Lucrecia Martel gehört zu den wichtigsten Stimmen des Neuen Argentinischen Kinos. Geboren in Salta, entwickelte sie früh eine unverwechselbare filmische Sprache, die sich durch ihre sinnliche Dichte, ihre komplexe Tonarbeit und ihre feine Beobachtung sozialer Gefüge auszeichnet. Mit La ciénaga (2001) gelang ihr der internationale Durchbruch; es folgten Werke wie La niña santa (2004) und La mujer sin cabeza (2008), die sich mit Begehren, Wahrnehmung und gesellschaftlichem Druck auseinandersetzen. Ihr Film Zama (2017) erweitert diesen Blick auf die koloniale Geschichte Lateinamerikas. Auch in dokumentarischen und experimentellen Arbeiten wie Terminal Norte (2021) bleibt Martel eine Grenzgängerin zwischen Formen und Medien. Die Retrospektive in Kooperation mit dem Instituto Cervantes Bremen lädt dazu ein, ein einzigartiges, sinnliches und politisches Werk neu zu entdecken. Die Reihe findet begleitend zum 30. Internationalen Bremer Symposium zum Film statt.

La mujer sin cabeza

Die Frau ohne Kopf - F/ARG/IT 2008, Regie: Lucrecia Martel, mit Maria Onetto, 87 Min., OmU

Filmszene aus La mujer sin cabeza
Di. 5.5. / 18:00 ★ mit Begrüßung vom Instituto Cervantes Bremen

Verónica ist beim Autofahren auf einer einsamen Landstraße kurz abgelenkt und stößt mit etwas zusammen. Ein Tier? Oder ein Mensch? Doch sie hält nicht an. Ihr Ehemann und die Familie spielen den Vorfall herunter, aber Verónica ist seit dem Tag wie betäubt. Und dann macht die Feuerwehr eine grausame Entdeckung. Martel inszeniert die bürgerliche Verstörung meisterhaft und kritisiert unterschwellig die unmoralischen Selbstschutzmechanismen der argentinischen Mittelklasse.


La Cienaga

Der Morast - ARG/F/E 2001, Regie: Lucrecia Martel, mit Mercedes Morán, 102 Min., OmU

Filmszene aus La Cienaga
Sa. 9.5. / 14:00 ★ mit Einführung von Natalia Christofoletti Barrenha, Royal Anthropological Institute, London

Zäh verstreichen die Sommertage auf dem Landsitz einer oberen Mittelschichtsfamilie in Argentinien. Bei Drinks am modrigen Pool entfalten sich langsam die unausgesprochenen Konflikte: Die Wohlhabenden liegen im Clinch miteinander und auch mit denen, die sie bedienen, darunter auch Indigene. Lucrecia Martels Film arbeitet mit nahen Einstellungen und fragmentarischen Montagen und das Sounddesign erzeugt ein ständiges Gefühl der Bedrohung.


Zama

ARG/BRA/E 2017 - Regie: Lucrecia Martel, mit Daniel Giménez Cacho, Lola Duñeas, 115 Min., OmU

Filmszene aus Zama
Mo. 11.5. / 18:00

In der späten Kolonialzeit des 18. Jahrhunderts hofft Don Diego de Zama, Beamter der spanischen Krone auf einem abgelegenen Außenposten Argentiniens, auf eine Versetzung nach Buenos Aires. Doch seine Bitte bleibt über Jahre unbeantwortet und seine Situation wird immer sinnloser. Lucrecia Martel zeichnet in eindringlichen, oft halluzinatorischen Bildern den Zerfall eines Mannes und den Irrsinn der kolonialen Ordnung, die Zama vertritt. Nach dem Roman von Antonio di Benedetto.