Globales Handeln

Die Effekte der Globalisierung sind überall in unserem Alltag zu finden. Und umgekehrt beeinflusst unser regionales Verhalten viele globale Prozesse und Entwicklungen und nicht zuletzt das Leben von Millionen von Menschen. Als Folge der Pandemie lässt uns der zeitweise Mangel gerade spüren, was der Preis für die kostengünstigere Auslagerung der Warenproduktion ist. Es sind große Abhängigkeiten entstanden durch den weltweiten Warenverkehr.

Kann der filmische Blick in die Welt helfen, unsere westliche Lebensweise mit anderen Augen zu sehen? Mitzufühlen, was der Preis hinter „immer billiger, immer mehr“ für andere Menschen, für Tiere und Umwelt ist? Können die Beispiele von engagierten Menschen für einen anderen Umgang miteinander und mit Ressourcen den Funken überspringen lassen? Wir glauben fest daran. Filmbilder haben Macht – im positiven Sinn können sie etwas bewegen.

In der Reihe "Globales Handeln" präsentieren wir passende Filme, in der Regel auch immer mit Gästen und Kooperationspartnern. Sie möchten sich an der Reihe beteiligen? Dann schicken Sie uns gerne Ihre Ideen: info@city46.de

Future Council – Komm an Bord

NL/AU 2024, Regie: Damon Gameau, 84 Min., engl. OmU

Filmszene aus Future Council – Komm an Bord
Mo. 8.6. / 17:30 ★ Podiumsdiskussion mit Gesine Geupel, Landesjugendsprecherin der Naturschutzjugend (NAJU) Bremen, Jonte Mai, Naturschutz2go und Philipp Bruck, Bündnis 90/ DIE GRÜNEN und Mitglied der Bremischen Bürgerschaft
Di. 9.6. / 18:00
Mi. 10.6. / 15:00

Mit einem gelben australischen Schulbus touren acht Kinder durch die schöne Natur Europas. Regisseur Damon Gameau hat die engagierten Kinder aus aller Welt eingeladen, um gemeinsam auf eine Mission zu gehen und darüber einen Film zu machen. Denn diese jungen Menschen sind besorgt über die Zukunft der Erde und wollen endlich gehört werden! Ihr Ziel sind die Vorstandsetagen machtvoller Großkonzerne, die für ihren Profit die Erde ausbeuten und die Umwelt zerstören. Konzerne wie Coca-Cola und Pepsi, die aber die Kinder nicht anhören wollen. Andere Unternehmen wie z.B. Nestlé lassen sich auf ein Treffen ein und bekommen von den entschlossenen 11-Jährigen peinliche Fragen gestellt. Von den prunkvollen Inszenierungen der Konzerne unbeeindruckt, nennen die Kids die Probleme beim Namen und suchen gemeinsam nach Lösungen. Ihre Idee: Sie bilden einen Zukunftsrat und wollen so viele Kinder wie möglich motivieren, sich ihnen anzuschließen. Ausgezeichnet als bester Film beim Filme für die Erde Festival 2025.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Deutschen Klimastiftung und dem Bremer Jugendring
Den Eintritt der ersten 30 Besucher*innen am 8.6. übernimmt die Deutsche Klimastiftung!
 

„Das Filmteam hat eine globale Kampagne gestartet, um die Reichweite des Films zu vergrößern. Die Kampagne richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 16 Jahren und bietet ihnen die Möglichkeit, an monatlichen Treffen mit Experten teilzunehmen, auf eine KI-gestützte Datenbank mit ökologischen Lösungen zuzugreifen und über die Verteilung von Mitteln aus einem Zukunftsrat-Fonds zur Unterstützung von Naturschutzprojekten weltweit abzustimmen... ‚Der Zukunftsrat findet bei Publikum und Käufern gleichermaßen Anklang, weil er etwas Seltenes im Klimabereich bietet: Optimismus’, so Jess Reilly, Leiterin Vertrieb & Akquisitionen bei Together Films. ‚Damon und das Team von Regen Studios haben nicht nur einen Film geschaffen, sondern eine Bewegung, die jungen Menschen ermöglicht, Positionen mit echtem Einfluss zu übernehmen.’“ (Ben Dalton, www.screendaily.com)
 


I Only Rest in the Storm

O riso e a faca - BRA/F/P/RUM 2025, Regie: Pedro Pinho, mit Sérgio Coragem, Cleo Diára, Jonathan Guilherme, 211 Min., FSK 18, por., kreol. OmU

Filmszene aus I Only Rest in the Storm
Do. 18.6., Fr. 19.6., Sa. 20.6. + So. 21.6. / 18:00
Mi. 24.6. / 15:30

Der portugiesische Umweltingeneur Sérgio reist für eine NGO ins westafrikanische Guinea-Bissau, wo er bei einem Straßenbauprojekt zwischen Wüste und Wald mitarbeiten soll. Bissau, Hauptstadt des kleinen westafrikanischen Landes Guinea-Bissau, ist ehemalige portugiesische Kolonie. Auch Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit sind die kolonialen Strukturen noch zu spüren. Im Team der weißen Kolleg*innen aus Europa mit ihrem teils herablassenden und gewalttätigen Verhalten gegenüber Einheimischen findet er sich wenig zurecht. Bei seinen Streifzügen durch das schillernde Nachtleben der Metropole lernt Sérgio Diára und Gui kennen. Die beiden sind Teil der lokalen queeren Community, die schnell zu einer Art Zufluchtsort für ihn wird. Je tiefer Sérgio jedoch in die Welt von Diára und Guy eintaucht, desto deutlicher wird, wie wenig er die sozialen Zusammenhänge vor Ort durchschaut. Seine eigene privilegierte Rolle im System ist ein Problem und die NGO macht Druck, weil ihr Projekt gefährdet ist.

Die Sklaverei ist eine der vielen Themen, die Pedro Pinha in seinem ausufernden Epos „I Only Rest in the Storm“ anreißt, der letztes Jahr in einer Nebensektion in Cannes lief und zu einem der bestbesprochensten Filme des Festivals avancierte. Und das trotz einer Länge von knapp über dreieinhalb Stunden, in denen der portugiesische Regisseur in einer episodischen Struktur durch Guinea-Bissau streift, mal in fast dokumentarischer Manier Menschen aus dem Land zu Worte kommen lässt, sich in mitreißenden Tanzszenen in den Clubs der Stadt verliert, einige sehr direkte Sexszenen zwischen allen Geschlechtern inszeniert, es aber immer wieder schafft, auf den Kern seines Films zurückzukommen (Michael Meyns, www.programmkino.de)

„I Only Rest in the Storm“ reiht Eindrücke und Beobachtungen aneinander. Es ist spürbar, dass Pinho ursprünglich vom Dokumentarfilm kommt und von einem klaren politischen Standpunkt aus filmt. … selten gelingt es, dass ein überlanger Film eine starke eigene Handschrift hat und doch zugänglich bleibt und einen besonderen Sog entwickelt, von dem die Filmpatin, die „Im toten Winkel“-Regisseurin Ayse Polat, zurecht schwärmte. Er verliert sich nicht in bloßem L´art pour l´art, sondern erörtert wichtige politische und gesellschaftliche Fragen und schafft es auch, neue Einblicke auf einen fremden Kontinent liefert, wie es ein wesentliches Anliegen dieser cineastischen Weltreise ist. (www.daskulturblog.de)
 


Of Mud and Blood

F/D 2024, Regie: Jean-Gabriel Leynaud, 90 Min., frz., swahil. OmU

Filmszene aus Of Mud and Blood
Do. 25.6., Sa. 27.6., Mo. 29.6. + Mi. 1.7. / 20:00
Fr. 26.6., So. 28.6. + Di. 30.6. / 17:30
Fr. 3.7., So. 5.7. + Di. 7.7. / 20:30
Sa. 4.7., Mo. 6.7. + Mi. 8.7. / 18:00
Mi. 8.7. / 15:00

Ein für die westliche Welt sehr wichtiger Ort, von dem aber keiner weiß, wo er liegt, ist Numbi. In dem Ort in den Bergen der Demokratischen Republik Kongo graben die Minenarbeiter, darunter viele Kinder, mit bloßen Händen nach Coltan. Das seltene „graue Gold“ ist seit Jahrzehnten für fast alle technologischen Geräte in der Welt ein unverzichtbares Element. In Numbi wie in anderen Minen im Kongo ist Coltan Ursache für Konflikte und Ausbeutung, denn der Gewinn bleibt nicht im Land und bei denen, die es unter Lebensgefahr aus den ungesicherten Minen holen. Viele der Goldgräber, wie Ujumbe, wuchsen in Armut als Kinderkämpfer oder Überlebende der Genozide in Rwanda auf. Ihr Leben ist durch den Konflikt und die Gewalt ihrer Region militarisiert. Ihr Leben ist auch von Tragödien und Leid geprägt, wobei die Karriere zum Goldgräber ihre einzige Hoffnung ist. Dass durch jahrzehntelange Bürgerkriege zerrissene Land zählt trotz oder gerade wegen seines Rohstoffreichtums heute zu den ärmsten Ländern der Welt. „Gott gab uns ein Paradies, doch wir leben in der Hölle“, so ein Minenarbeiter.

Jean-Gabriel Leynaud: „Eine dunkle Vergangenheit voller Kriege, Kindersoldaten und der Vernichtung der lokalen Bevölkerung steht in starkem Kontrast zur schönen Natur und dem märchenhaften Reichtum der Gegend. Paradoxerweise werden Mineralressourcen zu einem Fluch, der die Einheimischen in Schach hält. Die lange Reise von Coltan von den schlammigen blutigen Händen der Bergleute bis zur Londoner Börse dokumentiert koloniale Praktiken, an denen wir unwissentlich teilnehmen.“ (www.jgleynaud.com)

Tagesschau vom 05.03.2026
Ostkongo: Zahlreiche Todesopfer nach Einsturz in Coltan-Mine 
Nach einem Erdrutsch in einer Coltan-Mine im Osten der Demokratischen Republik Kongo sollen mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen sein. Bereits vor diesem Einsturz galt die Mine als äußerst unsicher. … Während die kongolesischen Behörden davon ausgehen, dass auch diesmal mindestens 200 Menschen bei dem Einsturz getötet wurden, spricht die Rebellenmiliz M23, die die Mine kontrolliert, von lediglich fünf Toten. Zudem habe es keinen Erdrutsch gegeben, sondern eine Bombardierung, so eine Sprecherin der Rebellengruppe M23 (www.tagesschau.de)