Donkey Days

NL/D 2025: Regie: Rosanne Pel, mit Jil Krammer, Susanne Wolff, Hildegard Schmahl, 108 Min., teilw. dt., engl., niederl. OmU

Filmszene aus Donkey Days
Do. 25.6., Sa. 27.6., Mo. 29.6. + Mi. 1.7. / 17:30
Fr. 26.6., So. 28.6. + Di. 30.6. / 20:00
Do. 2.7., Sa. 4.7., Mo. 6.7. + Mi. 8.7. / 20:30
Fr. 3.7., So. 5.7. + Di. 7.7. / 18:00
Mi. 8.7. / 15:30

Auf den ersten Blick könnten die Schwestern Charlotte und Anna nicht unähnlicher sein – die eine ist toughe attraktive Geschäftsfrau, die andere queer, übergewichtig und unangepasst. Ihre Beziehung ist geprägt von einem dauerhaften Wettbewerb miteinander. Entfacht und angefeuert durch ihre eigenwillige manipulative Mutter Ines, die mal die eine bevorzugt und es die andere dann deutlich spüren lässt. Trotzdem zieht es Charlotte und Anna in das Haus ihrer Kindheit nach Norddeutschland zurück. Hier geraten die erwachsenen Frauen sofort in dieselben toxischen Muster wie früher, doch es kommen auch lange gehütete Geheimnisse ans Licht. Wessen Asche versteckt die Mutter, und was hat sie mit einer Eselfarm in Tschechien zu tun? Über den Versuch, Antworten zu finden, entwickelt sich zwischen den Schwestern neues Vertrauen. Rosanne Pels zweiter Spielfilm „Donkey Days“ feierte seine Weltpremiere 2025 in Locarno und lief im April im MOMA New York. Rosanne Pel: Ich wollte eine Mutterfigur schaffen, die schon fast eine Ikone ist und dadurch abstrakt bleibt. Ich glaube, die Schwestern setzen sich nicht nur mit ihrer eigenen Mutter auseinander, sondern auch mit einem problematischen Erbe, das durch ein soziales Konstrukt entstanden ist, das Frauen im Laufe der Zeit geprägt hat und ihnen vorgibt, wie sie zu sein haben und welchen Normen sie folgen sollen.

Der Geschwisterzwist der niederländischen Regisseurin Rosanne Pel ist dank der niederschwellig verteilten Fiesheiten zweier Schwestern ein schwarzhumoriges Vergnügen. Zwar verliert sich das Skript etwas beim Ausschmücken der Geschichte, was aber an Absonderlichkeiten zutage kommt ist ohnegleichen. Ein Cringe-Fest mit phänomenalem Cast. (Roland Meier, www.outnow.de)

Der Film wurde in fünf Blöcken über den Zeitraum von einem Jahr gedreht. von denen jeder Block acht bis zehn Drehtage umfasste – aufgeteilt auf die vier Jahreszeiten. Das komplette Skript kannten die Darsteller*innen bei Drehbeginn nicht – viele Szenen und Dialoge sind improvisiert oder erst kurz vor Dreh entstanden. Und Hauptdarstellerin Jil Krammer steht zum ersten Mal überhaupt vor der Kamera (Quelle: Moin Filmförderung)
 


Das Sommerbuch

FIN/GB/USA 2024, Regie: Charlie McDowell, mit Glenn Close, Anders Danielsen Lie, Emily Matthews, 95 Min., engl. OmU

Filmszene aus Das Sommerbuch
Do. 2.7., Sa. 4.7., Mo. 6.7. + Mi. 8.7. / 17:30
Fr. 3.7., So. 5.7. + Di. 7.7. / 20:00
Do. 9.7., Sa. 11.7., Mo. 13.7. + Mi. 15.7. / 20:30
Fr. 10.7., So. 12.7. + Di. 14.7. / 18:00
Mi. 15.7. / 15:30

Die neunjährige Sophia verbringt auch in diesem Jahr wieder den Familien-Sommer auf der vertrauten Schäreninsel in Finnland. Doch den Platz ihrer gerade verstorbenen Mutter nimmt diesmal ihre Großmutter ein. Sie kümmert sich voll Zuneigung um die trauernde Sophia, während der Vater das Alleinsein sucht. Zu zweit durchstreifen Großmutter und Enkelin die kleine Insel, hören den großen Bäumen zu, lassen Rindenschiffchen aufs Wasser gleiten und flechten sich am Mittsommertag Blumen ins Haar. Ihrer Oma kann Sophia ihre Gefühle zeigen, denn sie versteht alles. Auch, dass ihr Vater sie trotzdem liebt, obwohl er gerade nicht sprechen mag. Über Regenwürmer, Katzen und alles was lebt, erfährt Sophia jeden Tag etwas Neues. Dennoch hofft sie, dass einmal etwas ganz Besonderes geschieht. Tatsächlich kommt ein kräftiger Sturm auf. In seinem Tosen wird so einiges durcheinandergewirbelt und Sophias Vater versteht, worauf es wirklich ankommt. Nach dem Roman der finnlandschwedischen Schriftstellerin und Mumin-Erschafferin Tove Jansson.

„Jansson, international vor allem als Schöpferin der Mumins bekannt, war zugleich eine der stillsten und radikalsten Künstlerinnen Finnlands. Als Malerin, Schriftstellerin und Cartoonistin widersetzte sie sich der Konformität und entschied sich stattdessen für ein Leben voller Kunst, Privatsphäre und tiefer Verbundenheit mit der Natur. „Das Sommerbuch“ basiert auf ihren Jahren auf einer kleinen Insel im Finnischen Meerbusen, die sie mit ihrer Partnerin Tuulikki Pietilä verbrachte, und „Großmutter“ basiert auf Toves Vorbild, ihrer abenteuerlustigen künstlerischen Mutter Signe.
„Das Sommerbuch“ erschien erstmals 1972 und hat sich als kleines, strahlendes Meisterwerk bewährt. (Heather Sloan Gray, www.moviejawn.com)

Glenn Close, die drei Stunden lang prothetisch behandelt wurde, um sie älter wirken zu lassen, und während der Dreharbeiten in dem Haus auf der Insel schlief, liefert eine der besten Darbietungen ihrer Karriere ab: Sie vermittelt alles über die Figur mit ihren Augen, ihrem entschlossenen Hinken über das unebene Gelände, dem Herausziehen der Haarnadeln aus ihren Zöpfen, der Berührung ihrer Hand auf Sophias Haaren und dann, gegen Ende, auf denen ihres Vaters. Es erfordert unermessliches Talent und Erfahrung als Schauspielerin, eine Darstellung um ein Kind herum zu gestalten und jede Reaktion, jede Bewegung und jede Äußerung so anzupassen, dass sie vollkommen natürlich wirkt. (Nell Minow, www.rogerebert.com)

Die Insel selbst ist praktisch eine eigene Figur, die die drei Hauptfiguren miteinander verbindet, sie aber gleichzeitig von der Welt um sie herum abschottet. Ihre Wellen branden wie ein schlagendes Herz, doch ihre Stürme können ihr Leben bedrohen. Die Landschaftsaufnahmen von Kameramann Sturla Brandth Grøvlen sind einfach atemberaubend und zeigen die Insel als einen lebendigen, wachsenden Lebensraum, der sowohl Schutz als auch Gefahr bietet, während die Innenräume in einem natürlichen, sanften Licht à la Vermeer erstrahlen. ‚The Summer Book‘ könnte optisch nicht ansprechender sein. (Paul Johnson, www.filmobsessive.com)
 


Etwas ganz Besonderes

D 2026, Drehbuch, Regie: Eva Trobisch, mit Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau, Rahel Ohm, 116 Min.

Filmszene aus Etwas ganz Besonderes
Do. 9.7., Sa. 11.7., Mo. 13.7. + Mi. 15.7. / 20:00
Fr. 10.7., So. 12.7. + Di. 14.7. / 17:30
Do. 16.7., Sa. 18.7., Mo. 20.7. + Mi. 22.7. / 18:00
Fr. 17.7., So. 19.7. + Di. 21.7. / 20:30
Mi. 22.7. / 15:00

Die siebzehnjährige Lea hat sich heimlich bei einer Gesangs-Castingshow beworben und es bis ins Finale geschafft. Nun ist ein TV-Team ins thüringische Greiz gekommen ist, um ein Porträt der Finalistin zu drehen. Auf die Frage des Redakteurs: „Wer Bist Du und was macht Dich aus?“ weiß Lea keine Antwort und beginnt, in ihrem Umfeld nach einem passenden Ich zu suchen. Leas Familie, das sind ihre Eltern Matze und Rieke, frisch getrennt, jedoch noch recht ungeübt in den neuen Familienverhältnissen, und Rieke ist schwanger von einem anderen Mann; dann sind da noch Leas Großeltern, die ebenfalls genug Probleme miteinander haben, denn ihr altes Waldhotel in der abgelegenen Region verschlingt mehr Geld als es einbringt; und ihre Tante Kati, die für Lea ein Vorbild ist, weil sie als Museumsleiterin in der ostdeutschen Provinzstadt scheinbar souverän ihr Leben lebt. Scheinbar, denn die mit EU-Mitteln geförderte Sanierung ihres Museums sorgt für Unmut. Und Leas beste Freundin Bonny ist anderweitig beschäftigt, denn sie ist frisch verliebt in Leas aktivistischen Cousin Edgar. Wer also ist die Kandidatin Lea?
„Ivo“, der zweite Film von Eva Trobisch, lief 2024 in der Sektion Encounters der Berlinale, woraufhin Trobisch von der „Variety“ 2024 auf die Liste der „10 Directors to Watch“ gewählt. Etwas ganz feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Es sind nie die ganz großen Dramen, die wirklich schlimmen Tragödien, von denen Eva Löbau erzählt, sondern eher die Geschichten, die einem oder einer eben so widerfahren, während alles eigentlich ganz anderes geplant war. Diese Beiläufigkeit, die viele kleine Beobachtungen enthält, viel Sinn für Details, mag auf den ersten Blick ein wenig unfokussiert erscheinen und doch verbirgt sich unter den hingetupften Episoden und Storylines, dem umherschweifenden Schauen des Films mehr, als man zunächst glaubt. Das Ende einer Ehe und die Verletzungen, die damit verbunden sind, aber auch noch die noch vorhandene gegenseitige Zuneigung, die Sorge der älteren Generation um den Fortbestand ihres Lebenswerks, Lea suchendes Streben hinaus in die Welt jenseits von Greiz, Katis Rückkehr dorthin: Etwas ganz Besonderes steckt voller kleiner Dramen und konfrontiert sein Ensemble immer wieder mit der Frage nach dem eigenen Sein und Wollen, danach, was diesen Menschen wirklich ausmacht und ob er glücklich und angekommen ist in der Lage, in der er oder sie sich gerade befindet. (Joachim Kurz, www.kino-zeit.de)

"Das Leben ist unbeherrschbar"
Ein Gespräch mit der Regisseurin Eva Trobisch und der Hauptdarstellerin Frida Hornemann über den Film „Etwas ganz Besonderes“ (Jens Hinrichsen, www.filmdienst.de)