Pressemeldung vom 29. Januar 2019

„Bremer Erklärung der Vielen“ heute veröffentlicht

 
Bei einer Pressekonferenz im Theater Bremen hat ein breites Bündnis von Kunst- und Kultureinrichtungen und Interessensvertretungen der freien Kunst- und Kulturschaffenden die „Bremer Erklärung der Vielen“ der Öffentlichkeit vorgestellt und sich damit der bundesweiten Initiative „Die Vielen“ angeschlossen.
 
„Kunst und Kultur schaffen einen Raum zur Veränderung der Welt“ lautet der Untertitel der „Bremer Erklärung der Vielen“, die heute bei einer Pressekonferenz im Theater Bremen veröffentlicht wurde. Stellvertretend für die Bereiche Musik, Museum, Theater, freie Kunst und kommunales Kino präsentierten Christian Kötter-Lixfeld, Intendant der Bremer Philharmoniker, Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, Michael Börgerding, Intendant des Theater Bremen, Pirkko Husemann, Künstlerische Leiterin der Schwankhalle, Karl-Heinz Schmid, Mitglied der Geschäftsführung von CITY 46 und Renate Heitmann, Theaterleitung der bremer shakespeare company und Vorstand von Stadtkultur e.V., die Erklärung, die sich für eine eindeutige Haltung gegen rechte und nationalistische Einflussnahmen oder Einschüchterungsversuche und für ein offenes, buntes, vielfältiges und liberales Land Bremen einsetzt.
 
„Heute begreifen wir die Kunst- und Kultureinrichtungen als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist plural. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich oft im Dazwischen. Das Zusammenleben in einer Demokratie muss täglich neu gestaltet werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen Möglichkeiten!“: So heißt es im Text der „Bremer Erklärung der Vielen“, der aber nicht nur eine klare Haltung der Kulturschaffenden deutlich machen will, sondern auch eine Verpflichtung beinhaltet, zu dieser Haltung zu stehen und sie im eigenen Haus und im eigenen Programm spürbar zu machen. Auch Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz, die an der Pressekonferenz teilnahm, begrüßte das Engagement der Initiative.
 
Christian Kötter-Lixfeld, Intendant der Bremer Philharmoniker, fügt hinzu, „Weltoffenheit, Toleranz und respektvolles Miteinander sind bei den Bremer Philharmonikern gelebte Realität. Unser Orchester vereint derzeit Musikerinnen und Musiker aus 19 Nationen, hier treffen nicht nur verschiedene Sprachen aufeinander, sondern auch unterschiedliche Religionen und Kulturkreise. Wir verstehen es als Selbstverständlichkeit, Pflicht und Ehre, mit unserer Musik Brücken zu bauen und Menschen zu beglücken, aber auch auf Missstände hinzuweisen, die dort entstehen, wo Menschen auf Grund ihrer Nationalität, ihrer Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung ausgegrenzt werden.“
 
„Die bundesweite Initiative mit regionaler Verankerung ist ein wichtiges Instrument, um den Bestrebungen zur Renationalisierung von Kunst und Kultur auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene etwas entgegenzuhalten“, betont Pirkko Husemann, Künstlerische Leiterin der Schwankhalle. Renate Heitmann von der bremer shakespeare company sitzt stellvertretend für 45 Einrichtungen, die als Mitglied oder Assoziierte zu Stadtkultur e.V. gehören, auf dem Podium: „Künstler*innen, Beschäftigte und Besucher*innen der Einrichtungen sind heterogen in Bezug auf Alter, Geschlecht, Herkunft, Religionszugehörigkeit und sexuelle Orientierung. Mit unseren Veranstaltungen und künstlerischen Produktionen suchen wir den Austausch von unterschiedlichen Lebensformen, Wertehaltungen und Weltanschauungen durch ‚produzierende Begegnungen‘, um neue Formen kultureller Verbindungen und Inszenierungen entstehen zu lassen. Wir betreiben unsere Kulturarbeit mit der Haltung für Toleranz, Gleichberechtigung und Humanismus, um Grenzen zu überschreiten und um offene soziale und demokratische Prozesse wirksam werden zu lassen.“
 
„Das Focke-Museum setzt sich für die kritische Auseinandersetzung mit der bremischen und der deutschen Geschichte ein. Als Landesmuseum betrachtet es historische Zusammenhänge aus der Gegenwartsperspektive und bietet einen Ort für gesellschaftliche Diskurse. Als Museum der Bremerinnen und Bremer ist es offen für alle Menschen“, so Frauke von der Haar, Direktorin des Focke-Museums, im Vorfeld der Pressekonferenz in einem Statement zur „Bremer Erklärung der Vielen.“ Auch Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, betont die Bedeutung dieses Diskurses für Museen: „Gerade die bildende Kunst steht heute im Zentrum zeitgenössischer Debatten über Effekte der Globalisierung, Migration, Identität, sozialen Zusammenhalt und über neue Formen der Kommunikation und Wahrnehmung. Museen können und sollten deshalb besonders empfindlich auf kulturelle und gesellschaftliche Tendenzen reagieren, diese an die Oberfläche bringen, thematisieren und artikulieren. Wir verteidigen die Freiheit der Kunst als ein höchstes Gut und stellen uns auch kritischen, kontroversen und provokanten Positionen. Wir sehen es als unsere essentielle Aufgabe einen gesellschaftlichen Diskurs durch Kunst zu fördern und zu einer liberalen, vielfältigen und offenen Gesellschaft beizutragen.“
 
„In der Fähigkeit, Kunst zu schaffen und zu interpretieren, überschreitet der Mensch seine eigene Begrenztheit. Die Kunstfreiheit auszuhalten, ist für die freiheitliche Gesellschaft unverzichtbar“, betont auch Michael Börgerding, Intendant des Theater Bremen, „Kunst kann verstörend sein. Kunstwerke können Missfallen auslösen. Sie müssen immer wieder neu befragt und interpretiert werden. Kunstfreiheit ist ein Menschenrecht. Es gibt aber auch so etwas wie Menschenpflichten. Zu diesen Menschenpflichten gehört die unbedingte Verteidigung eines kulturellen Gedächtnisses, das weiß, wie ein solidarisches Zusammenleben gehen könnte.“
 
Für Karl-Heinz Schmid vom Programmkino CITY 46 gehört die Vielfalt künstlerischer Darstellungsformen sowie die verschiedener Kulturen im Film zu den Kernaufgaben: „Mit dieser Ausrichtung positioniert sich das Kommunalkino klar gegen alle Versuche rechter Gruppen, fremdenfeindliche und rassistische Positionen salonfähig zu machen und Veranstaltungen zu boykottieren oder massiv zu stören.“
 
Bisher haben weit über siebzig Bremer Kunst- und Kultureinrichtungen und Interessensvertretungen die „Bremer Erklärung der Vielen“ unterzeichnet, es besteht aber natürlich noch weiterhin die Möglichkeit, zu unterschreiben.

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