Solo Sunny

DDR 1978 – 1979, Regie: Konrad Wolf, mit Renate Krößner, Alexander Lang, 104 Min., digital restaurierte 4K-Fassung

Filmszene aus Solo Sunny
Mi. 1.4. / 17:30 ★ mit Einführung von Eberhard Geick, Kameramann bei „Solo Sunny“ und „Busch singt“

Sie war seine „Solo Sunny". Schauspielerin Renate Krößner verkörperte in Konrad Wolfs letztem Spielfilm die unangepasste Schlagersängerin Ingrid Sommer. „Na, dann machen Sie mal, Renate" hatte der als maulfaul bekannte Regisseur sie damals zum selbstbestimmten Spiel aufgefordert, erzählt sie im Gespräch mit Wolfgang Kohlhaase und Knut Elstermann im Filmmuseum Potsdam, 2015 (www.filmmuseum-potsdam.de)

In „Solo Sunny" trifft ein individueller Glücksanspruch auf eine verhärtete Gesellschaft. Der letzte Film von Konrad Wolf (1925–1982) war sein größter Publikumserfolg. In Ost- und Westdeutschland wurde er gleichermaßen verstanden. Denn, so Wolf, er „wendet sich gegen die schleichende Unmenschlichkeit im Alltag". „Solo Sunny" entstand in Co-Regie mit dem für seine Berlin-Filme berühmten Autor Wolfgang Kohlhaase. Mit dem Vorbild für Sunny, der Sängerin Sanije Torka, war er persönlich bekannt. (75. Internationale Filmfestspiele Berlin, Katalog)

Interview mit Wolfgang Kohlhaase zu SOLO SUNNY, zum vierten gemeinsamen Film mit Konrad Wolf
Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur, sagt der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, habe er von Anfang an als Bereicherung empfunden. Er hatte das Glück, mit seinen Partnern bei der DEFA, den staatlichen Filmstudios der DDR, ein verschworenes Team zu bilden. Gemeinsam brachten sie Geschichten aus dem Alltag auf die Leinwand, die speziell für junge Leute gedacht waren. So kam, unter der Regie von Konrad Wolf, auch das Porträt einer leidenschaftlich unabhängigen Frau zustande, die gegen die Grenzen ihres Lebens und ihrer Gesellschaft aufbegehrt: SOLO SUNNY. (Tobias Kniebe, www.vierundzwanzig.de)


Vergangene Filme aus dieser Reihe:

Solo Sunny

DDR 1978 – 1979, Regie: Konrad Wolf, mit Renate Krößner, Alexander Lang, 104 Min., digital restaurierte 4K-Fassung

Mi. 1.4. / 17:30 ★ mit Einführung von Eberhard Geick, Kameramann bei „Solo Sunny“ und „Busch singt“

Sie war seine „Solo Sunny". Schauspielerin Renate Krößner verkörperte in Konrad Wolfs letztem Spielfilm die unangepasste Schlagersängerin Ingrid Sommer. „Na, dann machen Sie mal, Renate" hatte der als maulfaul bekannte Regisseur sie damals zum selbstbestimmten Spiel aufgefordert, erzählt sie im Gespräch mit Wolfgang Kohlhaase und Knut Elstermann im Filmmuseum Potsdam, 2015 (www.filmmuseum-potsdam.de)

In „Solo Sunny" trifft ein individueller Glücksanspruch auf eine verhärtete Gesellschaft. Der letzte Film von Konrad Wolf (1925–1982) war sein größter Publikumserfolg. In Ost- und Westdeutschland wurde er gleichermaßen verstanden. Denn, so Wolf, er „wendet sich gegen die schleichende Unmenschlichkeit im Alltag". „Solo Sunny" entstand in Co-Regie mit dem für seine Berlin-Filme berühmten Autor Wolfgang Kohlhaase. Mit dem Vorbild für Sunny, der Sängerin Sanije Torka, war er persönlich bekannt. (75. Internationale Filmfestspiele Berlin, Katalog)

Interview mit Wolfgang Kohlhaase zu SOLO SUNNY, zum vierten gemeinsamen Film mit Konrad Wolf
Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur, sagt der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase, habe er von Anfang an als Bereicherung empfunden. Er hatte das Glück, mit seinen Partnern bei der DEFA, den staatlichen Filmstudios der DDR, ein verschworenes Team zu bilden. Gemeinsam brachten sie Geschichten aus dem Alltag auf die Leinwand, die speziell für junge Leute gedacht waren. So kam, unter der Regie von Konrad Wolf, auch das Porträt einer leidenschaftlich unabhängigen Frau zustande, die gegen die Grenzen ihres Lebens und ihrer Gesellschaft aufbegehrt: SOLO SUNNY. (Tobias Kniebe, www.vierundzwanzig.de)


Ich war neunzehn

DDR 1967, Regie: Konrad Wolf, mit Jaecki Schwarz, Wassili Liwanow, Alexej Ejboshenko, 119 Min.

Mi. 18.3. / 17:30 ★ mit Einführung von Freya Glomb

Gregor Hecker war als Achtjähriger mit seinen Eltern in die Sowjetunion emigriert. Als 19-Jähriger kehrt er im April 1945 mit einer Aufklärungseinheit der Roten Armee nach Deutschland zurück. Es fällt ihm schwer, die Deutschen, die zum Teil noch erbittert gegen die Russen kämpfen, als seine Landsleute zu betrachten und er schämt sich vor den sowjetischen Genossen für das Verhalten der Deutschen. Nur langsam reift die Erkenntnis, dass nicht alle Deutschen schuldig waren und dass man nur mit ihnen gemeinsam ein friedliches Deutschland aufbauen kann. Mit diesem Film erzählt Konrad Wolf ein Stück Autobiographie.

Freya Glomb arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. 2024 hat sie ihren Master im Studiengang Filmkulturerbe mit einer Arbeit über die Transformation von Erinnerung in und durch Konrad Wolfs ICH WAR NEUNZEHN abgeschlossen. Diese wurde in der Online-Schriftenreihe Gegen-Kanon publiziert.

Hintergründe zum Film
Konrad Wolf, der bei „Ich war neunzehn" zum ersten Mal mit dem Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase zusammenarbeitete, baute seinen Film episodisch und fragmentarisch auf. Diese offene Fabelstruktur, im deutschen Kino seinerzeit noch fast ohne Tradition, erlaubte sowohl eine Korrespondenz von tragischen, lyrischen oder auch komischen Elementen als auch eine Vielzahl von Figuren, in denen sich ebenso viele Geisteshaltungen manifestieren konnten. So läuft der Film nicht auf einen einzigen Höhepunkt zu, sondern besteht aus kleinen, in sich geschlossenen dramaturgischen Einheiten, die zusammengenommen ein um Wahrhaftigkeit bemühtes Bild der Zeit geben. Dabei wurde das Klischee vom strahlenden Sieger ebenso wenig bedient wie das vom glücklichen Befreiten.

"Ich war neunzehn" wurde in 55 Drehtagen inszeniert. In der Hauptrolle besetzte Wolf den damaligen Schauspielstudenten Jaecki Schwarz, den er während des Drehs in für ihn unbekannte Situationen versetzte, um so auch eine größtmögliche Authentizität des Spiels zu gewinnen. Schwarz garantierte dank seiner spontanen, freundlich-linkischen Art jenseits allen Heldischen, dass sich junge Zuschauer mit Gregor Hecker identifizieren, an dessen Lernprozess teilnehmen konnten. In der DDR geschah das natürlich auch in einer Weise, die spätestens seit den Thälmann-Filmen von höchsten staatlichen Stellen verordnet worden war: In FDJ-Jugendstunden und als Ergänzung des Staatsbürgerkunde-Unterrichts wurde "Ich war neunzehn" zur Pflichtansicht bestimmt.
Im Falle von Konrad Wolfs Film mochten die jungen Zuschauer kaum alle Zusammenhänge verstanden haben: Wolf und Kohlhaase waren eben keineswegs auf einfache didaktische Handreichungen aus. Im Gegenteil: Was es zu sehen gab, provozierte mehr Fragen als Antworten, ließ offen, was in vorherigen Filmen gern zugekleistert worden war. Wolf gab sich nicht mit forcierter Emotionalität zufrieden, er ließ zwischen den oft eher aphoristischen Bildern genügend Raum für eigene Assoziationen. So lobte der Dichter Stephan Hermlin nicht von ungefähr, "Ich war neunzehn" sei »unter allen Kriegsfilmen der am meisten beredte und der verschwiegenste«. (www.filmportal.de)