queerfilmnacht goes online!

Ab Januar geht die queerfilmnacht bis auf Weiteres online. Jeweils einen Monat stehen ein bis zwei Filme als Video on Demand zur Verfügung, an deren Einnahmen auch das CITY 46 als Partnerkino beteiligt wird.

Online im April

Neubau

D 2020, Regie: Johannes M. Schmit, mit Tucké Royale, Monika Zimmering, Jalda Rebling, Minh Duc Pham, 81 Min.

Sommer in der Brandenburger Provinz. Markus ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seinen pflegebedürftigen Omas und der Sehnsucht nach einem anderen Leben in Berlin. In Tagträumen erscheint ihm immer häufiger eine Schar schillernder Dämonen als Vorboten einer queeren urbanen Wahlfamilie, die ihn aus seiner Einsamkeit befreit. Als er sich in Duc verliebt, wird alles noch komplizierter. Denn eigentlich stehen in Markus’ Neubauwohnung schon die gepackten Kisten für den Umzug in die große Stadt.

Wo möchte ich leben – und wie? Mit diesen existentiellen Fragen beschäftigen sich Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit in ihrem Debütfilm aus der Sicht eines jungen queeren Mannes in der Uckermark. Und beantworten sie mit einem dezidiert nicht-normativen Lebensentwurf, in dem die Befreiung aus konservativen Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterzugehörigkeit ebenso eine Rolle spielen wie Commitment und gegenseitige Fürsorge. Ihr queerer Heimatfilm entstand fernab der großen Metropolen als unabhängige Produktion in einem Künstler_innen-Kollektiv, dem es um ambivalente (Gegen-)Erzählungen und eine „Neue Selbstverständlichkeit“ geht. Im Januar 2020 feierte „Neubau“ seine Uraufführung im Spielfilm-Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis. Dort wurde er als Bester Spielfilm ausgezeichnet und dabei von der Jury besonders für seine „Kraft Empathie zu erzeugen“ gelobt. Tucké Royale erhielt zudem für sein Buch und Schauspiel den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film.

Eine tiefe Melancholie stützt sich auf ein Umfeld voller unerfüllter Träume, Einsamkeit und zeitloser Existenz. NEUBAU gelingt dabei eine einfühlsame Dramaturgie, die sich fernab eines Coming-Out bewegt und aufzeigt, dass auch wenn die größten Hürden zum eigenen Glück vielleicht bereits genommen sind, die Seele nie ganz ruht und nach Erfüllung sucht. (Madeleine Eger / film-rezensionen.de)