartet, "ins Feuer zu gehen".“ Thomas Assheuer, www.zeit.de.

USA 2019, Regie: Peter Jackson, 99 Min., OmU, FBW-Prädikat:besonders_wertvoll

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Bundeszentrale für politische Bildung - Film des Monats mit Trailer: www.kinofenster.de

Peter Jacksons THEY SHALL NOT GROW OLD verbindet historische Bild- und Tonaufnahmen über den Ersten Weltkrieg und verknüpft sie zu einem filmischen Meisterwerk – radikal nah, zutiefst menschlich und gleichzeitig von hochgradig dokumentarischem Wert.
www.fbw-filmbewertung.com/besonders_wertvoll