Es wird ein facettenreiches italienisches Kulturprogramm im ganzen Land Bremen geben: Piazza Culturale, Musik, Diskussion, Workshops, Theater, Kino, Kunst und Gastronomie. Die Kulturtage sollen den Dialog zwischen den Kulturen hier lebender Menschen befördern, kulturelle Brücken bauen und Begegnungen schaffen.

Im Rahmen der Kooperation zwischen dem CITY 46 / Kommunalkino Bremen e.V. und der Deutsch-Italienischen Gesellschaft werden drei italienische Filme im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt:

„Primadonna / Das Mädchen von morgen“, Donnerstag 28. Mai, 18:00 Uhr
„Grazie ragazzi / Alles nur Theater“, Samstag 30.Mai, 20:30 Uhr
„Tra le onde del cielo / In den Wogen des Himmels”, Mo. 1. Juni, 17:30 Uhr

Primadonna – Das Mädchen von morgen

I 2023, Regie: Marta Savina, mit Claudia Gusmano, Fabrizio Ferracane, Manuela Ventura, 102 Min., OmU

Filmszene aus Primadonna – Das Mädchen von morgen
Do. 28.5. / 18:00 ★ mit Einführung: Antonella Lavagno, SZHB, Uni Bremen

Sizilien in den Sechzigerjahren: Die 21-jährige Lia ist eine mutige junge Frau, die gegen die traditionellen Frauenrollen in ihrem Heimatort rebelliert. Hausarbeit verweigert sie – lieber arbeitet sie mit ihrem Vater auf dem Feld. Als sie die Annäherungen von Lorenzo, Sohn des Mafiabosses im Dorf ablehnt, vergewaltigt er sie. Und weil es die Tradition im damaligen Sizilien vorschreibt, muss das Opfer auch noch den Täter heiraten, um das zu retten, was man damals für „Ehre" hielt. Lorenzo, Sohn der zwielichtigen und einflussreichen Musicò-Familie, käme so den damaligen Gesetzen nach straffrei davon. Doch Lia macht das eigentlich Undenkbare: Sie zeigt den Sohn des mächtigsten Mannes im Ort als Vergewaltiger an und fordert Gerechtigkeit. Vor der kargen Kulisse der Monti Nebrodi beginnt ein Kampf um Würde und Selbstbestimmung. 
„Primadonna“ basiert auf einer wahren Geschichte, die seinerzeit landesweit für Aufsehen sorgte und Rechtsgeschichte schrieb. Franca Viola war die erste Frau, die sich gegen die sogenannte Wiedergutmachungsehe auflehnte. Sie wurde zu einer Vorkämpferin gegen Gewalt an Frauen.

Regisseurin Marta Savina: „Ich habe mich schon immer dafür interessiert, wie man auf Gewalttaten und Übergriffe reagieren kann, ohne sich einerseits der Rache hinzugeben und andererseits zu vermeiden, zum Opfer zu werden. Außerdem hatte ich den Wunsch, von einem archaischen, an die Traditionen gebundenen Sizilien zu erzählen, dass ich durch meine Familie väterlicherseits aus erster Hand kennengelernt habe, ohne aber in Klischees zu verfallen.“ Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis der Filmtournee Cinema Italia 2024. (www.cinema-italia.net)

Einfühlsam und eindringlich zeigt Primadonna auf, wie Misogynie und die Trivialisierung sexueller Gewalt nicht nur von Einzelpersonen ausgehen, sondern tief in gesellschaftlichen Erwartungen und Institutionen wie Kirche und Strafverfolgungsbehörden verwurzelt sind. 
(Charlie Hain, Filmlöwin – Das feministische Filmmagazin)


Alles nur Theater?

Grazie ragazzi – I 2023, Regie: Riccardo Milani, mit Antonio Albanese, Sonia Bergamasco, Giacomo Ferrara, 117 Min., ital. OmU

Filmszene aus Alles nur Theater?
Sa. 30.5. / 20:30

Antonio ist Theaterschauspieler durch und durch – und somit leider auch oft arbeitslos. Als ihm ein Freund einen Job anbietet, überlegt er nicht lange. Im Gefängnis von Velletri soll Antonio einen Theater-Workshop leiten, doch die Resonanz unter den Insassen ist verhalten. Nur fünf Häftlinge erscheinen zum Workshop. Antonio will jedoch nicht aufgeben und beschließt spontan, „Warten auf Godot” von Samuel Beckett zu inszenieren. Dieses Stück gehört zu den großen Theaterklassikern – und es ist auch das erste Stück, in dem Antonio als Schauspieler debütierte. Während die strenge Gefängnisleiterin dem gesamten Projekt misstrauisch gegenüber steht, begeistern sich die anfangs skeptischen Insassen immer mehr für das Theater. 
Riccardo Milanis Spielfilm erhielt den Publikumspreis 2023 in der Reihe „Cinema Italia”.

Regisseur Riccardo Milani: „Grazie ragazzi“ beruht auf einer wahren Geschichte, die sich Mitte der 1980er Jahre in Schweden abgespielt hat. So handelt der Film von der Fähigkeit des Theaters, eine Möglichkeit zu eröffnen, in die menschliche Seele der Zuschauer einzudringen, aber auch, und in diesem Fall ganz besonders, in die Seele derjenigen, die sich selbst aufs Spiel setzen, indem sie auf einer Bühne spielen. Deshalb ist „Grazie ragazzi“ zwangsläufig auch ein Film über die Schauspielerei, die für mich stets faszinierend und geheimnisvoll bleibt. Ein Film darüber, wie die Kunst in einem Gefängnis zu einem Element der „Freiheit" und vor allem der „Möglichkeit" werden kann. (Kairos Filmverleih)

Es ist fast ein Wunder, dass sich der neue Film von Riccardo Milani, obwohl er aus vielen Quellen schöpft (angefangen von einer wahren Begebenheit, die sich 1985 in Schweden abspielte, bis hin zu Emmanuel Courcols Film Un triomphe), durch seine Originalität auszeichnet und den Eindruck erweckt, alles spiele sich vor unseren Augen ab, während wir den Film sehen. Der Film ist auch die tragikomische Version von “Cesare deve morire / Cäsar muss sterben” der Brüder Taviani. Doch trotz der Hommagen und Einflüssen ist Grazie ragazzi ein eigenständiges Werk, das ein perfektes Gleichgewicht zwischen Ironie und Emotion schafft. (Alberto Crespi, LA REPUBBLICA)

„Jetzt hast du uns zwei Monate lang genervt, aber schauspielern ist besser als ein Raubüberfall!" Das sagt der Häftling Diego zu dem Theaterregisseur, der ihn gezwungen hat, Becketts Warten auf Godot einzustudieren. “Grazie ragazzi” von Riccardo Milani erzählt von der Sehnsucht nach Freiheit von vier Gefangenen, die Antonio dazu bringt, das Meisterwerk des absurden Theaters aufzuführen. (Francesco Alò, IL MESSAGGERO


Tra le onde del cielo - In den Wogen des Himmels

I 2016, Buch, Regie: Francesco Zarzana, mit Laura Efrikian, Elena Polic Greco, Marco Morandi, Lucia Bendìa, Lucia Fossi, Claudia Campagnola, 63 Min., OmU

Filmszene aus Tra le onde del cielo - In den Wogen des Himmels
Mo. 1.6. / 17:30 ★ mit Regisseur Francesco Zarzana

Am 28. Januar 1966 explodierte eine Maschine der Lufthansa beim Landeanflug auf den Bremer Flughafen. Alle 46 Insassen kamen dabei ums Leben. Unter den Opfern befanden sich sieben junge Mitglieder der italienischen Schwimmnationalmannschaft, ihr Trainer sowie ein italienischer Reporter. Sie waren auf dem Weg zu einem Wettbewerb in Bremen, einem prestigeträchtigen Ereignis der Hallensaison. 
50 Jahre später erzählt Zarzana von dieser Tragödie, die Italien und Deutschland erschütterte und die Geschichte der italienischen Schwimmnationalmannschaft für immer veränderte. „Tra le onde del mare“ ist ein Dokumentarfilm, der Fiktion und Archivmaterial verbindet, in dem Familienangehörige und Freunde von den motivierten Mädchen und Jungen erzählen, die voller Hoffnung und Begeisterung für ihren Sport waren.
Daniela Samuele war mit sechzehn Jahren die jüngste Athletin im Team, Bruno Bianchi mit 23 Jahren der „Älteste“ und Kapitän der italienischen Schwimmnationalmannschaft. An Bord der Convair befanden sich außerdem Carmen Longo, Amedeo Chimisso, Sergio De Gregorio, Luciana Massenzi und Chiaffredo Dino Rora. Begleitet wurden sie von Paolo Costoli, dem Trainer und ehemaligen Schwimmer, sowie dem Journalisten Nico Sapio, Kommentator der RAI und Stimme der wichtigsten Anlässe. Der Film wird zum ersten Mal mit deutschen Untertiteln gezeigt. 

Im Anschluss an die Vorführung findet eine Diskussion mit Zeitzeugen der Tragödie statt.

Francesco Zarzana wird auch sein neues Buch vorstellen: „12 MINUTI. Brema, 1966: la tragedia dimenticata della Nazionale italiana di nuoto / 12 MINUTEN Bremen, 1966: Die vergessene Tragödie der italienischen Schwimmnationalmannschaft“ (2016).