Globales Handeln

Die Effekte der Globalisierung sind überall in unserem Alltag zu finden. Und umgekehrt beeinflusst unser regionales Verhalten viele globale Prozesse und Entwicklungen und nicht zuletzt das Leben von Millionen von Menschen. Als Folge der Pandemie lässt uns der zeitweise Mangel gerade spüren, was der Preis für die kostengünstigere Auslagerung der Warenproduktion ist. Es sind große Abhängigkeiten entstanden durch den weltweiten Warenverkehr.

Kann der filmische Blick in die Welt helfen, unsere westliche Lebensweise mit anderen Augen zu sehen? Mitzufühlen, was der Preis hinter „immer billiger, immer mehr“ für andere Menschen, für Tiere und Umwelt ist? Können die Beispiele von engagierten Menschen für einen anderen Umgang miteinander und mit Ressourcen den Funken überspringen lassen? Wir glauben fest daran. Filmbilder haben Macht – im positiven Sinn können sie etwas bewegen.

In der Reihe "Globales Handeln" präsentieren wir passende Filme, in der Regel auch immer mit Gästen und Kooperationspartnern. Sie möchten sich an der Reihe beteiligen? Dann schicken Sie uns gerne Ihre Ideen: info@city46.de

Of Mud and Blood

F/D 2024, Regie: Jean-Gabriel Leynaud, 90 Min., frz., swahil. OmU

Filmszene aus Of Mud and Blood
Do. 25.6., Sa. 27.6., Mo. 29.6. + Mi. 1.7. / 20:00
Fr. 26.6., So. 28.6. + Di. 30.6. / 17:30
Fr. 3.7., So. 5.7. + Di. 7.7. / 20:30
Sa. 4.7., Mo. 6.7. + Mi. 8.7. / 18:00
Mi. 8.7. / 15:00

Ein für die westliche Welt sehr wichtiger Ort, von dem aber keiner weiß, wo er liegt, ist Numbi. In dem Ort in den Bergen der Demokratischen Republik Kongo graben die Minenarbeiter, darunter viele Kinder, mit bloßen Händen nach Coltan. Das seltene „graue Gold“ ist seit Jahrzehnten für fast alle technologischen Geräte in der Welt ein unverzichtbares Element. In Numbi wie in anderen Minen im Kongo ist Coltan Ursache für Konflikte und Ausbeutung, denn der Gewinn bleibt nicht im Land und bei denen, die es unter Lebensgefahr aus den ungesicherten Minen holen. Viele der Goldgräber, wie Ujumbe, wuchsen in Armut als Kinderkämpfer oder Überlebende der Genozide in Rwanda auf. Ihr Leben ist durch den Konflikt und die Gewalt ihrer Region militarisiert. Ihr Leben ist auch von Tragödien und Leid geprägt, wobei die Karriere zum Goldgräber ihre einzige Hoffnung ist. Dass durch jahrzehntelange Bürgerkriege zerrissene Land zählt trotz oder gerade wegen seines Rohstoffreichtums heute zu den ärmsten Ländern der Welt. „Gott gab uns ein Paradies, doch wir leben in der Hölle“, so ein Minenarbeiter.

Jean-Gabriel Leynaud: „Eine dunkle Vergangenheit voller Kriege, Kindersoldaten und der Vernichtung der lokalen Bevölkerung steht in starkem Kontrast zur schönen Natur und dem märchenhaften Reichtum der Gegend. Paradoxerweise werden Mineralressourcen zu einem Fluch, der die Einheimischen in Schach hält. Die lange Reise von Coltan von den schlammigen blutigen Händen der Bergleute bis zur Londoner Börse dokumentiert koloniale Praktiken, an denen wir unwissentlich teilnehmen.“ (www.jgleynaud.com)

Tagesschau vom 05.03.2026
Ostkongo: Zahlreiche Todesopfer nach Einsturz in Coltan-Mine 
Nach einem Erdrutsch in einer Coltan-Mine im Osten der Demokratischen Republik Kongo sollen mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen sein. Bereits vor diesem Einsturz galt die Mine als äußerst unsicher. … Während die kongolesischen Behörden davon ausgehen, dass auch diesmal mindestens 200 Menschen bei dem Einsturz getötet wurden, spricht die Rebellenmiliz M23, die die Mine kontrolliert, von lediglich fünf Toten. Zudem habe es keinen Erdrutsch gegeben, sondern eine Bombardierung, so eine Sprecherin der Rebellengruppe M23 (www.tagesschau.de)
 


Saving Spoonie

D 2025, Regie: Till Harms, 87 Min., div. OmU

Filmszene aus Saving Spoonie
Do. 16.7., Sa. 18.7., Mo. 20.7. + Mi. 22.7. / 17:30
So. 19.7. + Di. 21.7. / 20:00
Do. 23.7., Sa. 25.7., Mo. 27.7. + Mi. 29.7. / 20:30
Fr. 24.7., So. 26.7. + Di. 28.7. / 18:00
Mi. 29.7. / 15:30

„Spoonie“, der Löffelstrandläufer, wäre ohne Dr. Christoph Zöckler und eine eingeschworene internationale Gruppe von Ornithologen längst ausgestorben. Als wäre das nicht an sich schon schlimm genug, verläuft die Flugroute des spatzengroßen Wattvogels mit dem sonderbaren Löffelschnabel von Russland über Nordkorea und China bis nach Myanmar und damit mitten durch die Krisenregionen des letzten Jahrzehnts. Die Arbeit der Task Force wird unversehens zu einer politischen Herausforderung und einem diplomatischen Balanceakt zwischen Russen, Deutschen, Chinesen, Engländern und weiteren Mitgliedern des „Flyway“.
Während ein ambitionierter Zuchtversuch in England zu scheitern droht, erreicht der Spoonbilled Sandpiper in China ungeahnte Popularität. Von seinen Fans liebevoll „Spoonie“ genannt, wird er zum Poster-Boy der erwachenden chinesischen Umweltbewegung. Doch während die Bekanntheit des Löffelstrandläufers ständig wächst, nimmt die Zahl der Vögel trotz weltweiter Bemühungen weiter dramatisch ab. Ob es noch ein-, zwei- oder, wie Optimisten meinen, dreihundert brütende Paare auf der Welt gibt, da sind sich die exzentrischen Vogelliebhaber uneins.

Regisseur Till Harms: „Der Fokus des Films liegt auf den Vogelschützern – nicht auf dem Vogel selbst. Mich fasziniert, wie sie trotz der geringen Überlebenschancen des Löffelstrandläufers und trotz aller politischen Hindernisse unermüdlich für sein Fortbestehen kämpfen. Mit Spoonie als Wappentier erreichen sie dabei auch vieles, was dann weniger populären Arten zugute kommt. (Quelle: Real Fiction Verleih)
 

Was es nach all den Katastrophenmeldungen, gerade auch in den Nachrichten, bräuchte, sind ein Stück Hoffnung und eine Perspektive. Beides kann man in Saving Spoonie finden, allerdings nicht als ausbuchstabierte Botschaft.
Vielmehr muss man sich anstecken lassen von den Menschen, die einen fast aussichtlosen Kampf mit staunenswerter Zähigkeit führen. Man muss in ihren Gesichtern lesen, muss die Ernsthaftigkeit, aber auch die entspannte Gelassenheit ihrer Körpersprache entdecken… Auch der Film verlegt sich ganz auf Geduld, auf genaues Zuhören und Beobachten. In der Tradition des „Direct Cinema“ kommentiert er nicht, ordnet nicht ein, gibt die Namen mancher Protagonisten erst im Abspann preis. Zuweilen mutet dieser Purismus ein wenig übertrieben an, aber die strikte Zurückhaltung des Filmemachers kommt einer realistischen Betrachtung entgegen. Gerade die politischen Hindernisse machen das Projekt der „Spoonie-Taskforce“ so interessant. So schwingt in dem kleinen Film über die ganz großen Fragen die leise Botschaft mit, dass die völkerübergreifenden Bemühungen um eine intakte Natur stärker sein könnten als Kriege und Feindschaft. Klares Wasser und grüne Berge seien nicht weniger wertvoll wie Gold- und Silberberge, zitiert eine Chinesin im Film ihren Präsident Xi Jinping. Der Satz ist eben auch dann wahr, wenn er von einem autoritären, höchst widersprüchlichen Herrscher stammt. (Peter Gutting, www.kino-zeit.de)