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Do. 1.6. + Sa. 3.6. – Mi.7.6. / 20:00

Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens

Seit Che Guevara 1964 auf einer Konferenz in Genf persönlich an Jean Ziegler herantrat, um ihm die große Aufgabe zu übertragen, das „Monster des Kapitalismus“ in Europa zu bekämpfen, kennt der ehemalige Professor, Schriftsteller und internationale Ikone der linken Intellektuellen, nur ein Ziel: eine bessere Welt zu schaffen. Bis heute, mit stolzen 82 Jahren, ist Jean Ziegler noch immer aktiv, sprach 2015 auf der Großdemonstration in München gegen den G7-Gipfel und arbeitet weiterhin in Vorträgen und Büchern am Kampf gegen Management, Hunger und die Macht des Kapitals. Als Ziegler dann endlich auch nach Kuba reist, findet er das Land im großen Wandel vor, weit entfernt von seinen ursprünglichen Grundsätzen.

CH 2016, Regie: Nicolas Wadimoff, 92 Min., frz. OmU

Do. 8.6., Sa. 10.6. bis Di. 13.6. / 20:00

Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

Jungregisseur Julian ist ohne Aussicht auf Förderung oder gar Aufträge. So sitzt er auf den Stufen der Berliner Gemäldegalerie und schmachtet schüchtern den ebenso hübschen wie kunstinteressierten Museumsbesucherinnen hinterher. Da man davon nicht leben kann, heuert Julian als Erntehelfer auf einer Apfelplantage im brandenburgischen Havelland an. Der attraktiven Kanadierin Camille gegenüber behauptet er, diese nicht gerade glamouröse Tätigkeit diene der Recherche für einen Film über kapitalistische Ausbeutung beim Obstpflücken. Umgeben von allerlei skurrilen Figuren und ohne jeden Plan wünscht Julian sich den Kommunismus herbei. Dabei muss er selbstkritisch feststellen: „Sehen wir den Tatsachen ins Auge. Keiner von uns ist zu irgendwas in der Lage.“

D 2017, Regie: Julian Radlmaier, mit Julian Radlmaier, Deragh Campbell, Beniamin Forti, 94 Min.

Do. 15.6. bis Mo. 19.6. / 20:00

6 Jahre, 7 Monate & 16 Tage - Die Morde des NSU

Der Titel beschreibt den Zeitraum zwischen 2000 und 2007, innerhalb dessen der sogenannte „Nationalsozialistische Untergrund“ zehn Morde an Migranten und an einer deutschen Polizistin verübt hat. Darunter zum Vorschein kommt eine filmische Meditation statt einer politischen Anklage. Swobotniks in Schwarz-weiß gedrehter Filmessay verzichtet völlig auf übliche O-Töne in Reportage-Stil oder abfotografierte Interviews. Stattdessen bietet er eine Collage aus Zeitungsmeldungen, Ermittlungsprotokollen, Aussagen von Hinterbliebenen und Fachleuten, die von Schauspielern des Berliner Ensembles gesprochen werden. Dazu zeigt Swobotnik in ruhigen, fast lyrischen Einstellungen Landschaften und ansatzweise auch Tatorte, aber die Verbindung zwischen Text und Bild ist stets eher assoziativ als illustrierend. „Hochreflektierte, formal anspruchsvolle und perspektivreiche Dokumentation...Das Zusammenspiel von Bild- und Tonebene, unterlegt von einem differenzierten und mitunter beklemmenden Soundtrack von Elias Gottstein, macht nicht nur die Monstrosität der Mordserie greifbar, sondern hält auch die in vielfacher Hinsicht längst nicht geklärten Fragen offen, ohne sich im Spekulativen zu verlieren. Sehenswert." Filmdienst

D 2016, Regie: Sobo Swobodnik, 73 Min.

In Kooperation mit der Speicherbühne Bremen und dem Kulturforum Türkei Bremen

Do. 29.6. + Fr. 30.6. / 18:00
Sa. 1.7. / 20:30 mit Regisseurin Asli Özarslan
So. 2.7. bis Mi. 5.7. / 20:30

Dil Leyla

In Cizre, einer kurdischen Stadt an der syrisch-irakischen Grenze, wird 2014 die junge Deutsch-Kurdin Leyla Imret zur jüngsten Bürgermeisterin der Türkei gewählt. Nach 20 Jahren in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen kehrt sie nun in ihren Heimatort zurück. Die Wahl hat sie mit ganzen 81 % der Stimmen für sich entschieden. Bei den Bürger*innen von Cizre beliebt, versucht Leyla Imret, die Stadt wieder aufzubauen und gegen die Unterdrückung der Kurden seitens der türkischen Regierung anzugehen. Als das türkische Militär näher an Cizre rückt, wird Leyla an ihre Vergangenheit erinnert: Als sie fünf Jahre alt war, wurde ihr Vater, ein Mitglied der kurdischen Arbeiterpartei PKK, von türkischen Soldaten getötet.
Leyla İmret wurde im September 2015 wegen angeblicher „terroristischer Propaganda“ und „Anstiftung zur Rebellion“ vom türkischen Innenminister ihres Amtes enthoben und seither wiederholt festgenommen.

TRK/ D 2016, Regie: Asli Özarslan, 71 Min., kurd. türk. OmU