In Liebe lassen

F 2021, Regie: Emmanuelle Bercot, mit Benoît Magimel, Catherine Deneuve, 123 Min., OmU

Schauspiellehrer Benjamin wird von seinen Schüler*innen geschätzt, weil er ihnen hilft, zu ihren Gefühlen und Ängsten vorzudringen und sie kreativ einzusetzen. Etwas, dass dem 40-Jährigen selbst nicht gelingt, als er erfährt, dass er Krebs im Endstadium hat. Ein Jahr bleibt ihm noch. Während Benjamin das sichere Todesurteil nicht wahrhaben will, klammert seine Mutter sich an neue Therapieformen, die er nur widerwillig mitmacht. Erst durch die Methodik des empathischen Onkologen Dr. Eddé beginnt Benjamin, sein Schicksal und eine Behandlung zu akzeptieren. Dr. Eddé Ziel ist, unheilbar Kranken möglichst viel Lebensqualität zu erhalten. Im Laufe des letzten Lebensjahres ruft Dr. Eddé Mutter und Sohn immer wieder ins Gedächtnis, ihre Zeit zu nutzen und aufzuräumen mit Dingen, die den Frieden stören könnten und die – ausgesprochen - das Loslassen erleichtern.
Gabriel A. Sara, ein Krebsspezialist aus New Yorker Mount Sinai Hospital, diente nicht nur als Inspiration für diesen Film, sondern spielt als Dr. Eddé quasi sich selbst.

Fern von jeder Oberflächlichkeit, Sentimentalität oder Pseudo-Dramatik werden die Protagonist*innen als vielschichtige Figuren dargestellt, mit all den Ecken, Kanten, Besonderheiten und auch Fehlern, die nicht einfach verschwinden, nur weil eine solche Diagnose das Leben durchdringt. Und auch wenn man spürt, dass Benjamin in seinem Leben viele Fehlentscheidungen getroffen hat und kein großer Sympathieträger ist, so kommt man ihm doch unglaublich nah, was auch an der fantastischen Kamera von Yves Capé liegt […] (FBW-Prädikat: besonders wertvoll)

Regisseurin Emmanuelle Bercot ("Die Frau aus Brest", "Madame empfiehlt sich") hat glücklicherweise weitestgehend auf Kitsch und Gefühlsduselei verzichtet: "In Liebe lassen" ist ein sehr ehrlicher Film, der wehtut, der nichts beschönigt, der aber gerade deshalb ein Ereignis ist. Das liegt vor allem an Gabriel Sara. Der New Yorker Onkologe, den Emmanuelle Bercot vor Jahren zufällig kennengelernt hat, fungiert in diesem Film nicht nur als Berater, sondern er spielt sich quasi selbst – einen unkonventionellen, etwas schrägen, aber immer warmherzigen Sterbebegleiter. (Carsten Beyer, rbb Kultur)

Ein Filmabend in Kooperation mit dem Förderverein Palliativstation am Klinikum Links der Weser e.V. und der Dt. Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) im Rahmen des 14. DGP Kongress in Bremen (28.9. bis 1.10.2022).

 Programmheft der Bremer Woche für Palliativmedizin