SR

D 2024, Buch, Regie, Kamera, Montage: Lea Hartlaub, 103 Min., DF

Filmszene aus SR
Di. 14.4. / 18:00 ★ mit Regisseurin Lea Hartlaub

16 fragmentarische Episoden führen in 91 Einstellungen an 30 Handlungsorte – unter anderem auf eine Insel im Westpazifik, in einen Lesesaal in New York, zu einer Keramikfabrik bei Peking und auf eine Landebahn im Niger. Regisseurin Lea Hartlaub unternimmt in ihrem filmischen Essay anhand eines Subjekts - der Giraffe - eine Welterzählung, die sich über Kontinente und Jahrhunderte hinweg erstreckt. In einer puristischen Filmsprache und bühnenhaften Tableaus erzählt SR vom Menschen und von den durch sie geschaffene Wirklichkeiten. Die Giraffe verweist auf koloniale Relikte und hegemoniale Strukturen, auf Aneignungen und den Umgang mit Exotik. Hartlaubs Filmexperiment ist in Form und Inhalt einzigartig und hat international viel Beachtung gefunden.

Im ersten Wörterbuch der ägyptischen Sprache findet sich das Hieroglyph 'sr', was 'Giraffe' bedeutet. Das höchste lebende Landtier, sein ältester Vorfahre streifte vor etwa zwanzig Millionen Jahren auf der Erde. In Lea Hartlaubs unendlich faszinierendem Film wird das Tier in Bezug auf Mythos, Fabel sowie sowohl Natur- als auch Menschheitsgeschichte kontextualisiert. Das Ergebnis ist so weit entfernt vom anthropomorph-zentrierten Trend zeitgenössischer Naturdokumentationen, wie man nur sein kann – und umso besser… Meditativ, immersiv, manchmal schelmisch witzig und oft atemberaubend in seinem visuellen und erzählerischen Ausdruck – SR ist ebenso nachdenklich wie informiert und ebenso fesselnd wie das Tier, das es inspiriert hat. (International Filmfestival Rotterdam 2024)