On the Border – Europas Grenzen in der Sahara
D 2024, Regie: Igor Hauzenberger, Gabriela Schild, 102 Min., frz. OmU

Der historische Stadtkern von Agadez im Niger mit seiner Lehmarchitektur existiert seit vielen Jahrhunderten. Die kleine Stadt am Rande der Sahara ist seit 20215 aber auch zu einem geopolitischen Brennpunkt geworden, denn hier testet die Europäische Union neue Grenz- und Überwachungskonzepte. Lassen sich 1000 km vor dem Mittelmeer bereits große Migrationsbewegungen Richtung Europa stoppen? Seit die EU ihren Fokus auf das sogenannte „Tor in die Wüste“ gelegt hat, verläuft eine virtuelle Grenze durch den Norden Nigers. Sie sorgt dafür, dass nur noch wenige Migrant*innen mit Genehmigung von Agadez in Richtung Mittelmeer weiterreisen durften. Im Gegenzug verspricht man den Bürger*innen der Stadt, die Jugendarbeitslosigkeit, Kriminalität und Korruption zu bekämpfen. Doch mit der Grenze versiegt die Haupteinnahmequelle der heimischen Tuareg, der Waren- und Personentransport durch die Sahara. Dafür greifen Arbeits – und Perspektivlosigkeit um sich – ein fruchtbarer Boden für Radikalisierung und Kriminalität. Nicht nur die Nigriner*innen stellen sich also Fragen: Was machen Amerika und Europa hier eigentlich? Und China uns Russland bringen sich auch bereits ins Spiel.
„On the Border“ ist ein fantastischer Wüstenfilm und ein Doku-Thriller: Agadez in Niger ist zu einer umkämpften Stadt geworden. Die EU, die USA, China und Russland haben große Interessen an der Tuareg-Stadt.
Gabriela Schild und Gerald Igor Hauzenberger haben sich auf die Seite der Bevölkerung begeben. Fünf Jahre hindurch haben sie immer wieder in Agadez gedreht. Wahrscheinlich waren sie das einzige westliche Team mit Mitarbeitern vor Ort. Vor allem wie es der Bevölkerung geht, hat das Regie-Duo interessiert. Sie haben Freundschaft geschlossen mit dem Bürgermeister Rhissa Feltou, eine Radiojournalistin und einen Händler kennengelernt. Diese Menschen erzählen von ihrer Stadt und aus ihrem Leben. Das sind unglaubliche Geschichten, die Augen öffnen und überraschen. (Maria Motter, www.orf.at)
In ausbalancierter Montage von privaten Gesprächen, Persönlichem und einer größer gefassten Perspektive auf regional- und weltpolitische Zusammenhänge spüren Gerald Igor Hauzenberger und Gabriela Schild der komplexen Geschichte und Gegenwart Agadez’ nach. Über mehrere Jahre hinweg haben sie zugehört, Fragen gestellt, Vertrauens- und Beziehungsarbeit vor Ort geleistet. So treten Nähe, Staunen und Übersicht in einen nuancierten filmischen Dialog. Entlang der Bruchstellen eines vielleicht historischen westafrikanischen Paradigmenwechsels. Entlang einer Grenze, die keine ist. (Quelle Mirafilm)

