Globales Handeln

Die Effekte der Globalisierung sind überall in unserem Alltag zu finden. Und umgekehrt beeinflusst unser regionales Verhalten viele globale Prozesse und Entwicklungen und nicht zuletzt das Leben von Millionen von Menschen. Als Folge der Pandemie lässt uns der zeitweise Mangel gerade spüren, was der Preis für die kostengünstigere Auslagerung der Warenproduktion ist. Es sind große Abhängigkeiten entstanden durch den weltweiten Warenverkehr.

Kann der filmische Blick in die Welt helfen, unsere westliche Lebensweise mit anderen Augen zu sehen? Mitzufühlen, was der Preis hinter „immer billiger, immer mehr“ für andere Menschen, für Tiere und Umwelt ist? Können die Beispiele von engagierten Menschen für einen anderen Umgang miteinander und mit Ressourcen den Funken überspringen lassen? Wir glauben fest daran. Filmbilder haben Macht – im positiven Sinn können sie etwas bewegen.

In der Reihe "Globales Handeln" präsentieren wir passende Filme, in der Regel auch immer mit Gästen und Kooperationspartnern. Sie möchten sich an der Reihe beteiligen? Dann schicken Sie uns gerne Ihre Ideen: info@city46.de

La Graciosa - Kanarische Träume

D 2025, Regie: Karin Kaper, Dirk Szuszies, 115 Min., span., dt. OmU

Filmszene aus La Graciosa - Kanarische Träume
Mi. 28.10. / 17:30 ★ mit den Regisseur*innen Karin Kaper & Dirk Szusies

Millionen von Deutschen kennen die Kanaren, nur wenige die winzige Insel La Graciosa. Seit mehr als 30 Jahren bereisen die Filmemacher*innen Karin Kaper und Dirk Szusies diesen einzigartigen Mikrokosmos. Caleta de Sebo ist das einzige immer bewohnte Dorf mit 600 Einwohner*innen, welches sich von einem einst armen Fischerdorf, in dem jeder jedem half, zu einer immer mehr vom Tourismus dominierten Gemeinschaft gewandelt hat. Unterschiedliche Bewohner*innen des Dorfes, zu denen das Regie-Duo im Laufe der Jahre ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut haben, sind die Protagonist*innen des Films. Starke Frauen spielen eine wesentliche Rolle, ebenso Menschen, die sich in La Graciosa verliebt und dort niedergelassen haben. Konflikte gibt es aber auch in diesem Paradies auf Erden. Einige Mitwirkende im Film, die sich für den Natur- und Umweltschutz auf der Insel einsetzen, sind den Angriffen von denen ausgesetzt, für die alle Einnahmequellen legitim sind. Darüber hinaus beleuchten die sehr persönlichen, faszinierenden Lebensgeschichten der Gracioseras und Gracioseros gesellschaftlich relevante Themen: die Gleichstellung der Frau, die Bedeutung kommunaler Selbstverwaltung, den Schutz von Natur und Umwelt, die Entwicklung alternativer Formen eines ökologisch verträglichen Tourismus, Klimawandel, Fragen des sozialen Miteinanders, Respekt vor der Lebensleistung der älteren Generation und der Verlust an Traditionen.

Karin Kaper und Dirk Szuszies präsentieren keinen gewöhnlichen Reisefilm, der sich mit aneinandergereihten oberflächlichen Eindrücken begnügt. […] Auf dieser winzigen Insel, wo Erinnerung und Gegenwart in einem empfindlichen Gleichgewicht nebeneinander existieren, entsteht ein menschliches, historisches und soziales Porträt, das aus vertrauensvoller Nähe heraus entstanden ist. […] La Graciosa ist als Mikrokosmos ein eindringliches Beispiel dafür, wie gefährlich ein zunehmender Massentourismus für das Zusammenleben der Menschen ist. […] Großartige Kameraaufnahmen sowie Musikkomposition und Sounddesign schließlich machen „La Graciosa - Kanarische Träume“ zu einem mehr als empfehlenswerten Kinogenuß. (Christel Wollmann-Fiedler, www.hispanorama.de)

Im Mittelpunkt des etwas anderen Reisefilms steht die Frage: Gibt es das Paradies auf Erden überhaupt? Eine Liebeserklärung an die Lebenslust und den Widerstandsgeist der Inselbewohner. (www.filmkunstmesse-leipzig.de)
 


Heart of Light – Eleven songs for Fiji

D/F 2026, Buch & Regie: Cynthia Beatt, mit Tilda Swinton, Simon Fisher-Turner, Peter Knaack, 166 Min., engl., fij., dt. OmU

Filmszene aus Heart of Light – Eleven songs for Fiji
Do. 8.10. + Mo. 12.10. / 17:30
Fr. 9.10., So. 11.10. + Di. 13.10. / 20:00
Mi. 14.10. / 20:15
Do. 15.10., Sa. 17.10. + Mo. 19.10. / 20:30
Fr. 16.10. + So. 18.10. / 18:00

Wellen, die an Strände schlagen, Nebel über dichten Regenwäldern, das Rauschen der Blätter auf den Plantagen: Fidschi ist mehr als eine Kulisse, es ist der eigentliche Hauptdarsteller dieses Films. Die Kamera folgt den Menschen der Inseln in ihrem Alltag: beim Fischen, bei der Kava-Ernte und dem gemeinsamen Trinken des daraus gewonnenen Rauschgetränks, beim kunstvollen Flechten der Kuta-Matten. Zwischen diese dokumentarischen Bilder mischen sich die Geschichten dreier Reisender aus Europa, die auf der Suche nach etwas sind, das sie selbst kaum benennen können. Simon streift durch das Land und fängt seine Sounds und Geräusche ein, aus denen er später Musik und Klanglandschaften komponiert. Niels, ein deutscher Schriftsteller, ist zu Recherchezwecken unterwegs. Und Iona betritt nach vielen Jahren wieder den Boden ihrer Kindheit, während ihr bewusst wird, wie fremd ihr die einstige Heimat inzwischen geworden ist. Die Figur ist eng an das eigene Leben der Regisseurin angelehnt: Auch Cynthia Beatt verbrachte prägende Kindheitsjahre auf Fidschi, damals noch britische Kolonie, und kehrt nun, Jahrzehnte später, mit einem von postkolonialem Bewusstsein geschärften Blick zurück. Der Film verwischt bewusst die Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation und wird so zu einer eindringlichen Annäherung an Fidschi: ein Porträt aus Begegnungen, aus Klängen und Stille, aus dem, was bleibt, wenn man sich wirklich auf einen Ort und seine Menschen einlässt.

A speculative autobiography realised as an enchanting hybrid of ethnographic study and essayistic fiction. A monumental work of pure cinema! (Olaf Möller, IFFR International Film Festival Rotterdam, 2026)

Loose and sprawling; a travelogue hybrid of narrative and narration untroubled by their interplay. (Morris Yang, In Review Online, 2026)

„Heart of Light – Eleven Songs for Fiji", when you think about it, aims simply to speak of the desire to reach places that fully reflect the vital energy that pulses within every human being, of the fear of feeling alienated from a way of life that differs from what one is accustomed to, and of the subtle liminal space between these forces, a corner of darkness and solitude where one might discover, even if only for an instant, true peace. (Jacoco Garuti, Taxidrivers.it, 2026)


Watching People Watching Birds

D 2026, Regie: Ulrike Franke & Michael Loeken, 92 Min.

Filmszene aus Watching People Watching Birds
Do. 1.10. + Di. 6.10. / 17:30
Fr. 2.10. / 20:00
Mo. 5.10. / 20:00 ★ mit den Regisseur*innen Michael Loeken und Ulrike Franke
Do. 8.10., Sa. 10.10., Mo. 12.10. + Mi. 14.10. / 20:30
Fr. 9.10., So. 11.10. + Di. 13.10. / 18:00
Mi. 14.10. / 15:30

Je mehr die Artenvielfalt und Population der Vögel zurückgeht, desto mehr Menschen werden zu Vogelbeobachter*innen. Mit Ferngläsern ausgestattet, erspähen sie Vögel auf Wegen und Feldern, an Straßenrändern und Brachen – in der Natur, und was davon übriggeblieben ist. „Ein Grund, warum Wildvögel so wichtig sind (…) ist der, dass sie unsere letzte, beste Verbindung zu einer natürlichen Welt darstellen, die ansonsten im Schwinden begriffen ist“, sagt der Autor und Birdwatcher Jonathan Franzen, einer der wohl bekanntesten Vogel-Fans. Das Regie-Duo begleitet die Birdwatcher*innen und verzichtet selbst auf Kommentare aus dem Off. Stattdessen kommen allein die Protagonist*innen zu Wort lässt allein die Auftretenden zu Wort kommen, mal direkt in die Kamera, mal im Gespräch miteinander während ihrer gemeinsamen Streifzüge. Der eine liebt Möwen, die andere erhofft sich einen Blick auf seltenere Spezies. Die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, wie der Gelbkopf-Kleidervogel, der Eskimo-Brachvogel oder der Balearensturmtaucher, ist lang. Die Sehnsucht nach dem zerbrechlichen Schönen, dem Traum von Freiheit, den Vögel verkörpern, uralt. 

Watching People Watching Birds romantisiert (...) nichts; die Protagonisten erscheinen weder als weltfremde Sonderlinge noch als idealisierte Naturfreunde, sondern schlicht als Menschen, die sich bewusst für einen anderen Rhythmus entschieden haben. Gerade in den scheinbar ereignisarmen Passagen entfaltet der Film deshalb eine unerwartete Sogwirkung. Der Zuschauer mag sich dabei erwischen, den Blick der Beobachter zu übernehmen, selbst auf kleinste Veränderungen im Bild zu achten, um vielleicht irgendwo noch einen weiteren Vogel zu erspähen. So gelingt es den Regisseuren, ihn unweigerlich zu einem Teil dieses stillen, beinahe meditativen Prozesses zu machen, der die Protagonisten eint, auch wenn sie alle ganz unterschiedlich sein und jeweils auf ihre eigene Art an die Sache herangehen mögen. (Jaschar Marktanner, www.film-rezensionen.de) 

Die filmischen Betrachtungen stimmen nachdenklich. Sie verweisen auf eine tiefliegende Verbundenheit der Menschen zur zurückgedrängten Natur und die gerade auch in urbanen Räumen schwelende Sehnsucht nach gefiederten Nachbarn wie Zilpzalpen, Hausrotschwänzen, Mauerseglern. (Bianca Piringer, www.kino-zeit.de) 

Bevor sich nun aber der Eindruck einstellt, dass die Regisseure einen Film im Stile Ulreich Seidls im Sinne haben, sich also über seltsame Freizeitbeschäftigung lustig machen wollen, entwickelt sich „Watching People Watching Birds“ vom reinen Dokumentarfilm zu einem essayistischen Werk, das in seinen besten, interessantesten Momenten vom komplizierten, symbiotischen Verhältnis der Menschen zu den Vögeln erzählt. (Michael Meyns, www.programmkino.de)

Dieser Film spielt mit den Klischees und bindet diese auch in die Formsprache und Gestaltung ein. Der ruhige und geduldige Fluss der Bilder, die Erzählungen der porträtierten Personen sowie deren Unterbrechungen im Gespräch, gibt einen Einblick in den Charakter der Protagonist:innen. Zum Beispiel wenn ein Zwitschern der Vögel die Aufmerksamkeit auf diese zieht. Die Klischeehaftigkeit mancher Bilder sorgt außerdem für den ein oder anderen witzigen Moment. Ohne Frage lässt sich dieser Film als einfache und simple Dokumentation über ein einfaches und simples Hobby lesen. Es empfiehlt sich jedoch diesem Film eine Chance zu geben und sich auf all jene Dinge einzulassen, die dieser Film im Subtext zu vermitteln versucht. Wer weiß, vielleicht ist es am Ende eine neue Perspektive, sei es nun vom Himmel herab oder in die Wolken hinauf, die gewonnen werden kann. (Oskar Fleischanderl, www.subtext.at)
 


Call Me Queen

D/F/GB/K 2026, Regie: Emily Atef, mit Eliane Umuhire, Denise Gough, Charlie Carrick, 105 Min., OmU

Filmszene aus Call Me Queen
Mo. 26.10. / 17:30
Di. 27.10. + Mi. 28.10. / 20:00
Do. 29.10., Sa. 31.10. + Mo. 2.11. / 20:30
Fr. 30.10., So. 1.11. + Di. 3.11. / 18:00
Mi. 4.11. / 15:30

Nairobi in den 1990er-Jahren. Queen zieht ihre zwei Kinder allein groß, das Leben lässt ihr wenig Raum zum Verschnaufen. Doch aufgeben ist für sie keine Option. Als sie der irischen Auslandskorrespondentin Anna begegnet, ahnt keine der beiden, wie eng sich ihre Wege bald miteinander verbinden werden. Aus einer zufälligen Begegnung wird eine Freundschaft, die alle gesellschaftlichen Gräben überbrückt. Dann die Diagnose: Queen hat sich mit HIV infiziert, mitten in der Hochzeit der Epidemie, die in ihrer Nachbarschaft täglich Menschenleben fordert. Durch Annas Kontakte erhält Queen Zugang zu einer Behandlung, die vielen um sie herum verwehrt bleibt, und überlebt. Doch das Überleben fühlt sich für Queen nicht wie ein Ende an, sondern wie ein Auftrag. Aus der einst überforderten Mutter wird eine Kämpferin, die sich der Ungerechtigkeit entgegenstellt und für den Zugang zu lebensrettender Versorgung einsteht.  
Regisseurin Emily Atef, ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis für „3 Tage in Quiberon“, erzählt in ihrem neuen Spielfilm von weiblicher Selbstbestimmung und der Kraft, die aus Solidarität erwächst. Der Film basiert auf dem Roman „Mercy“ von Lara Santoro und ist von wahren Begebenheiten inspiriert.

„Call Me Queen“ ist ein wichtiger Film – bewegend, emotional, empowernd. Er zeigt den Mut und die Stärke von Queen und die daraus entstehende kollektive, emanzipatorische Kraft. (Alem-Adina Weisbecker, www.missy-magazine.de)


Insekten – Helden im Verborgenen

D 2026, Regie: Nepomuk Pfaff, 88 Min.

Filmszene aus Insekten – Helden im Verborgenen
Do. 15.10. / 17:30 ★ mit Gästen vom NABU Bremen
Sa. 17.10. + Mo. 19.10. / 17:30
So. 18.10. / 20:00
Mo. 26.10. + Mi. 28.10. / 20:30
Di. 27.10. / 18:00
Mi. 28.10. / 15:30

Die Erde in ihrer Vielfalt an Pflanzen, Farben und Formen ist ohne Insekten nicht denkbar. In Nepomuk Pfaffs Dokumentarfilm wird die Evolutionsgeschichte über 480 Millionen Jahre nachvollzogen und die Rolle der Bestäuber*innen in verschiedenen Kapiteln gezeigt. Wie die Insekten mit den Pflanzen Schritt für Schritt ihre Lebensgemeinschaft zu beiderseitigem Nutzen erschaffen haben, erzählt die Stimme von Katharina Thalbach aus dem Off. Nahaufnahmen von Ameisen, Bienen, Leuchtkäfern und anderen Insekten führen die wundersame Schönheit ihres Körperbaus und ihre emsige Tätigkeit vor Augen. Durch unser profitorientiertes Verhalten im Umgang mit der natürlichen Welt wurden sie bereits in großer Anzahl vernichtet. Allerdings ist es uns ebenso möglich, schlechte Entscheidungen nicht einfach stur fortzuführen: Beispiele verschiedener Biosphärenreservate zeigen, wie Landwirt*innen mit und nicht gegen die Natur arbeiten.  
Regisseur Nepomuk Pfaff, der mit seinem Kurzfilm „Kalter Hund“ 2024 den Deutschen Jugendfilmpreis gewann, legt mit „Insekten – Helden im Verborgenen“ sein dokumentarisches Langfilmdebüt vor.

Im Unterschied zu Naturdokus, die von National Geographic, BBC & Co. produziert werden, ist „Insekten – Helden im Verborgenen“ weniger entlang der Forschung und Beobachtung vom Leben und Aussterben der Flora und Fauna konzipiert, sondern vielmehr entlang eines Appells, der in eine Handlungsaufforderung mündet. Der Film sucht die Hoffnung und findet auch dort Kompromisse, wo die Insekten am systematischsten und brutalsten vernichtet werden. Eine Handvoll Landwirte sind die heimlichen Helden des Films. Menschen, die verstehen, dass sie in die Natur eingreifen, und aus diesem Verständnis heraus Wege suchen, dieser Natur etwas „zurückzugeben“. […] Im Sinne des Artenschutz-Appells ist der Sprung von der Erdgeschichte in die moderne nachhaltige Landwirtschaft verständlich. Aufklärung, Mahnung, Inspiration, Handlungsaufforderung gehen ineinander über. (Karsten Munt, www.filmdienst.de)

Insekten gelingt ein Teil des Kunststücks, das Insektensterben nicht als Naturgewalt zu framen, der wir uns wehrlos ergeben müssen. Thalbachs Stimme richtet sich oft genug an uns: „Je mehr du fortschreitest, desto mehr schadest du anderen Arten“ oder „Du arbeitest gegen die Natur“. Der Film macht uns über seine Ansprechhaltung mit zu Protagonist:innen seiner Geschichte und zieht damit uns Menschen mit unserem Verhalten zur Rechenschaft. […] Nepomuk Pfaff zeigt Varianten für ein biologisch verträglicheres Ackern samt einer Handvoll optimistisch daherredender Landwirt:innen. Das erzeugt den Eindruck: Wenn wir es alle besser machen, dann wird es auch besser. Aber Konzerne verhalten sich nun mal nicht wie Menschen. Insekten bleibt damit eine erwartbare Komposition von unstrittig faszinierenden Bildern, die die ganz großen Fragen stellen will – nur eben nicht den Playern, die für die größten Unwuchten im System sorgen. (André Pitz, www.kino-zeit.de)https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/insekten-helden-im-verborgenen-2026nterview mit dem Regisseur Nepomuk Pfaff auf Radio Drei

Special vom Freitag mit Interviews und Beiträgen