Mein bitteres Land

Amara terra mia – D/I 2020, Buch & Regie: Eduard Erne, Dania Hohmann & Ulrich Waller, mit Adriana Altaras, Daniela Morozzi, 82 Min., dt./ital. OmU
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Die boomende Nachkriegsindustrie in Deutschland brauchte Arbeitskräfte, und in Mittel- und Süditalien gab es viele junge Männer, die dort nichts werden konnten. Mit dem Satz: „Lernt eine Sprache und geht fort“ ermunterte Anfang der 1950er Jahre der italienische Ministerpräsident viele zum Weggang. Und die Pfarrer wählten in ihren Gemeinden Personen aus der christlichen Gewerkschaft aus, die sie für die Arbeit in Deutschland vorschlugen.
Zwischen 1956 und 1972 kamen 2 Millionen Italiener nach Deutschland, das ihre Arbeitskraft dringend brauchte. Gleichzeitig fremdelte man mit diesen meist jungen Männern, die Probleme mit der fremden Sprache, der Kultur und dem kalten Wetter hatten. Untergebracht waren sie anfangs in Wolfsburg in Baracken.
Das Dokudrama arbeitet das fiktive Schicksal des italienischen Einwanderers Agatino Rossi szenisch auf. Zwei Frauen wollen in Wolfsburg die Asche ihres verstorbenen Vaters abholen. Dass sie Halbschwestern sind, dass ihr Vater zwei Familien hatte, eine in Deutschland und eine in Italien, erfahren sie erst jetzt. Gemeinsam machen sie eine Reise zum Geburtshaus ihres Vaters in Italien. Dort erleben sie noch einmal die wichtigsten Stationen seines Lebens zwischen zwei Ländern und Kulturen. Ergänzt wird ihre Geschichte durch Interviews mit der ersten und zweiten „Gastarbeiter-Generation“ in Italien und Deutschland und eindrucksvolles Archivfilmmaterial der 1960er Jahre

Die eingewanderten Italiener gelten heute als bestes Beispiel einer gelungenen Integration. […] Doch das war nicht immer so – und ein Beweggrund für Hohmann und Waller, nach zwei Theaterstücken zum Thema das Dokudrama zu drehen. Es führt vor Augen, mit welchen Schwierigkeiten und Vorurteilen Einwanderer zu kämpfen hatten. […] Die Italiener wurden als „Spaghettifresser“ und „Kanaken“, mit Blick auf den Weltkrieg als „Verräter“ beschimpft. Auch hieß es über die Gastarbeiter „bei denen sitzt das Messer locker in der Tasche“. (Die Welt, Hamburg)