Wir glauben euch

On vous croit - B 2025, Regie: Charlotte Devillers, Arnaud Dufeys, mit Myriem Akheddiou, Laurent Capelluto, Natali Broods, FSK 16, 78 Min., frz. OmU 

Filmszene aus Wir glauben euch
Do. 21.5., Sa. 23.5., Mo. 25.5. + Mi. 27.5. / 17:30
Fr. 22.5., So. 24.5. + Di. 26.5. / 20:00
Sa. 30.5., Mo. 1.6. + Mi. 3.6. / 18:00
So. 31.5. + Di. 2.6. / 20:30
Mi. 3.6. / 15:00

Alice muss erneut mit ihren Kindern zum Gericht. Die 40-jährige hat das alleinige Sorgerecht für den jungen Etienne und Teenagertochter Lila, will aber dafür kämpfen, dass beide den Vater nie wieder sehen müssen. Aus gutem Grund. Warum die Kinder bei seinem Anblick in Panik geraten, wird langsam während einer um Neutralität bemühten Gerichtssitzung offenbar. Das parallel laufende Missbrauchsverfahren gegen den Vater wird hier nicht verhandelt und noch gilt die Unschuldsvermutung des Beschuldigten. So müssen die Geschwister, deren Aussagen in der Verhandlung in Zweifel gezogen werden, um ihren Schutz vor dem Vater bangen. Während Alice dem Nervenzusammenbruch nahe ist, steht auch ihr Verhalten als Mutter auf dem Prüfstand. Sie sei mental instabil und das hätte massive Auswirkungen auf die Kinder, so der Vater. Alice hingegen bittet das Gericht darum, psychologische Hilfe für ihren Sohn beantragen zu dürfen. Eine Richterin soll nun entscheiden, wie es weitergeht. Weltpremiere in der Nachwuchssektion Perspectives der Berlinale 2025.

Über die Regisseur*innen:
Charlotte Devillers und Arnaud Dufeys haben „Wir glauben Euch“ gemeinsam geschrieben und Regie geführt. Als Pflegefachkraft, die regelmäßig mit Missbrauchsopfern arbeitet, half Charlotte dabei, die intimeren Aspekte der Jugendgerichtsrealität einzufangen. Arnaud Dufeys, Filmemacher und Produzent, wurde für seine Kurzfilme international ausgezeichnet. (Quelle: Presseheft)

»Kinder sind im Gegensatz zu Erwachsenen nicht in der Lage, über einen längeren Zeitraum hinweg komplexe, schlüssige Lügen aufrechtzuerhalten. Vor diesem Hintergrund stellt sich eine grundlegende Frage: Was ist schwerwiegender, ein geringes Risiko einzugehen, sich in Bezug auf die Schuld eines Erwachsenen zu irren oder ein Kind dem viel größeren Risiko auszusetzen, Missbrauch oder sexuelle Gewalt zu erleiden? Der Film lädt die Zuschauer ein, über dieses Dilemma nachzudenken und den Stellenwert, den wir den Stimmen von Kindern in unserer Gesellschaft einräumen, zu überdenken. Sollten wir nicht eher bereit sein, ihnen zu glauben und sie zu schützen, insbesondere wenn ihr Mut, sich zu äußern, bereits so groß ist?« (Interview mit Charlotte Devillers und Arnaud Dufeys, www.der-andere-film.de)

Eine der klügsten Entscheidungen des Films war es, echte Anwälte in wichtigen Rollen zu besetzen. Dadurch verschwimmt die Grenze zwischen Fiktion und Realität, und jedes Argument, jeder Einspruch und jede Erwiderung wirkt beunruhigend authentisch. Die Interaktionen erscheinen organisch statt einstudiert, was die immersive Qualität des Films verstärkt. 
(Chris Jones, mailnewsgroup.com)


Ich verstehe Ihren Unmut

D 2026, Regie: Kilian Armando Friedrich, mit Sabine Thalau, Nada Kosturin, Werner Posselt, Sadibou Diabang, 93 Min.

Filmszene aus Ich verstehe Ihren Unmut
Do. 4.6., Sa. 6.6. + Mi. 10.6. / 17:30
Fr. 5.6., So. 7.6. + Di. 9.6. / 20:00
Do. 11.6., Sa. 13.6., Mo. 15.6. + Mi. 17.6. / 20:30
Fr. 12.6., So. 14.6. + Di. 16.6. / 18:00
Mi. 17.6. / 15:30

Heike kommt als Objektleiterin einer Gebäudereinigungsfirma nie zur Ruhe. Selbst zum Rauchen bleibt keine Zeit. Ständig eilt die 59-jährige von einem Einsatzort zum anderen und ermahnt ihre Mitarbeitenden, zügiger und gründlicher zu arbeiten. In ihrer Position bekommt sie Druck von allen Seiten. Ihr Chef überlässt ihr die schwierigen Gespräche mit der Kundschaft, verlangt größtmögliche Effizienz und ist trotzdem ständig am Schimpfen. Da es zu wenig gutes Reinigungspersonal gibt, muss Heike auch Subunternehmer Vadym bei Laune halten. Hinter ihrer Schroffheit verbirgt sie ihr Mitgefühl für die Beschäftigten, die in wenig Zeit und für noch weniger Geld immer gute Arbeit leisten sollen. Hier und dort springt Heike selber ein, was sie an ihre Grenzen bringt. Die einander sich ausschließenden Ansprüche an sie lassen ihre professionellen Prinzipien allmählich bröckeln. Als sie gezwungen ist, einen ihrer langjährigen Mitarbeiter zu entlassen, fällt sie eine Entscheidung, die ihre Moral wie auch ihre Zukunft in Frage stellt. Weltpremiere in der Sektion Panorama der Berlinale 2026.
 

Über den Regisseur Kilian Armando Friedrich:
Der Regisseur studierte Darstellende Künste sowie Filmregie, sein Dokumentarfilm »Nomades du nucléaire« feierte 2023 Premiere auf der Berlinale und wurde mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Darüber hinaus arbeitet er als Medienpädagoge an interkulturellen Filmprojekten. „Ich verstehe Ihren Unmut“ ist sein Spielfilmdebüt (Quelle: Presseheft) 
 

Regisseur Kilian Armando Friedrich: »Ich wollte die Struktur und die Regeln eines Jobs verstehen, der Interessen erfüllen muss, die sich systematisch widersprechen: niedrige Preise, maximale Effizienz und zugleich humane Arbeitsbedingungen. Meine Absicht war nicht, das Milieu selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die Emotionen und Konflikte hervorzuheben, die in extremen Situationen von stark kostengetriebenen Märkten wie der Reinigungsbranche entstehen… Menschen wie Heike gehören zu denen, die das öffentliche Leben am Laufen halten. Sie sorgen dafür, dass die Reproduktion von Arbeitskraft und sozialen Strukturen funktioniert.« (Quelle: Presseheft, Real Fiction)

Für sein Spielfilmdebüt hat sich der Regisseur Kilian Armando Friedrich das Thema Arbeitswelt ausgesucht, um welches das deutsche Kino für gewöhnlich einen großen Bogen macht. Eine Geschichte aus dem Alltag im Niedriglohnsektor, in dem Menschen ohne soziale Anerkennung harte Arbeit leisten, verspricht nicht gerade erbauliche Unterhaltung. Sozialdramen aus der Berufswelt, welche die kapitalistischen Zwänge kritisch beleuchten, gelten auch in künstlerischer Hinsicht als sperrig. Denn dafür müssen sich die Filmschaffenden in der komplizierten Realität umschauen und Missstände auf den Punkt bringen können. (Bianka Piringer, www.filmrezensionen.de)

In sozialdramatischer Manier von „Sorry, We missed you“ von Ken Loach und „Heldin“ von Petra Volpe schafft auch Kilian Armando Friedrich in „Ich verstehe Ihren Unmut“, uns sprachlos zu machen über die Ausweglosigkeit, in die Heike und ihre Kolleg*innen durch das nicht funktionierende Wirtschafts- und Sozialsystem gebracht werden.
Gespielt wird Heike von Sabine Thalau, einer Reinigungskraft, die Kilian Armando Friedrich im Rahmen seiner Recherche kennenlernte und überredete, am Casting des Films teilzunehmen. Sie schafft es, der Figur Sabine eine Seele zu geben und Anteilnahme mit Menschen im Niedriglohnsektor zu entwickeln, die in der Realität häufig in fehlender Sichtbarkeit untergehen. 
(Lea Lünenborg, www.filmloewin.de)
 


Ein Sommer in Paris

Le rendez-vous de l'été – F 2025, Regie: Valentine Cadic, mit Blandine Madec, India Hair, Arcadi Radef, 77 Min., OmU 

Filmszene aus Ein Sommer in Paris
Do. 4.6., Sa. 6.6., Mo. 8.6. + Mi. 10.6. / 20:00
Fr. 5.6. + So. 7.6. / 17:30
Fr. 12.6., So. 14.6. + Di. 16.6. / 20:30
Sa. 13.6., Mo. 15.6. + Mi. 17.6. / 18:00
Mi. 17.6. / 15:00

Sommer 2024: Die Olympischen Spiele versetzen Paris in den Ausnahmezustand. Mitten in den Menschauflauf gerät die 30-jährige Blandine, die sich die Wettkämpfe anschauen möchte - und ihren Schwarm, die Schwimmerin Béryl Gastaldello. Die Großstadt und das Chaos der Spiele sind für Blandine auch eine aufregende Abwechslung zu ihrem beschaulichen Alltag in der Normandie. Und die Gelegenheit, ihre Halbschwester Julie wieder zu sehen, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Zunächst jedoch ist alles etwas überfordernd: Blandines Kommunikation mit Julie bleibt leider distanziert und Paris scheint wie ein Irrgarten voll mit seltsamen Menschen. Der Schwimmwettbewerb in der Seine wird abgesagt, Blandine verläuft sich, wird festgenommen, doch stoisch und immer freundlich trotz sie allen Widrigkeiten, knüpft neue Kontakte und erlebt unvergessliche Tage in Paris. Das Spielfilmdebüt von Valentine Cadic wurde während der Olympiade in Paris gedreht und integriert reale Geschehnisse in die Geschichte, die vorher nicht planbar waren – wie das zu dreckige Wasser der Seine.


Über Valentine Cadic, Regisseurin und Schauspielerin: Sie spielte in „Ava“ (2017) von Léa Mysius und „Nos batailles“ (2018) von Guillaume Sénez, die beide in der Semaine de la critique in Cannes gezeigt wurden. Sie ist Gründungsmitglied des 2020 initiierten feministischen Produktions- und Künstlerinnen-Kollektivs Les Filmeuses. 2020 drehte sie ihren ersten Kurzfilm „Omaha Beach“. 2022 folgte „Les grandes vacances“, der in der offiziellen Auswahl des Césars für den besten Kurzfilm war, 2023 „La nuit n’en finit plus“, der beim Festival Côté Court gezeigt wurde, und 2023 „La saisonnière“.
EIN SOMMER IN PARIS ist ihr Spielfilmdebüt und feierte 2025 in der Sektion Perspectives der Berlinale Premiere. (Quelle: Presseheft)
 


Sirens Call

D/NL 2025, Regie: Miri Ian Gossing, Lina Sieckmann, mit Gina Rønning, Moth Rønning-Botel, 121 Min.

Filmszene aus Sirens Call
Do. 18.6. / 20:00 ★ mit Einführung: Janna Schmidt
Fr. 19.6., So. 21.6. + Di. 23.6. / 17:30
Sa. 20.6., Mo. 22.6. + Mi. 24.6. / 20:00
Do. 25.6., Sa. 27.6., Mo. 29.6. + Mi. 1.7. / 18:00
Fr. 26.6., So. 28.6. + Di. 30.6. / 20:30
Mi. 1.7. / 15:00

Una ist eine wiedergeborene Sirene und weder Mensch noch Fisch. Sie versteht sich als eine Mermaid, ein hybrides Wesen, das einst dem Wasser entstiegen ist. Auf der Suche nach sich selbst und dem Gefühl der Zugehörigkeit, reist sie quer durch die USA. Auf dem Weg begegnet sie Moth, einem non-binären Teenager, der sich ihr anschließt. Während sie auf ihrem Roadtrip Fragen der Identität bewegen, sind im Autoradio Stimmen aus Trumps Amerika zu hören. Den verdorrten Landschaften, durch die sie fahren, fehlt das Wasser ebenso wie Unas Körper, der langsam austrocknet. Das Atmen an Land fällt ihr zunehmend schwerer und sie sehnt sich nach dem Meer. In Oregon an der Westküste treffen die beiden endlich auf Gleichgesinnte der Merfolk-Community. Diese Gruppe von Menschen lebt in einer Welt zwischen Gegenwart und Mythologie, zwischen allen denkbaren Identitäten und Geschlechtern. Ihr schillerndes Dasein jenseits aller Normen stellt gleichermaßen ein politisches Statement dar. Wie die Merfolk-Community lassen die Regisseurinnen Kategorien verschwimmen und mäandernd zwischen Science-Fiction und Dokumentation.

Über die Regisseur*innen:
2017 gewannen die Regisseurinnen Miri Ian Gossing und Lina Sieckmann für ihr Projekt „Freetime Mermaid“ den Wim Wenders Grant. Mithilfe dieses Stipendiums konnten sie während der folgenden Jahre für ihren experimentellen Dokumentarfilm recherchieren und ihn unter dem Titel „Sirens Call“ realisieren. 
 

Aus der Begründung der Jury (Zusammenfassung):
„’Freetime Mermaid’ wirft einen künstlerischen, essayistischen Blick auf das Phänomen des ‚Meerjungfrauen-Seins’ – Frauen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in die Rolle der Meerjungfrau schlüpfen. Was auf den ersten Blick wie die extravaganten Aktionen einer Randgruppe wirkt, entpuppt sich als popkulturelles Spiel mit der Identität und bietet eine ideale Grundlage für Reflexionen über Inszenierung, Geschlechterverhältnisse und Massenkultur (www.wimwendersstiftung.de)

Das Prinzip der Merfolk deckt sich mit einer filmischen Methode, die die klare Grenze zwischen Subjekt und Objekt fluide macht und damit selbst als Film flüssig wird. Fließend in den Zeiten und Orten, mäandernd zwischen politischen Realitäten und Mythen, wabernd zwischen digitalem Glitsch und analogem Korn, oszillierend zwischen dokumentarischen, fiktionalen, experimentellen und performativen Formen kann man als Zuschauer*in sich selbst beim Loslassen des kategoriengeleiteten Denkens beobachten (Mitch-al Boch, www.dokumentarfilminitiative.de)
 


Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens

Amélie et la métaphysique des tubes - F/B 2025; Regie: Liane-Cho Han, Maïlys Vallade, Animation, 77 Min., frz. OmU

Filmszene aus Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens
Do. 2.7., Sa. 4.7., Mo. 6.7. + Mi. 8.7. / 20:00
Fr. 3.7., So. 5.7. + Di. 7.7. / 17:30
Do. 9.7., Sa. 11.7., Mo. 13.7. + Mi. 15.7. / 18:00
Fr. 10.7., So. 12.7. + Di. 14.7. / 20:30
Mi. 15.7. / 15:00

Wie ein Baby und Kleinkind die Welt wahrnimmt, erzählt uns hier die kleine Amelie. Ende der 1960er wächst Amélie bei ihren Eltern, die belgische Diplomaten sind, in Japan auf. Anfangs denkt sie, sie wäre Gott, weil sich alles bei Vater Patrick, Mutter Danièle und ihren Geschwister Juliette und André um sie dreht. Nur schade, dass sie sich nicht alleine bewegen kann! Nach ihrem zweiten Geburtstag ändert sich das endlich und Amelie stürzt sich mit unbändiger Neugier auf alles, was die Welt zu bieten hat. Dabei merkt sie bald, dass sich nicht mehr alles um sie dreht, wie früher als sie kleiner war
Das Oscar© nominierte Langfilmdebüt des Regie-Duos Maïlys Vallade und Liane-Cho Han empfindet farbenfroh die Weltperspektive eines Kleinkinds nach und basiert auf Amélie Nothombs autobiographischem Roman „Métaphysique des tubes“.

Der 2D-Animationsfilm bezaubert mit seiner sehr originellen, poetisch-impressionistischen Gestaltung. Amélies Sinneseindrücke sind sehr intensiv und vermischen sich auch immer wieder mit ihren Fantasien. … Diese schöne, humorvoll erzählte Geschichte berührt, aber zum Leuchten bringt sie erst die hervorragende Animation. Durch sie wird der Film zur veritablen Augenweide. (Bianka Piringer, www.kino-zeit.de)