FILM DES MONATS

Es gibt sie, diese Momente, in denen das Licht im Kinosaal langsam wieder angeht und wir noch lange sitzen bleiben, weil wir wissen, dass wir gerade etwas wirklich Außergewöhnliches gesehen haben. Manche Filme wirken in uns nach – auch noch lange nach dem Kinobesuch. Unser Film des Monats ist die monatliche Empfehlung unserer Programmmacher*innen: Individuell ausgewählte Filme, die uns besonders beeindruckt haben. Einige, weil sie auf bemerkenswerte Weise aktuell relevante Themen verhandeln und unsere Sicht verändern, andere, weil sie sich durch eine außergewöhnliche Ästhetik auszeichnen, emotional berühren oder neugierig auf das Werk aufstrebender Filmschaffender machen. Der Film des Monats ist häufig aktuell, muss es aber nicht sein – auch Klassiker und neu entdeckte Filmschätze vergangener Jahre und Jahrzehnte finden ihren Platz.

Sa. 1.2., Fr. 2.2., Sa. 8.2. bis So. 10.2., Mi. 26.2. + Do. 27.2. / 17:30

Mo. 3.2., Fr. 7.2., Mo. 24.2. + Di. 25.2. / 20:00

Mi. 12.2. / 15:00

Mo. 17.2., Mi. 19.2. + Do. 20.2. /20:30

Sa. 22.2. + So. 23.2. / 18:00

Queen & Slim / Film des Monats

Am Anfang steht ein harmloses Tinder-Date von Queen, einer jungen Anwältin, und Slim, einem tief gläubigen jungen Mann. Auf der gemeinsamen Heimfahrt im Auto werden sie dabei von einem Polizisten angehalten. Die Verkehrskontrolle eskaliert schnell, der Polizist beleidigt und misshandelt das afroamerikanische Paar. In Notwehr erschießt Slim ihn. Da Angela als Anwältin weiß, was ihnen, als Schwarze in Amerika blüht, wenn sie sich der Polizei stellen, flüchtet das unfreiwillige Paar Richtung Florida und Kuba. Allerdings wurde der Vorfall von einer Kamera aufgezeichnet — und die Aufnahmen gehen viral.

Was zu Beginn von „Queen & Slim“ unbescholtenen schwarzen Menschen passiert, ist US-amerikanische Alltäglichkeit und Gegenstand der Black-Lives-Matter-Kampagnen. Melina Matsoukas bedient in ihrem Spielfilmdebut jedoch nicht die vornehmlich auf Spannung ausgelegten Klischees einer Verfolgungsjagd. „Sie entfaltet in diesem Roadmovie eine große poetische Kraft, die weit mehr ist als politische Polemik. In den meist nächtlichen Fahrten durch Amerika, in den vielen Begegnungen, in Ablehnung und Solidarität, öffnen sich ihre Figuren, geben sehr glaubhaft Ängste und bittere Erfahrungen preis. Das liegt nicht zuletzt am wunderbaren Spiel von Daniel Kaluuya („Get Out“) und Jodie Turner-Smith, die diesem Paar eine verletzliche Menschlichkeit schenken, die in kein Heldenschema passt.“ (Knut Elstermann www.radioeins.de). Eine Schlüsselrolle im Film spielt auch der Soundtrack - Matsoukas drehte bisher Musikvideos für Rihanna und Beyoncé.

USA 2019, Regie: Melina Matsoukas, mit Daniel Kaluuya, Jodie Turner-Smith, Chloë Sevigny, 132 Min., OmU

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„Selten war ein Film so weit entfernt von der bundesdeutschen Realität wie „Queen & Slim“, eine Art schwarzer „Bonnie & Clyde“, die Geschichte eines schwarzen Paares auf der Flucht, verfolgt vom weißen System, von alltäglicher Polizeigewalt, von Rassismus und Diskriminierung. Ist das ein rundum gelungener Film? Nein. Doch jeder, der sich für die gesellschaftlichen Zustände Amerikas interessiert sollte Melina Matsokas Film sehen.“ Michael Meyns auf Programmkino.de

„Fast überall wird dieser Film mit Bonnie & Clyde verglichen, dabei hat er viel mehr gemein mit Thelma & Louise. Die beiden Hauptfiguren sind nämlich kein raubendes, in Serie mordendes Gangsterpärchen auf der Flucht, was natürlich auch romantisch sein kann. Sondern sie sind zwei eigentlich unbescholtene schwarze Menschen in den USA, die nur deswegen fliehen müssen, weil sie aus einer tragischen Verkettung heraus (struktureller Rassismus + Polizei-Schikane + eine im richtigen oder eben im falschen Moment auf der Straße liegende Pistole) jetzt einen Polizisten auf dem Gewissen haben. Notwehr. So wie einst auch bei Thelma und Louise.“ Jan Kedves auf zeit.de