Alcarràs – Die letzte Ernte

E/I 2022, Regie: Carla Simón, mit Josep Abad, Jordi Pujol Dolcet, Anna Otín, 120 Min., katal. OmU
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Die Sonne scheint golden auf die Felder, Kinder rennen herum und die jährliche Pfirsichernte im katalonischen Alcarràs rückt näher. Seit 80 Jahren bewirtschaftet Familie Solé das Land, welches dem Großvater einst vom Großgrundbesitzer als Dank für seine Dienste während des spanischen Bürgerkriegs überlassen wurde. Diesen Sommer jedoch bahnt sich eine große Veränderung an. Es wird wohl die letzte Pfirsichernte sein. Pinyol, der Nachkomme des damaligen Großgrundbesitzers, hat für Traditionen wenig Verständnis. Die Pacht wurde damals nur per Handschlag besiegelt und das zählt für Pinyol nicht. Das kleine Paradies der Familie von Obstbauern soll einer riesigen Photovoltaik-Anlage weichen. Die Kinder in ihrem sommerlichen Spiel kriegen wenig vom drohenden Ende mit, während die älteren Familienmitglieder ganz unterschiedlich mit Ende einer Ära umgehen. Ein Sommer bleibt ihnen noch. 

Regisseurin Carla Simón („Fridas Sommer“) ist selbst auf einer Pfirsichfarm aufgewachsen – und zwar im titelgebenden katalanischen Dorf Alcarràs. Gewinner des Goldenen Bären bei der Berlinale 2022 

Wegen der herausragenden Darstellungen, von den Kinderschauspielr:innen bis zu den 80jährigen, wegen der Fähigkeit, die Zärtlichkeit und Komödie einer Familie ebenso zu zeigen wie ihre Kämpfe, und wegen des Portraits unserer Verbindung zur Erde um uns herum und unserer Abhängigkeit von ihr: Der Goldene Bär der Berlinale 2022 geht an ALCARRÀS. (M Night Shyamalan, Jurypräsident Berlinale 2022

[…] ein feinsinniges Filmdrama, das sich vom sozialrealistischen Arthouse-Kino, in dem klar umrissene Helden als David gegen den Goliath des entfesselten Kapitals aufbegehren, wohltuend abhebt. Statt ein kämpferisches Individuum aufs Podium zu stellen, webt Simón das viel breitere Panorama eines quirligen Familienverbunds. Man hält zusammen – doch das bedeutet noch lange nicht, dass man noch geeint an einer Front kämpfen würde. (Dominik Kamalzadeh, derStandard.at

Man versteht sofort, warum sich die Berlinale-Jury um M. Night Shyamalan für diesen Film entschieden hat. Das Thema ist brandheiß, das Schicksal der Familie geht zu Herzen und auch formal ist der Film – von den sonnendurchfluteten Bildern bis zum Einsatz der großartig ausgewählten Laiendarsteller*innen – makellos. (Christoph Petersen, filmstarts