Gespalten - Filmreihe Arbeitskreis Kirche & Kino

"Seit geraumer Zeit fühlt sich die Welt anders an. Auch früher schon gab es Interessenkonflikte und soziale Spannungen, Nationalismus und extreme Meinungen. Doch die Kommunikationsstörungen zwischen den verschiedenen Lagern scheinen immer mehr zuzunehmen. Nur in einem sind sich alle einig: Das Land, der Kontinent, die Welt ist GESPALTEN. Die Risse gehen durch die Gesellschaft, die Familien und nicht zuletzt die Individuen selbst. In seiner aktuellen Filmreihe zeigt der Arbeitskreis Kirche & Kino Bremen unterschiedliche filmische Auseinandersetzungen mit diesem Phänomen."

Dirk von Jutrczenka, Leitung forum Kirche

HERRliche Zeiten

D 2018, Regie: Oskar Roehler, mit Katja Riemann, Oliver Masucci, Samuel Finzi, 110 Min., FBW-Prädikat: wertvoll

Eigentlich ist es mehr als Scherz gemeint, als der wohlhabende Schönheitschirurg Claus Müller-Todt und seine abgespannte Ehefrau Evi eine Annonce aufgeben, in der sie nach einem Sklaven oder einer Sklavin suchen. Jedoch scheint der angehende Butler Bartos das keineswegs für geschmacklos zu halten. Ganz im Gegenteil. Als neue Hilfe im Hause Müller-Todt setzt er alles daran, Luxus pur in die Tat umzusetzen und bietet seinem neuen „Herren” sogar seine Frau Lana als Gespielin an. Die Situation eskaliert, als Bartos anfängt, immer mehr Schwarzarbeiter einzustellen.
Polarisierung ist für Regisseur Roehler („Elementarteilchen”; „Jud Süß – Film ohne Gewissen”) sicherlich kein Fremdwort. Sein neues Werk basiert auf der Vorlage „Subs”des wegen AfD-Nähe in Ungnade gefallenen Autors Thor Kunkel. Statt sich von Kunkels politischen Meinungen abzugrenzen, bleibt Roehler dabei, das Werk seines „Kumpels” Kunkel sei großartiger Filmstoff, man dürfe ihn nicht schassen nur weil er „rechts sei”.

Suburbia-Horror im Rheinland. Ein gut situiertes Ehepaar engagiert einen mysteriösen Butler, der sich als mephistophelischer Hardcore-Dienstleister erweist. Eine bitterböse schwarze Komödie und ein Anti-Feelgood-Film, von Oskar Roehler farbig, sinnlich und provokant inszeniert.
Hans Schifferle, www.epd-film.de

In zwei Wochen kommt Oskar Roehlers neuer Film „HERRliche Zeiten" nach einem Roman von Thor Kunkel ins Kino. Jetzt beschwert sich der Autor, dass er wegen seiner rechten Gesinnung aus dem Projekt gedrängt werde. Was ist da dran?
Ronald Düker, auf Zeit Online 2018, www.zeit.de

 

Kriegerin

D 2011, Regie: David Wnendt, mit Alina Levshin, Jella Haase, 102 Min., FBW- Prädikat besonders wertvoll

Die 20-jährige Marisa aus einer ostdeutschen Kleinstadt rennt wie eine Rasierklinge durchs Leben. Wenn ihr jemand dumm kommt, schlägt sie zu, selbst wenn das die eigenen Leute aus der Jugendclique sind, die sich der rechtsextremen Szene zugehörig fühlen. Der Respekt, den sich Marisa dadurch verschafft hat, wird allerdings durch Svenja bedroht. Die ist erst 15, stammt aus gutbürgerlichem Haus und ist von der Neonaziszene fasziniert. Ihren Hass auf die „Gesellschaft“, die auch ihren Freund hinter Gitter gebracht hat, lässt Marisa vor allem an Ausländern aus. Als sie Jamil und Rasul, zwei junge Asylbewerber auf dem Moped nach einem Streit absichtlich mit dem Auto rammt, löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die ihr Weltbild ins Wanken geraten lassen und von ihr einen hohen Preis fordern.

fbw-filmbewertung

"Niemand will das neue Hoyerswerda sein"
Wie definieren sich Frauen in der rechten Szene? In seinem Film "Kriegerin" setzt sich der Regisseur David Wnendt mit der Ideologie weiblicher Neonazis auseinander.
Von Martin Schwickert auf www.zeit.de

„Ihr Kampf“
Das Kino liebt nun mal die starken, jungen Frauen. Was aber ist von dieser zu halten? Marisa, 20, schlägt hemmungslos zu, wenn sie mit ihren Freunden Jagd auf Ausländer macht. Wer den ostdeutschen Nahverkehr nutzt, aber fernöstliche Vorfahren hat, bekommt von ihr was auf die Fresse. Wer halbwegs zivilcouragiert dagegen protestiert, wird von ihr zumindest zusammengebrüllt - sofern ihn kein Baseballschläger mitten ins Gesicht trifft.
Von Jörg Schöning auf www.spiegel.de