Do. 19.1. / 21:00 * mit Gästen: Naum Kleiman, Katja Nicodemus
So. 22.1. / 18:00

Cinema – A Public Affair

Was können Filme, was kann Kino im günstigsten Fall bewirken? Antworten auf diese komplexe Frage weiß kaum jemand so schön und klug zu formulieren wie Naum Kleiman. Naum Kleiman kennt das filmische Werk von Sergej Eisenstein wie kein anderer, er hatte den Schlüssel zu Eisensteins Wohnung, er war der Leiter des legendären Eisenstein-Archivs und Direktor des russischen Filmmuseums, des „Musey Kino“ in Moskau. Dieses „Musey Kino“ bot neben einem anspruchsvollen Film- und Ausstellungsprogramm Kinobegeisterten Menschen einen Ort für offene Diskussionen über Kultur oder Politik. Doch 2005 wurde das „Musey Kino“ plötzlich geschlossen. Die Mitarbeiter, besonders Naum Kleiman, arbeiten unverdrossen und unter widrigen Umständen weiter. Sie gründeten die „Cinemathek im Exil“. 2014 wurde Naum Kleiman trotz internationaler Proteste vom russischen Kulturminister abgesetzt. Tatiana Brandrup hat nun einen Film über diesen russischen Intellektuellen, Filmhistoriker und Filmkritiker gedreht, über seinen leisen Protest im Kampf um sein Lebenswerk. Für seine Verdienste um den Film wurde Kleiman mit der Berlinale Kamera 2015 ausgezeichnet.

D 2015, Regie: Tatiana Brandrup, mit Naum Kleiman, Maxim Pawlow, Vera Rumyanceva Kleiman, Emma Malaya, Anna Bulgakova, 100 Min., OmU

Fr. 20.1. / 20:30 

Oktober

1917 brodelt es in Petrograd: Der alte Zar Alexander III. ist gestürzt und die Übergangsregierung mit Kerenski bereits an der Macht. Doch für die Bevölkerung ändert sich nichts. Hunger und Elend treiben die wütenden Arbeiter auf die Straße. Lenins Rückkehr aus der Verbannung befeuert den Aufstand der Arbeiter, der von brutalen Kosakenregimentern niederschlagen wird. Doch die Widerstandsbewegung lebt weiter fort. Eisensteins Film über die Oktoberrevolution von 1917 schrieb wegen der Massenszenen Filmgeschichte. Aber auch wegen seiner Montagetechnik, die dem modernen Videoclip ähnelt. Um die Massenszenen dokumentarisch und so authentisch wie möglich wirken zu lassen, drehte Eisenstein an Originalschauplätzen und orientierte sich an zeitgenössischen Bilddokumenten, an Wochenschauaufnahmen und an Aussagen von Zeitzeugen.

UdSSR 1928, Regie: Sergej Eisenstein, mit Wassili Nikandrow, Nikolai Popow, Boris Liwanow, Arbeiter Petrograds, Rotarmisten und Rote Matrosen der Baltischen Flotte, Musik: Edmund Meisel, 102 Min.

Mehr über Sergej Eisenstein und seine Filme:
„Revolutionär des Kinos – Kino der Revolution - Die Filme von Sergej M. Eisenstein....“
http://www.arsenal-berlin.de/kino-arsenal/programmarchiv/einzelansicht/article/591/2804//archive/2006/july.html

Hintergrund zum Film:
„Eisensteins Film Oktober – ein gewaltiger Torso...“
http://www.wsws.org/de/articles/2012/03/eise-m13.html

Oktober:
https://www.edition-filmmuseum.com/index.php/cat/c25_Stummfilme.html/cPath/25/page/2

Sa. 21.1. /18:00
So. 22.1. / 20:30

Pater Panchali

Der kleine Apu wächst in einem indischen Dorf in ärmlichen Verhältnissen auf. Zusammen mit seiner 15 jährigen Schwester Durga streift er durch die Felder und betrachtet staunend den vorbeifahrenden Zug - die einzige Verbindung zur entfernten Stadt. Apus Vater ist ein weltfremder Poet, der davon träumt, Theaterstücke und Gedichte zu veröffentlichen. Die Mutter arbeitet schwer, um die Familie einigermaßen durchs Leben zu bringen. Schließlich gibt der Vater dem Drängen seiner Ehefrau nach und geht in die Stadt, um dort Geld zu verdienen. Selten lässt er von sich hören, kommt dann aber plötzlich zurück, um die Familie zu holen. Satyajit Rays Regiedebüt von 1955 ist ein ungewöhnliches bildgewaltiges Meisterwerk, von dem der japanische Regisseur Akira Kurosawa sagte: "Wer das Kino von Satyajit Ray nicht kennt, lebt in einer Welt, in der es keine Sonne und keinen Mond gibt." Der Film ist der erste Teil der Apu-Trilogie von Satyajit Ray und gilt als eines der bemerkenswertesten Regiedebüts überhaupt und als Klassiker des Indischen Kinos

Indien 1955, Regie: Satyajit Ray, mit Kanu Bannerjee, Karuna Bannerjee, Uma Das Gupta, 120 Min., sw, engl. OmU

Mehr über den Film:
„It was the birth of a cinema, certainly the birth of a new kind of Indian cinema...“
https://www.theguardian.com/film/2010/oct/20/pather-panchali-ray-arthouse

Nachruf auf den Regisseur Satyajit Ray:
http://www.zeit.de/1992/19/im-einzelnen-das-ganze

Mo. 23.1. + Mi. 25.1. / 19:00

Im Lauf der Zeit

  Bruno alias „King of the Road“ repariert Filmprojektoren und bereist mit seinem LKW eine Route entlang der deutsch-deutschen Grenze, und der Psychologe Robert alias „Kamikaze“ ist auf der Flucht vor seiner eigenen Geschichte. Als Robert seinen alten VW geradewegs in die Elbe steuert, wird er von Bruno herausgefischt. Ab da beginnt ihre gemeinsame Reise durch ein deutsches Niemandsland und führt sie von der Lüneburger Heide bis in den Bayerischen Wald.
Der Film wurde von Wenders ohne Drehbuch begonnen. Stattdessen gab es eine Reiseroute, die er vorher erkundet hatte: all die Kleinstädte entlang der Mauer, in denen es in dieser Zeit des großen Kinosterbens noch Lichtspieltheater gab. Der alte Möbelwagen mit den Kinoprojektoren hinten drin wird zu einer Metapher für die Filmgeschichte. Nicht umsonst ist der Film Fritz Lang gewidmet.

BRD 1975/ 76, Regie: Wim Wenders, mit Rüdiger Vogler, Hanns Zischler, 175 Min.