Once Upon a Time in Gaza
F/PS/D/P/KAT/JOR 2025 - Drehbuch, Regie: Tarzan & Arab Nasser, mit Nader Abd Alhay, Ramzi Maqdisi, Majd Eid, 90 Min., arab. OmU

Gaza im Jahr 2007 leidet nach dem Wahlsieg der Hamas unter der militärischen und wirtschaftlichen Blockade durch Israel und die internationale Gemeinschaft. Der Alltag ist chaotisch. Yahya, ein verträumter Student, freundet sich mit Osama an, einem lebenslustigen Dealer mit großem Herzen. Gemeinsam steigen sie ins Drogengeschäft ein, das sie in einem Falafel-Laden verstecken. Was als harmloser Nebenverdienst beginnt, zieht bald die Aufmerksamkeit eines korrupten Polizisten auf sich, der am Verdienst beteiligt sein will - oder sie auffliegen lässt.
Jahre später findet sich Yahya in einem absurden neuen Kapitel wieder: Er wird Hauptdarsteller des ersten Low Budget-Actionfilms, der in Gaza - mit echten Waffen - gedreht wird. Ein Projekt, das die brüchige Grenze zwischen Fiktion und realer Gewalt in Gaza auf beunruhigende Weise verwischt und zu einigen Missverständnissen führt.
Für ihren dritten Spielfilm wurden die Zwillingsbrüder Nasser (Degradé 2015, Gaza mon amour 2020) in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.
"Jede Geschichte, die heute über Gaza erzählt wird, beginnt wie ein Märchen mit 'Es war einmal', weil Gaza praktisch nicht mehr existiert", haben Tarzan und Arab Nasser im Interview mit der Variety erklärt….
Am stärksten ist er, wie gesagt, als Porträt des Alltags in Gaza, im Blick auf eine Welt, die zerbombt ist. In seinen politischen Subtexten bleibt er zugleich überdeutlich und seltsam ungreifbar, weil er das eine unverbunden neben dem anderen laufen lässt. Vielleicht ist diese Ungreifbarkeit auch das Resultat der Unmöglichkeit des ursprünglichen Projekts der Filmemacher. Am Anfang hatten sie einfach einen Western drehen wollen, ein Stück "pures Kino". Das kann unter den gegebenen Bedingungen offensichtlich nicht mehr funktionieren. "Wir versuchen immer, einfach Kino zu machen. Aber in Gaza, und in Palästina generell, ist es sehr schwer, der Politik zu entkommen, weil die Politik dort alles bestimmt", sagen Tarzan und Arab Nasser. (Benjamin Moldenhauer, www.perlentaucher.de)
Auch bleibt selbst in vielen äußerst düsteren und bedrohlichen Momenten immer auch Raum für Humor und Absurdes. Das gilt ganz besonders von äußerstem Dilettantismus geprägten Filmaufnahmen, für die Yahya angeheuert wurde. Weil es für Spezialeffekte kein Budget gibt, wird am Set mit scharfen Waffen geschossen. Noch Fragen?
Trotz der historischen Verortung baut der Film auch Brücken in die Gegenwart. Immer wieder stolpern die Protagonisten in unerwartete Situation hinein und scheinen, jeder auf seine Art, den herrschenden Verhältnissen ausgeliefert zu sein. Einiges an dieser Erzählung bleibt fragmentarisch. Damit wollen die Nasser-Brüder zeigen, wie unvorhersehbar das Leben auch im realen Gaza ist: heutzutage
je. (Nils Michaelis, www.vorwaerts.de)