Das Instituto Cervantes Bremen und das CITY 46 / Kommunalkino Bremen präsentieren seit dem Jahr 2022 Filme aus den iberoamerikanischen Ländern zu wechselnden Schwerpunkten und in Kooperation mit verschiedenen Festivals. 
Bisherige Reihen: 2026: Guerra Civil 1936-2026., 2026: Roadmovies., 2025: Transición - Gedenken an 50 Jahre spanische Demokratie., 2024: Regisseur*innen, die (er)zählen. Neues iberoamerikanisches Kino., 2023: Unbequeme Realitäten. Das neue iberoamerikanische Kino., 2022: Grenzenlose Wirklichkeit. Spanisches Independent-Kino (2015-2020).

LUNES DE CINE - MONTAGSKINO
HABÍA UN HORIZONTE. Es gab einen Horizont. Die Neuerfindung der Filmgenres

„Wenn wir an Filmgenres denken, denken wir nicht an das spanische Kino. Das ist anders als bei anderen europäischen Filmländern oder im US-amerikanischen Kino, wo man diese vertrauten Codes hat, anhand derer man die Filme einordnen kann. Seit einigen Jahren wagt sich das spanische Kino in Bereiche vor, in dem es diese konventionellen Definitionen nutzt, um mit den Erwartungen an das Genre zu brechen.
In Zusammenarbeit mit der SEMINCI eröffnet die Filmreihe HABÍA UN HORIZONTE. Es gab einen Horizont. Die Neuerfindung der Filmgenres vier sehr freie Perspektiven, die dazu einladen, Genres wie das Musical, Science-Fiction, Film Noir und Roadmovie neu zu denken.

Die ausgewählten Filme feierten ihre spanische Premiere bei der 68. und 69. Ausgabe des Festivals SEMINCI, dessen Leiter José Luis Cienfuegos im Dezember letzten Jahres verstorben ist. Sie stehen stellvertretend für die einzigartige und mutige Programmgestaltung des Festivals, die Cienfuegos drei Jahrzehnte lang in Gijón, Sevilla und Valladolid geprägt hat. Das Instituto Cervantes widmet diese Reihe, die Werke von Filmschaffenden vereint, die er seit Beginn ihrer Laufbahn mit großer Leidenschaft unterstützt hat, seinem Andenken. 


Über die Reihe „Es gab einen Horizont. Die Neuerfindung der Filmgenres“
Von Mariona Viader und Javier H. Estrada, Ko-Direktoren von SEMINCI

Alle vier Filme der Reihe sind eindrucksvolle Beispiele für die einzigartige und mutige Vision bei der Programmgestaltung und Organisation der Filmfestivals, die José Luis Cienfuegos über drei Jahrzehnte hinweg prägte.

So ist Polvo serán von Carlos Marques-Marcet (Eröffnungsfilm der SEMINCI im Jahr 2024) eine musikalische Tragikomödie, die die verschwimmenden Grenzen zwischen Leben und Tod erkundet. Ángela Molina verkörpert Claudia, eine Frau mit einer tödlichen Krankheit, die beschließt, in die Schweiz zu reisen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Eine Reise ohne Wiederkehr, die sie gemeinsam mit ihrem Partner antritt – eine unerwartete Feier des Lebens und der bedingungslosen Liebe jener Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten.

Ebenfalls dem physischen und emotionalen Unterwegssein gewidmet, präsentiert sich On the Go – der Debütfilm von María Giséle Royo und Julia De Castro – als ungewöhnliches Roadmovie durch Andalusien an Bord eines weißen Chevrolets und hinterfragt dabei die Beziehung zur Mutterschaft in unserer Zeit neu.

La parra, der dritte Langfilm von Alberto Gracia und Gewinner des Alquimias-Preises bei der SEMINCI, greift Elemente des Film noir und des Fantastischen auf, um die Rückkehr seines Protagonisten in seine Heimatstadt Ferrol nach dem Tod seines Vaters zu erzählen. Ein Spiegelspiel von rätselhafter Atmosphäre, dass die galicische Stadt als einen geisterhaften Ort erscheinen lässt – eine Art Phantominsel, auf der nichts wirklich real wirkt, wo jedoch alles in einer gemeinsamen Vergangenheit verwurzelt ist.

Schließlich versetzt uns das Debüt von Anna Cornudella Castro, The Human Hibernation (FIPRESCI-Preis bei der Berlinale), in eine Welt, in der der Mensch drei Monate im Jahr verschwinden muss, um Winterschlaf zu halten. Der Film stellt die Vorstellungswelt der klassischen Science-Fiction infrage und löst eine Reflexion über unsere Beziehung zum Ökosystem aus – in Form einer anregenden und visionären ökologischen Utopie.

Hier findet ihr einen Trailer zur Reihe


Die Filme:
Mo.  07.09.2026 / 18:00 Uhr: POLVO SERÁN (2024) von Carlos Marqués-Marcet
Mo. 05.10.2026 /18:00 Uhr: THE HUMAN HIBERNATION (2023) von Anna Cornudella
Mo. 02.11.2026 / 18:00 Uhr: LA PARRA (2023) von Alberto Gracia
Mo. 07.12.2026 / 18:00 Uhr: ON THE GO (2023) von María Gisèle Royo und Julia de Castro
 

Bei jeder Filmvorführung der Reihe lädt das Instituto Cervantes Bremen Sie auf ein Glas Wein aus einer spanischen Region ein! Kleine Köstlichkeiten kommen von Pura Mila.

Hier geht es zur Seite des Instituto Cervantes Bremen.

They Will Be Dust

Polvo serán - E/I/CH 2024, Regie: Carlos Marqués-Marcet, mit Ángela Molina, Alfredo Castro, Mònica Almirall Batet, 106 Min., FSK 16, span. OmengU

Filmszene aus They Will Be Dust
Mo. 7.9. / 18:00 ★ das Instituto Cervantes lädt vorab auf ein Glas Wein ein

Claudia und ihr Ehemann Flavio sind um die 70, haben drei erwachsene Kinder, leben in einer Wohnung voller Pflanzen und Bücher, und mit blühenden Rosen im Hof. Doch die Idylle ist getrübt, denn bei Claudia wurde ein unheilbarer Hirntumor diagnostiziert. Deshalb haben sie den Entschluss gefasst, ihren Leben in der Schweiz gemeinsam ein selbstbestimmtes Ende zu setzen. Dort können sie dank eines Sterbehilfevereins selbst über den Zeitpunkt ihres Lebensendes entscheiden. Davor wird aber nach 40 Jahren Ehe nochmal geheiratet, wofür die ganze Familie anreist.
Als die Kinder von dem Plan ihrer Eltern erfahren, fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Ihre Tochter Violeta, die sich die letzten Jahre um die kranke Mutter gekümmert hat, während ihre Geschwister Manuel und Lea ihre eigenen Leben führen konnten, sieht durch den Plan ihrer Eltern eine Möglichkeit, sich von der Verantwortung zu befreien.

Carlos Marqués-Marcet: Jahrgang 1983, ist ein spanischer Regisseur, Drehbuchautor und Editor. Sein Debütfilm ›10,000 km‹ (2014) wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit einem Goya für die beste Nachwuchsregie. ›They will be Dust‹ ist bereits sein sechster fiktionaler Langfilm

Der neue Langfilm von Carlos Marqués-Marcet, in dessen Filmografie sich eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz findet, nimmt die Form einer musikalischen Tragikomödie an, um die verschwimmenden Grenzen zwischen Leben und Tod zu erkunden. Die Musik von Maria Arnal und die Choreografien von La Veronal schaffen den atmosphärischen Rahmen für diese einzigartige Geschichte über die Entscheidung zu sterben. Gleichzeitig ist es eine unerwartete Feier des Lebens und der bedingungslosen Liebe jener Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten. (Quelle: Elastica Films) 


The Human Hibernation

E 2023, Regie: Anna Cornudella Castro, mit Clara Morchela, Valentine, Demetrius Hollimonjane, Jane Hubbell, 90 Min., engl. OmengU

Filmszene aus The Human Hibernation
Mo. 5.10. / 18:00 ★ das Instituto Cervantes lädt vorab auf ein Glas Wein ein

In einer Welt voller Wälder, in der teilweise die künstlichen Hierarchien zwischen Mensch und Tier verschwunden sind, halten Menschen wie die Bären in den kältesten Monaten des Jahres einen Winterschlaf. Als ein Kind zu früh aus seinem Winterschlaf erwacht, begibt sich Clara, seine ältere Schwester, auf eine Reise und sucht nach Antworten, denn die Welt hat sich während ihrer Schlafperiode verändert. Der Wandel stellt die vorgegebenen Erzählungen der Gesellschaft, in der sie lebt, in Frage. 
Ist es möglich, ein Kino jenseits der menschlichen Maßstäbe zu denken? Anna Cornudella Castro entführt uns in ihrem Debütfilm in eine Welt, in der der Mensch drei Monate im Jahr verschwinden muss, um zu überwintern. Ihr Film wird zu einer Reflexion über den Menschen, seine Widersprüche und seine animalische Natur. Der bei der Berlinale mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnete Film stellt die Konventionen der klassischen Science-Fiction infrage und wirft die Frage nach den Problemen unseres heutigen Zusammenlebens mit der Natur auf (Quelle: Begin Again Films)

Anna Cornudella Castro: Geboren 1991 in Terrasa, ist sie eine multidisziplinäre Künstlerin. Sie schloss 2014 ihr Filmstudium an der ESCAC ab und arbeitet seitdem im Theater, Film und Videokunst. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Film und Wissenschaft und konzentrieren sich auf den Menschen, das Individuum und hierarchische Strukturen innerhalb der Gesellschaft. Alle ihre Projekte drehen sich um Biokunst und suchen nach Alternativen und sozialen Utopien. Sie begann mit der Arbeit an 'The Human Hibernation' (2024), ihrem Debütfilm, im Rahmen eines Art Jove-Forschungsstipendiums in Zusammenarbeit mit MACBA. Der Film feierte seine Weltpremiere im Forum-Bereich der Berlinale und gewann den Kritikerpreis. (www.seminci.com)

„The Human Hibernation“ ist ein Film, der in seinen obskuren Vermutungen, formalistischen Darstellungen und unerklärlichen, bildhaften Geheimnissen diejenigen frustrieren kann, die eine Erzählung suchen, die eindeutig eine Handlung ausarbeitet. Doch ihre esoterische Mehrdeutigkeit ist auch ihre Stärke, die dem Publikum Raum lässt, eigene Bedeutungen und Reflexionen über unsere Ära planetarer Krisen zu schmieden, und Anna Cornudella Castro als beeindruckende Stimme mit einer unverwechselbaren, poetischen Signatur zeigt. (Carmen Gray, www. thefilmverdict.com)


The Rim

La parra - E 2023, Regie: Alberto Gracia, mit Alfonso Míguez, Pilar Soto, Lorena Iglesias, 84 Min., span. OmengU

Filmszene aus The Rim
Mo. 2.11. / 18:00 ★ das Instituto Cervantes lädt vorab auf ein Glas Wein ein

Ferrol, die Stadt an der Atlantikküste Galiciens, ist die Heimatstadt von Diktator Franco. Einst das Zentrum der spanischen Marine-Industrie, ist Ferrol heute ein Ort mit wenigen Ressourcen und „nichts zu tun", wie ein paar kichernde Teenager in einem Fernsehinterview sagen. Damián hatte Ferrol vor mehr als 20 Jahren verlassen, muss aber nun zurückkehren, als er erfährt, dass sein Vater verstorben ist. In den mehr als zwanzig Jahren hat sich Ferrol in eine Ruine verwandelt, die alles zu verschlingen scheint. Dort angekommen, beginnen die Menschen um Damián herum, ihn mit jemand anderem zu verwechseln, dessen Schicksal besiegelt ist.

„La parra“ ist der dritte Spielfilm von Alberto Gracia. Es handelt sich um ein Spiel mit Spiegeln, eine Erzählung, die das Soziale und das Fantastische miteinander verschmilzt und Ferrol als einen gespenstischen Ort inszeniert, eine Art geisterhafte Insel, auf der nichts real zu sein scheint, aber alles in einer gemeinsamen Vergangenheit verwurzelt ist. Die Kameraarbeit von Ion de Sosa, einer Leitfigur des neuen spanischen Kinos, und die Musik von Jonay Armas schaffen diese rätselhafte Atmosphäre, die entfernt an das Kino von David Lynch erinnert. (Quelle: Tasio) 

Gracia siedelt seinen völlig konventionslosen Film in Galizien an, eigentlich aber an einem imaginären Ort, an dem sich unser Antiheld in einer idiosynkratischen Welt wiederfindet: Heimkehrer Damian kümmert sich um die Asche seines Vaters, wird aber zusehends in die Rolle eines gewissen Cosme gedrängt, der eine Reihe blinder Wanderer auf dem Berg zurückgelassen hat. Der mystische Elektro-Score von Jonay Armas verstärkt Damians aufkommende Paranoia, der Ort erweist sich als Metapher für ein Fegefeuer. (Roman Scheiber, www.viennale.at)


On the Go

E 2023, Regie: María Gisèle Royo, Julia de Castro, mit Julia de Castro, Omar Ayuso, Manuel de Blas, 73 Min., engl., span. OmU

Filmszene aus On the Go
Mo. 7.12. / 18:00 ★ das Instituto Cervantes lädt vorab auf ein Glas Wein ein

Milagros möchte schwanger werden, schreckt aber vor der Anonymität einer künstlichen Befruchtung zurück. Mit dem alten Chevrolet ihres Vaters macht sie sich auf nach Sevilla und nimmt ihren besten Freund Jonathan mit, dessen Grindr-Sucht und Männergeschmack sie für ihre Zwecke nutzen möchte. Die benutzten Kondome seiner Sexdates können ja schließlich auch noch zu etwas gut sein! Zu den beiden Freibeuter*innen gesellt sich eine dritte Person dazu: das internationale Sexsymbol La Reina de Triana. Und dann gibt es da auch noch einen mysteriösen Verfolger aus Jonathans Vergangenheit.
Dieses mitreißende Roadmovie zelebriert, ganz im Stil des Kultfilms, der ihn inspiriert hat, ein freies und unkompliziertes Underground-Kino, das tief in der unverwechselbaren andalusischen Eigenart verwurzelt ist. On the Go ist das Langfilmdebüt von María Gisèle Royo und Julia de Castro. 

Das ungestüme Roadmovie von María Gisèle Royo und Julia de Castro borstet geradezu über vor unerwarteten Abzweigungen, sexuellen Anspielungen und surrealen Dialogen. Ganz nebenbei ist „On the Go“ auch noch eine queerfeministische Interpretation von Gonzalo García Pelayos Klassiker „Corridas de Alegría“ (1982) in den Zeiten von Dating-Apps, dem Streben nach ewiger Jugend und ökonomischer Unsicherheit. Was für ein wilder Ritt! (Quelle: Salzgeber.de)