Cotton Queen
D/F/PSE/KAT/SAU/SUD 2025, Regie: Suzannah Mirghani, mit Mihad Murtada, Mohamed Mahmoud, Talaat Fareed, 93 Min., arab. OmU

Die fünfzehnjährige Nafisa und ihre Freundinnen pflücken Baumwolle auf den Feldern ihrer Großmutter Al-Sit. In den sudanesischen Dörfern ist das traditionell die Aufgabe junger Mädchen, die sich die Zeit dabei mit dem Singen ungezogener Lieder vertreiben. Und es ist ein kleiner Akt der Rebellion in ihrem patriarchal und kolonial geprägten Alltag. Großmutter Al-Sit hat sich als junge Frau gegen die britischen Kolonialisten aufgelehnt und erzählt in mythisch überhöhten Geschichten davon. Als der im Ausland reich gewordene Sudanese Nadir zurückkehrt und das Haus eines Engländers kauft, bringt er auch neue Ideen für die Dorfgemeinschaft mit. Er will sie überzeugen, genmanipuliertes Saatgut zu kaufen und die Mechanisierung einzuführen. Bei Nafisas Eltern findet er damit Gehör und sie unterstützen - in der Hoffnung auf künftigen Wohlstand - auch seinen Heiratsantrag für Nafisa. Da Nafisas Herz dem jungen Bauernsohn Babiker gehört, weist sie Nadir zurück. Das letzte Wort darüber, wen sie heiraten soll, hat jedoch die Matriarchin Al-Sit. Nafisa muss sich entscheiden, ob sie gehorchen oder ihren eigenen Weg gehen will.
Die sudanesisch-russische Filmemacherin Suzannah Mirghani hat bereits mit ihrem Kurzfilm „Al-Sit“ mehrere europäische Preise gewonnen. Als während der Dreharbeiten zu „Cotton Queen“ der Bürgerkrieg im Sudan eskalierte, flüchteten viele Schauspieler nach Ägypten. Um weiter filmen zu können, folgte ihnen Mirghani und ließ die sudanesische Community am Set neu erstehen.
Es scheint unvorstellbar, dass es ein Land gibt, in dem erst 2025 die erste Frau als Regisseurin tätig ist. Genau das ist jedoch im Sudan der Fall, wo die sudanesisch-russische Autorin und Regisseurin Suzannah Mirghani dieses Jahr mit ihrem zurückhaltenden, aber bewegenden Debütfilm Cotton Queen (2025) als erste sudanesische Regisseurin Geschichte geschrieben hat. Das allein ist schon ein Gewinn für das Kino, insbesondere in einem Land, in dem das Kino historisch gesehen sowohl als Teil der politischen Kontrolle als auch als Nebenprodukt politischer Instabilität unterdrückt wurde – Cotton Queen wurde aufgrund des 2023 ausgebrochenen sudanesischen Bürgerkriegs in Ägypten gedreht – und Frauen stark unterrepräsentiert und systematisch ausgeschlossen wurden. Vor diesem Hintergrund ist die weibliche Perspektive, die Mirghani einbringt, sehr willkommen. Cotton Queen ist ein Film über Frauen, ihre Träume und ihre Entscheidungen. Noch erfrischender ist jedoch Mirghanis Weigerung, die Frauen – und die Männer – in den Kontext des Konflikts zu stellen oder sie ausschließlich als Opfer und Leidtragende darzustellen, wie es die Medien typischerweise tun. Stattdessen betont Cotton Queen die Freude der Frauen, stellt die Komplexität der Beziehungen zwischen Frauen verschiedener Generationen in den Mittelpunkt, feiert die romantische Seite jungen Frauseins und fordert Empathie statt Mitleid. (Vivian Nneka Nwajiaku, www.afrocritik.dom)
Regisseurin Suzannah Mirghani: „Cotton Queen“ war der Titel einer Misswahl, der einem jungen Mädchen verliehen wurde, das während der britischen Kolonialzeit im Sudan in der Baumwollindustrie arbeitete. Im Film greife ich diesen Titel auf, um zu zeigen, dass sudanesische Mädchen sich ihrer eigenen Macht bewusst werden, die über Schönheit und Heirat hinausgeht. Aus der von kolonialen Besatzern gekürten Baumwollkönigin wird so die KÖNIGIN DER BAUMWOLLE.
Als Kind im Sudan waren die Baumwollfelder für mich ein Ort der Magie: Baumwolle fiel im Wind wie Schnee, weiße Knospen schienen im Licht der untergehenden Sonne zu brennen. Erst später erkannte ich die Geschichte von Leid und Ausbeutung, die die britische Kolonialherrschaft in diese Landschaft eingeschrieben hat. „Cotton Queen“ verbindet diese Gegensätze – die Schönheit der Baumwolle und den Widerstand gegen die Gewalt der Industrie. Da im Sudan vor allem Frauen und Mädchen Baumwolle pflückten, nutze ich dieses Umfeld, um ihre sich wandelnde Rolle zu untersuchen. Der Film folgt den Kämpfen der 15-jährigen Nafisa und ihrer Großmutter Al-Sit: Al-Sit überlebte die Erniedrigung des Kolonialismus, Nafisa steht heute neoliberalen Kräften gegenüber, die in das Dorf eindringen. Ihre Beziehung macht sichtbar, was sie verbindet und was sie trennt. (Presseheft Verleih)

