Fwends

AU 2025, Buch, Regie: Sophie Somerville, mit Emmanuelle Mattana, Melissa Gan, 92 Min., engl., frz. OmU

Filmszene aus Fwends
Do. 20.8. / 20:00 ★ mit Einführung: Dr. Tobias Dietrich, Mitglied der Caligari-Jury
Fr. 21.8., So. 23.8. + Di. 25.8. / 17:30
Sa. 22.8., Mo. 24.8. + Mi. 26.8. / 20:00
Do. 27.8., Sa. 29.8., Mo. 31.8. + Mi. 2.9. / 18:00
Fr. 28.8., So. 30.8. + Di. 1.9. / 20:30
Mi. 2.9. / 15:00

Em besucht ihre beste Freundin in Melbourne. Die beiden Twentysomethings sind je auf ihre Art in ihrem Leben an einem Wendepunkt angelangt, ohne zu wissen, wohin es nun gehen soll. Em, weil ihr vermeintlicher Traumjob von einem ausbeuterischen und misogynen Klima geprägt ist; und Jessie, weil sie sich nach ihrer Trennung in einem Vakuum befindet. Die gemeinsamen Stunden der Freundinnen beim Schlendern durch die Stadt und den Tag verbringen sie mit Selbst- und Fremdbeobachtung.
Der Debütfilm der australischen Autorin, Regisseurin und Redakteurin Sophie Somerville feierte seine Weltpremiere in der Sektion FORUM am 15. Februar 2025 im Delphi Filmpalast in Berlin und erhielt dort den Caligari-Preis, der von den Kommunalen Kinos gemeinsam mit dem Streamingdienst filmfriend gestiftet wird. Die Protagonistinnen Emmanuelle Mattana und Melissa Gan haben am Drehbuch mitgewirkt.


Sophie Somerville ist eine in Melbourne ansässige australische Autorin, Regisseurin und Redakteurin. Ihre Kurzfilme wurden auf Festivals auf der ganzen Welt gezeigt, darunter das Telluride Film Festival und das London Short Film Festival. Ihre Kurzfilme haben beim Sydney Film Festival den Dendy Award für den besten Live-Action-Kurzfilm (Peeps, 2021) und den Rouben Mamoulian Award für die beste Regie (linda 4 eva, 2023) gewonnen. (Bio- & Filmografie: Berlinale 2025)

Auszug aus der Begründung der Caligari-Filmpreis Jury: „Anderen zuzuhören und verstehen zu wollen, was sie bewegt, ist lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Wir haben uns daher für einen Film entschieden, der ein Zeichen dafür setzt, wie wichtig es ist, hinzuhören und den Mut zu haben, sich zu öffnen und eigene Schwächen einzugestehen. Einem Film, der vor Humor und Leichtigkeit sprüht. Das Langfilmdebüt setzt auf heitere, erfüllende Momente ohne Eskapismus, auf Solidarität ohne Negativfolien, und auf Vertrauen ohne Angst vor Risiken. Im Kontext restriktiver Produktionsbedingungen, die er im Vertrauen auf kollektive Arbeitsweisen spielerisch und originell zu wenden versteht, wandert der Film zwischen ernsten Gesprächen und alberner Selbstvergessenheit und zwischen präzisem Schauspiel und dokumentarischer Freiheit." Die ganze Begründung können Sie hier lesen

“There was a chemical reaction” - Sophie Somerville spricht mit Carolin Weidner und Christiane Büchner vom Arsenal Berlin über das Verlassen des Nichts, die Freuden der Improvisation und die Spannung zwischen ernst und albern. Das Interview wurde auf Englisch geführt. (www.arsenal-berlin.de)

Fwends betritt den diffusen, sensiblen Bereich zwischen später Jugend und Erwachsenenleben oder, wie Regisseurin Sophie Somerville treffend beschreibt, "wie es bedeutet, in den Zwanzigern zu sein, in eine dunkle, tiefe, bedeutungslose Leere zu starren." Doch der Film hält sich näher an Komödie als an Drama, da Analysen der schwierigen Gegenwart mit Kostümen und Spezialeffekten, mit Rap und Improvisation geliefert werden. Ohne großes Budget gedreht, reist Fwends an unerwartete Orte – und ist zugleich eine Liebeserklärung an eine Metropole im Frühling. (www.berlinale.de)


Für immer 16

D 2026, Regie: Brezel Göring, mit Lilith Stangenberg, Chang Wang, Twiggy, 74 Min.

Filmszene aus Für immer 16
Do. 27.8., Sa. 29.8. + Mo. 31.8. / 20:00
Fr. 28.8., So. 30.8. + Di. 1.9. / 17:30
Do. 3.9. + Sa. 5.9. / 18:00
Fr. 4.9., So. 6.9. + Di. 8.9. / 20:30
Mi. 9.9. / 15:00

Charlotte, Helena und Oskar treffen sich nach sehr langer Zeit wieder, weil Charlotte sie zu einem gemeinsamen Urlaub eingeladen hat. Sie hat als Schauspielerin Karriere gemacht und Geld, während die anderen zwei von ihrer Undergroundkunst kaum leben können. Früher waren die drei die Experimentalfilmgruppe „Les enfants terrible", bis sie sich heillos zerstritten. 
Im Urlaub brechen Neid und Eifersucht erneut aus und es wird richtig schlimm, als Rudolph in ihr Leben tritt. Alle drei verlieben sich in Rudolph und haben nacheinander eine Affäre mit ihm. Aus der Situation heraus entsteht die Idee, einen Undergroundfilm zu drehen, in dem Demenzia, eine männermordende Serienkillerin, unentwegt Typen, allesamt gespielt von Rudolph, umbringt. Doch beim letzten Dreh kommt Rudolph durch einen Unfall zu Tode. 
„Für immer 16“ ist der Debütfilm von Brezel Göring, der bisher als Regisseur Theaterstücken und Musikvideos inszeniert hat. Außerdem waren er und Françoise Cactus die Underground-Chanson-Punk-Band Stereo Total, gründet 1992. Françoise Cactus schrieb die Vorlage für den Film „Für immer 16“, konnte ihn aber vor ihrem Tod 2021 nicht beenden. Aus Fragmenten haben Stefanie Mousa und Brezel Göring dann den Roman zusammengesetzt. Der gesamte Film ist mit Musik von Stereo Total unterlegt.

Brezel Göring zum Kino und zum Drehen von Filmen: „Ich habe bisher bei Hörspielen, Theaterstücken und Musikvideos Regie geführt. Meine Erfahrungen lassen sich zusammenfassen: es darf nicht langweilig werden, es darf nicht doof werden. Langeweile sollte am besten vermieden oder als stilistisches Mittel eingesetzt werden… Meine bisherigen Erfahrungen lassen sich so zusammenfassen: glücklicherweise kenne ich die Regeln nicht, die ich missachte!
… Das Drehverhältnis von 1:1 haben wir fast immer eingehalten. Das heißt, alles was wir gedreht haben, ist auch im Film zu sehen. Die Entwicklung des Filmmaterials ist ein komplizierter chemischer Prozess, der wahrscheinlich sehr schädlich für die Umwelt ist. Die ZuschauerInnen werden jedes Mal, wenn sie technische Fehler oder Missgeschicke im Film entdecken, daran erinnert, dass wir sparsam mit dem Material umgegangen sind, und sie werden sich darüber freuen, dass wir die Welt nicht unnötig verpestet haben.“ (Presseheft)


Sechswochenamt

D 2025, Drehbuch, Regie: Jacqueline Jansen, mit Magdalena Laubisch, Gerta Gormanns, Lola Klamroth, 98 Min., teilw. m. Untertiteln (rheinische Mundart)

Filmszene aus Sechswochenamt
Do. 27.8. / 17:30 ★ mit Antje Wicke, Pädagogische Leitung Trauerland e.V. und Maja Bendiks, Stellvertretende pädagogische Leitung Trauerland e.V.
Fr. 28.8., So. 30.8. + Di. 1.9. / 20:00
Sa. 29.8., Mo. 31.8. + Mi. 2.9. / 17:30
Do. 3.9., Sa. 5.9., Mo. 7.9. + Mi. 9.9. / 20:30
Fr. 4.9., So. 6.9. + Di. 8.9. / 18:00
Mi. 9.9. / 15:30

Mit dem Tod ihrer Mutter nach einem langen Krebsleiden reißt es Lore den Boden unter den Füßen weg. Während ihr Inneres in einen totalen Ausnahmezustand fällt, gerät auch die Außenwelt der 25jährigen aus den Fugen. Die Corona-Pandemie bricht aus, und ein Nebel aus Einsamkeit legt sich über die rheinische Kleinstadt. Die Menschen verkommen zu empathielosen Einzelkämpfern, und Lore verliert den Glauben an das Miteinander, während sie versucht, die Beerdigung zu organisieren. Ihre Mutter hatte nichts geplant, weil sie keine Beerdigung wollte, was Lores abwesende Schwester und die katholische Oma aber nicht akzeptieren wollen. Die Tage und Wochen verstreichen, während Lore das Leben ihrer Mutter archiviert, denn die Mietwohnung, in der sie ihre Kindheit verbracht hat und noch ein letztes Mal unterkommt, ist gekündigt. In einem letzten Kraftakt schafft sie es, allein und allen Widrigkeiten zum Trotz, eine Verabschiedungsfeier zu organisieren. Dass diese im Schlafzimmer ihrer Mutter stattfindet, erscheint am Ende wie die logische Konsequenz von sechs Wochen Ausnahmezustand. 
Ihren Debütfilm realisierte Jacqueline Jansen ohne Fördermittel mittels Crowdfunding und der ehrenamtlichen Arbeit aller Beteiligten. In ihrem Film verarbeitet sie eigene Erfahrungen mit dem Tod ihrer Mutter zu Zeiten von Corona. Jansen stammt selbst aus der Gegend im Kreis Erkelenz, in der ihr Film spielt, und einige ihrer Figuren sprechen in der kaum verständlichen Mundart der Region, was den Eindruck des fast Dokumentarischen weiter verstärkt.

 

Über die Regisseurin:
Jacqueline Jansen wurde 1994 in Erkelenz, NRW, geboren und wuchs auf einem Kohlbauernhof auf. Als Filmemacherin ist sie keinem klassischen Ausbildungsweg gefolgt, sondern dem der Autodidaktin. Seit 2013 arbeitete sie an über vierzig nationalen und internationalen Filmsets, immer im inhaltlichen und organisatorischen Department. Neben Kurzfilmen und Musikvideos realisierte sie in den Jahren 2014 – 2017, in Deutschland und den USA, ihren ersten dokumentarischen Langfilm »No Way Home«. 
Ihren Debütfilm »Sechswochenamt« entwickelte sie in den Anfängen der Pandemie und fand in den herausfordernden Zeiten ein besonderes Finanzierungsmodell. Jacqueline ist Mitbegründerin des Vereins KunstFreiheitFilm e.V. und seit 2023 ehrenamtlich im Vorstand tätig. So engagiert sie sich für eine nachhaltige Förderung von Film und Kunstprojekten, besonders im Autodidakt:innen-Bereich. (www.freitag.de)
 


Am Do. 27.8. um 17:30 Uhr mit Gästen und Diskussion:

Antje Wicke – Pädagogische Leitung Trauerland e. V.
Maja Bendiks – Stellvertretende pädagogische Leitung Trauerland e. V.


Über Trauerland – Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche e. V.:
Seit über 25 Jahren begleitet Trauerland e. V. junge Menschen und ihre Familien aus der gesamten Nordwestregion, bei denen eine nahestehende Person gestorben ist. Der gemeinnützige Verein bietet Kindern, Jugendlichen und ihren Angehörigen umfassende Hilfe für ihren Trauerprozess kostenfrei an. Dazu gehören Trauergruppen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, Einzelberatungen, Telefonberatung und Kriseninterventionen. Der spendenfinanzierte Bremer Verein hat seine Räume in Bremen-Horn sowie eine Außenstelle in Verden. Insgesamt werden in den Trauergruppen derzeit 150 Plätze für trauernde Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene angeboten. Mehr  Infos auf www.trauerland.org

 

 

 

[Jansens] Alter Ego im Film ist die großartige Magdalena Laubisch. Innerlich aufgewühlt, aber äußerlich meist unbewegt, bringt Laubisch Lores Emotionen mit Blicken und kleinen Gesten zum Ausdruck: wie sie sich in ihrer Trauer allein gelassen fühlt, überfordert von all den Entscheidungen, die sie treffen muss in einem Moment, in dem sie sich eigentlich nur zurückziehen und weinen will. (www.ndr.de)

Interview mit Jacqueline Jansen zu ihrem Film "Sechswochenamt" auf dem Internationalen Frauen Film Fest in Köln (Westart Magazin vom 18.04.2026)