Nawi – Dear Future Me

D/K 2024, Buch, Regie: Toby Schmutzler, Kevin Schmutzler, Vallentine Chelluget, Apuu Mourine, mit Michelle Lemuya Ikeny, Joel Liwan, 99 Min., engl., swahili OmU

Filmszene aus Nawi – Dear Future Me
Do. 23.4., Sa. 25.4., Mo. 27.4. + Mi. 29.4. / 20:30
Fr. 24.4. + Di. 28.4. / 18:00
Mi. 29.4. / 15:30

„Ich bin acht Kamele, 60 Schafe und 100 Ziegen wert“, fasst die 13-jährige Nawi ihren ausgehandelten Brautpreis zusammen. Doch Nawi hofft an ihrer Schule in einer abgelegenen Provinz Kenias die anstehende Abschlussprüfung als Klassenbeste zu bestehen. Dann bekäme sie ein Stipendium für die High School im weit entfernten Nairobi und könnte später studieren. Doch in der Turkana-Wüste, einem unfruchtbaren Gebiet im Norden Kenias, gilt Schulbildung für Mädchen als unnötig. Als Nawis Vater von einem reichen Fremden ein lukratives Angebot für seine Tochter bekommt, scheint Nawis Traum unerreichbar. Wie so viele Mädchen soll sie in eine Kinderehe gezwungen werden, was zwar verboten ist, aber nicht kontrolliert wird. Nawi weigert sich, ihr Schicksal einfach so anzunehmen. Ihr unerschütterlicher Verbündeter im Kampf gegen ihre Familie ist Joel, ihr Bruder und engster Freund.
Der Film entstand in Zusammenarbeit der Brüder und Regisseure Toby und Kevin Schmutzler mit den kenianischen Regisseurinnen Vallentine Chelluget und Apuu Mourine. Er basiert auf der wahren Geschichte der jungen Schriftstellerin Milcah Cherotich. Der Film wurde unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Films und auf dem Raindance Festival ausgezeichnet und war der kenianische Beitrag bei den Oscars 2025.

Als Kinder- und Jugendfilm funktioniert „Nawi – Dear Future Me“ tadellos, auch dank der Intensität seiner jungen Hauptdarstellerin Michelle Lemuya Ikeny, die aus der Region Turkana stammt und zum ersten Mal vor der Kamera stand. Aus Erwachsenenperspektive überzeugen vor allem die Kameraarbeit von Klaus Kneist und Renata Mwende sowie die differenzierte Darstellung der traditionellen Kultur. Selbst die ihr verhafteten Männer werden nicht als komplette Bösewichte gezeichnet, sondern als zwiespältige Charaktere mit inneren Zweifeln und Widersprüchen. Dennoch übertönt das didaktische Anliegen des Films zuweilen die leiseren Nuancen. In solchen Momenten wird mehr als deutlich, dass das Drama nicht nur die Herzen der Zuschauer, sondern auch politisch-soziale Verhältnisse erschüttern soll. (Peter Gutting, www.kino-zeit.de)

Mag der Schauplatz auch exotisch sein, so wird dank der ausdrucksstarken Darstellerin klar, wie sehr Nawis Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben und der Loyalität zu ihrer Familie universelle Geltung hat. (Birgit Roschy, www.epd-film.de)

the young Michelle Lemuya Ikeny plays the titular character in a star-making performance, adding to the potent mix. (Georg Szalai, www.hollywood-reporter.com)