Enrico Berlinguer - La Grande Ambizione

I 2024, Regie: Andrea Segre, mit Elio Germano, Stefano Abbati, 122 Min., OmU

Filmszene aus Enrico Berlinguer - La Grande Ambizione
Do. 21.5., Sa. 23.5., Mo. 25.5. + Mi. 27.5. / 20:00
So. 24.5. + Di. 26.5. / 17:30
Do. 28.5., Mo. 1.6. + Mi. 3.6. / 20:30
So. 31.5. + Di. 2.6. / 18:00
Mi. 3.6. / 15:30

Enrico Berlinguer, Generalsekretär der einflussreichen Kommunistischen Partei Italien (PCI), grenzte sich Anfang der 1970er Jahre vom sowjetisch geprägten Sozialismus ab. Stattdessen versuchte er, den Sozialismus mit westlichen Demokratievorstellungen zu versöhnen. In der in zwei Blöcke gespaltenen Welt jener Jahre setzte Berlinguer sich mit Nachdruck dafür ein, die Dogmen des Kalten Krieges zu überwinden. So suchte er, gegen alle Widerstände, den Dialog mit Aldo Moro, dem Chef der Christdemokraten. Und wäre Moro nicht von den kommunistischen Roten Brigaden ermordet worden, hätte Berlinguer mit seinem Charisma Italien mit einem „historischen Kompromiss” wohl nachhaltig verändern können.

Der von Elio Germano meisterhaft gespielte Berlinguer beeindruckt noch heute durch seine politische Weitsicht und seine persönliche Opferbereitschaft. Ergänzt mit eindrucksvollen Archivbildern überzeugt der Film von Andrea Segre nicht nur als berührendes Drama des Kampfes eines Mannes für eine gerechtere Gesellschaft, sondern auch als großartiges Porträt einer von Hoffnungen und Enttäuschungen geprägten Epoche. Ein filmisches Monument der Solidarität und Menschlichkeit, das uns als Utopie hoffentlich noch lange erhalten bleibt. Hanspeter Stalder (www.der-andere-fim.ch

Der Film war 2024 einer der zehn bestbesuchten Filme Italiens und nominiert für zahlreiche Preise, wobei Hauptdarsteller Elio Germano den Preis als bester Darsteller des Filmfestivals Rom und des David di Donatello Awards erhielt. Regisseur Andrea Segre sagt, sein Film habe viel Zuspruch bei einem jüngeren Publikum, da Berlinguers Weg einer demokratischen Linken Rezepte für heute bieten könne. (wikipedia.de)


Born to Fake

D 2025, Regie: Erec Brehmer, Benjamin Rost, 93 Min.

Filmszene aus Born to Fake
Do. 28.5. / 20:00 ★ mit Regisseur Benjamin Rost
Fr. 29.5., So. 31.5. + Di. 2.6. / 17:30
Sa. 30.5. + Mo. 1.6. / 20:00
Do. 4.6., Sa. 6.6., Mo. 8.6. + Mi. 10.6. / 18:00
Fr. 5.6., So. 7.6. + Di. 9.6. / 20:30

Im Jahr 1996 wurde einer der bis heute größten Medienskandale Deutschland bekannt: Michael Born verkaufte sechs Jahre lang er als selbsternannter Journalist dem Privatfernsehen Beiträge, deren zum Teil absurde Inhalte frei erfunden waren. Seine Videos – beispielsweise über Kindersklaven in Indien, die Teppiche für Ikea weben oder klandestine Ku-Klux-Klan-Treffen in der Eiffel – waren sensationslustig und trotzdem fanden keine Nachprüfungen statt. Erst als er seine Bekannten und Freunde, die als Akteure fungieren, einmal zu oft einsetzte, fiel der Schwindel auf. Beim Gerichtsprozess galt es dann die Schuldfrage zu klären: Lag sie nur beim Hochstapler Born? Oder auch auch bei den Fernsehsendern und dem Chefredakteur von Stern TV, damals Günter Jauch? Letztlich wird nur Michael Born wegen mehrfachen Betrugs verurteilt. Die beiden Dokumentarfilmer Benjamin Rost und Erec Brehmer bekamen nach dem Tod von Michael Born 2019 kistenweise Originalmaterial in die Hände – Aufnahmen, die Michael Born einst selbst für seine Fälschungen drehte. Aus diesem Fundus, Interview mit Zeitzeugen und Ausschnitten aus den Originalsendungen entsteht ein ebenso unterhaltsamer und immer wieder unglaublicher Dokumentarfilm, der die Mechanik des Falls präzise nachzeichnet und zugleich seine Folgen für die Gegenwart beleuchtet.
Und die Regisseure stellen im Film die uralte Frage nach der Wahrheit. Wo es kein Original gibt, kann es auch keine Fälschung geben, argumentiert der eine. Die Wahrheit ist das Original, meint der andere. Aber gibt es sie überhaupt? Und was passiert heute mit der Glaubwürdigkeit von Dokumentationen im Zeitalter meisterhafter Manipulation?

Jurybegründung, One Future Preis: „Bei der Rekonstruktion des Einzelfalls blicken die Regisseure hinter die Kulissen der Jagd nach den Aufmerksamkeitsdrogen Auflage, Likes und Klicks. Sie benennen Strukturen und lassen sich selbst bei der Arbeit in die Karten schauen." (Biberacher Filmfestspiele, www.erecbrehmer.com)

Ein Großteil seines Privatarchivs, bestehend aus (beruflichen wie privaten) Filmdokumenten sowie Fotos, ging an seinen guten Freund Roland Berger. Glücklicherweise stellte der österreichische Regisseur, der in „Born to Fake“ als einer der wichtigsten Befragten auftritt, den Doku-Machern Erec Brehmer und Benjamin Rost diesen Archivschatz zur Verfügung. Die Aufnahmen offenbaren unter anderem, wie Born vorging und seine Beiträge entstanden.
Bis heute ist es kaum vorstellbar, dass die dilettantisch umgesetzten und mit Borns Freunden realisierten Beiträge von den Redaktionen gekauft und schließlich einem Millionenpublikum präsentiert wurden. Allein die bizarren Themen hätten den Verdacht der TV-Journalisten erregen müssen. (Björn Schneider, www.programmkino.de)


Meine Frau weint

D/F 2026, Regie: Angela Schanelec, mit Vladimir Vulević, Agathe Bonitzer, Birte Schnöink, 93 Min.

Filmszene aus Meine Frau weint
Do. 11.6., Sa. 13.6., Mo. 15.6. + Mi. 17.6. / 20:00
Fr. 12.6. + So. 14.6. / 17:30
Mo. 22.6. + Mi. 24.6. / 20:30
Mi. 24.6. / 15:00

Der Bauarbeiter Thomas wartet im Büro auf das Ende der Reparatur seines neuen Krans. Da meldet sich seine Frau Carla auf seinem Handy – sie hat einen Unfall gehabt. Als er sie aus dem Berliner Krankenhaus abholt, ist sie völlig aufgelöst. Weinend erzählt sie ihm, dass sie einen Autounfall hatte, bei dem ihr Begleiter David tödlich verletzt wurde. Carla wollte mit ihm eine Wohnung besichtigen, als ein Sattelschlepper ihr Auto erfasste. Erst nach und nach wird klar, wer dieser David ist und dass er mehr war, als Carlas neuer Partner im Tanzkurs. Beiden fällt es schwer, ihre Gefühle in Worte zu fassen, zumal sie keine gemeinsame Sprache haben und sich auf Deutsch verständigen müssen. Die Liebe und ihr Verschwinden betrifft nicht nur Thomas und Carla, wie sich in vielen kleinen anschließenden Begegnungen mit alten Freunden und Zufallsbekanntschaften zeigt. Bei den Treffen quer durch Berlin im Treptower Park und im Tiergarten, auf gemeinsamen Fahrradfahrten oder in S-Bahnhöfen werden andere Beziehungskrisen offenbar – und wo die Grenzen von Sprache liegen, um sich mitzuteilen.

Angela Schanelecs asketischer Filmstil – lange statische Einstellungen, ungewöhnliche Bildkomposition, seltene, aber dramatische Nahaufnahmen – hat sich in einer Filmkultur, die minimalistische Erzähltechniken seit Langem prägt, behauptet. Das liegt zum Teil daran, dass ihre Filme reich an Bildern sind, die sich einfachen metaphorischen Deutungen entziehen. „Meine Frau weint“ bildet da keine Ausnahme. Der Film beginnt als scheinbar einfache Geschichte über Untreue, bevor er sich mit noch beunruhigenderen Themen auseinandersetzt und seine Figuren in eine Reihe einprägsamer Tableaus versetzt. (Zach Lewis, www.slantmagazine.com)

Genau das ist anders als in den bisherigen Schanelec-Filmen: Diesmal dominiert der Dialog. Zwar gibt es immer noch die meditativen Zwischenschnitte etwa auf Rote Johannisbeeren, die unter einem Wasserhahn gewaschen werden. Menschen fahren auf dem Fahrrad über Wege, die in ihrer atmosphärischen Realität fast überhöht wirken. Es gibt auch eine Tanzszene, in denen drei Figuren zu Leonard Cohens „Lover, Lover, Lover“ eine erstaunlich ausgefeilte, mitreißende Choreografie präsentieren.
Aber im Wesentlichen besteht „Meine Frau weint“ aus einem Reigen von „Sprechakten“, denen Schanelec den Anschein lässt, vom Papier zu stammen, selbst wenn sie umgangssprachlich gehalten sind. So kommt eine faszinierende Mischung aus Natürlichkeit und Künstlichkeit zustande, die einmal mehr dort Spannung erzeugt, wo man sie gar nicht vermutet hätte. (Barbara Schweizerhof, www.taz.de)