Do You Love Me

F/LIBN/D/KAT 2026, Regie: Lana Daher, 75 Min., OmU

Filmszene aus Do You Love Me
Do. 11.6., Sa. 13.6., Mo. 15.6. + Mi. 17.6. / 17:30
Fr. 12.6., So. 14.6. + Di. 16.6. / 20:00

Wie erinnert man sich an die kulturelle Geschichte eines Landes wie dem Libanon, wenn es kein staatliches Archiv gibt? Anhand von über 20.000 Found-Footage-Quellen aus 70 Jahren Film, Fernsehen, Heimvideos und Fotografie hat Lana Daher ein audiovisuelles Porträt ihres Heimatlandes erstellt. Fragmentiert und nicht chronologisch zusammengesetzt, entsteht aus TV-Beiträgen oder Filmszenen, privaten Aufnahmen, Podcasts und vielem mehr eine neue Form der kollektiven Erinnerung und Geschichtsschreibung. Ihr Film erzählt von Zerstörung und Verlust, von Familienfesten, Musik und Alltag - und dem Sehnsuchtsort Meer. Ihr Motto: „Diese Desorientierung ist Teil der Reise. Welcome to Lebanon!“
Der Debütfilm der multidisziplinären libanesischen Künstlerin Lana Daher wurde unter anderem auf dem Frauenfilmfestival mit dem Politischen Filmpreis der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet. Mit dem Start des Films gibt es auch eine Website von Daher, die alle verwendeten Quellen auflistet und der Versuch ist, das weit verstreute libanesische Filmerbe zusammenzuführen.


Regisseurin Lana Daher: „Als ich ihn (den Film) im MoMA gezeigt habe, hat ein britischer Künstler gesagt: „Meine Freunde sagen seit Jahren, ich solle nach Beirut fahren: Die Partys seien so toll, das Essen.“ Ja, die Partys sind großartig, das Essen ist das beste, da bin ich nicht bescheiden. Aber dann meinte er, er habe im Film nur so wenig davon gesehen. Das liegt daran, dass es schwierig war, nicht zu sehr dem Bonbonhaften, Folkloristischen nachzugeben. All dem Nostalgischen. Ich verstehe dieses Bild zwar gut, aber … Scheiß auf das „Paris des Nahen Ostens“. Das ist eine so koloniale Sicht auf den Libanon. Wir sind nicht das Paris des Nahen Ostens, wir sind Beirut. … Mir war wichtig, dass das ein Film wird, den Libanes*innen anschauen können. (Auszug aus einem Interview, www.taz.de)
 

Ist ein Film, der so noch nie zu sehen war – ein dichtes, erfüllendes, bildgewaltiges Porträt eines Landes ohne nationales Filmarchiv...  Eine rhythmische Montage fesselt uns; es macht Freude, so die Kulturgeschichte eines reichen Landes über die Jahrzehnte hinweg zu entdecken. Dabei wird die Stellung von Archiven als Instrumente der Geschichtsschreibung deutlich. Bilder, die uns in neuer Kombination eine Verbundenheit mit denen spüren lassen, für die der Libanon bedrohte Heimat ist. (www.frauenfilmfest.de)

Aufnahmen von zerbombten Häusern, zerstörten Wohnungen, von Leid und Elend bilden nicht den Schwerpunkt des Films. Stattdessen evoziert Daher das Leben einer einstmals blühenden, mediterranen Metropole, die mal als Paris des Mittleren Osten, mal als Stadt der Brunnen, vor allem aber immer wieder als Die Stadt, die nicht sterben wollte bezeichnet wurde. eine mitreißende Collage. (Michael Meyns, www.programmkino.de)