Ab September stehen spanische Produktionen im Zentrum der neuen Reihe „Montagskino - Lunes de cine. Denn Spanien ist Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Von Oktober bis Dezember ist ein eigens kuratiertes Filmprogramm zum Thema “Die sprühende Realität. Unabhängiges spanisches Kino (2015-2020)” auf Tournee durch Deutschland.
Die neuen digitalen Möglichkeiten haben auch die Filmproduktion in Spanien verändert. Vor allem entwickelte sich ein Genre, dass es ähnlich nur in den neorealistischen Ausdrucksformen oder dem Filmen der sechziger Jahre gegeben hatte.

Mit der Digitaltechnik ließen sich andere Arten von Geschichten zu erzählen, die einerseits näher an der Realität waren, andererseits aber mit neuen Ästhetiken und Formate die Art der Erzählungen revolutionierten. Dieser kreative Impuls spiegelte sich bei Festivals und Kulturforen sowie in den Hochschulen und Universitäten wider. Das Etikett "Dokumentarfilm" wurde in den Kinos etabliert und erschien in unterschiedlichen Bezeichnungen: Kino des Realen, non-fiktionales Kino, audiovisueller Essay, kreativer Dokumentarfilm, Dokumentarfilm aus der Ich-Perspektive, Found-Footage-Kino, Fake-Dokumentarfilm...

Diese Filmreihe vereint zehn Werke, die diesen audiovisuellen Reichtum demonstrieren. Die Auswahl wurde von fünf Kinofachleuten getroffen, die mit verschiedenen Institutionen, Festivals und Verbänden verbunden sind.

Den Auftakt macht im September ein besonderer Filmabend mit Gästen aus Lanzarote. Die Veranstalter Cine Club Lanzarote, Los 80 Pasan Factura und Canarias Crea präsentieren „Hörbare Landschaften - Paisajes audibles“, das Porträt des Künstlers Ildefonso Aguilar. Aguilar ist u.a. Gründer und Leiter des Lanzarote Visual Music Festival, einer der wichtigsten Veranstaltung für zeitgenössische Musik auf europäischer Ebene.

Auf der Suche nach Goyas Kopf

Oscuro y Lucientes - E 2018, Drehbuch & Regie: Samuel Alarcón, 82 Min., OmU
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Der berühmte Maler Francisco de Goya y Lucientes starb während seines französischen Exils im Jahr 1828 und wurde auf dem Friedhof in Bordeaux beigesetzt. Niemand aus der Familie sorgte dafür, dass sein Leichnam nach Spanien überführt wurde. Es dauerte Jahrzehnte, bis der spanische Konsul in Bordeaux auf das verfallene Grab des Künstlers stieß. Nach jahrelangem Papierkrieg erhielt der Konsul schließlich die Erlaubnis, die Leiche zu exhumieren und nach Spanien zu überführen. Doch als der Grabstein geöffnet wurde, war die Überraschung groß: Goyas Kopf war verschwunden. 

Als der Filmemacher Samuel Alarcón zehn Jahre alt war, nahm ihn sein Vater mit auf den Friedhof im Madrider Stadtteil San Isidro. Bei einem Grab erzählte sein Vater ihm, dass Goya dort begraben sei, allerdings ohne seinen Kopf, und Samuel war schockiert. Als er Jahre später zu recherchieren begann, fand er zwar Artikel über den fehlenden Kopf, doch dass das Rätsel um den Verlust trat angesichts der einzigartigen Kunst Goyas in den Hintergrund. Dies ist der Keim eines spielerischen Filmessays, eines faszinierenden historischen Rätsels im Stil eines Thrillers, über den Tod und die Erinnerung an einen der wichtigsten Künstler und Chronisten Spaniens. 

Der Film zeigt eine umfassende Untersuchung, eine Kombination aus Archivaufnahmen und zeitgenössischem Filmmaterial, unter anderem in Bordeaux, Madrid, Zaragoza und Salamanca. Diese Art der Veranschaulichung eines historischen Films ist sehr interessant, da wir als Zuschauer in reale Räume reisen, wo der Fluss des zeitgenössischen Lebens den Rahmen durchquert. Das Leben ist flüchtig, der Raum bleibt. […]Die sorgfältige Tonarbeit, die Musik, die an die Filme Hitchcocks erinnert, und die Klangfarbe der Stimme im Off verweisen auf Samuel Alarcóns Arbeiten für das Radio. (Rezension von Tess Renaudo, IC Madrid)

Vergangene Filme dieser Reihe:

Hörbare Landschaften - Paisajes audibles

E 2020, Drehbuch & Regie: José María de Páiz, Originalmusik: Ildefonso Aguilar, 43 Min.

Im ständigen Kontakt mit der Natur hat Ildefonso Aguilar jahrzehntelang versucht, die Sprache der Erde, des Meeres und des Windes zu entschlüsseln und sie in Musik zu verwandeln. Über die Jahre lässt sich der kontinuierliche Entwicklungsprozess seiner Künstlerpersönlichkeit und die seiner eingesetzten Ausdrucksformen ablesen. Ildefonso Aguilar haben wir ein nahezu unüberschaubares Œuvre zu verdanken, aus dem sein Werk „Erosión“ hervorsticht. Dieses gilt als erstes Stück der Ambient-Musik auf nationaler und europäischer Ebene. Der Altmeister der spanischen Ambient-Musik hebt sich auch durch seine Arbeit in den Kunst- und Kulturzentren des Cabildo de Lanzarote hervor. Und Aguilar ist Gründer und Leiter des Lanzarote Visual Music Festival, einer der wichtigsten Veranstaltung für zeitgenössische Musik auf europäischer Ebene.

En permanente contacto con la naturaleza que le rodea, Ildefonso Aguilar lleva décadas intentado descifrar el lenguaje de la tierra, el mar y el viento para convertirlos en música. La continua evolución y avance de este artista ha hecho que, entre sus muchos logros, destaque su obra Erosión, considerada como una de las pioneras de la ambient music a nivel nacional y europeo. Es referencia nacional como músico ambientalista, destacando su obra en los Centros de Arte y Cultura del Cabildo de Lanzarote. También es el creador y director del Festival de Música Visual de Lanzarote, evento relevante de música contemporánea en el circuito europeo.

Zum Cine Club Lanzarote: „Wir, die Muestra de cine de Lanzarote, haben nicht nur zum Ziel, jährlich weltbekannte Filmemacher nach Lanzarote einzuladen, so zum Beispiel besuchte uns letztes Jahr kein geringerer als Werner Herzog, sondern auch die Künstler der Insel Lanzarote und ihre Schaffenskraft zu fördern.“ (Muestra de cine de Lanzarote (in spanisch))

Eine Veranstaltung von Instituto Cervantes Bremen, Cine Club Lanzarote, Los 80 Pasan Factura und Canarias Crea. In Zusammenarbeit mit dem Kommunalkino City 46.