CDN 2025, Regie: Denis Côté, mit Cleaning Simp Paul, 87 Min., OmengU
Paul leidet unter Depressionen und Sozialphobien. Um seinen einsamen Alltag zu bewältigen, hat der übergewichtige »Alice im Wunderland«-Fan für sich feste Routinen etabliert. Die verlässliche Kontrolle, die er im analogen Leben vermisst, findet Paul stattdessen in seinem Instagram-Profil. Hier in der virtuellen Social Media-Bubble kann er sein Image und die Wahrnehmung seiner Person steuern und gestalten. Aus seiner suchtartigen Selbstinszenierung wird ungeplant eine Beschäftigungstherapie für Paul: Als devoter »Cleaning Simp Paul« bietet er sich dominanten Frauen als Putzkraft an. Der Job hilft ihm, seine starren Gewohnheiten zu durchbrechen, doch zugleich verstärkt das auch seine Online-Fixierung. Unter dem Motto »Cleaning to Save My Life« veröffentlicht Paul permanent Insta-Reels von seinen unterwürfigen Putzeinsätzen. Vielleicht kann er durch die Erfüllung der Domina-Wünsche auch sein eigenes Glück finden?
Furcht- und kompromisslos nähert sich Filmemacher Denis Côté in dieser dokumentarischen Arbeit einer vermeintlich randständigen Existenz. Pauls Lebensentwurf oder das Milieu erfasst Côté als hellsichtige und berührende Reflexion über die menschliche Sehnsucht nach einem geschützten Platz in der Welt.
Über den Regisseur Denis Côté:
Der franko-kanadische Filmemacher Denis Côté wurde 1973 in New Brunswick, Kanada, geboren. Seine Filme wurden auf verschiedenen internationalen Filmfestivals gezeigt und brachten ihm unter anderem beim Internationalen Filmfestival von Locarno sowie bei der Berlinale Preise ein. „Paul“ ist sein vierter Film, der bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin gezeigt wird.
Interview mit Denis Côté über „Paul“: „Er hat mir nie in die Augen geschaut“:
Denis Côté folgt in seinem Dokumentarfilm „Paul“ (Berlinale Panorama) einem schwergewichtigen Mann. Seine Ängste überwindet der, indem er für Dominas putzt.
taz: Ein Held, der 136 Kilo wiegt und Sozialphobien und Angststörungen hat, ist kein offensichtlicher Held für einen Film, oder?
Denis Côté: Nein. Ich will nicht böse sein, aber er ist nicht sehr cineastisch, nicht besonders charmant oder gutaussehend. Er hat keine besonders starke Präsenz. Da hatte ich beim Dreh plötzlich Zweifel und fragte meinen Cutter: Magst du das Material mit Paul? Und er sagte mir: „Ja, er hat was, dieser Typ, mach weiter.“ Da habe ich Vertrauen gefasst. Irgendwann findet man ihn liebenswert.
… Unser Problem war, dass er nicht mit Männern spricht, wahrscheinlich wegen der schwierigen Beziehung zu seinem Vater. Er hat mir nie in die Augen geschaut. (Kira Taszman, www.taz.de)