Aisha Can't Fly Away
EG/SUD/TUN/SAR 2025, Regie: Morad Mustafa, mit Bulina Simon, Ziad Zaza, 123 Min., FSK 16, arab., sudanesisch OmU

Aisha ist 26 Jahre alt und lebt als sudanesische Migrantin in Ain Sham, einem Viertel im Herzen von Kairo. Ihren spärlichen Lebensunterhalt verdient sie als Pflegekraft und schickt den Großteil ihres Lohns an ihre Familie, die noch im Sudan und unter dem dort wütenden Bürgerkrieg versucht zu überleben. Auch in Aishas Viertel sind Rassismus und Kriminalität ihr ständiger Begleiter und es gibt Spannungen zwischen den ägyptischen Gangs und zugewanderten Menschen aus Afrika. Ohne Papiere ist sie zudem abhängig von ihrem zwielichtigen Vermieter, der Aisha im Tausch gegen „Sicherheit” zu einem unmoralischen Deal zwingt. Nicht mal die Treffen mit dem aufmerksamen jungen Koch Abdoun bringt Licht in ihr düsteres Leben. Als Aishas neuer Klient anfängt, sie sexuell zu bedrängen, spitzt sich ihre Situation gefährlich zu. Sie wird sich der Abwärtsspirale bewusst, in der sie ohne Ausweg gefangen zu sein scheint.
… das Spiel mit Genremustern macht aus einem klassisch sozialrealistischen Film etwas Ungewöhnliches: Den Versuch zu ergründen, wie die Strukturen von Migration und Ausbeutung sich physisch auf einen Menschen auswirken. Ein bemerkenswerter Debütfilm, dem man nicht zuletzt deswegen viele Zuschauer wünscht, weil er einen anderen Blick auf das allgegenwärtige Thema Migration wirft und zeigt, dass nicht nur der reiche Westen einen Fluchtort darstellt. (Michael Meyns, www.programmkino.de)
Das bildstarke Drama lässt sich viel Zeit, die es nicht immer ganz füllt, und wird der Komplexität seiner Protagonistin, die distanziert und irgendwie fremd bleibt, nicht ganz gerecht. Thematisch schöpft Mustafa bei Sozialdrama, Gangsterfilm und Bodyhorror aus dem Vollen, ohne die eigensinnige, fast hypnotische Erzählung zu durchbrechen, die dieses Debüt eindringlich macht. (Clarissa Lempp, www.indiekino.de)
Kaum ein Genrezugang hat das Weltkino zuletzt so befruchtet wie der Bodyhorror. … „Aisha Can’t Fly Away" des ägyptischen Regisseurs Morad Mostafa ist ein weiterer Beweis: ein Film, der aus dem Sozialdrama heraus eine politisch-poetische Metamorphose anstößt. …
Mostafa erzählt dies zunächst mit der Strenge eines Milieudramas. Doch in Aishas innerem Kampf tauchen surreale Bilder auf: eine Straußenfigur, die zwischen Fluchtfantasie und Verwandlung oszilliert, schließlich eine Metamorphose, die den Körper zum Schlachtfeld der Gewalt und zugleich zum Ort der Befreiung macht. Politisches und Intimes verschmelzen, Aishas Körper wird zum Terrain von Unterdrückung und Selbstbehauptung. Mit seiner Weltpremiere in Cannes („Un Certain Regard") zeigte „Aisha Can’t Fly Away", wo das Weltkino derzeit am radikalsten und aufregendsten spricht.
(www.14films.de)


