Neues Norwegisches Kino / JAZZAHEAD 2019

Das skandinavische Land ist das diesjährige Partnerland der internationalen Fachmesse „Jazzahead!“ und wird im April in Bremen mit zahlreichen Veranstaltung präsentiert.

Das CITY 46 beteiligt sich mit drei neuen Filmen, die auf sehr unterschiedliche Art Einblick in den Alltag. Ergänzt wird das Programm durch einen Klassiker des norwegischen Stummfilms von 1927: „Der Troll-Elch“.

 

Jazzahead vom 25. – 28. April 2019: https://jazzahead.de/de/events/

 

Über Norwegens Filmszene:

Di. 2.4. / 20:30

So. 7.4. / 18:00

Der blinde Fleck / JAZZAHEAD 2019

Zuerst sieht alles vollkommen normal und unbedenklich aus: Ein Mädchen im Teenager-Alter wird von einer Schulfreundin nach dem Sport nach Hause begleitet, macht sich etwas zu essen und ruft vor dem Zubettgehen noch ihren Vater an, um ihm gute Nacht zu wünschen. Und mit einem Mal bricht die Katastrophe in das Leben der Eltern ein. „Ich wollte, dass die Schauspieler in Echtzeit in der Situation sind“, sagt Regisseurin Tuva Novotny. „Es sollte so authentisch wie möglich sein.“ Der Film wurde ganz ohne Schnitte in einer einzigen Einstellung gedreht. Die Echtzeit schafft einen schmerzhaften Realismus, der etwas sichtbar macht, was man viel zu selten wahrnimmt. Der titelgebende „Blinde Fleck“ ist die stille Verzweiflung, die man den Jugendlichen nicht ansieht, weil sie sie nicht zeigen.

N 2018, Regie: Tuva Novotny, mit Pia Tjelta, Anders Baasmo Christiansen, 98 Min., OmengU

Di. 9.4. / 20:30

So. 14.4. / 18:00

Going West / JAZZAHEAD 2019

Kaspers kürzlich verstorbene Mutter hat leidenschaftlich gern Quilts genäht. Nun ist ihre letzte Decke für einen Wettbewerb qualifiziert, der an der Westküste Norwegens stattfindet. Damit beginnt eine ungewöhnliche Reise: Mit einem Zelt und einer Moto Guzzi machen sich Kasper und sein Vater auf den Weg. Die beiden haben sich nicht viel zu sagen, doch in ihrer Trauer sind sie einander tief verbunden. Das ebenso tragische wie komische Roadmovie erzählt, wie die zwei aus jeder skurrilen Begegnung auf ihrem Weg neue Kraft für das Weitermachen nach einem schweren Schicksalsschlag ziehen.

N 2017, Regie: Henrik Martin Dahlsbakken, mit Benjamin Helstad, Ingar Helge Gimle Iben Akerlie, 79 Min., OmengU

Di. 16.4. / 20:30

So. 21.4. / 18:00

Per Fugelli / JAZZAHEAD 2019

Der Allgemeinarzt und Professor für Sozialmedizin Per Fugelli war in Norwegen als Denker und Kritiker bekannt. „Gesundheit entsteht in einer Community“, sagt Fugelli. „Und durch Würde. Würde bedeutet, als der gesehen und akzeptiert zu werden, der man ist. Mit allen Fehlern. Und nicht als Hochglanzfoto.“ Erik Poppes Film entspricht dieser Haltung: ein ehrliches Porträt eines eigensinnigen, autonomen Menschen. Der Film begleitet ihn in seinen letzten Monaten und lässt ihm Raum, seine Gedanken zu entfalten. Es ist eine Geschichte über das Leben, ein Film über den Tod. Nicht zuletzt dokumentiert Poppe eine traurig-schöne Liebeserklärung an Fugellis Frau Charlotte: „Du bist meine Freude während meines Lebens gewesen. Und jetzt bist du der beste Mensch, um in seiner Nähe zu sterben.“

N 2018, Regie: Erik Poppe, 110 Min., OmengU

Sa. 20.4. / 20.30 * Stummfilm mit Livemusik-Begleitung: Ezzat Nashahshibi (Piano, Percussions)

Der Troll-Elch / Stummfilm mit Livemusik-Begleitung

Der Troll-Elch soll, einer alten Legende zufolge, die Inkarnation eines toten Menschen sein. Um den Vater seiner Geliebten Ingrid zu beeindrucken, muss der arme Knecht Hans den magischen Elch zur Strecke bringen. Nur dann darf er um Ingrids Hand anhalten und kann verhindern, dass sie Gunnar heiratet. Sein Rivale lässt sich die schöne Ingrid jedoch nicht ohne Kampf abspenstig machen. Der „Troll-Elch“ gilt als Vorzeigebeispiel des norwegischen Stummfilms und überzeugt vor allem durch seine imposanten Naturaufnahmen.

N 1927, Regie: Walter Fyrst, mit Tryggve Larssen, Julie Lampe u.a., ca. 98 Min.

 

 

Mehr zu Ezzat Nashashibi:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ezzat_Nashashibi