Ein kurzer Film über das Töten
Krótki film o zabijaniu - P 1988, Regie: Krzysztof Kieslowski, mit Miroslaw Baka, Krzysztof Globisz, 87 Min., DF

Der 21-jährige Jacek streunt durch die polnische Hauptstadt Warschau. Von einer Brücke lässt er eher desinteressiert einen Stein auf die Fahrbahn fallen – klirrendes Glas, quietschende Bremsen und aufgeregtes Hupen sind zu hören. Währenddessen beginnt ein misanthropisch veranlagter Taxifahrer seinen Arbeitstag und ein Rechtsanwaltsreferendar besteht seine Anwaltsprüfung. Drei Menschen in Warschau, deren Schicksale sich miteinander verbinden, als Jacek später den Taxifahrer auf brutale Weise ermordet und der junge Rechtsanwalt ihn verteidigt.
1987 wurde Kieślowski vom sozialistischen Staatsfernsehen beauftragt, eine zehnteilige Serie von je einstündigen Folgen zu realisieren, die sich vage an den zehn Geboten des Alten Testaments orientieren sollten. Knapp achtzehn Monate später war der Zyklus Dekalog abgedreht und geschnitten, darunter auch „Ein kurzer Film über das Töten“. Auf dem Filmfestival Cannes 1988 erhielt der bis dahin im Westen weithin unbekannte Regisseur den Spezialpreis der Jury. „Geschockt verließ das Festspielpublikum vor der Zeit die Kinosessel, überwältigt von dieser unbarmherzigen Studie der Gewalt, so Der Spiegel, Nr. 18/1990.
Über den Kunstwert des Kurzen Films über das Töten kann man streiten. Darüber, ob die Musik im Film nicht ein wenig zu kitschig, die Kolorierung nicht zu aufdringlich ist. Aber über das, was Kieślowski zeigt, was er uns entdecken läßt, gibt es keine Diskussion. Die Geschichte, die der „Kurze Film“ erzählt, ist so einfach wie ein anatomisches Präparat. Es ist die Geschichte vom Strick, der die Menschen verbindet…. Einen Film wie den von Kieślowski gibt es alle zehn Jahre einmal. Jetzt kann sich jeder überlegen, ob er fliehen will oder standhalten, eineinhalb Kinostunden lang. (Andreas Kilb in: Die Zeit, Nr. 5/1989 (Hamburg))
