Transit Times

Înstrăinare - D/RUM/MOL 2026, Drehbuch, Regie: Ana-Felicia Scutelnicu, mit Marina Palii, Ion Munteanu, 133 Min., rumän. OmU

Filmszene aus Transit Times
Do. 17.9., Sa. 19.9. + Mi. 23.9. / 17:30
So. 20.9. + Di. 22.9. / 20:00
Do. 24.9., Sa. 26.9. + Mi. 30.9. / 20:30
Fr. 25.9. + So. 27.9. / 18:00
Mi. 30.9. / 15:30

Moldau 1997: Sechs Jahre nach dem Zerfall der UdSSR ist in dem kleinen osteuropäischen Land nichts mehr von der anfänglichen Euphorie eines Neuanfangs zu spüren. Moldau steckt tief in einer anhaltenden Wirtschaftskrise, die viele Menschen in Armut stürzt. Auch Zina kämpft mit ihrer Familie ums Überleben, doch als Bühnenbildnerin an einem Kindertheater hat sie seit Monaten keinen Lohn mehr erhalten. Während Zina weiterhin versucht, Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen, versinkt ihr Ehemann Victor in tatenloser Hoffnungslosigkeit. Und auch die 17-jährige Tochter Eva, eine begabte Pianistin, befindet sich in einer schwierigen Phase, ihren Platz in der Welt der Erwachsenen zu finden. Während viele während der Krise das Land verlassen, beschließt Zina in ihrer Verzweiflung, die eigene Wohnung zu vermieten. Die Entscheidung stellt die Familie auf eine Zerreißprobe.

Scutelnicus Film ist so gesättigt mit spezifischen Details der schwierigen postsowjetischen Umbruchsphase, dass man die Handlung darüber streckenweise aus den Augen verliert. Alles fühlt sich ungeheuer authentisch und wie nach eigener Erfahrung an… . Scutelnicu gelingt damit ein ausgesprochen dichtes Porträt einer Zeit, die Probleme geschaffen hat, die bis heute nicht bewältigt sind. (Barbara Schweizerhof, www.epd-film.de)

Bemerkenswert ist zum einen, wie Scutelnicu mit ihrem kreativen Team die Zeit der späten 1990er Jahre in Moldau absolut glaubhaft einfängt – ohne ein vordergründiges Ausstattungsspiel, sondern durch viele stimmige Details. Zum anderen gelingt es ihr, die unruhige Atmosphäre in der Gemeinde nachvollziehbar zu vermitteln – und die Konsequenzen für die Bevölkerung aufzuzeigen, wenn dem Staat schlichtweg das Geld fehlt… Transit Times wählt nie den Weg der Überspitzung, um die Notlage der Familie und des Umfeldes zu verdeutlichen, sondern bleibt eine authentisch anmutende Studie über einen unaufhaltsamen Verlust. (Andreas Köhnemann, www.kino-zeit.de)

Man hat tatsächlich das Gefühl, einen Film zu sehen, der drei Jahrzehnte in einem moldauischen Archiv gelegen hat. Diese Genauigkeit ist die größte Stärke des Films… Ganz frei von Schwächen ist Transit Times allerdings nicht. Scutelnicu verliebt sich bisweilen sichtbar in ihre eigenen Bilder… 
Auch dramaturgisch wäre etwas mehr Zurückhaltung hilfreich gewesen… Trotzdem entwickelt der Film eine eigentümliche Sogwirkung. Das liegt vor allem daran, dass Scutelnicu weniger an dramatischen Höhepunkten interessiert ist als an Stimmungen, Blicken und kleinen Verschiebungen im Alltag. Ihr Chișinău ist kein nostalgischer Erinnerungsort, sondern ein Lebensraum im permanenten Ausnahmezustand. Gerade diese beiläufige Präzision macht den Film sehenswert. (Markus Solty, www.filmrezensionen.de)