Flickertunes widmet sich den Kombinationsmöglichkeiten von Film und (Live-)Musik. Musiker*innen aus dem In- und Ausland schreiben neue Soundtracks, improvisieren, remixen, demixen oder erfinden neue klangliche Formen, um mit Film in Dialog zu treten. Stummfilm, Avantgarde-, Animations- oder Dokumentarfilm in Kombination mit Elektronik, Pop oder experimentellen Klängen – alles ist hier möglich.

Flickertunes ist eine Kooperation des City 46 mit REM - Rapid Ear Movement, eine Konzertreihe der projektgruppe neue musik

Verstrüpp / Flickertunes XV

D 2025, Regie: Dagmar Weiß und Ansgar Wilken, 4k Video, Gesamtlänge des Abends ca. 60 Min.

Filmszene aus Verstrüpp / Flickertunes XV
Fr. 29.5. / 20:30 ★ Filmpräsentation mit Einführung, erweitertem live-filmmusikalischem Rahmen und Gespräch

In „Verstrüpp“ geht es um eine gleichnamige fiktive Künstler*innengruppe, die in den neunziger Jahren der Metropole Berlin den Rücken kehrte und in die ostfriesische Provinz zog.
Durch Zeitzeugeninterviews mit ortsansässigen Laiendarsteller*innen wird nach und nach ein Bild vom damaligen künstlerischen und gesellschaftlichen Wirken der Gruppe vermittelt. Beschrieben werden unter anderem der im Ort kontrovers diskutierte Auftritt eines Tierchors in der Dorfkirche sowie ein gewagter Plan der Umnutzung einer leerstehenden Sparkassenfiliale… 
Inklusive möglicher Erinnerungslücken, Leerstellen und Widersprüche werden die Werke in den Erzählungen rekonstruiert und gedeutet;
die vermeintlich kunstfremden Darsteller*innen werden zu Kunstkritiker*innen und partizipieren mit Vergnügen am kreativen Prozess der Erzählung.

FLICKERTUNES zeigt den Film, eingerahmt von einem Live-Konzert der Musiker Ansgar Wilken und jayrope, das in den Film übergeht. Beide haben den Soundtrack zu Verstrüpp gestaltet und spielen ihn somit teilweise live zum Film. Im Anschluss gibt es ein Publikumsgespräch mit den FilmemacherInnen.

Musik: Ansgar Wilken und jayrope

Dagmar Weiß studierte Fotografie und Film in Bielefeld und Helsinki. Sie lebt als freie Videokünstlerin in Berlin.
Ihre Videoinstallationen wurden international ausgestellt; z.B. bei der Videokunstausstellung Monitoring des Kasseler Dokfests, bei Jeune Création 69è édition in Romainville/Paris oder bei der Videokunstausstellung im öffentlichen Raum der Kunsthalle Osnabrück, Lichte Momente. 
Ihre Arbeit wurde u.a. von der Stiftung Kunstfonds und dem Berliner Senat gefördert.

Ansgar Wilken ist Musiker und bildender Künstler in Berlin.
Er war und ist in verschiedenen Bands und Projekten tätig,
wie u.a. Ilse Lau, Feedbackorchester und Itchy Spots, und kooperiert mit Musiker*innen wie u.a. Chris Dreier, F.S.
Blumm und Jayrope. Seine Visuellen Arbeiten, vornehmlich Druckgrafik und Animationsfilme, wurden u. a. im Vorwerkstift Hamburg und der Galerie Herold in Bremen ausgestellt. 

jayrope aus Berlin ist Komponist, Musiker, Instrumentenbauer, Radiomacher, Mixing- und Mastering-Ingenieur, Produzent und Interpret experimenteller Musik verschiedener Ausprägungen.
Er verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von „buggy music“, häufig für zeitgenössischen Tanz und Performancekunst.


Bisher...

Die Muschel und der Kleriker

La Coquille et le Clergyman - F 1928, Regie: Germaine Dulac, Drehbuch: Antonin Artaud, 38 Min.

Filmszene aus Die Muschel und der Kleriker
Fr. 23.9.2022 / 20:00 ★ live begleitet vom Bremer Duo Traum

Ein junger Priester verfällt seinem Begehren nach einer eigentlich unerreichbaren Frau, die zugleich von einem mit Orden dekorierten Offizier umworben wird. Der Priester kann zwar den Kampf um ihre Gunst für sich entscheiden, muss aber, von unerfüllter Sehnsucht, Kastrationsangst und Zerstörungswut zerrissen, schließlich an seinen Seelenkonflikten scheitern.
Die Muschel und der Kleriker gilt als erster surrealistischer Film der Filmgeschichte. Die Französin Germaine Dulac hatte ihn bereits ein Jahr vor dem berühmteren Chien Andalou ihrer männlichen Kollegen Buñuel und Dalí produziert und gedreht. Germaine Dulac inszeniert den Film als bildgewaltigen Experimentalfilm voller Doppelbelichtungen und surreal anmutender Bildideen, die sich als unterdrückte sexuelle Gefühle oder ödipale Zerrissenheit deuten lassen.


Maya Deren

Zwei Kurzfilme, Regie: Maya Deren, ca. 90 Min.

Filmszene aus Maya Deren
Fr. 1.7.2022 / 20:00 ★ vertont & begleitet von David Wallraf, Hamburg

Den Auftakt macht der Hamburger Experimentalmusiker David Wallraf, der zwei Kurzfilme von Maya Deren vertonen wird. Meshes of the Afternoon von 1943 entstand als Kooperation mit Derens damaligem Ehe-Mann Alexander Hackenschmied. Der Film wurde auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit dem Grand Prix International für 16-mm-Experimentalfilme ausgezeichnet. Maya Deren bedient sich surrealistischer Stilmittel zur Darstellung psychischer Probleme und ist in Form und Symbolik stark von Bunuels Andalusischem Hund beeinflusst. At Land von 1944 beschäftigt sich mit der Gefahr des Verlusts der eigenen Identität. Der Komponist John Cage und der Filmkritiker Alexander Hammid treten in dem Film auf.
Maya Derens Filme werden ergänzt von zwei Spoken Word Performances der besonderen Art des kanadischen Dichters pbNichol (1944-1988) von 1978.