Der besondere Filmabend am 20. September findet im Rahmen der Ausstellung „Rassendiagnose Zigeuner“ – Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung im Rathaus statt, die am 2.9. von Bürgermeister Bovenschulte sowie Romani Rose, dem Vorsitzenden Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, eröffnet wird. Hier ist die Ausstellung virtuell zu erleben.
Im Rahmenprogramm wird am 11.9. der „Skaterplatz“ am Kulturzentrum Schlachthof in „Familie Schwarz-Platz“ benannt – nach der elfköpfigen Familie Schwarz, die bis 1943 direkt neben dem Schlachthof lebte und bis auf eine Tochter in Auschwitz-Birkenau vollständig ausgelöscht wurde.
Die Oldenburger Familie Schwarz, die die Protagonist*innen des Films von 2019 stellt, sind weitläufig mit der ermordeten Bremer Familie Schwarz verwandt.

 Programmheft der Kulturwochen

Auf Spurensuche 1986 und 2019

Zwei Filme begleiten norddeutsche Sinti beim Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.
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Die junge Frau blickt ernst in die Kamera. Das Sprechen kostet sie Überwindung, aber sie tut es voller Überzeugung. „Erst dachte ich, wir machen einen Ausflug“, sagt sie. „Aber als wir durch das Tor gingen, habe ich gemerkt: Wir besuchen unsere Verwandten auf dem Friedhof.“ Sie hat mit knapp 30 anderen Familienmitgliedern an diesem Herbsttag 2019 die steinernen Reste des sogenannten „Zigeunerfamilienlagers“ im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besucht. 27 ihrer Vorfahren, zuvor ansässig in Friesland, waren hier inhaftiert. Sie gehörten zu den etwa 280 Sinti und Roma aus dem Nordwesten, die im März 1943 über den Bremer Schlachthof dorthin deportiert wurden. Nur zehn dieser Menschen überlebten, darunter ihre Urgroßmutter.
Die Oldenburger Filmemacher Omid Mohadjeri und Michael Telkmann haben diese Reise dokumentiert, die von Christel Menni Schwarz, Vorsitzende des Freundeskreises der Sinti und Roma in Oldenburg, initiiert wurde und auch zur KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen führte. „Es geht im Film viel mehr um die Gegenwart, als wir am Anfang gedacht haben“, sagt Regisseur Telkmann. Die O-Töne des Films zeigen die unterschiedlichen Perspektiven von drei Generationen – den unmittelbaren Nachkommen der Überlebenden sowie deren Kinder und Enkel.
Über 30 Jahre zuvor, im Jahre 1986, waren es noch die Überlebenden selbst, die einen Besuch deutscher Sinti, unter anderem aus Bremen und Bremerhaven, in Auschwitz initiierten. Diese Reise wurde in „Verfolgt und Vergessen“ von der Medienwerksatt Franken filmisch festgehalten – mit den Mitteln bürgerrechtlich orientierter Videoarbeit.
Ausschnitte davon werden zu Beginn dieses außergewöhnlichen Filmabends gezeigt. Gerade in ihrer Zusammenschau machen die Bilder und Aussagen beider Filme deutlich, wie präsent der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma bei den Nachfahren der Überlebenden immer noch ist. (Text: Ralf Lorenzen)

Die Filme

Verfolgt und vergessen
Die Vernichtung der Zigeuner in Auschwitz und ihre Verfolgung bis heute
BRD 1986, Medienwerkstatt Franken, 25 Min.

Auf Spurensuche von Jever nach Sachsenhausen
D 2019, Idee und Regie: Christel Menni Schwarz, Michael Telkmann und Omid Mohadjeri, 35 Min.