Depri-Dienstag. Begegnungen mit Depression und affektiver Störung

Wir teilen unsere Beziehungen und Gefühle zunehmend in bestimmte, voneinander abgesonderte Lebensbereiche ein und verlernen dadurch, mit Krankheit und Erkrankten umzugehen und Krankheit wie Gesundheit als Teil des Lebens anzuerkennen. Depression, mit der aber viele leben lernen müssen, ist in dieser Beziehung ein einzigartiges Paradox, das die gesellschaftlichen und kulturellen Praktiken des Gesundseins herausfordert.

Am Depri-Dienstag zeigen wir ausgewählte und seltene Filme zu Depression und affektiven Störungen, die sich dieser Problematik stellen: Aufklärend und ergreifend, sind die Vorführungen im Sinne einer differenzierten, mediengerechten Betrachtung eingebettet in Publikumsgespräche mit Experten aus der Depressionsarbeit im gesundheitlichen und kulturellen Metier. Das Programm lädt Interessierte dazu ein, von der gemeinsamen Filmerfahrung aus ins Gespräch mit Betroffenen, mit Angehörigen und Experten zu kommen, und beleuchtet unser gesellschaftliches und familiäres Miteinander. So mag der Blick für eine persönliche, wie auch kulturelle Bedeutung der Erkrankung sensibilisiert werden, um Depression auch im größeren Kontext verstehbar zu machen.

Die Filmreihe vermittelt Forschungsansätze des laufenden Promotionsprojekts „Die ästhetische Dimension der Mental Illness“, das von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert wird. Das Programm ist eine Kooperation mit dem Institut für Kunstwissenschaft – Filmwissenschaft – Kunstpädagogik, Universität Bremen. Schirmherrin der Filmreihe ist die Bremer Senatorin für Gesundheit, Wissenschaft und Verbraucherschutz, Frau Prof. Dr. Quante-Brandt.

Ticket-Plus
Wir sammeln Spenden für den gemeinnützigen Verein „Freunde fürs Leben“, der sich der Suizidprävention und gesundheitlichen Aufklärung über Depression und Suizid bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen verschrieben hat. Für Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit zertifiziert, setzen sich die „Freunde fürs Leben“ für die Aufklärung über frühzeitige Anzeichen für Depression ein und dafür, Depression auf die gesundheitspolitische Agenda der Bundesregierung zu bringen. Mehr Informationen unter www.frnd.de.

Lass Dir helfen
Wenn Du Dir Sorgen um Dein seelisches Wohlergehen machst, ist es das Beste, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Sprich mit Personen deines Vertrauens, deinem Hausarzt oder bei Beratungshotlines:

Notfall-Seelsorge: 0800 - 111 0 111 (ev.) / 0800 – 111 0 222 (kath.)
Muslimische Seelsorge 030 443 509 821

Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe: 0800 – 3344533
Für Kinder und Jugendliche: 0800 - 111 0 333
Sozialpsychiatrischer Dienst, Gesundheitsamt Bremen: 0421/ 790 333 10
Innere Mission Bremen: 0421 34967-0
Telefonhilfe für Trauernde: 0700 - 70 40 04 00

Wenn Du Dir Sorgen um eine Freundin oder einen Freund machst, findest Du bei den „Freunden fürs Leben“ hilfreiche Tipps: https://www.frnd.de/du-kennst-jemanden-der-sich-umbringen-will-2/


          

Di. 4.12. / 20:30 * Mit Gast: Marion Müller (Jacobs University Bremen)

Do. 6.12., So. 9.12., Mo. 10.12. + Mi. 12.12. / 17:45

Silver Linings / DEPRI-DIENSTAG

Nachdem er aus der Nervenklinik entlassen wird, versucht Pat, die zerbrochene Beziehung zu seiner Ex Nikki wiederherzustellen. Dabei hilft ihm die emotional instabile, unangepasste Tiffany die von ihm im Gegenzug verlangt, ihr Partner bei einem Tanzwettbewerb zu sein. Weil Pats gewaltvolle Vorgeschichte und sein abergläubischer Vater sich ihm wiederholt in den Weg stellen, spitz sich die Situation bis zum Abend der Tanzaufführung, bei der auch Nikki zugegen sein wird, jedoch immer weiter zu.
Ein gelungenes Beispiel für einen humorvollen Umgang mit Depression und ein wichtiger Beitrag zum unterrepräsentierten Thema von affektiver Störung bei Männern.

Mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Gewinner des 37. Toronto International Film Festival (TIFF); Oscar für Jennifer Lawrence (2013, Beste Hauptdarstellerin).

SILVER LININGS PLAYBOOK - USA 2012, Regie: David O. Russell, mit Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro, 122 Min., OmU

»Mit seiner unprätentiösen Realitätsnähe, seinem Vertrauen, dass kleine Leute und Alltagssituationen interessant genug sein können, wenn man ihnen nichts überstülpt, sichert sich der Film scheinbar mühelos Sympathien.« (Vollständige Kritik / Kino-Zeit)

IM RAHMEN DER FILMREIHE WURDEN IN DEN VERGANGENEN MONATEN BEREITS GEZEIGT:

Di. 13.11. / 20:30 * Mit Gast: Sebastian Burger (Künstlerischer Leiter der MUT-TOUR Deutschland)

Mi. 14.11. / 18:00

Oslo, 31. August / DEPRI-DIENSTAG

Da Anders bald die Entzugsklinik verlassen wird, soll ihm ein Vorstellungsgespräch bei einer Zeitung eine neue Perspektive geben. Bei dem Freigang realisiert er jedoch die Folgen seines Lebensstils. Er findet sich auf einer Party wieder und verliert sich erneut in der oberflächlichen Leichtigkeit des Lebens. OSLO, 31. AUGUST balanciert hoch verdichtet und stilistisch klar zwischen Sprachlosigkeit und Sprache, Menschenporträt und Stadtlandschaft. Es ist ein stiller Film ohne Empörung, ohne Weinerlichkeit. Ein freundlicher Film ohne Hoffnung, ein heller Film über die Verzweiflung.“ (Frankfurter Rundschau)
Wie Malles Film Das Irrlicht basiert auch dieser Film auf dem Roman Le feu follet von Pierre Drieu la Rochelle, in dem er den Freitod seines Freundes, des Surrealisten Jacques Rigeaut, verarbeitet.

NOR 2011, R: Joachim Trier, mit Anders Danielsen Lie, Hans Olav Brenner, Ingrid Olava, 96 Min., norweg. OmU

»Wer sagt denn, der Existenzialismus sei Geschichte? In Kinobildern, denen die Farben auslaufen, geht ein junger Mann dem Tod entgegen: Joachim Triers „Oslo, 31. August“ erzählt die ausweglose Geschichte eines Mannes, der nirgends dazugehört.« (Vollständige Kritik / FAZ)

»Aber leben, nein danke! Der norwegische Regisseur Joachim Trier liefert mit "Oslo, 31. August" die fesselnde Charakterstudie eines suizidalen Mittdreißigers. Obwohl der Film radikal subjektiv von einem einzigen Tag erzählt, zeigt er die Lebenslügen einer ganzen Generation.« (Vollständige Kritik / Spiegel Online)

»Trier erzählt diese Geschichte eines angekündigten Todes mit bestechender Klarheit. Anders’ Sarkasmus hält den Zuschauer stets auf Distanz. (Vollständige Kritik / epd-Film)

Zu OSLO, 31. AUGUST und DAS IRRLICHT (Depri-Dienstags-Film im Oktober):
»Oslo, 31. August ist angelehnt an den 1931 erschienenen Roman Le feu follet (Das Irrlicht) von Pierre Drieu La Rochelle. Anfang der sechziger Jahre wurde das Buch schon einmal verfilmt, von Louis Malle. Oslo, 31. August und Das Irrlicht – fast ein halbes Jahrhundert liegt zwischen diesen beiden Filmen. Im gesellschaftskritischen Geist der sechziger Jahre knüpft Louis Malle die Isolation seines Helden an die Ablehnung einer spätbürgerlichen Dekadenz. Joachim Trier zeigt, dass es auch jenseits der Zeiten und Gesellschaften eine Berechtigung gibt zur Melancholie, zum unaufhaltsamen, mysteriösen, traurigen Weg in die Dunkelheit.« (Vollständiger Artikel / Zeit-Online)

Di. 16.10. / 20:30 * Mit Gast: Tanja Salkowski (Radio Sonnengrau Lübeck)

Das Irrlicht / DEPRI-DIENSTAG

Der rebellische Lebemann Alain Leroy lässt sein junges Leben Revue passieren: Alkohol, Frauen, Intellektualismus und das süße Nichtstun geben sich mit Haltlosigkeit und innerer Leere die Hand. Es beginnt eine Odyssee, die ihn an die Grenzen des französischen Existenzialismus, an die Grenzen der Freundschaft und seiner eigenen Haltung zum Leben bringt. Dies alles zu einem Soundtrack von Erik Satie.

Im Umfeld der französischen Kinostilrichtung »Nouvelle Vague«, dem der Filmemacher Louis Malle häufig zugerechnet wird, gilt Malle selbst als Lone Wolf. Mit der Inszenierung von Leroys Geschichte verfestigte Malle seinen Stil, der bis heute Einfluss auf Filmemacher wie Wes Anderson ausübt.

Le feu follet, F 1963, R: Louis Malle, mit Maurice Ronet, Jeanne Moreau, Yvonne Clech, 108 Min., frz. OmU

»Selten hat es wohl einen Film gegeben, der so überzeugend und identifikationsstiftend von Todessehnsucht erzählt. Ein Filmschatz.« (Vollständige Kritik / Kino-Zeit)

»Louis Malle entschlüsselt das Leben der oberen Zehntausend als aufgesetzte Farce, als leere Hülle und trauriges Dahinvegetieren. Das Irrlicht funktioniert heute genauso gut, wie im Jahr seiner Entstehung 1963.« (Vollständiger Artikel / Kino-Zeit)

»Louis Malle, ein Meister des psychologischen Kinos, entwickelte nach dem Roman von Drieu La Rochelle das bitterböse Porträt eines jungen Mannes, der die Gesellschaft für seine Probleme verantwortlich macht und aus seiner narzisstischen Verweigerungshaltung heraus Selbstmord begeht.« (Vollständiger Artikel / Prisma)

 

Zu DAS IRRLICHT und OSLO, 31. AUGUST (Depri-Dienstags-Film im November):
»Oslo, 31. August ist angelehnt an den 1931 erschienenen Roman Le feu follet (Das Irrlicht) von Pierre Drieu La Rochelle. Anfang der sechziger Jahre wurde das Buch schon einmal verfilmt, von Louis Malle. Oslo, 31. August und Das Irrlicht – fast ein halbes Jahrhundert liegt zwischen diesen beiden Filmen. Im gesellschaftskritischen Geist der sechziger Jahre knüpft Louis Malle die Isolation seines Helden an die Ablehnung einer spätbürgerlichen Dekadenz. Joachim Trier zeigt, dass es auch jenseits der Zeiten und Gesellschaften eine Berechtigung gibt zur Melancholie, zum unaufhaltsamen, mysteriösen, traurigen Weg in die Dunkelheit.« (Vollständiger Artikel / Zeit-Online)

Di. 25.9. / 20:30 * mit Einführung von Tobias Dietrich und Gast Jan-Paul Koopmann (taz-Redakteur)

Mi. 26.9. + Do. 27.9. / 20:30

12 Tage / DEPRI-DIENSTAG

Nach einem französischen Gesetz aus dem September 2013 hat jeder Mensch, der ohne Einverständnis in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen wird, das Recht auf eine richterliche Beurteilung nach zwölf Tagen. Bei der Anhörung werden die Menschen mit einer juristischen und klinischen Sprache konfrontiert, die sie nicht sprechen.
Die zurückhaltende Dokumentation des vielfach prämierten Fotojournalisten und Filmemachers Raymond Depardon beleuchtet die Praktiken heutiger Internierung an den Grenzen der juristischen, medizinischen und moralischen Rechtfertigbarkeit. „Nie zuvor hat man solche Bilder aus einer Psychiatrie gesehen, wie Depardon sie in einer Einrichtung in Lyon eingefangen hat.“ (epd Film)

12 Jours, F 2018, R: Raymond Depardon, 86 Min., frz. OmU