Tausendschönchen
CZ 1966, Regie: Věra Chytilová, mit Ivana Karbanová, Jitka Cerhová, 76 Min., OmengU

Marie 1 und Marie 2 langweilen sich und beginnen aus Spaß ein Spiel. Sie lassen sich von älteren Männern einladen und weisen sie zurück, wenn diese auf Belohnung aus sind. Was wie eine spielerische Rebellion angefangen hat, wird für die beiden Maries zunehmend zu einem radikalen Aufbegehren gegen Sinnlosigkeit, gesellschaftliche Ordnung und Moral.
Tausendschönchen feiert die Rebellion zweier selbstbewusster Frauen als wilde Fantasie mit affektiver Erzählweise und originellen formalen Experimenten. Anfängliche Kriegsbilder zeigen unbarmherzige Zerstörungswut; sie wechseln sich ab mit Großaufnahmen einer Maschine. Zahlreiche Überblendungen und Überbelichtungen, mitunter schnelle Schnitte und eine kurze Trickfilmszene, in der sich die Freundinnen mit einer Schere „zerstückeln“, zelebrieren das Filmemachen als lustvollen anarchischen Akt. (Cristina Moles Kaupp, www.bpb.de)
Tausendschönchen von Regisseurin Věra Chytilová ist ein bahnbrechendes Werk des tschechischen New Wave-Kinos und ein feministisches Manifest in Filmform … Der Film nutzt eine bunte Mischung aus Bildsprache, Humor, Tanz- und Slapstickeinlagen, um die Unterdrückung der weiblichen Identität zu thematisieren und zu kritisieren. Die Figuren sind sich ihrer Rolle im Film bewusst und nutzen dies voller Freude, stellen beispielsweis die Welt narrativ auf den Kopf stellen und zerschneiden das Filmmaterial. In einer wilden, alles-ist-möglich Ästhetik werden die Maries zu Figuren ohne jede Regel, und der Film zu einem surrealistischen und anarchischen Spektakel.
Damals ein Skandal: Nach dem Prager Frühling verboten, und die Regisseurin wird mit Arbeitsverbot belegt. Tausendschönchen ist eine liebevoll gedrehte Ode an die Freiheit und die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen, die mit großem Humor und kreativer Energie präsentiert wird – im Grunde alles, was wir uns von Barbie gewünscht hätten! (Jana Gebhard, www.filmloewin.de)

