Toubab

D/SEN 2020, Regie: Florian Dietrich, mit Farba Dieng, Julius Nitschkoff, Seyneb Saleh, 96 Min.
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Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis schwört Babtou, von nun an nicht mehr in Schwierigkeiten zu kommen. Als erstes will er seine neu gewonnene Freiheit mit seinem besten Kumpel Dennis voll und ganz auskosten. Ein Neuanfang will natürlich gebührend gefeiert werden! Als die Willkommensfeier völlig aus dem Ruder gerät, findet sich Babtou unversehens in Handschellen wieder. Und diesmal fallen die Konsequenzen für ihn drastisch aus. Wegen wiederholter Straftaten soll Babtou direkt in den Senegal abgeschoben werden, in ein Land, dass er noch nie gesehen hat. Wie Dennis ist er in Deutschland geboren und in Frankfurt aufgewachsen. Doch das interessiert die Behörden wenig. Es scheint nur einen Ausweg zu geben, der Abschiebung zu entgehen: Babtou muss heiraten. Als sie keine passende Kandidatin finden, springt Dennis ein – denn wer hat gesagt, dass das nicht möglich wäre?

Rührende bromantic Comedy, die von Loyalität, Zugehörigkeit, Diversität und Heimat erzählt… Eine sehr unterhaltsame, in gleichem Maße politische und tiefgründige Erzählung, die überraschende Wendungen nimmt und uns am Ende auch weinen lässt. Vor Lachen, Wut und Trauer. (Jurybegründung, Nominierung für den FirstSteps-Award)

Auf dieser Gratwanderung zwischen Komödie und Drama, finden Dieng und Nitschkoff gemeinsam genau den richtigen Ton, werfen sich schauspielerisch lässig die Bälle zu, in Blicken, Gesten, Sprüchen. (Bayrischer Filmpreis / Beste Nachwuchsdarsteller)

The Sunlit Night

D/N 2019, Regie: David Wnendt, mit Jenny Slate, Alex Sharp, Zach Galifianakis, Gillian Anderson, 91 Min., OmU
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Privat wie beruflich läuft bei Frances gerade alles schief. Ihr Kunstprojekt wird abgesagt, ihr Freund macht Schluss, die Eltern verkünden ihre Trennung. Als Frances Vater auch noch anfängt, ihr winziges Apartment zu okkupieren, ergreift sie die Flucht nach vorn. Frustriert nimmt Frances ein Kunststipendium in Norwegen an und reist aus der Enge New Yorks auf die abgelegenen, kargen Lofoten. Dort soll Frances einem namhaften Künstler assistieren, heißt es. Der grummelige Nils lässt sie aber erst einmal die Scheune gelb anstreichen. Doch der Sommer auf den Lofoten, in dem die Sonne nie untergeht, und umgeben von der beeindruckenden norwegischen Natur bewirkt bei Frances mehr Gutes, als sie am Anfang erkennen kann.
Nach dem gleichnamigen Buch von Rebecca Dinerstein.

Slate’s vibrance shines right through no matter what. Like the Norwegian midnight sun, she’s undimmable. (Stephanie Zacharek, time.com)

Director David Wnendt (Wetlands) returns to the Sundance Film Festival with a playful, absurdist transatlantic romp that showcases not only Norway’s striking beauty, but also Slate’s ability to inhabit complex comedic roles with unmatched timing, charm, and intelligence. (Sundance institute)

The Sunlit Night is a celebration of the little things and the little moments of life. Its subtlety is the star because our lives are subtle and like joy, sometimes you have to look for it to find it, even though its staring you right in the face. (Alan Ng, Film Threat)

[…] dem Film gelingt es mit seiner unscheinbaren Art sehr schön, ein Meta-Thema zu eröffnen, wenn er den Zuschauer zum Nachdenken darüber bringt, welchen Wert Kunst im Leben des Einzelnen einnimmt, wie der Drang zur Kreativität aber auch die Hauptfigur antreibt. (Peter Osteried, Programmkino)

Hochwald

A/B 2020, Regie: Evi Romen, mit Thomas Prenn, Noah Saavedra, Josef Mohamed, 108 Min., teilw. OmU
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Mario will aus seinem engen Leben im heimatlichen Dorf in Südtirol ausbrechen. Da, wo andere gerne Urlaub machen, ist er schon lange ein Außenseiter. Mit seiner sensiblen Art und dem innigen Wunsch, Tänzer zu werden, passt Mario einfach nicht in das Männlichkeitsbild der Dorfbewohner*innen. Sein Vater steht ihm jedoch zur Seite und versucht ihn zu unterstützen. Als Mario eines Tages seinem Jugendfreund Lenz wieder über den Weg läuft, scheint sich ein Fenster in eine andere Welt zu öffnen. Mario reist seiner neuen Flamme nach Rom hinterher, sie treffen sich in einer Schwulenbar. Doch der Abend verläuft anders als gedacht, als die Bar plötzlich von bewaffneten Männern gestürmt wird. Lenz kommt auf tragische Weise um, Mario mit dem Leben davon. Traumatisiert kehrt er in die südtirolische Heimat zurück. Dort begegnet er dem schönen Nadim, der ihm vom Islam erzählt.

Bildgewaltig geht es zu in dieser mosaikhaften Dorfstudie und schwulen Lovestory voller Hindernisse. Atmosphärisch dicht und mit psychologischer Präzision entwickelt sich ein bewegendes Drama voller Überraschungen. Noah Saavedra aus „O Beautiful Night“ gibt einmal mehr das coole Model, das allemal gut für Parfümreklame taugte. Derweil Thomas Prenn aus „Biohackers“ weitaus emotionaler als charismatisches Sensibelchen mit allerlei Geheimnispotenzial auftritt. Der Trophäen-Regen für dieses außergewöhnlich gelungene Debüt dürfte weitergehen: Neun Nominierungen gibt es bereits für den Österreichischen Filmpreis - mehr geht kaum! (Dieter Oßwald, Programmkino)

Die Regisseurin Evi Romen hat uns mit der Wahl und Inszenierung ihres Casts und dem Umgang mit dem erzählerischen Rhythmus und der Visualität überzeugt. Wir sind neugierig auf ihr weiteres filmisches Schaffen. (Zff.com)

Ein selbstzufriedenes Schmunzeln von Lenz, als Mario ihm das Preisschild einer neuen, gescheit teuren Jacke mit Pelzkragen abreißt – so wenig braucht es, um ein Eltern-Sohn-Verhältnis auf den Punkt zu bringen. Und derart präzise erzählt Evi Romen all die großen Themen, die des Weges kommen. Diesen Film kann man als Mehrzweck-Konstruktion sehen, so viele Themen tauchen auf – von Schichtzugehörigkeit zu Terror. Oder man sieht „Hochwald“ als eine sehr emotionale Liebes- und Überlebensgeschichte. (Maria Motter, ORF)

Die Verschwundene

Seules les bêtes – F/D 2019, Regie: Dominik Moll, mit Valeria Bruni Tedeschi, Denis Ménochet, Laure Calamy, 116 Min., OmU
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In den Bergen der französischen Provinz wird ein verlassenes Auto gefunden. Von der Fahrerin Evelyne Ducat, einer jungen Frau aus Paris, fehlt jede Spur. Ein Schneesturm erschwert die Suche nach der Vermissten, und die Dorfbewohner*innen zeigen sich wenig kooperativ. Niemand will etwas gesehen haben. Doch hinter dem beharrlichen Schweigen gegenüber der Polizei verbirgt sich ein Geflecht aus Geheimnissen und Verstrickungen. Es scheint, dass fünf Menschen mit der Verschwundenen eine Verbindung hatte. Sie tun alles, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt, denn das würde verheerende Konsequenzen haben. Im Laufe der Ermittlungen führt die Spur von Evelyne von der schneebedeckten Stille des Bergdorfs bis in die flirrende Hitze der fernen Elfenbeinküste.

Dem genregemäßen Whodunit der Spurensuche macht der Film schon dadurch rasch den Garaus, dass er seine Erzählrichtung bereits nach kurzer Zeit invertiert und in der Zeit springt. Nicht zurück an den Anfang allen Übels, sondern scheibchenweise, mit und gegen den Uhrzeiger, vor und zurück. (Janis El-Bira, Perlentaucher)

Unberechenbar und spannungsgeladen gelingt dem deutsch-französischen Regisseur Dominik Moll ein kühner Thriller. Sein pointierter Neo-Noir Film entfaltet zwischen dem abgelegenen französischen Zentralmassiv und der flirrenden afrikanischen Elfenbeinküste stilistisch und erzählerisch ein einzigartiges Geflecht aus Liebesreigen und Kriminalstory. Brillant verschachtelt führt er, basierend auf dem Roman „Nur die Tiere“, durch ein Labyrinth. Erstklassig agieren mit der italienischen Schauspielerin Valeria Bruni Tedeschi etablierte, französische Kinogrößen wie Damien Bonnard aus „Les misérables“ und Dénis Menochet auf der Leinwand. (Luitgard Koch, www.programmkino.de)

Kunstvoll aufgebauter Thriller, der aus verschiedenen Perspektiven die Wahrheit über das Verschwinden einer Frau im französischen Zentralmassiv enthüllt. (Marius Nobach, Filmdienst)

Walchensee forever

D 2020, Regie: Janna Ji Wonders, 110 Min., Gewinner des „Made in Germany Förderpreis – Perspektive“ auf der Berlinale 2016
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In ihrem Langfilmdebut erzählt Filmemacherin Janna Ji Wonders die eigene Familiengeschichte, die sich über 100 Jahre und vier Generationen von Frauen erstreckt. Der Walchensee in Bayern wird zur Kulisse einer Familiensaga, die in 20er Jahren des letzten Jahrhunderts beginnt, als Wonders Uroma Apa dort ein kleines Ausflugscafé gründet. Das Café am Alpsee übersteht den 2. Weltkrieg und trotzt den gesellschaftlichen Umschichtungen der 60er und 70er Jahre bis in die heutige Zeit. Apas Tochter Norma übernimmt den Betrieb und hält die Stellungen, während ihre Töchter Anna und Frauke als Anhängerinnen der Hippie-Bewegung in die weite Welt hinausziehen. Nach einem traumatischen Erlebnis geht Anna mit ihrer kleinen Tochter Janna zurück nach Bayern. Und Janna wird diese faszinierende Familienchronik weitertragen, indem sie darüber einen Film macht, für den sie auch auf Film- und Bildmaterial ihrer Familie aus 100 Jahren zurückgreifen kann. Eine berührende Familienchronik, aber auch ein Ausschnitt deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts – aus Frauensicht.

Eine zugleich epische und intime Dokumentarerzählung - Janna Ji Wonders macht aus der faszinierenden Geschichte ihrer Familie einen nicht minder faszinierenden Kinofilm, in der sie einen Bogen aus den 1920er bis in die Jetztzeit schlägt. Ein verdammt starkes Regiedebüt. (Michael Meyns, filmstarts.de)

Vier Generationen von Frauen, 100 Jahre deutsche Geschichte – eine explosive Mischung aus Tradition, bürgerlichen Werten, Rebellion und der Liebe zur Kunst. Frauenbilder, die sich radikal wandeln. Dabei meistert sie bravourös die Herausforderung, dass es sich dabei um ihre eigene Familiengeschichte handelt. […] Durch die hervorragende Montage entwickelt der Film einen unwiderstehlichen Sog. Und das alles vor der urbayerischen Kulisse des Walchensees – genauso schön, tief und geheimnisvoll. (Jurybegründung, Bayrischer Filmpreis)

Der Film ist eine sehr sehenswerte Reise in die Vergangenheit, die viel mit der Gegenwart zu tun hat und mit Fragen, denen sich früher oder später wohl jeder stellen muss: Was ist Heimat? Was bedeutet mir die Familie? (Gaby Sikorski, programmkino.de)