Me, We

A 2020, Regie: David Clay Diaz, mit Verena Altenberger, Lukas Miko, Simon Dietersdorfer, 115 Min.
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Im Mittelmeer ertrinken weiterhin flüchtende Menschen, was man in Europa gerne ignoriert. Marie aus Österreich will jedoch etwas tun und fährt nach Griechenland. Hier will sie einer NGO-Organisation beim Versorgen der ankommenden Geflüchteten helfen. Marcel dagegen sieht sein Land durch die Zuwanderung in Gefahr und will mit einer Bürgerwehr aus Halbstarken für den Schutz der österreichischen Frauen sorgen. Gerald hat als Leiter eines Asylheims in Wien ständig mit aufgebrachten Anwohner*innen zu tun und bekommt selbst zunehmend Schwierigkeiten im Umgang mit den traumatisierten Geflüchteten. Petra möchte sich auch engagieren und nimmt den unbegleiteten Geflüchteten Mohammed bei sich auf. Sie möchte ihm helfen, sich in die österreichische Gesellschaft zu integrieren, drängt ihm aber vor allem ihre eigenen Vorstellungen auf.

Dieser Film war die für mich filmisch wichtigste Arbeit seit ‚Die beste aller Welten‘. Weil es viel mehr war als nur Dreharbeiten. Wir waren auf Lesbos, haben dort mit Volunteers, Geflüchteten, Einheimischen, und Menschen ohne Obdach geredet, gelernt und gedreht. Und ich habe erfahren, dass ich nicht einen Funken Ahnung habe von Leid, Flucht und Hoffnungslosigkeit. Und dann hat David Clay Diaz einen Film daraus gemacht, der lustig, seltsam, schön, böse und abgründig ist. Der uns unsere Grenzen aufzeigt. (Verena Altenberger)

[…] ein aufwühlendes Episodendrama, das seine narrativen und politischen Unschlüssigkeiten durch eine virtuose Inszenierung und großartigem Schauspiel aller Beteiligten wieder wettmacht. (Christian Pogatetz, UNCUT)

Nahaufnahmen von nachdenklichen Gesichtern, kontemplative Sonnenuntergänge über dem Meer, aber auch bunte Handabdrücke, die ein großes Gemälde ergeben, vermitteln voll und ganz das Wesen des Films. Das Gleiche gilt für die Sprache, oder besser gesagt, für die vielen Sprachen, die gesprochen werden: Trotz allem findet man fast immer einen Weg, sich zu verstehen. Und so spiegelt dieser wichtige und farbenfrohe Spielfilm von David Clay Diaz voll und ganz die Bedeutung eines 1975 von Mohammed Ali rezitierten Gedichts wider: Me, We, das kürzeste Gedicht der Welt. Nervenaufreibendes und mutiges Kino aus Österreich! (Marina Pavido, Cinema Austriaco)

ME, WE, der bei der Diagonale in Graz im Juni uraufgeführt wurde, besticht durch seine authentischen Figuren, allen voran durch den Flüchtlingsheim-Leiter Gerald, dessen Darsteller Lukas Miko völlig zu Recht mit dem Schauspielerpreis der Diagonale ausgezeichnet wurde. (Matthias Greuling, Wiener Zeitung)

Toprak – Soil

TRK/D 2020, Regie: Sevgi Hirschäuser, mit Numan Cakir, Burak Aydin, Emine Ani, 105 Min., OmU
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Der Waisenjunge Burak wächst in einer ländlichen Region der Türkei bei seiner Großmutter und seinem unverheirateten Onkel Cemil auf. Gerade so können sie sich durch den Anbau und Verkauf von Granatäpfeln über Wasser halten, doch die Kundschaft ist spärlich gesät. Cemil ist ein frommer Mann, der die Traditionen des Landlebens befolgt und Stadtmenschen mit gehörigem Misstrauen begegnet. Burak ist nun alt genug, um seinen eigenen Weg zu gehen. Er könnte in die Stadt ziehen und an einer Universität studieren, so wie seine toten Eltern. Während er für die Aufnahmeprüfung lernt, träumt Onkel Cemil weiter von einer gemeinsamen Zukunft auf eigenem Grund und Boden. Als die Großmutter schwer erkrankt und stirbt, müssen sowohl Burak als auch Cemil schwere Entscheidungen treffen, die ihr Leben für immer verändern wird.
Regisseurin Sevgi Hirschäuser realisierte ihren Debütfilm in Eigenfinanzierung und in Zusammenarbeit mit ihrem Kamera- und Ehemann Chris Hirschäuser. Gedreht wurde im Heimatdorf ihrer Mutter in der Türkei. Gewinner des Goldpreises der Kategorie „Beste Regie“ der Friedrich-Baur-Stiftung bei den 54. Hofer Filmtagen.

"Toprak" ist eine einmalige und in ihren Bildern absolut unverwechselbare Erzählung. Die Gesichter der Protagonisten, die einsame Hütte, in der sie leben und die staubige Landstraße, an der sie ihre Paradiesäpfel verkaufen, bleiben unvergesslich. […] Die Juroren waren besonders berührt von der spürbaren Anteilnahme der beiden Filmemacher*innen an der Geschichte ihrer Protagonisten, die eine innere Glaubwürdigkeit hat, wie sie im Kino eine seltene Ausnahme geworden ist. (Edgar Reitz, Bernhard Sinkel, Juroren der 54. Hofer Filmtage)

[…] intensiv und in atmosphärisch dichten und einfühlsamen Bildern erzählt Sevgi Hirschhäuser ihr Spielfilmdebüt „Toprak – Soil“ […] Ein im wahrsten Sinn des Wortes existenzialistischer Film, der den Sehgewohnheiten des heutigen jungen Publikums komplett zuwiderläuft und dennoch oder vielleicht sogar genau deswegen bleibenden Eindruck hinterlässt. (Holger Twele, Kinder- und Jugendfilmportal)