Liebe, D-Mark und der Tod - Aşk, Mark ve Ölüm

D 2022, Regie: Cem Kaya, mit İsmet Topçu, Ömer Boral, Yüksel Ergin, İhsan Ergin, FBW-Prädikat: bes. wertvoll, 96 Min., türk. OmU
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Nach dem Anwerbeabkommen 1961 kamen viele türkische „Gastarbeiter*innen“ in die Bundesrepublik. 50 Jahre später ist der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft mithilfe von „Ausländern“ ein fester Bestandteil deutscher Geschichte, doch deren Anerkennung und rechtmäßiger Platz muss bis heute auf politischer und gesellschaftlicher Ebene immer wieder verteidigt werden. Regisseur Cem Kaya erzählt die 60 Jahre türkisch-deutscher Geschichte über eine Chronik der türkisch-deutschen Musikszene. Von den Protestliedern der ersten Einwander*innen, über Disko-Folk, Hochzeitsmusik bis hin zu HipHop – deutlich wird, wie dicht verwoben Musik, Film und Diaspora sind. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf der Dokumentation einer einzigartigen Musik-Szene. Cem Kaya blickt auch auf die Erfahrungen, die Migranten der ersten oder zweiten Generation - trotz 60 Jahre türkisch-deutscher Geschichte, bis heute in Form von Diskriminierung, Vorurteilen und Rassismus machen.

Umfangreiche Archivrecherche und das Interesse an türkischer Populärkultur sind wiederkehrende Themen in Cem Kayas Werk. Mit Aşk, Mark ve Ölüm schafft er ein rhythmisch und lebendig erzähltes, filmisches Nachschlagewerk der türkischen Musik in Deutschland. (Berlinale 2022)

Schon die ersten Momente des Films, wenn schnelle Schnitte und die grell-leuchtenden Credits die Leinwand erfüllen, lassen erahnen, dass dieser Film sein Thema mit Power auf die Leinwand bringt […] Denn in ASK, MARK VE ÖLÜM - LIEBE, D-MARK UND TOD geht es um starke Gefühle. Angefangen bei der großen Trauer, das Heimatland verlassen zu müssen, um in die Fremde zu gehen. Dann die Frustration aufgrund der schlechten und respektlosen Arbeits- und Lebensbedingungen in der neuen Heimat. Bis hin zu einem wütenden Trotz, der sich stolz seinen Weg bis auf eine Bühne bahnt […] Und es ist diese Energie, die der Film in der Regie von Cem Kaya bis zum Schluss aufrechterhält. Die Montage Kayas ist grandios und in ihrem Timing genau auf den Rhythmus der vielen Musikstücke abgestimmt. (FBW-Prädikat: besonders wertvoll)

Dicht aneinander montiertes Archivmaterial, poppige Ästhetik, die an Cover von Musikkassetten erinnert, und das Auftreten zahlreicher Sänger und Sängerinnen verschiedener Generationen machen aus dem Film eine unterhaltsame Erfahrung, stimmen aber mit dessen manchmal unterschwelligen, manchmal offenkundigen bitteren Beigeschmack, wenn es um die erzählte Realität der Türkischstämmigen ebenfalls verschiedener Generationen geht, auch nachdenklich. Kaya hat ein wichtiges Zeitdokument geschaffen und mit seiner fleißigen Dokumentationswut wahre Pionierarbeit geleistet. (Teresa Vena, Kino-Zeit)