Globales Handeln

Die Effekte der Globalisierung sind überall in unserem Alltag zu finden. Und umgekehrt beeinflusst unser regionales Verhalten viele globale Prozesse und Entwicklungen und nicht zuletzt das Leben von Millionen von Menschen. Als Folge der Pandemie lässt uns der zeitweise Mangel gerade spüren, was der Preis für die kostengünstigere Auslagerung der Warenproduktion ist. Es sind große Abhängigkeiten entstanden durch den weltweiten Warenverkehr.

Kann der filmische Blick in die Welt helfen, unsere westliche Lebensweise mit anderen Augen zu sehen? Mitzufühlen, was der Preis hinter „immer billiger, immer mehr“ für andere Menschen, für Tiere und Umwelt ist? Können die Beispiele von engagierten Menschen für einen anderen Umgang miteinander und mit Ressourcen den Funken überspringen lassen? Wir glauben fest daran. Filmbilder haben Macht – im positiven Sinn können sie etwas bewegen.

In der Reihe "Globales Handeln" präsentieren wir jeden Monat einen passenden Film, in der Regel auch immer mit Gästen und Kooperationspartnern. Sie möchten sich an der Reihe beteiligen? Dann schicken Sie uns gerne Ihre Ideen: info@city46.de

Der laute Frühling

D 2022, Buch, Regie, Produktion: Johanna Schellhagen, 62 Min.; in Koop. mit attac bremen
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Im Jahr 1992, vor, begannen die UN-Klimakonferenzen und mit ihnen die Forderung an die Staaten nach einer Reduzierung der jährlichen CO2-Emissionen. Doch 40 Jahren hat der CO2-Ausstoß um über 60 % zugenommen. Die Folgen sind unübersehbar. In der globalen Klimabewegung setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass es so nicht weitergehen kann und dass es einen Systemwechsel braucht, um den Klimawandel aufzuhalten. 
Regisseurin und Produzentin Johanna Schellhagen fragt, was zu tun ist, um Barbarei, Chaos und massenhaften Hunger in der sich anbahnenden Klimakatastrophe einzudämmen. Sie hat sich 20 Jahre lang mit sozialen Bewegungen und Streiks beschäftigt und glaubt, dass besonders Leute an ihrem Arbeitsplatz die Macht haben, wirklich etwas zu verändern. Die Macht der Arbeitskämpfe habe in der Geschichte immer wieder zu gesellschaftlichen Veränderungen geführt haben. Wieso das nicht für eine lebenswerte Zukunft einsetzen?  
Umgesetzt wurde der Film von labournet.tv. Das gemeinnützige Berliner Frauenkollektiv erstellt ein audiovisuelles Online-Archiv aktueller und historischer Arbeitskämpfe weltweit, das diese wichtigen Erfahrungen von Solidarität und Organisationsmacht auffindbar macht. 

Es reiche nicht, an die Regierungen zu appellieren, etwas gegen den Klimawandel zu tun, das ist ja die letzten Jahrzehnte offensichtlich nicht erfolgreich gewesen, sagt Johanna Schellhagen, Regisseurin des Film-Essays „Der laute Frühling“, in SWR2. Schellhagen, die sich 20 Jahre lang mit sozialen Bewegungen und Streiks beschäftigt hat, glaubt dagegen, „dass besonders die Leute am Arbeitsplatz die Macht haben, wirklich etwas zu verändern.“ (www.swr.de) 

Wirkliche politische Macht liegt nicht in den Parlamentsgebäuden. Ein Interview mit der Regisseurin Johanna Schellhagen von Nadine McNeil und René Haase 02. März 2021 (konzeptwerk-neue-oekonomie.org) 

Wir müssen als Klimabewegung aufhören, Hilfe zu erwarten von Institutionen, die Öl ins Feuer gießen." (taz

Der Film ist ein Diskussionsangebot an die Klimabewegung, weil es die Möglichkeiten aufzeigt, die ein gemeinsames Agieren von Lohnabhängigen und Klimaaktivist*innen eröffnen würde. (graswurzelrevolution

Vergangene Filme aus dieser Reihe:

Monobloc

D 2021, Regie: Hauke Wendler, 90 Min., OmU

Milliarden sitzen drauf, doch seinen Namen kennt kaum jemand. Das am meisten verkaufte Möbelstück der Welt ist ein Plastikstuhl namens Monobloc. Hauke Wendler folgte dem vor allem als Gartenstuhl bekannten Möbelstück über einen Zeitraum von acht Jahren über die Kontinente um die Welt. Während der Stuhl in Europa als Plastikmüll verschrien ist, der schlecht für die Umwelt ist, wird er auf anderen Kontinenten als günstige Sitzgelegenheit geschätzt und auch für andere Zwecke verwendet. Wendler zeigt den Gartenstuhl etwa in Uganda bei einem Projekt, welches mit dem Stuhl günstige Rollstühle herstellt. Und er befragt Menschen, deren Leben mit dem Plastikstuhl verwoben ist, was es eigentlich braucht, um glücklich zu sein.
Hauke Wendler: „In der Corona-Krise fällt mir wieder auf, wie sehr wir im Westen um uns selbst und unsere Ängste kreisen. „Monobloc“ ist ein wilder Ritt, einmal um den halben Globus, der sagt: Schaut her, das ist die Welt da draußen und sie tickt anders als Ihr denkt. Ganz anders." (Salzgeber)

„Auf diese Weise entdeckt Wendler nach und nach, inwieweit sich sein Film über den Stuhl dann doch gelohnt hat. Denn der steht weniger für sich, als dass er, wie sein Film, anderes sichtbar macht: die Leute, die auf ihm Platz nehmen, den unterschiedlichen Nutzen, den sie aus ihm ziehen, die massiven Ungleichheiten zwischen dem Westen und dem globalen Süden. Deutschen Dokumentarfilmern erlaubt er außerdem, die ganze Welt zu bereisen.“ (Philipp Stadelmaier, Süddeutsche Zeitung)

»Monobloc« ist ein unterhaltsamer, sehenswerter Film, und Wendler gelingt es in großer Entspanntheit, mit viel Warmherzigkeit, Humor und echtem Interesse an seinen Protagonisten, dem unbeliebten weißen Plastikstuhl ein sehr wohlwollendes filmisches Denkmal zu setzen. (Nicolai Hagedorn, nd-Journalismus von links)

Atomkraft Forever

D 2021, Regisseur: Carsten Rau, FBW-Prädikat: bes. wertvoll, 94 Min.

2022 wird das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet und Deutschland steigt endgültig aus der Atomkraft aus. Doch dass damit das nukleare Problem gelöst wäre, erweist sich bei genauer Betrachtung als Illusion, wie Carsten Rau zeigt. Der gefährliche Rückbau der Kraftwerke wird Jahrzehnte dauern und viele Milliarden Euro Steuern verschlingen. Allein sechs Millionen Tonnen radioaktiver Müll fallen an und dessen Endlagerungsort für 1 Million Jahre ist völlig unklar. Allein diese Zahlen machen klar, wie absurd und gigantomanisch der Glaube ist, mit dieser Kraft sicher umgehen zu können. Rau hat fünf Jahre an seinem Film gearbeitet und spannend, vielschichtig und ohne Wertung Fakten zusammengetragen, die angesichts der aktuellen EU-Entscheidung, Atomkraft als nachhaltig einzustufen, fassungslos machen. Doch von 27 EU-Staaten betreiben 13 weiterhin Atomkraftwerke – und der Ausbau rund um Deutschland herum geht weiter.

Und so ist dies ein Film, der zu Denken anregt, ja zwingt, denn hier wird penibel darauf geachtet, dass alle Gesichtspunkte gleichwertig und ohne manipulative, alarmistische Stilmittel präsentiert werden. (…) Trotz der vielen Talking Heads wirkt ATOMKRAFT FOREVER nie überladen, und seine komplexe Materie präsentiert der Film mit großer Klarheit, sodass er sowohl als ein Lehrstück wie auch als künstlerisches Werk hervorragend gelungen ist. (FBW-Prädikat: besonders wertvoll)

Auch stilistisch ist „Atomkraft Forever“ ein Film für die große Leinwand: Die Industrieruine Greifswald, eine riesige Lagerhalle für Castorbehälter in Gorleben oder die Nähe der Kühltürme zum dörflichen Leben in Gundremmingen fängt Kameramann Andrzej Król in eindrucksvollen, detailreichen Totalen ein. (taz.de)

The Great Green Wall

GB 2019, Regie: Jared P. Scott, 92 Min., OmU

In der Sahel-Zone Nordafrikas sind die Auswirkungen des Klimawandels schon lange zu spüren. Die Wüste breitet sich aus, die Dürreperioden verlängern sich und die Versorgung der Bewohner ist gefährdet. 2007 startete ein Projekt, um die Wüste aufzuhalten: Quer über den Kontinent soll ein 8.000 Kilometer langer Grüngürtel aus Bäumen wachsen, quasi eine Mauer, die Menschen verbindet, anstatt sie zu trennen.
Jared P. Scott begleitet die Sängerin und Aktivistin Inna Modja aus Mali, die Unterstützer*innen des Projekts aufsucht. Sie selbst hat ein Album aufgenommen, dessen Erlös in das Projekt fließt. Während ihrer Reise durch verschiedene Länder nutzt sie ihr musikalisches Talent, um Beziehungen aufzubauen. Inna Modja spricht mit den Menschen über ihre Träume und Ängste, die Verantwortung gegenüber der nächsten Generation. Viele der Gebiete, über die sich die Mauer erstrecken soll, sind von Konflikten gezeichnet und können nicht begrünt werden. In 21 afrikanischen Staaten ist die Initiative bereits tätig und es wurden insgesamt 15 Prozent der ursprünglich geplanten Bäume gepflanzt. Doch der Film macht auch Mut: Wenn wir gemeinsam handeln, können wir viel erreichen.

Es geht um ein ambitioniertes Projekt, das nicht nur dem Klimawandel entgegentreten, sondern auch Möglichkeiten schaffen soll, die es vielen Afrikanern erlaubt, in ihrer Heimat eine Zukunft für sich zu sehen und nicht dem Zwang zu unterliegen, sie verlassen zu müssen. (Peter Osteried, Programmkino.de)

In seinem faszinierenden Dokumentarfilm erzählt Jared P. Scott eine rhythmische Geschichte von Optimismus, Solidarität und Entschlossenheit und offenbart eine neue afrikanische Generation, die bereit ist, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und dem Klimawandel den Kampf anzusagen. Der Film entstand mit Unterstützung der Vereinten Nationen. (kinonews.de)

Now

D 2020, Regie: Jim Rakete, mit Zion Lights, Wim Wenders, Luisa Neubauer, 74 Min., teilw. OmU

„If you fail, we will never forgive you!“ Zornig appelliert die Generation junger Klimarebellen an die Erwachsenen und macht 2019 zum Jahr ihres Protests. Die globale Erwärmung bedroht uns alle und doch sitzen viele der Verantwortlichen in Machtpositionen noch immer still, reden zu viel, handeln zu wenig. Besonders die Jugend von heute sieht ihre Zukunft in Flammen aufgehen. Und sie wehrt sich mit ungeheurer Energie und Fakten! Now! Greta Thunberg steigt zur Leitfigur einer weltweiten Bewegung auf, die mit zivilem Ungehorsam, Streiks und Demos rasant an Einfluss gewinnt. Fridays for Future ist dabei nur der Anfang: Ende Gelände, Extinction Rebellion und Plants for the Planet sind weitere Gruppierungen junger Aktivist*innen, die Fotograf und Regisseur Jim Rakete nach ihren Motiven befragt. mit ihrer ungeheuren Energie und ihrem Wissensdurst an. Ihre Ziele haben alle klar vor Augen: Was immer auch geschehen muss, es muss jetzt geschehen. Bei der Realisierung des Projektes wurde natürlich auf Nachhaltigkeit geachtet. Unter anderem passte das gesamte Team in ein Taxi.

Jim Rakete ist einer der profiliertesten deutschen Fotografen, international: Mit seinen Fotografien ist er ein wichtiger Teil der Popkultur der letzten Jahrzehnte, machte Stars zu Ikonen; und er war dabei, startete seine Karriere in der ’68er-Bewegung. Nun fragt er sich durch die neue Jugendbewegung, neugierig und empathisch, aber nicht propagandistisch. (Harald Mühlbeyer, Kino-Zeit.de)

Offen, neugierig und wachsam, sorgenvoll und zuversichtlich schauen diese jungen Gesichter auf die Welt und in den Abgrund. Eloquent und überzeugend, inspirierend und mitreißend, ausgesprochen wütend und doch immer sachlich erzählen sie von ihren Beobachtungen und ihrer Arbeit, allesamt auf Englisch, damit sie ihre Wirkungskraft auch international entfalten können. (Anke Sterneborg, Süddeutsche Zeitung)

"Wir wollten mit diesem Film die Hoffnung verstärken", meint Jim Rakete, "und nicht einfach den nächsten Gruselfilm über die Klimakatastrophe machen, mit rauchenden Fabrikschloten und dem ganzen Kram, der dazugehört. Sondern wir wollten auf die Aussichten gucken, also welche Auswege gibt es aus dieser Krise." (Flora Celine Roenneberg, BR.de)

    Flyer zur Veranstaltung

Homo Communis – wir für alle

D 2021, Regie: Carmen Eckhardt, 97 Min.

Angesichts der steigenden Zahl an globalen Krisen und Konflikten scheint gemeinschaftliches Handeln für alle statt Ellbogengesellschaft wie bisher zu einer immer wichtigeren Aufgabe werden. Carmen Eckhardt stellt Projekte vor, die sich dieser großen Herausforderung auf verschiedene Art und Weise stellen. Eine Solidarische Landwirtschaft in Dortmund, ein Kooperativenverbund mit 20.000 Mitgliedern in Venezuela oder die internationale Protestbewegung Fridays for Future: Sie alle nutzen vielfältige Strategien, mit der sie einen grundsätzlich anderen Umgang miteinander und vor allem mit den Ressourcen der Erde voranbringen wollen. Im Fokus steht dabei die Frage, ob ein Systemwandel, weg vom individualistischen Denken, hin zu einem solidarischen Miteinander, möglich ist. Wenn der Staat sich nicht bewegen will oder kann – was können dann Einzelne oder Gruppen bewirken? Durch Crowdfunding finanziert, sollte „Homo Communis“ schon letzten November anlaufen. Nach dem Klimagipfel 2021 ist das Thema aktueller denn je. Eine Veranstaltung in Kooperation der Bewegungsstiftung Verden.

Dennoch ist „Homo Communis“ kein Film, der mit erhobenem Zeigefinger die einzig wahren Lösungen predigt oder die Antwort auf alle Fragen bereitzuhalten glaubt. Eher schafft er es, Perspektiven zu eröffnen und den Umschwung in seiner Vielschichtigkeit gut zu visualisieren. (Jonathan Auer, taz)

„Homo communis“ – wir für alle funktioniert sehr gut als wirtschafts- wie gesellschaftspolitisch relevanter Debattenfilm, weil er nicht einseitig wertet, sondern stattdessen diverse Alternativmodelle zur Disposition stellt und thematisch durchaus essentielle Fragen aufwirft: Wie kann ich wieder mein eigenes Leben in die Hand nehmen? Wie sehr engagiere ich mich zum Wohle aller anderen? Davon kann man in unserer Zeit gar nicht genug sehen und hören. (Simon Hauck, Kino-Zeit)

Dalit Defenders – Vereint im Kampf um Würde und Gerechtigkeit

D 2021, Regie: Filmemacher*innen des Berliner fetch-media-teams, 82 Min., engl./hindi/gujarati OmU

Weil das indische Kastensystem die Dalits als außerhalb der Kaste stehend und damit „Unberührbare” einstuft, werden sie auch heute noch wie Menschen zweiter Klasse behandelt. 17 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Besonders Dalit-Frauen fristen ein gefährliches Dasein, da sie vor allem auf dem Land als „frei verfügbare Körper” missbraucht werden. Sich gegen sexuelle Gewalt und andere Diskriminierungen zu wehren, ist den Dalits jedoch aufgrund ihres gesellschaftlichen Status‘ fast unmöglich. In den betroffenen Familien wird wenig über das Thema gesprochen. Trotzdem gibt es viele mutige Dalit-Frauen, die sich nicht mit ihrem würdelosen Schicksal abfinden wollen und für ihre Rechte protestieren. Die Filmemacher*innen der Berliner fetch.media widmen ihren ersten Dokumentarfilm diesem wichtigen Thema. Sie porträtieren beeindruckende Aktivistinnen wie Manjula Pradeep, die schon lange ihre Stimme gegen das ungerechte veraltete Kastensystem erhebt.

Kleine Filme mit großer Wirkung (filmfetch.org)

Oeconomia

D 2020, Regie: Carmen Losmann, 89 Min.

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 und dem großen Schaden für viele Menschen ist klar: Irgendetwas läuft in unserem Wirtschaftssystem schief – und das schon sehr lange. Wenn Großkonzerne keine Steuern bezahlen müssen, geschweige denn Verantwortungsbewusstsein für die Zerstörung der Umwelt einkalkulieren, wenn Normalverbraucher*innen dagegen für den Lebensunterhalt auf mehrere Jobs gleichzeitig angewiesen sind, kann man wohl kaum von einer Marktwirtschaft sprechen, die gerecht ist. Höher, schneller, besser, um jeden Preis – so lautet die Devise des Kapitalismus. Warum können wir angesichts der zahlreichen internationalen Krisen nicht einfach aufhören ständig weiter zu wachsen? Wohin soll das alles noch führen? Schafft sich der Kapitalismus wirklich selber ab? Mit der Kernfrage „Wie entsteht eigentlich das ganze Geld?“ geht Carmen Losmann (Work Hard Play Hard) den oftmals undurchsichtigen und komplizierten Prozessen nach, die unser aller Leben bestimmen oder auch vernichten können. Der Film zur Coronakrise.

Dieser Film bietet einen spannenden und letztlich erschreckenden Blick in die Mechanismen des globalen Kapitalmarktes, den Regularien der nationalen und globalen Wirtschaftssysteme, die spätestens auch seit der großen Weltfinanzkrise immer undurchsichtiger geworden sind. (FBW-Prädikat: besonders wertvoll)

„Wenn Sie in der Wissenschaft fragen, kriegen sie auch Antworten“, sagt die Regisseurin. „Das Problem war: Ich wollte mit den Akteuren sprechen. Chefvolkswirte, bei der Europäischen Zentralbank, bei der Deutschen Bank, bei der Allianz.“ Und bei denen sei sie auf Ratlosigkeit gestoßen. Es sei auf dieser Ebene nicht leicht, darüber zu sprechen, dass Profite mit Schulden zusammenhängen. (www.deutschlandfunkkultur.de)

Mit OECONOMIA, der auf der Berlinale 2020 seine Premiere feierte und von der Kritik hoch gelobt wurde, setzt sie ihre eindringlichen Recherchen zu den Grundlagen unseres Wirtschaftssystems fort und öffnet den Blick jenseits der gängigen Erklärungsmuster und Dogmen auf den Nucleus eines hochexplosiven Systems: Der Schuldner als zentraler Akteur. (polyfilm)

Ein Film von brennender Aktualität. (mm-filmpresse.de)

Made in Bangladesh

F/BAN/DK/P 2019, Regie: Rubaiyat Hossain, mit Rikita Nandini Shimu, Novera Rahman, 95 Min., Bengali OmU

Bereits als Kind floh Shimu aus ihrem Dorf, weil ihr eine Zwangsheirat mit einem viel älteren Mann drohte. Jetzt ist die 23-Jährige eine von vielen Arbeiter*innen in einer Textilfabrik in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh. Trotz des sehr niedrigen Gehalts und der ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse bedeutet diese Beschäftigung für sie ein kleines Stück Selbstbestimmung. Während ihr Mann nach Arbeit sucht, verdient Shimu so den Unterhalt für sie beide. Als bei einem verheerenden Brand in der Fabrik eine ihrer Kolleginnen ums Leben kommt, will Shimu nicht weiter tatenlos zusehen. Mit Hilfe eines Anwalts informiert sie sich über ihre Möglichkeiten und startet schließlich den Versuch, die Arbeiter*innen der Textilfabrik gewerkschaftlich zu organisieren. Doch nicht nur bei ihren Vorgesetzten, sondern auch unter den Kolleg*innen stößt Shimus Aktivismus auf Widerstand und Ablehnung. Denn im globalisierten Kapitalismus wird sich immer ein Ersatz finden, egal wie unwürdig die Bedingungen sind.

Der Spielfilm stellt die Zusammenhänge der modernen und globalisierten Textilproduktion realistisch und nachvollziehbar dar. […] Mit seiner Protagonistin Shimu zeigt er eine authentische und würdevolle Identifikationsfigur. „Made in Bangladesh“ erzählt eine Geschichte über Empowerment von Frauen. Auch wirft er ein Licht auf die ursprüngliche Rolle von Gewerkschaften, deren „goldene Zeiten“ in Deutschland längst der Vergangenheit angehören. (Film des Monats, Jury der Evangelischen Filmarbeit)

[…] ‘Made in Bangaldesh’ ist ein fesselnder Thriller. Bis zuletzt folgt man gespannt den immer neuen Herausforderungen, die Shimu zu überwinden hat. Das Drehbuch inszeniert geschickt die verfahrene Situation, der Shimu an allen möglichen Fronten ausgesetzt ist. […] (Ulkar Alakbarova, moviemovesme.com)

Hossain, die zusammen mit Philippe Barrière das Drehbuch erarbeitet hat, baut in ihrem zweiten Kinofilm nun nicht auf Zahlen und Statistiken, sondern auf menschliche Schicksale: keine Spur von flachem Agitprop oder Appellen ans westliche Publikum, Kleidung »Made in Bangladesh« künftig zu verschmähen; das liegt nicht im Interesse der Arbeiterinnen. Hossain, Jahrgang 1981, nähert sich einem sozioökonomischen Phänomen mit den Mitteln filmischer Poesie. (Dietmar Kanthak, epd film)

[…] there’s no denying the power inherent in Shimu’s grueling pursuit: one which, in many other countries, would simply be a matter of filling out some forms, but here takes on nearly Melvillian proportions of impossibility. That Shimu needs to pull off a few dirty tricks in order to edge closer to the finish line is less indicative of her own failings than of that of an entire system. And yet the price she pays may well be worth it — in any case, it’s surely worth more than all the bargain-bin T-shirts in the world. (Jordan Mintzer, Hollywood Reporter)