Ausgezeichnete Filme erzählen von dem, was Menschen bewegt – eindringlich, vielschichtig und mit filmischer Kraft. Die Filme dieser Reihe wurden von ökumenischen Jurys auf internationalen Festivals ausgezeichnet. Sie eröffnen neue Perspektiven auf gesellschaftliche, ethische und menschliche Fragen.

Vor jedem Film gibt es eine Einführung, anschließend die Möglichkeit zum Gespräch. 

In Kooperation mit dem Arbeitskreis Kirche & Kino Bremen.


Die Filme:

GREEN BORDER: Di. 15.9.2026 | 18:00 Uhrmit Einführung: Dirk von Jutrczenka, Pfarrer für Ökumene, Ethik und Weltanschauung in Oldenburg
DAS TIEFSTE BLAU: Di. 6.10.2026 | 18:00 Uhrmit Einführung: Ingeborg Mehser, AK Kirche & Kino
AMSEL IM BROMBEERSTRAUCH: Di. 17.11.2026 | 18:00 Uhrmit Einführung: Christian Naegeler, Pastor St. Petri Dom 
ALLE DIE DU BIST: Di. 8.12.2026 | 18:00 Uhrmit Einführung: Anja Wedig, Referentin Resonanzraum, kath. Citypastoral
TRULY NAKED: Di. 19.1.2027 | 18:00 Uhrmit Einführung: Heinz-Martin Krauß, Schulpastor i.R.


Welcher AUSGEZEICHNETE FILM soll am 23. Februar 2027 gezeigt werden? Ihr habt die Wahl:

SENTIMENTAL VALUE (2025, Regie: Joachim Trier)
QUIET LIFE (2024, Regie: Alexandros Avranas)
SILENT FRIEND (2025, Ildikó Enyedi)
HELDIN (2025, Regie: Petra Volpe)
DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS (2024, Regie: Mohammad Rasoulof)
IN DIE SONNE SCHAUEN (2025, Regie: Mascha Schilinski)

Die Abstimmung läuft bis 8.12.26. Einfach den QR-Code scannen und abstimmen oder auf dem Flyer wählen, im CITY 46 abgeben! Alternativ geht es hier auch direkt zur Umfrage bei Mentimeter.

Die Reihe beginnt im September 2026 und wird 2027 fortgesetzt.

Ausführlichere Infos demnächst hier an dieser Stelle oder bereits jetzt auf Kirche & Kino Bremen.

Flyer zur Filmreihe AUSGEZEICHNETE FILME


Auf www.kirche-und-kino-bremen.de gibt es einen Überblick über aktuelle und zurückliegende Veranstaltungen, Informationen zu kirchlicher Filmarbeit und Verknüpfungen zu Einrichtungen und Organisationen.


Bisherige Themen dieser Filmreihe:
MACHT. (Januar bis Juni 2026)
Alter, was geht? (September bis Dezember 2024 | Januar bis Juni 2025)
und weitere.

Green Border

Zielona granica - L/F/CZ/B 2023, Regie: Agnieszka Holland, mit Jalal Altawil, Maja Ostaszewska, 150 Min., poln., arab., engl., frz.. OmU

Filmszene aus Green Border
Di. 15.9. / 18:00 ★ mit Einführung: Dirk von Jutrczenka, Pfarrer für Ökumene, Ethik und Weltanschauung in Oldenburg

2021. Da die Länder Europas seine Präsidentschaft nicht akzeptieren, lockt der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko gezielt Flüchtlinge an die Grenze seines Landes zu Polen. Dort würde die Einreise in die EU garantiert gelingen. Also haben Bashir und Amina mit ihrer syrischen Familie wie viele andere Geflüchtete einen Flug nach Minsk gebucht, um von dort über die grüne Grenze nach Polen und dann zu ihren Verwandten in Schweden zu gelangen. Doch die Verheißung wird zur Falle. Zusammen mit Tausenden anderen steckt die Familie im sumpfigen Niemandsland zwischen Polen und Belarus fest. Von den Grenzschützern beider Länder werden sie im streng abgeschirmten Sperrgebiet hin und her getrieben und sin abgeschnitten von jeder Hilfe. Am Rand der unermesslichen Białowieża-Wälder versucht Julia als Teil einer Gruppe von Aktivist*innen, die in den Wäldern festsitzenden Geflüchteten mit dem Nötigsten zu versorgen. Jan, Beamter des polnischen Grenzschutzes, stammt selbst aus der Gegend. Die Eskalation und das Leid der Geflüchteten stellt die Gewissheiten seines Lebens mehr und mehr in Frage.
„Green Border“ wurde bei den Filmfestspielen in Venedig 2023 mit dem Spezialpreis der Jury und sechs weiteren Preisen ausgezeichnet. Darstellerin Maja Ostaszewska war selbst als Aktivistin an der Grenze im Einsatz. Für Aufsehen sorgte eine Aussage von Polens Justizminister, der Hollands Film mit NS-Propagandawerken verglich.

Über die Regisseurin: 
Agnieszka Holland, 1948 in Warschau geboren, gehört zu den bedeutendsten Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen Europas. Zu ihren bekannten Werken gehören „Bittere Ernte“ (1985), „Hitlerjunge Salomon“ (Originaltitel: „Europa Europa“, 1990) oder „Die Spur“ (Originaltitel: „Potok“, 2017), ausgezeichnet bei der Berlinale 2017 mit einem Silbernen Bären. Zudem führte sie Regie bei wichtigen US-Fernsehserien wie „The Wire“ oder „House of Cards“. (pifflmedien.de)

Ever tough-minded, Holland opens up questions about the very conscience of a modern society—not just for Poland (where conservative policies have embraced xenophobia) but for Europe as a whole. (Nicolas Rapold, www.viennale.at)

„Agnieszka Holland hat kein Manifest, sondern einen hoch humanen, hellsichtigen und weisen Film gedreht, der es sich in seinen Beobachtungen nicht leicht macht. Ganz Europa sollte ihn sehen, denn ganz Europa ist in diesem Film präsent, mit den hellen und den sehr dunklen Seiten.“ (Festival >Around The World in 14 Films<


Das tiefste Blau

O último azul – BR/MX/CL/NL 2025, Regie: Gabriel Mascaro, mit Denise Weinberg, Rodrigo Santoro, 87 Min., OmU

Filmszene aus Das tiefste Blau
Di. 6.10. / 18:00 ★ mit Einführung: Ingeborg Mehser, AK Kirche & Kino

Brasilien: Als die 77-jährige Tereza an ihrem letzten Arbeitstag nach Hause kommt, findet sie zu ihrer Überraschung einen Plastikkranz an ihrer Tür. Damit nicht genug, wird ihr bei einer Feier eine Medaille überreicht, denn sie wäre aufgrund ihres hohen Alters nun ein „lebendiges Nationalheiligtum”. Es wäre nun an der Zeit, die Füße hochzulegen und ihren Ruhestand zu genießen. Was zunächst wie eine Ehrung älterer Mitmenschen erscheint, hat jedoch einen anderen Grund. Die brasilianische Regierung bringt ältere Menschen, die „nicht mehr produktiv” sind, in sogenannte Seniorenkolonien – und es heißt, von da wäre noch nie jemand zurückgekommen. Außerdem wird Tereza die Selbstständigkeit genommen, als ihrer Tochter die Vormundschaft übertragen wird. In einer Woche soll Tereza bereits umziehen. Doch sie ist noch lange nicht fertig mit ihrem Leben und macht sich heimlich auf den Weg in den Amazonas, um sich einen letzten Wunsch zu erfüllen. Gabriel Mascaros Film wurde unter anderem mit dem Silbernen Bären und dem Preis der Ökumenischen Jury der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet.

Dieses Vermögen, eine sehr spezifische und konzentrierte Geschichte zu erzählen und dabei dennoch weit über sich selbst hinauszuweisen, macht The Blue Trail inmitten all des überengagierten Weltverbesserungskinos auf der einen und des therapeutischen Innerlichkeitskinos auf der anderen Seite zu einer der schillerndsten Perlen im bisherigen Berlinale-Wettbewerbsjahrgang. (Katrin Doerksen, www.kino-zeit.de)

Eine poetische, teils unwirkliche Note durchzieht den Film mit Beginn der Reise Terezas auf dem Amazonas. Hier gibt sich Mascaro in beachtlichen, entschleunigten Bildern ganz der malerischen Natur und bezaubernden Landschaften hin. Minutenlang ist kein Wort oder Dialog zu hören, gemeinsam mit Tereza und ihrem Bootsführer schweben wir über das Wasser. Währenddessen dominiert die traumartige, eine mystische Aura verströmende Musik des Komponisten Memo Guerra, die die Imagination befeuert. Sie unterstützt die Handlung von der ersten Minute an und überträgt die Emotionen Terezas auf die Tonspur. (Björn Schneider, www.programmkino.de)

Der brasilianische Regisseur Gabriel Mascaro und seine wunderbare Hauptdarstellerin Denise Weinberg, in Brasilien bisher als Theaterdarstellerin bekannt, gehen mit uns auf eine magische Reise ins Herz der Menschlichkeit, nicht der Finsternis. Ein in jeder Minute überraschendes, großartig fotografiertes Roadmovie über die zweite Chance im Alter, die man sich selbst schaffen muss. Für diesen Publikumsliebling gab es den Silbernen Bären der Berlinale 2025, den Grand Prix de Jury, also den zweitwichtigsten Preis. (Knut Elstermann, www.radioeins.de


Amsel im Brombeerstrauch

GEO/CH 2023, Regie: Elene Naveriani, mit Eka Chavleishvili, Temiko Chinchinadze, 110 Min., georg. OmU

Filmszene aus Amsel im Brombeerstrauch
Di. 17.11. / 18:00 ★ mit Einführung: Christian Naegeler, Pastor St. Petri Dom

Etero ist Ende vierzig, lebt in einem abgelegenen georgischen Dorf und betreibt eine eigene kleine Drogerie. Sie ist die einzige alleinstehende Frau im Ort. Aus Überzeugung hat sie nie geheiratet, und obwohl man ihr deswegen oft herablassend begegnet, war Etero stets zufrieden mit sich und ihrer Freiheit. Dann stürzt sie beim Brombeerpflücken, und der fast tödliche Unfall lässt sie neu auf ihr bisher unabhängiges Leben blicken. Unerwartet verliebt sie sich leidenschaftlich in ihren Lieferanten Murman, der jedoch verheiratet ist. So steht Etero plötzlich vor der Entscheidung, ob sie in einer Beziehung oder weiter allein und ungebunden leben möchte. Ist eine Beziehung das, was sie aus ihrem eintönigen Provinzleben herausholt? Oder wie kann sie als ältere Frau in einem patriarchalen Umfeld glücklich werden?
„Amsel im Brombeerstrauch“ wurde beim Sarajevo Filmfestival 2023 mit dem Hauptpreis und Hauptdarstellerin Eka Chavleishvili als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Über die Regisseurin Elene Naveriani:
Elene Naveriani ist georgische Filmregie- und Autorenperson und hat 2003 einen Abschluss in Monumentalmalerei an der Kunstakademie Tiflis gemacht. Nach einem anschließenden Master in Crytical Curatorial Cybermedia an der Hochschule für Kunst und Design Genf, hat Elene ein Studium im Bereich Film begonnen. Der Abschlusskurzfilm “Gospel of Anasyrma” (2014) wurde wegen Elenes unverwechselbarer Handschrift gefeiert. Danach folgten weitere Kurzspiel- und Dokumentarfilme die zahlreiche Preise erhielten, zum Beispiel “Lantsky Papas gestohlener Ochse” (2018), gewann beim Entrevues Belfort den Grand Prix Bester Kurzfilm. Naverianis erster Langspielfilm “Wet Sand” erhielt bei dem 74. Filmfestival Locarno den Preis für den besten Schauspieler. (Quelle: Presseheft)

In Georgien, einem Land, in dem die traditionellen Erwartungen an Frauen oft erdrückend und fest verankert sind, steht die Protagonistin Etero vor der großen Herausforderung, ihr individuelles Glück inmitten einer patriarchal dominierten Gesellschaft zu finden. Die Schriftstellerin Tamta Melaschwili und Filmregie- und -autorenperson Elene Naveriani geben einer Frau eine Stimme, die in herkömmlichen Erzählungen oft marginalisiert oder gar nicht erst gehört wird. (Sophia Derda, www.kino-zeit.de)

Elene Naveriani inszeniert Eteros eintönig wirkenden Alltag in ruhigen, fast schon lethargisch und depressiv wirkenden Bildern. Vielleicht es auch einfach der Mut zur Langsamkeit und Nacktheit ihrer Hauptdarstellerin Eka Chavleishvili sowie die Verweigerung jeglichen Glamours, die diesen Eindruck erzeugen bzw. verstärken. Chavleishvili nimmt sich als Etero zurück und zeigt eine Frau, die nicht den Drang verspürt, durch große Gesten oder ausgeprägtes Sozialverhalten auf sich aufmerksam machen und Kontakt zu anderen herstellen zu wollen. Allerdings verraten Eteros Augen regelmäßig ihre Gefühle; meisterhaft stellt Chavleishvili auf diese Weise immer wieder einen Kontrast zu Eteros ansonsten minimalen Gefühlsausdrücken her. (Maximilian Schröter, www.film-rezensionen.de