Innere Emigranten
D/F 2026, Regie: Lena Karbe, 93 Min., russ. OmU

mit Einführung von Prof. Dr. Susanne Schattenberg, Forschungsstelle Osteuropa, Uni Bremen
Drei Psycholog*innen einer Moskauer Krisenhotline bieten seit Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine Bedürftigen ehrenamtlich Hilfe an. Während ihrer Gespräche werden die Auswirkungen der russischen Propaganda auf die eigene Bevölkerung besonders spürbar. Zwischen den Bedürfnissen der Hilfesuchenden, der eingeschränkten Meinungsfreiheit in Russland und ihrer eigenen psychischen Gesundheit müssen sie eine Balance finden. Wie können sie „neutral“ helfen, ohne das totalitäre System anzuerkennen und zugleich ihre berufliche Integrität, persönliche Sicherheit und Psyche zu schützen?
Der Dokumentarfilm von Lena Karbe, gebürtige Russin, entstand über drei Jahre unter strengster Geheimhaltung. Bei den Personenangaben zu den Bereichen Kamera, Tonmeister, Recherche-Beauftragte und Fahrer*innen steht statt eines Namens bezeichnend: anonym.
In Kooperation mit der Forschungsstelle Osteuropa, Uni Bremen
Über die Regisseurin:
ena Karbe, geboren in St. Petersburg, Russland, zog nach dem Filmstudium, u. a. an der University of Oxford und an der École normale supérieure in Paris, nach Deutschland. Während der Studienzeit an der HFF München gründete sie die Produktionsfirma Karbe Film für kreative Dokumentarfilme.
Der Film ist das Psychogramm einer Gesellschaft von Menschen, die angesichts des autoritären Drucks versuchen, ihr Seelenheil im Privaten zu finden. Es rufen Menschen an, die entweder einen Angehörigen im Ukrainekrieg verloren haben oder bei denen beim Thema Putin ein Riss durch ihre Familien geht. Die Psychologen versuchen, den Anrufenden hilfreich und neutral beizustehen, aber nicht selten fällt es ihnen schwer, objektiv zu bleiben und persönliche Ansichten zurückzuhalten.
(Jens-Uwe Korsowsky, www.mdr.de)
Unterlegt mit düsteren elektronischen Klängen, entsteht ein kollektives Psychogramm der russischen Gesellschaft. Die »innere Emigration«, so der treffende Titel, skizziert eine Art seelischen Bunker. In ihn ziehen sich gefühlt alle Russen zurück, die nicht an den Mechanismen der Machtausübung partizipieren. Aus diesem Schutzraum überträgt der Film eine Botschaft in die Außenwelt. Formuliert wird sie von einer der zu Wort kommenden Therapeutinnen. Es ist der berühmte Schlusssatz aus dem Romanklassiker »Der Graf von Monte Christo«: »Alle menschliche Weisheit ist in diesen beiden Worten enthalten: Warte und hoffe.« (Manfred Riepe, www.epd-film.de)