Everytime
D/A 2026, Drehbuch, Regie: Sandra Wollner, mit Birgit Minichmayr, Lotte Shirin Keiling, Tristán López, 123 Min.

Die Sonne über Berlin – das ist das letzte Bild, dass Jessie gemacht hat. Kurz darauf ist sie weg. Zurück bleibt eine Leerstelle, die unüberwindbar erscheint. Denn während sich die Welt weiterdreht und die Sonne auf und unter geht, ist für Ella die Welt mit dem Tod der Tochter stehen geblieben. Doch irgendwie muss man ja weiter machen. Was ihr bleibt, ist Jessies kleine Schwester Melli, die nun ein ganzes Zimmer für sich allein hat. Und eine komplizierte Verbindung zu dem Jungen, dem alle die Schuld an Jessies Tod geben. Lux war in der Nacht dabei, als Jessie verunglückte. Völlig unerwartet findet sich das Trio auf Teneriffa wieder, in einem Familienurlaub den es so nie gab, mit Menschen, die eigentlich keine Familie sind. Doch unter der flirrenden Sonne auf der kanarischen Insel passiert auf einmal etwas Seltsames: Die Zeit scheint sich zu dehnen, Erinnerung und Gegenwart schieben sich ineinander.
Sandra Wollners Spielfilm wurde mit dem Hauptpreis in der Sektion Un Certain Regard in Cannes 2026 ausgezeichnet.
EVERYTIME von Sandra Wollner ist der offizielle deutsche Oscar®-Beitrag für die 99. ACADEMY AWARDS® in der Kategorie „Bester internationaler Film".
Der hochgradig manipulative Umgang mit erzählter Zeit ist ohnehin eine Spezialität der österreichischen Regisseurin Sandra Wollner… Teneriffa ist eine Kurzschlusshandlung… Antonioni’sche Entfremdung für die 2020er Jahre. So konsequent Sandra Wollner die genaue Bedeutung, ja, selbst den genauen Zeitpunkt dieser Reise in der Schwebe hält, so prägnant sind dabei die Bilder und Motive, die sie für die Gedanken findet, die uns alle schon in existenziellen Krisensituationen durch den Kopf geschossen sind: Warum ausgerechnet ich? Warum gucken alle und niemand hilft? Wie kann sich die Welt jetzt noch normal weiterdrehen? Ist das alles eigentlich nur ein großer kosmischer Witz? … Und so wird diese zweite Hälfte von Everytime am Ende zu den unvergesslichsten Augenblicken des Festivaljahrgangs zählen. (Katrin Doerksen, www.kino-zeit.de)
… eine kinematographische Trauerstudie, wie sie im Kino noch nicht zu sehen war… In ihren konzentrierten, formal eigensinnigen und immer auch medienreflexiven Filmen spielt Wollner mit unserer Wahrnehmung… Ihr leise-wuchtiger Film ist durchzogen von Spiegelungen und Doppeldeutigkeiten: ein formales wie inhaltliches Abarbeiten an Erinnerungen und auch ein Spiel mit der Frage: Was, wenn alles immer ist? (Jens Balkenborg, www.epd-film.de)
„Everytime“ setzt oft auf lange, ruhige Kamerabewegungen aus der Ferne. Ein zentraler Schlüsselmoment wurde aus einem Kilometer Entfernung gedreht. Auch später lassen die Bilder viel Raum, um die trauernden Figuren nicht durch intime Aufdringlichkeit zu verletzen Die visuellen Einfälle von Kameramann Gregory Oke beinhalten stets Momente der Irritation. In „Everytime“ verbinden sich die bewussten Leerstellen schließlich zu einem mysteriösen Geisterfilm. (Felix Knorr, www.filmdienst.de)