Ein Nobody gegen Putin

Mr. Nobody against Putin - DK 2025, Regie: David Borenstein, Pawel Talankin, 90 Min., russ. OmengU

Filmszene aus Ein Nobody gegen Putin
So. 4.10. / 20:00 ★ mit Oscarpreisträger, Hauptdarsteller und Regisseur Pawel Talankin

Pawel Talankin ist Lehrer an einer Schule in der russischen Provinz. Er hält aus nächster Nähe mit seiner Kamera fest, wie mit Beginn der russischen Vollinvasion gegen die Ukraine sein Land und sein Leben sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch verändern: Patriotische und militaristische Rituale halten Einzug, staatliche Ideologie bestimmt zunehmend, was Kinder und Jugendliche lernen und die Freiräume werden immer kleiner. 
Mit trockenem Humor und großer Menschlichkeit erzählt „Ein Nobody gegen Putin“, von Mut, Zivilcourage und der Kraft der Wahrheit. Der Film eröffnet einen seltenen und unmittelbaren Einblick in das russische Bildungssystem und zählt zu den international meistbeachteten Dokumentarfilmen des Jahres. 2026 wurde er mit dem Oscar® als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Im März 2026 wurde der Dokumentarfilm von einem russischen Gericht verboten.
Im Anschluss an die Filmvorführung findet ein Gespräch mit Regisseur und Hauptdarsteller Pawel Talankin statt, der vor Ort sein wird und sich den Fragen des Publikums stellt. Moderation: Eduard Klein (Forschungsstelle Osteuropa), Dolmetscher: Artur Weigandt.

Eine Veranstaltung der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen und dem CITY 46 / Kommunalkino Bremen in Kooperation mit dem Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit e.V. und der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen im Rahmenprogramm zum Tag der Deutschen Einheit 2026 in Bremen.

„Talankin habe eine "heldenhafte" Leistung vollbracht, lobt der im Exil lebende prominente russische Filmkritiker Anton Dolin. Talankin belege nicht nur die eigentlich schon von vielen Videos bei Youtube bekannte russische Realität der Schüler-Indoktrinierung. Er mache auch selbst eine Wandlung von einem loyalen Lehrer zu einem Kriegsgegner durch und dokumentiere das.“ (Die Zeit, 21. März 2026)

„For the courageous act of documenting the insidious origins of propaganda in Russian schools and for showing us how easy it is to use misinformation to manipulate, the World Cinema Documentary Special Jury Award goes to Mr. Nobody Against Putin.“ (Jurybegründung, Sundance Film Festival 2025, Sonderpreis der Jury in der Kategorie „World Cinema Documentary Film“)

Interview mit „Ein Nobody gegen Putin“ Pawel Talankin Über Opposition, Propaganda und kollektive Verantwortung in Russland


Lovebox

D 2026, Buch & Regie: Daniela Michel, Alexander Kleider, 96 Min., engl. OmU

Filmszene aus Lovebox
Do. 1.10. / 20:00 ★ mit Regisseur Alexander Kleider
Fr. 2.10. + Mo. 5.10. / 17:30
Di. 6.10. / 20:00
Do. 8.10., Sa. 10.10., Mo. 12.10. + Mi. 14.10. / 18:00
Fr. 9.10., So. 11.10. + Di. 13.10. / 20:30
Mi. 14.10. / 15:00

Seit 2007 treffen sich in der südafrikanischen Wüste jedes Jahr über 10.000 Menschen zum „AfrikaBurn"-Festival. Für ein paar Tage soll hier eine Welt ohne Konsumzwang und Kapitalismus entstehen - ein Versprechen, das nicht ganz ohne Eintrittspreis zu haben ist, und für das sich vor allem Besucher*innen aus dem globalen Norden einfinden. Auf dem Ableger des bekannten „Burning Man“ unternimmt eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Freund*innen ein Experiment: die Lovebox-Experience. Dazu kommen jeweils zwei sich völlig fremde Menschen in einem raumschiffartigen Anhänger zusammen und sprechen über Liebe. Die Leere des kleinen Raums und die plötzliche Nähe zweier Menschen eröffnet Raum für Gespräche, Selbstreflexion und auch das Aushalten unangenehmer Stille. Als das Festival sich dem Ende zuneigt, beschließt die Gruppe, das Lovebox-Experiment auch abseits der südafrikanischen Festival-Utopie weiter zu tragen.

Die Filmemacher Alexander Kleider und Daniela Michel fangen die – intensiven – Reaktionen unmittelbar und ganz direkt ein. […] Kleider und Michel urteilen nicht, sie greifen nicht ein und beobachten das Geschehen neutral von außen. Sie umschiffen mit ihrer objektiven Sicht zudem die Gefahr, in allzu esoterisch-spirituelle Gefilde abzudriften. […] Ein Plädoyer für mehr Verletzlichkeit, Emotionen und gegenseitige Empathie. (Björn Schneider, www.programmkino.de)


Whisteblower

D 2026, Buch & Regie: Marc Bauder, 90 Min., engl., dt., frz. OmU

Filmszene aus Whisteblower
Do. 29.10., Sa. 31.10., Mo. 2.11. + Mi. 4.11. / 20:00
Fr. 30.10. + Di. 3.11. / 17:30
Do. 5.11., Sa. 7.11., Mo. 9.11. + Mi. 11.11. / 18:00
So. 8.11. + Di. 10.11. / 20:30

Ein Geheimnis zu lüften kann alles kosten: die Karriere, die Sicherheit, manchmal auch das Leben. Regisseur Marc Bauder hat drei Jahre lang Menschen begleitet, die genau dieses Risiko eingehen. In Afrika, Europa und den USA. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie besitzen Wissen, das mächtige Interessen lieber verborgen halten würden, und sie entscheiden sich trotzdem, es öffentlich zu machen. Jean-Jacques Lumumba, Großneffe des kongolesischen Unabhängigkeitshelden Patrice Lumumba, deckt Unterschlagungen im Umfeld des Kabila-Clans auf, und wird dafür bis in sein Exil nach Frankreich hinein bedroht. Der frühere NSA-Analyst Daniel Hale muss unter der Trump-Regierung mit bis zu zehn Jahren Haft wegen angeblichen Geheimnisverrats rechnen. Der Film zeigt, wie beide zwischen zwei Fronten stehen: Auf der einen Seite Unterstützer*innen wie Delphine Halgand-Mishra von The Signals Network oder die Panama-Papers-Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier, die versuchen, zwischen Presse und Whistleblower*innen zu vermitteln. Auf der anderen Seite Regierungen, Geheimdienste und Lobbyist*innen, die mit allen Mitteln versuchen, unbequeme Stimmen zum Schweigen zu bringen, im Film verkörpert unter anderem durch Holden Triplett, ehemals Leiter der Spionageabwehr im Weißen Haus. „Whistleblower“ geht damit über die einzelne Enthüllung hinaus und zeigt ein universelles Muster: den stillen Krieg, der geführt wird, sobald jemand wagt, Machtmissbrauch beim Namen zu nennen.


Sternbrücke Forever

D 2026, Buch & Regie: Christian Hornung, 98 Min., dt., engl. OmU

Filmszene aus Sternbrücke Forever
Do. 8.10. + Mo. 12.10. / 20:15
Sa. 10.10. / 20:00
So. 11.10. + Di. 13.10. / 17:30
Do. 15.10., Sa. 17.10. + Mo. 19.10. / 18:00
Fr. 16.10. + So. 18.10. / 20:45

Unter der Hamburger Sternbrücke ist über Jahrzehnte ein Mikrokosmos entstanden, den es so kein zweites Mal gibt: Mehmet verkauft Falafel, Martina steht im Kiosk, Stefan repariert seit Jahrzehnten Autos in der Werkstatt seines Vaters. Und sobald die Nacht anbricht, füllen sich die Clubs unter der Brücke. Orte wie die Beat Boutique oder die Astra Stube, die vielen als musikalische Heimat gelten. Doch dieser gewachsenen Nachbarschaft bleibt nicht mehr viel Zeit. Als der Abriss der Brücke beschlossen wird, beginnt für alle, die hier leben und arbeiten, eine jahrelange Hängepartie zwischen Hoffen und Bangen. Regisseur Christian Hornung hat diese Gemeinschaft über Jahre begleitet, durch Kündigungen, Proteste und den endgültigen Abschied von einem Ort, der für viele weit mehr war als eine Adresse. „Sternbrücke Forever" erzählt von Menschen, die um ihren Platz in der Stadt kämpfen, und wirft dabei Fragen auf, die weit über Hamburg hinausreichen: Wem gehört der städtische Raum? Und welchen Preis hat es, wenn gewachsene Freiräume der Planung weichen müssen?


Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit

CH 2026, Buch & Regie: Gabriele Schärer, 118 Min., schweizerdeutsche OmU

Filmszene aus Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit
Do. 29.10., Sa. 31.10. + Mo. 2.11. / 17:30
Fr. 30.10. + So. 1.11. / 20:00
Di. 3.11. / 20:00 ★ mit Diskussion: Axel Krause, Dipl.-Ing. Architekt, BDA-Filmforum
Do. 5.11., Sa. 7.11., Mo. 9.11. + Mi. 11.11. / 20:30
Fr. 6.11. + Di. 10.11. / 18:00
Mi. 11.11. / 15:30

Die Architektin Barbara Buser kehrt die Verhältnisse im Baugeschäft um: Nachhaltigkeit ist keine zusätzliche Aufgabe bei der Planung, sondern ihr Ausgangspunkt. Bei ihrer Arbeit im Sudan und in Tansania hat sie erkannt, dass Abfall immer auch Rohstoff bedeutet. Seither bewahrt sie Gebäude vor dem Abriss und baut sie mit wiederverwendeten Komponenten um. Dabei nutzt sie auch pflanzliche Materialien wie Stroh oder in Stücke geschnittene Deckenplatten als Wandkern. Praktikant*innen werden von ihr auf die Suche nach brauchbaren Fenstern und Türen geschickt, denn je weniger gebaut werden muss, desto kleiner ist der CO2-Abdruck. Gewinn wird nicht als Profit, sondern als sozialer Wertzuwachs für das Leben an einem Ort definiert. Dieses gestalterische Umdenken, das vor allem Menschen und Umwelt in den Blick nimmt, wurde von Kolleg*innen anfangs als »Gebastel« verunglimpft, erhielt jedoch 2022 die höchste Schweizer Architekturauszeichnung. Ihre zu lebendigen Begegnungsorten gewordenen Projekte sind heute wegweisend für das Bauen der Zukunft.  
Regisseurin Gabriele Schärer dreht seit rund vierzig Jahren aus feministischer Perspektive und wollte mit Barbara Buser bewusst eine Frau zeigen, die sich ihren Raum nimmt, statt wie in der Filmgeschichte oft üblich als tragische Figur zu scheitern. Auf ihre Protagonistin stieß die gleichaltrige Regisseurin bei Recherchen zum Konzept der „Caring Economy", einem Wirtschaften, das Fürsorge für Mensch und Umwelt über reinen Profit stellt.

Ihre Agenda ist klar: Kreislaufwirtschaft statt Verschwendung, Caring Economy statt Profit. Sie schafft Orte ohne Konsumzwang, die Begegnung, Teilhabe und Experimente ermöglichen. (...) Barbara Busers Haltung entspricht dem Zeitgeist, in dem Klimawandel, Ressourcenknappheit und sozialer Druck zunehmend an Bedeutung gewinnen. (...) Der Film macht dabei ihre vielleicht grösste Stärke sichtbar: komplexe Ideen verständlich zu vermitteln und Menschen für sie zu gewinnen. Investoren überzeugt sie mit ökologischen und sozialen Argumenten, mit ihrer Idee der "Stadtrendite", dem Gewinn für alle. Ihre ruhige, beharrliche und zugleich begeisternde Art macht sie zu einer ebenso überzeugenden wie nahbaren Protagonistin. (Nele Rickmann, www.bauwelt.de)

Beitrag auf SRF

Gabriele Schärer schuf mit dem Dokumentarfilm «Barbara Buser ‒ Pionierin der Nachhaltigkeit» ein leidenschaftliches, geniales Plädoyer für weibliches, zukunftsweisendes Bauen. (www.derandereFilm.de)