A Useful Ghost

THA/F/SIN/D 2025, Regie: Ratchapoom Boonbunchachoke, mit Wisarut Homhuan, Davika Hoorne, Apasiri Nitibhon, FSK 16, 130 Min., thail. OmU

Filmszene aus A Useful Ghost
Do. 2.4., Sa. 4.4., Mo. 6.4. + Mi. 8.4. / 17:30
Fr. 3.4., So. 5.4. + Di. 7.4. / 20:00
Do. 9.4., Sa. 11.4., Mo. 13.4. + Mi. 15.4. / 20:30
Fr. 10.4. + So. 12.4. / 18:00
Mi. 15.4. / 15:30

In einer Haushaltsgerätefabrik in Bangkok spukt es. Tote Seelen bemächtigen sich der Maschinen und setzen sie in Bewegung: Darunter sind Tok, der rachsüchtige Geist eines Arbeiters, und Nat, die kürzlich an Luftverschmutzung verstorbene Ehefrau von March, dessen Mutter die Fabrik gehört. Nat schlüpft in ein elegantes Staubsaugermodell, mit dem sie March umgarnt und ihre Liebesbeziehung fortsetzt. Ihre wahre Gestalt im Staubsauger sieht zunächst nur er und so ist seine Familie entsetzt über sein Verhalten. Doch dann erkennt auch Dr. Paul, ein hochrangiger Minister, in dem sprechenden Gerät Nats hilfreiches Wesen. Da er Nacht für Nacht von bösen Geistern heimgesucht wird, bittet er Nat, ihm zu helfen. Sie soll die Erinnerung von Menschen manipulieren, denen ihre ermordeten Angehörigen im Traum erscheinen. Wenn niemand mehr an sie denkt, müssen die Geistwesen verschwinden. Als Nat diese Aufgabe nicht übernehmen will, ködert sie der Minister mit der Erfüllung ihres größten Traumes, der in ihrem irdischen Leben nicht in Erfüllung ging. Großer Preis der Semaine de la Critique in Cannes 2025.

Boonbunchachoke versteht es, mit visueller Präzision und erzählerischer Raffinesse Bilder zu schaffen, die – bei aller Überzeichnung – den Kern einer Gesellschaft treffen, die Widerspruch nicht duldet und Nützlichkeit zum höchsten Gut erhebt… 
„A Useful Ghost“ ist eine wilde, sozialkritische, traurige und sehr komische Geistergeschichte, die in ihrer Eigenwilligkeit und Vielschichtigkeit lange nachwirkt und das Publikum gleichermaßen fordern wie begeistern könnte: ein Film, der Genres, Erwartungen und Herzen durcheinanderwirbelt – und damit sogar selbst ein bisschen zum nützlichen Geist wird. (Gaby Sikorski, www.programmkino.de)

Interview mit Regisseur Ratchapoom Boonbunchachoke
Mit seinem ersten kühnen und freiheitsliebenden Spielfilmdebüt fügt Ratchapoom Boonbunchachoke der lebendigen Landschaft des zeitgenössischen südostasiatischen Kinos ein wertvolles Juwel hinzu. Dieses Abenteuer ist eine wunderbare Mischung aus Genres, angetrieben von leidenschaftlichem Glauben an die Kunst des Filmemachens. Eine fesselnde Geschichte von Geistern und Liebe, in der Fantasie, Märchen, Romantik, Komödie, Horror, Politik, Gesellschaftskritik und queere Themen miteinander verflochten sind. (Olivier Pélisson, www.semainedelacritique.com)


Cotton Queen

D/F/PSE/KAT/SAU/SUD 2025, Regie: Suzannah Mirghani, mit Mihad Murtada, Mohamed Mahmoud, Talaat Fareed, 93 Min., arab. OmU

Filmszene aus Cotton Queen
Do. 23.4., Sa. 25.4., Mo. 27.4. + Mi. 29.4. / 20:00
Fr. 24.4., So. 26.4. + Di. 28.4. / 17:30
Do. 30.4., Sa. 2.5. + Mo. 4.5. / 18:00
Fr. 1.5., So. 3.5. + Di. 5.5. / 20:30

Es scheint unvorstellbar, dass es ein Land gibt, in dem erst 2025 die erste Frau als Regisseurin tätig ist. Genau das ist jedoch im Sudan der Fall, wo die sudanesisch-russische Autorin und Regisseurin Suzannah Mirghani dieses Jahr mit ihrem zurückhaltenden, aber bewegenden Debütfilm Cotton Queen (2025) als erste sudanesische Regisseurin Geschichte geschrieben hat. Das allein ist schon ein Gewinn für das Kino, insbesondere in einem Land, in dem das Kino historisch gesehen sowohl als Teil der politischen Kontrolle als auch als Nebenprodukt politischer Instabilität unterdrückt wurde – Cotton Queen wurde aufgrund des 2023 ausgebrochenen sudanesischen Bürgerkriegs in Ägypten gedreht – und Frauen stark unterrepräsentiert und systematisch ausgeschlossen wurden. Vor diesem Hintergrund ist die weibliche Perspektive, die Mirghani einbringt, sehr willkommen. Cotton Queen ist ein Film über Frauen, ihre Träume und ihre Entscheidungen. Noch erfrischender ist jedoch Mirghanis Weigerung, die Frauen – und die Männer – in den Kontext des Konflikts zu stellen oder sie ausschließlich als Opfer und Leidtragende darzustellen, wie es die Medien typischerweise tun. Stattdessen betont Cotton Queen die Freude der Frauen, stellt die Komplexität der Beziehungen zwischen Frauen verschiedener Generationen in den Mittelpunkt, feiert die romantische Seite jungen Frauseins und fordert Empathie statt Mitleid. (Vivian Nneka Nwajiaku, www.afrocritik.dom

Regisseurin Suzannah Mirghani: „Cotton Queen“ war der Titel einer Misswahl, der einem jungen Mädchen verliehen wurde, das während der britischen Kolonialzeit im Sudan in der Baumwollindustrie arbeitete. Im Film greife ich diesen Titel auf, um zu zeigen, dass sudanesische Mädchen sich ihrer eigenen Macht bewusst werden, die über Schönheit und Heirat hinausgeht. Aus der von kolonialen Besatzern gekürten Baumwollkönigin wird so die KÖNIGIN DER BAUMWOLLE.
Als Kind im Sudan waren die Baumwollfelder für mich ein Ort der Magie: Baumwolle fiel im Wind wie Schnee, weiße Knospen schienen im Licht der untergehenden Sonne zu brennen. Erst später erkannte ich die Geschichte von Leid und Ausbeutung, die die britische Kolonialherrschaft in diese Landschaft eingeschrieben hat. „Cotton Queen“ verbindet diese Gegensätze – die Schönheit der Baumwolle und den Widerstand gegen die Gewalt der Industrie. Da im Sudan vor allem Frauen und Mädchen Baumwolle pflückten, nutze ich dieses Umfeld, um ihre sich wandelnde Rolle zu untersuchen. Der Film folgt den Kämpfen der 15-jährigen Nafisa und ihrer Großmutter Al-Sit: Al-Sit überlebte die Erniedrigung des Kolonialismus, Nafisa steht heute neoliberalen Kräften gegenüber, die in das Dorf eindringen. Ihre Beziehung macht sichtbar, was sie verbindet und was sie trennt. (Presseheft Verleih)


Wohin der Wind uns trägt

TUN/F 2025, Regie: Amel Guellaty, mit Eya Bellagha, Slim Baccar, Firas Khoury, 99 Min., arab. OmU

Filmszene aus Wohin der Wind uns trägt
Do. 30.4., Sa. 2.5. + Mo. 4.5. / 20:00
Fr. 1.5. + So. 3.5. / 17:30
Sa. 9.5. + Mi. 13.5. / 18:00
So. 10.5. + Di. 12.5. / 20:30
Mi. 13.5. / 15:00

Alyssa und Mehdi sind in Tunis aufgewachsen und seit ihrer Kindheit die besten Freunde. Ein Paar wollen sie zwar nicht sein, werden aber wegen ihres vertrauten Umgangs miteinander von vielen dafür gehalten. Die 19-Jährige Alyssa muss sich um ihre depressive Mutter und die kleine Schwester kümmern und träumt von einem unabhängigen Leben in Europa. Der zurückhaltende sensible Mehdi findet keinen Job und wünscht sich insgeheim Zeichner zu werden. Als Alyssa von einem Design-Wettbewerb in Djerba erfährt, dessen Preis ein Künstleraufenthalt in Deutschland ist, fasst sie einen Plan. Medhi soll dort ein Porträt von ihr einreichen, den Preis gewinnen, sie heiraten und dann mit nach Europa nehmen. Mehdi erfährt erst im Lauf der Reise nach Djerba und quer durch Tunesien, dass sie das Auto vom lokalen Gangster geklaut hat. Überhaupt stellt Alyssas kreative Impulsivität ihre Freundschaft auf eine harte Probe, weil sie oft genug die bereits existierenden Probleme löst, indem sie neue Schwierigkeiten heraufbeschwört.
Regisseurin Amel Guellaty: „Ich wollte zeigen, dass junge Menschen kämpfen, aber gleichzeitig wollte ich kein Drama gestalten. Ich wollte eine Komödie machen, in der wir diese Kreativität, diese Energie sehen können. Es ist eine Art Ode an die Jugend in meinem Land.“
 

Über die Regisseurin:
Amel Guellaty (*1988) ist eine tunesische Regisseurin, Drehbuchautorin und Fotografin. Nach einem Jurastudium an der Sorbonne arbeitete sie als Regieassistentin in Frankreich, u. a. bei Olivier Assayas (Personal Shopper). Ihr Kurzfilmdebüt Black Mamba (2017) lief auf mehr als 60 Festivals und gewann 20 Preise. Es folgten der Kurzfilm Chitana (2022) und ein Projekt über Gewalt gegen LGBTQIA+-Personen in Tunesien. Ihr erster Langfilm Where the Wind Comes From feierte 2025 Premiere in Sundance und wurde nach Rotterdam und Toronto eingeladen. Neben ihren Kinoprojekten arbeitet Guellaty auch als Werbefilmregisseurin (u. a. für Dior und Cartier) und ist als Fotografin international aktiv. (Quelle: Trigo-Film)

Die Inhaltsangabe erzählt nur den Vordergrund des Films. Die Regisseurin hat ihn mit Ober- und Untertönen, überraschenden Nebenhandlungen und fantastischen Zutaten leichtfüssig und klug angereichert. Zauberhaft die Liebesgeschichte, sinnierend die anderen Themen, spannend und unterhaltsam zwischen Tradition und Fortschritt pendelnd. Grossartig komponiert und austariert wird die Geschichte von Amel Guellaty, faszinierend gespielt von Eya Bellagha als Alyssa und Slim Baccar als Medhi, bereichert mit der Authentizität und Intimität der Kameraarbeit von Frida Marzouk und den sphärischen und surrealen Melodien von Omar Aloulou. Bilder, Töne und Bewegungen verschmelzen auf subtile Weise, so dass man sich oft vorkommt, wie in einem surrealen Bild von Salvador Dali davonzuschweben. (Hanspeter Stalder, www.der-andere-film.ch)