Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf

D 2026, Regie: Güner Yasemin Balci, Jesco Denzel, 90 Min.

Filmszene aus Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf
So. 6.9. / 17:30 ★ Vorpremiere mit dem Bremer Regisseur Jesco Denzel
Do. 10.9., Sa. 12.9., Mo. 14.9. + Mi. 16.9. / 17:30
Fr. 11.9., So. 13.9. + Di. 15.9. / 20:00
Do. 17.9., Sa. 19.9., Mo. 21.9. + Mi. 23.9. / 20:30
Fr. 18.9., So. 20.9. + Di. 22.9. / 18:00
Mi. 23.9. / 15:30

Albrecht Weinberg überlebt den Holocaust. Sechzig Jahre nach dem Exil in Amerika kehrt er in seine alte Heimat Ostfriesland zurück. Nicht, weil er Deutschland noch einmal sehen will, sondern weil er fast blind ist und auf Hilfe angewiesen ist. In Leer kommt er am vermeintlichen Ende seines Lebens an — und findet dort etwas, womit niemand mehr gerechnet hat: einen Neubeginn an der Seite von Gerda Dänekas, einst seine Pflegerin, nun seine Freundin und Mitbewohnerin. Zusammen sind sie die älteste WG Deutschlands.

Und Albrecht beginnt zu erzählen: von seinem Leben, von „Mama“ und „Papa“, von dem, was bleibt, wenn alles verloren ging. Der Zuschauer erlebt, wie Schüler neben dem alten Mann im Rollstuhl hinknien und in Tränen ausbrechen, weil die Wucht seiner Geschichte kaum auszuhalten ist. Albrecht trägt das Grauen in seinem Kopf und im Herzen ein kindliches Vertrauen gegenüber den Menschen, die ihm begegnen. Zugewandt, liebevoll, immer neugierig und offen.

Selbst ein ehemaliger Wehrmachtssoldat, der ihm begegnet, kann daran nichts ändern. Albrecht weint, er lacht, er fährt mit dem Leeraner Bürgermeister Karussell und erinnert sich an jedes Detail einer Vergangenheit, die nicht vergehen darf. Bis zuletzt bleibt seine größte Angst das Vergessen.

Albrecht Weinberg starb am 12. Mai 2026 im Alter von 101 Jahren. Er hinterlässt Hunderte Freunde und Weggefährten sowie seine beste Freundin Gerda, die nun nicht mehr mit Albrecht, aber mit seinem Film durch Deutschland reist – gegen das Vergessen.

Albrecht Weinberg widmete sich nun der Zeitzeugenarbeit, er besuchte Schulen, um über den Holocaust aufzuklären, sprach bei Veranstaltungen. 2017 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, das Gymnasium in seinem Geburtsort Rhauderfehn heißt heute Albrecht-Weinberg-Gymnasium. Anfang 2025, nachdem der spätere Bundeskanzler Friedrich Merz einen Antrag zur Zurückweisung an deutschen Grenzen mit den Stimmen der AfD durchgebracht hatte, gab Weinberg aus Protest sein Bundesverdienstkreuz zurück. „Wenn diese Partei in der deutschen Politik an Akzeptanz gewinnt, kann ich das Bundesverdienstkreuz nicht mehr an meinem Sakko tragen, sonst müsste ich gebeugt herumlaufen“, erklärte er im Gespräch. (Jens Uthoff, www.taz.de)

Für den eindringlichen, zum Teil sehr emotionalen, zu Tränen rührenden Film von Güner Balci und Jesco Denzel, der aber auch immer wieder amüsante Einblicke in den Alltag der ältesten Senioren-WG Deutschlands bietet, hatte das TV-Team Weinberg und Gerda Dänekas über drei Jahre hinweg begleitet. (www.leer.de)
 


Noga

D/ISR/A/USA 2026 Regie: Jono & Benji Bergmann, 95 Min., engl., hebr. OmU

Filmszene aus Noga
Do. 3.9., Sa. 5.9., Mo. 7.9. + Mi. 9.9. / 20:00
Fr. 4.9. + Di. 8.9. / 17:30
Do. 10.9., Mo. 14.9. + Mi. 16.9. / 18:00
Fr. 11.9. + So. 13.9. / 20:30
Di. 15.9. / 20:45
Mi. 16.9. / 15:00

Das Künstlerpaar Noga Erez und Ori Rousso sind in Israel bekannt für ihre elektrisierende Musik, ihre coolen Outfits und die durchaus regierungskritischen Liedtexte. Als sie ihr zweites Album veröffentlichen wollen, durchkreuzt die Pandemie ihre Pläne, doch einer ihrer Songs wird online millionenfach abgerufen. Ein regelrechter Hype beschert ihnen zahlreiche Einladungen aus dem Ausland und sie beginnen, die großen internationalen Bühnen zu bespielen. Ein Vertrag mit einem amerikanischen Label für ein Studioalbum könnte den großen Durchbruch bringen, doch der Ausbruch des Krieges in Israel verändert alles. Nicht nur Nogas Verhältnis zu ihrem Partner gerät in eine Krise, sondern auch ihre politische Haltung stößt auf jeder Seite auf gewaltigen Widerstand. Im Spagat zwischen der Verantwortung als Künstlerin und den persönlichen Konflikten muss sie ihre Rolle neu definieren. Der Dokumentarfilm kommt dem Paar sehr nahe und zeigt die beiden bei Shows, Beziehungsgesprächen im Park und Interviews mit Agent*innen und der Presse.

Der Film entfaltet sich wie ein dokumentarisches Album in neun Kapiteln, die jeweils nach einem Song benannt sind, dessen Text einen bestimmten Wendepunkt in ihrem Leben beleuchtet. (...) Was sie beschäftigt, ist die Definition des Begriffs „politisch“ an sich: Was es bedeutet, Musik in einer Welt zu machen, in der alles politisch ist, in der Identität sofort in Loyalität übersetzt wird und in der Komplexität ständig auf Schlagworte reduziert wird. Der Film (...)  fragt, was passiert, wenn eine Künstlerin aus dem Selbst heraus sprechen will, die Welt aber darauf besteht, sie als Symbol zu lesen. (www.nogafilm.com)

Das israelische Musiker-Duo Noga Erez und Ori Rousso. 
Bericht in „ttt – titel thesen temperamente“ / WDR