Naza

UK 2026, Regie: Yuval Abraham, Rachel Szor, 80 Min., FSK 16, engl., hebr. OmU

Filmszene aus Naza
So. 1.11., Mi. 4.11., Mo. 9.11., So. 15.11. + Mo. 23.11. / 17:30
Di. 3.11., Fr. 6.11., Do. 19.11., So. 22.11., Fr. 27.11. + Sa. 28.11. / 20:30
So. 8.11. + Sa. 14.11. / 18:00
Mi. 11.11. / 15:00
Mi. 25.11. + Mo. 30.11. / 20:00

Nachts auf den Dächern von Tel Aviv, vor der Kulisse erleuchteter Fenster, sprechen 24 anonyme Angehörige des israelischen Militärs und der Geheimdienste über ihre Rolle in der Kriegsführung in Gaza. Drei Jahre lang haben Yuval Abraham und Rachel Szor sie nach dem 7. Oktober 2023 interviewt. Die sogenannten Whistleblower berichten, wie Ziele ausgewählt und Angriffe durchgeführt werden, vor allem mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Immer wieder sei dabei ein großer Kollateralschaden in Kauf genommen worden, auf Hebräisch „Naza". Die Dokumentation knüpft an Recherchen von The Guardian, +972 Magazine und Local Call an.
Wie schon ihr Vorgängerfilm „No Other Land" löst auch dieses Werk heftige politische Debatten aus. Bei der Premiere der 83. Filmfestspiele Venedig gab es 25 Minuten Standing Ovations. Das rechte Lager der Regierung unter Benjamin Netanjahu wirft den Regisseur*innen „Verrat am Staat" vor, ihnen wird sogar mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft gedroht. Kurz vor den Parlamentswahlen am 27. Oktober sorgt der Film schon vor dem Kinostart für Aufsehen. Das israelische Dokumentarfilmer-Forum stellt sich hinter die Filmemacher*innen und warnt vor politischen Eingriffen in die Kunstfreiheit, welche die Demokratie weiter gefährden.

Ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury bei den 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig. 

Das Wichtige für mich sind die Aussagen der Soldaten und Offiziere im Film. Sie sprechen Hebräisch, weil sie die israelische Bevölkerung erreichen wollen. Sie wollen, dass die Menschen zu Hause hören, was sie in Gaza getan haben. Wir werden alles tun, damit der Film in Israel verbreitet wird. Alle, die uns jetzt angreifen und den Inhalt verleugnen - schauen Sie ihn an! (Regie-Kommentar von Yuval Abraham, www.tagesschau.de)

Skizzen und Aussagen über Verfahrensabläufe zeigen keine Exzesse Einzelner, sondern eine systematische Routine. Der Verzicht auf Bilder getöteter und verletzter Menschen bewahrt den Film vor der Ausbeutung des Grauens. Die kühle Versuchsanordnung macht die bürokratische Dimension des Tötens sichtbar, schafft aber auch Distanz zu jenen, um die es geht. »NAZA« ist keine ergebnisoffene Untersuchung, sondern eine formal strenge Anklage. (Thomas Abeltshauer, www.epd-film.de)