Licht & Schatten / THEMA DES MONATS Dezember

Der Dualismus der Begriffe Licht und Schatten ist für das Leben an sich und auch für das Medium Film von essentieller Bedeutung. Seit es Film gibt arbeiten Filmemacher*innen auf technischer Ebene und als Stilmittel in der künstlerischen Ausgestaltung mit hell und dunkel, mit Licht und Schatten. Zu seinem Abschied aus dem Kommunalkino Bremen hat Karl-Heinz Schmid ein Programm kuratiert, das diesen Dualismus auf verschiedene Arten aufgreift.

Der österreichische Film „Licht“ von Barbara Albert erzählt die Geschichte der 18-jährigen Resi Paradis im Wien des 18.Jahrhunderts. Resi ist eine hochbegabte Pianistin ist, obwohl sie seit ihrer frühen Kindheit blind ist. Als sie ihr Augenlicht zurückbekommt, ändert sich ihr ganzes Leben. Im deutsch-österreichischen Science Fiction Film „Hell“ hat die Sonne die Erde so ausgetrocknet, dass die Not die Menschen in einen existentiellen Kampf um letzte Wasserressourcen zwingt. „Hollands Licht“ wiederum führt in die grüne Landschaft der Niederlande mit ihrem besonderen Licht, welches in der Kunst unseres Nachbarlandes seinen Widerhall fand. Um dieses besondere Licht geht es in „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, der die Geschichte des jungen Mädchens Griet erzählt, das für Vermeers gleichnamiges Bild Modell gesessen haben könnte. Kameramann Eduardo Serra gelang es, das Licht von Vermeers Bildern auf die Kinoleinwand zu zaubern. Der Stummfilm „Schatten – eine nächtliche Halluzination“, in dem ein eifersüchtiger Ehemann seiner Ehefrau misstraut, erzählt virtuos und mit expressionistischen Mitteln von Täuschung, Erotik und Psychologie.

Mo. 2.12. / 20:00 * mit Einführung von Karl-Heinz Schmid

Do. 5.12. / 20:30

Fr. 6.12. / 20:00

Sa. 7.12. / 18:00

Licht / LICHT & SCHATTEN

Wien zu Zeiten Kaiserin Maria Theresias im späten 18. Jahrhundert: Die junge Maria Theresia von Paradis – genannt Resi – ist ein gefeiertes Wunderkind am Klavier. Dass sie seit ihrem dritten Lebensjahr blind ist, scheint ihrer Virtuosität nicht im Wege zu stehen. Im Gegenteil macht ihre Blindheit ihr Talent noch viel außergewöhnlicher. Von der feinen Gesellschaft wird sie angeglotzt wie ein Zirkustier: »Schön ist sie ja nicht.« – »Aber spielen kann sie!«. Resi leidet unter ihrer Blindheit und wird schließlich 1777 in die Pflege des Wunderheilers Franz Anton Mesmer gegeben. Tatsächlich bewirkt Mesmers Therapie bei Resi schnelle Fortschritte, und auch die Gesellschaft anderer Leidensgenoss*innen sowie die Freundschaft mit der Dienstmagd Agnes scheinen ihr gut zu tun. Doch mit dem Zunehmen ihrer Sehkraft schwinden zugleich Resis virtuose Fähigkeiten am Klavier.

„Der Film zeigt im höchsten Maße realistisch das höfische Leben dieser Zeit, das von Oberflächlichkeit und eitlem Standesdünkel geprägt war. Darunter leiden beide Hauptfiguren gleichermaßen. Sowohl Maria Theresia, die als Ausgestoßene behandelt wird, als auch Mesmer, der mit seiner Methode die Heilkunst revolutionierte, aber von den Kollegen mit Neid und Ausgrenzung bestraft wurde… Die Entdeckung des Films ist Maria Dragus: Sie stellt Paradis‘ Blindheit dermaßen authentisch dar, dass man ihr als Betrachter tief beeindruckt folgt.“ FBW-Jury

Mademoiselle Paradis - AT / D 2017, Regie: Barbara Albert, mit Maria Dragus, Devid Striesow, FBW-Prädikat: besonders wertvoll, 97 Min.

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Homepage: http://www.lichtderfilm.de

 

Regisseurin Barbara Albert:

Als ich der Figur der Maria Theresia Paradis das erste Mal begegnet bin, war ich sofort von ihr eingenommen. Die hochbegabte und sensible, von ihren ehrgeizigen Eltern und der Gesellschaft herumgeschubste, vermeintlich unattraktive Resi hat mich berührt und fasziniert – wie auch die Einblicke in die bürgerliche und aristokratische Welt des Wiener Rokoko. So erzählt LICHT (MADEMOISELLE PARADIS) von einem gesellschaftlichen System, das auf Verhinderung und Unterdrückung aufgebaut ist - und von Frauen, die versuchen, damit zurecht zu kommen und ihren eigenen Raum und ihre Freiheit innerhalb dieser restriktiven Strukturen zu finden… http://licht-paradis-film.com/regiestatement

Do. 10.12. / 19:30 * mit Einführung von Karl-Heinz Schmid

Mi. 11.12. / 20:30

Sa. 14.12. + So. 15.12. / 17:30

Hell – Die Sonne wird euch verbrennen / LICHT & SCHATTEN

Einst spendete sie Leben, Licht und Wärme. Doch nun hat die Sonne die Erde mit ihrer entfesselten Strahlkraft in verdorrtes, lebloses Ödland verwandelt. Deutschland im Jahr 2016 ist nicht verschont geblieben. Es gibt keine Regierungen mehr, keine Staaten oder Gesellschaften. Nur wer sich gegen das blendende Licht der Sonne schützt, hat eine Chance zu überleben. Wie Marie, die mit ihrer kleinen Schwester Leonie und Phillip in einem abgedunkelten Auto Richtung Gebirge fährt. Dort, so heißt es, soll es Wasser geben! Es ist eine verzweifelte Irrfahrt ins Nirgendwo. Unterwegs lesen sie Tom auf. Er erweist sich als perfekter Mechaniker und ist unentbehrlich. Doch kann man ihm auch wirklich trauen? Die Anspannung in der kleinen Gruppe wächst. Dann werden die Vier in einen Hinterhalt gelockt. Der Überlebenskampf beginnt.

D/CH 2011, Regie: Tim Fehlbaum, mit Hannah Herzsprung, Lars Eidinger, 89 Min.

Auszeichnungen

Deutscher Kamerapreis 2012 für Schnitt Kinospielfilm & Kamera Kinospielfilm

Filmpreis in Gold 2012 für Beste Filmmusik

 

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„Auch ästhetisch bietet Hell grundsolide Arbeit, die Atmosphäre ist geprägt von Hitze und Helligkeit, die Bilder sind manchmal so durchflutet von dem gleißenden Licht, dass das Geschehen nur noch schemenhaft wahrnehmbar ist. Der Film kommt im Grundton ruhig daher, fast scheint es so, als wäre es zu heiß, um sich schneller zu bewegen. Auch der Ton, beziehungsweise die Stille überzeugt und trägt zur glutheißen, apokalyptischen Atmosphäre bei.“ www.kino-zeit.de


Regisseur Tim Fehlbaum ist mit seinem Langfilmdebüt ein beeindruckender deutscher Endzeitthriller mit klaustrophobisch anmutenden Bildern gelungen, bei dem die Hitze der Sonne und die stets drohende Lebensgefahr für die Protagonisten dem Zuschauer regelrecht körperlich nahe gehen. FBW Prädikat: besonders wertvoll

Do. 12.12. / 20:00

Fr. 13.12. / 20:00 * mit Einführung von Karl-Heinz Schmid

Sa. 14.12. + So. 15.12. / 20:30

Hollands Licht / LICHT & SCHATTEN

Ist das niederländische Licht wirklich so magisch und besonders, oder ist es nur ein Mythos? Die Faktoren Licht und dessen Wirkung waren seit dem 17. Jahrhundert die wichtigsten Pfeiler der darstellenden Kunst. Die Niederländer Vermeer und Mondriaan sind nur einige unter vielen berühmten Vertretern, die das spezielle, einzigartige Licht eingefangen haben. Künstler Joseph Beuys behauptete, das spezielle Licht der Niederlande hätte in den 1950ern ein Ende gefunden, als Meer in Land umgewandelt wurde. Pieter-Rim de Kroon greift Beuys These und die sich draus ergebenen Fragen auf und stellt sie Künstlern, Wissenschaftlern und Historikern in den Niederlanden, der Provence und in der Wüste Arizonas: Was genau ist niederländisches Licht? Ist es wirklich anders als überall sonst auf der Welt?

Dutch Light - NL 2003, Regie: Pieter-Rim de Kroon, 91 Min., OmU

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Zur Website des Regisseurs Pieter-Rim de Kroon (in engl):

https://www.pieterrimdekroon.com/film-detail/dutch-light-2/

Mi. 18.12. / 20:00 * mit Livemusik-Begleitung durch Ezzat Nashashibi

Schatten – eine nächtliche Halluzination / STUMMFILM MIT LIVEMUSIK

Keinen Schritt kann eine arme Ehefrau machen, ohne dass ihr krankhaft eifersüchtiger Gatte sie überwacht. Bei einer abendlichen Feier glaubt er, endlich den Beweis ihrer Untreue zu bekommen: Auf einer Gardine zeichnet sich ihr Schatten ab, der von gierigen Männerhänden abgetastet wird. Ein anwesender Schausteller bekommt diese (Selbst)Täuschung mit und möchte den Anwesenden die Wahrheit vor Augen führen. Er hypnotisiert die abendliche Gesellschaft und entlarvt mit Schattenspielen und Spiegeln die Trugbilder, genährt aus den Begierden und Ängste der Einzelnen.

Einer der großen expressionistischen Stummfilme entfaltet – ohne Zwischentitel – seine Wirkung allein durch das Zusammenwirken der Kameraarbeit von Fritz Arno Wagner und dem grandiosen Ensemble um Fritz Kortner. Kortners Interpretation des Gatten bewegt sich dabei fließend von naiver Verliebtheit zum fratzenhaften Wahn, bis sich der Bann am Ende löst.

D 1923, Regie Arthur Robison, mit Fritz Kortner, Ruth Weyher, Gustav von Wangenheim, ca. 85 Min.

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Ausführliche Informationen zum Film
https://absolutmedien.de/film/3009/Schatten

 

»Dieser Film, von dem in Deutschland aufgewachsenen Amerikaner Robison gedreht, zeigt meisterhaft den im romantischen und expressionistischen deutschen Stummfilm zur Vollendung entwickelten dramaturgischen Gebrauch von Licht, Schatten und Spiegeln.« DIE ZEIT

Über den Regisseur Artur Robison:
Geboren 1883 in Chicago als Sohn eines Deutsch-Amerikaners. Studiert Medizin in München und arbeitet als Bühnenschauspieler. Inszeniert mit NÄCHTE DES GRAUENS (1916) seinen ersten Film. Stirbt 1935 in Berlin kurz nach Ende seines letzten Films DER STUDENT VON PRAG.

Weitere Filme (Auswahl): PIETRO, DER KORSAR (1925), DER LETZTE WALZER (1927), MACH’ MICH GLÜCKLICH (1935) www.viennale.at

Do. 26.12. + Fr. 27.12. / 20:00

Sa. 28.12. / 17:30

Das Mädchen mit dem Perlenohrring / LICHT & SCHATTEN

Delft 1665: Um ihre Eltern zu unterstützen, tritt die junge Griet eine Stellung im kinderreichen Haushalt des Malers Jan Vermeer an. Die Stimmung im Haus ist angespannt: Vermeers Frau Catharina ist wieder schwanger und wird im Haushalt von ihrer strengen Mutter unterstützt. Unbeugsam wacht die Schwiegermutter zudem über Aufträge und Marktwert des schweigsamen, obsessiven Meisters.

Der entdeckt bald ein intuitives Verständnis für sein Werk bei der stillen Magd mit der weißen Haube und bezieht sie zum Unmut der Familie mehr als sich geziemt in seine Kunst ein. Als schließlich Vermeers reicher Sammler ein Porträt der schönen Dienstmagd in Auftrag gibt, kommt es zum Eklat zwischen dem Künstler und dessen eifersüchtiger Frau. Griet verlässt das Haus. Zurück bleibt das zarte, verheißungsvolle Bildnis einer jungen Frau. »Das Mädchen mit dem Perlenohrring« ist das berühmteste Bild von Jan Vermeer van Delft. Wer das Modell gewesen sein könnte, darüber ersinnt Peter Webber in seinem Debütfilm eine Phantasie, die der bekannte Kameramann Eduardo Serra mit Licht wie in einem Bild von Vermeer gestaltet.

Girl with a Pearl Earring – GB, Luxemburg 2003, Regie: Peter Webber, mit Scarlett Johansson, Colin Firth, Cilian Murphy, 101 Min., OmU

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Über die Entstehung dieses Gemäldes schrieb Tracy Chevalier (*1962) den weitgehend frei erfundenen Roman „Girl with a Pearl Earring“, der 1999 veröffentlicht wurde… Peter Webber – der selbst sechs Semester Kunstgeschichte studiert hatte – verfilmte die literarische Vorlage: „Malerei war immer wichtig für mich. Als Filmemacher haben wir doch die gleichen Probleme wie die Maler: Komposition, visuelles Storytelling, Ausleuchtung, Kadrierung. Bei den Filmen kommt halt die Bewegung dazu.“ Peter Webber - www.dieterwunderlich.de


Es ist eine wunderbar gezeichnete Nähe, die Webber zwischen seinen Protagonisten entstehen lässt, eine Beziehung, deren Sexualität sich völlig ins Symbolische verlagert. Johanssons Körper wird nicht, wie erst Anfang des Jahres in Sofia Coppolas großartigem „Lost in Translation“, zum Ornament, wird nicht ausgestellt, sondern wird verhüllt in den historischen Kostümen und so gänzlich auf das Gesicht reduziert www.filmzentrale.com