Von Scham und Geld
D/KOS/SLO/ALB 2026, Regie: Visar Morina, mit Astrit Kabashi, Flonja Kodheli, 129 Min., alban. OmU

Das Ehepaar Shaban und Hatixhe bewirtschaftet einen kleinen Bauernhof im ländlichen Kosovo. Auf dem Hof leben sie, ihre drei Töchter und weitere Verwandten in einer Großfamilie. Als sie eines Tages durch den Verrat eines Bruders ihre gesamte Existenzgrundlage verlieren, stehen Shaban und Hatixhe vor dem Nichts. Es bleibt ihnen nur der Weg in die Hauptstadt Pristina, wo sie bei Hatixhes wohlhabender Schwester unterkommen können. Was zunächst wie eine willkommene Hilfe scheint, entpuppt sich schnell als ein Spiel der reichen Verwandten, die Freude daran haben, die Familie in Not zu demütigen. Jeder Mensch habe seinen Platz, den er verdient, so Hatixhes Schwager. Nach einem Vorschuss, mit dem sie die dringendsten Schulden tilgen, sind Shaban und Hatixhe gezwungen, jede Arbeit anzunehmen und sei sie noch so unterbezahlt.
Der deutsch-kosovarische Regisseur Visar Morinas dritter Spielfilm wurde beim Sundance Film Festival 2006 mit dem Grand Jury Prize ausgezeichnet.
Für seine kraftvolle und einzigartige Darstellung der Menschenwürde im heutigen Kosovo, die universelle Resonanz findet. Ein einfühlsamer Regisseur, der das Publikum gekonnt in die alltäglichen Schwierigkeiten einer Familie hineinzieht. Für sein tiefes Mitgefühl für die Figuren in einem entscheidenden Moment ihres Neuanfangs geht der Große Preis der Jury an den Film ‚Scham und Geld‘. (Jurybegründung Grand Jury Prize, Sundance Film Festival 2026)
Shame and Money ist kein leichter Film, denn er bietet kaum emotionale Erleichterung, sein Ton bleibt streng und bedrückend, und dennoch entfaltet er eine intensive, fast hypnotische Wirkung. Die filmische Präzision, die sorgfältige Beobachtung menschlicher Verhaltensweisen und die herausragenden Leistungen von Kabashi und Kodheli machen den Film zu einem eindrucksvollen Porträt von Menschen, die zwischen Würde und Verzweiflung balancieren. In einer Zeit, in der Filme über Arbeitswelt und Familie oft plakativ oder sentimental wirken, überzeugt Visar Morina durch Klarheit, Strenge und emotionale Authentizität. Ein Film, der unter die Haut geht und lange nachwirkt. (Mia Pflüger, www.kino-zeit.de)