Wir glauben euch
On vous croit - B 2025, Regie: Charlotte Devillers, Arnaud Dufeys, mit Myriem Akheddiou, Laurent Capelluto, Natali Broods, FSK 16, 78 Min., frz. OmU

Alice muss erneut mit ihren Kindern zum Gericht. Die 40-jährige hat das alleinige Sorgerecht für den jungen Etienne und Teenagertochter Lila, will aber dafür kämpfen, dass beide den Vater nie wieder sehen müssen. Aus gutem Grund. Warum die Kinder bei seinem Anblick in Panik geraten, wird langsam während einer um Neutralität bemühten Gerichtssitzung offenbar. Das parallel laufende Missbrauchsverfahren gegen den Vater wird hier nicht verhandelt und noch gilt die Unschuldsvermutung des Beschuldigten. So müssen die Geschwister, deren Aussagen in der Verhandlung in Zweifel gezogen werden, um ihren Schutz vor dem Vater bangen. Während Alice dem Nervenzusammenbruch nahe ist, steht auch ihr Verhalten als Mutter auf dem Prüfstand. Sie sei mental instabil und das hätte massive Auswirkungen auf die Kinder, so der Vater. Alice hingegen bittet das Gericht darum, psychologische Hilfe für ihren Sohn beantragen zu dürfen. Eine Richterin soll nun entscheiden, wie es weitergeht. Weltpremiere in der Nachwuchssektion Perspectives der Berlinale 2025.
Über die Regisseur*innen:
Charlotte Devillers und Arnaud Dufeys haben „Wir glauben Euch“ gemeinsam geschrieben und Regie geführt. Als Pflegefachkraft, die regelmäßig mit Missbrauchsopfern arbeitet, half Charlotte dabei, die intimeren Aspekte der Jugendgerichtsrealität einzufangen. Arnaud Dufeys, Filmemacher und Produzent, wurde für seine Kurzfilme international ausgezeichnet. (Quelle: Presseheft)
»Kinder sind im Gegensatz zu Erwachsenen nicht in der Lage, über einen längeren Zeitraum hinweg komplexe, schlüssige Lügen aufrechtzuerhalten. Vor diesem Hintergrund stellt sich eine grundlegende Frage: Was ist schwerwiegender, ein geringes Risiko einzugehen, sich in Bezug auf die Schuld eines Erwachsenen zu irren oder ein Kind dem viel größeren Risiko auszusetzen, Missbrauch oder sexuelle Gewalt zu erleiden? Der Film lädt die Zuschauer ein, über dieses Dilemma nachzudenken und den Stellenwert, den wir den Stimmen von Kindern in unserer Gesellschaft einräumen, zu überdenken. Sollten wir nicht eher bereit sein, ihnen zu glauben und sie zu schützen, insbesondere wenn ihr Mut, sich zu äußern, bereits so groß ist?« (Interview mit Charlotte Devillers und Arnaud Dufeys, www.der-andere-film.de)
Eine der klügsten Entscheidungen des Films war es, echte Anwälte in wichtigen Rollen zu besetzen. Dadurch verschwimmt die Grenze zwischen Fiktion und Realität, und jedes Argument, jeder Einspruch und jede Erwiderung wirkt beunruhigend authentisch. Die Interaktionen erscheinen organisch statt einstudiert, was die immersive Qualität des Films verstärkt.
(Chris Jones, mailnewsgroup.com)



