"Zum 50-jährigen Universitäts-Jubiläum bringen wir Kunst und Forschung zu Populärkultur in die Bremer Innenstadt.

Die von unserem Lab entwickelte Initiative im Rahmen des Universitätsjubiläums gliedert sich in insgesamt drei Teilprojekte, die einander jeweils thematisch ergänzen und flankieren.

Die zweite Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Kommunalkino CITY 46 statt: Am 2. November um 20:00 zeigt das CITY 46 Peter Zadeks Ich bin ein Elefant, Madame. Der Film wurde bei der Berlinale 1969 mit dem silbernen Bären ausgezeichnet und avancierte schnell zum Kultfilm der 68er Bewegung: Schüler Rull probt, in Analogie zur studentischen Revolte, den Aufstand an einem Bremer Gymnasium. Mit Gewitztheit und Humor initiiert er eine Protestbewegung gegen die autoritären Gepflogenheiten an seiner Schule. Nach einer Einführung und historischen Einordnung durch Christine Rüffert, Rätin in der Verwaltung des Senators für Kultur Bremen und seit 2009 abgeordnet an die Universität Bremen für die Kooperationsstelle Film (FB 9), wird der Film in voller Länge gezeigt. Begleitet wird die Filmvorführung von einer kurzen Einführung durch Christine Rüffert, Rätin in der Verwaltung des Senators für Kultur Bremen und seit 2009 abgeordnet an die Universität Bremen für die Kooperationsstelle Film (FB 9), sowie einer spannenden Podiumsdiskussion mit Ernst Steinhoff, dessen Wohnung Zadek als Kulisse diente und der selbst als Komparse mitgewirkt hat, Jörg Streese, der damals als Schüler aus der Schule flog, die in dem angrenzenden Gebäude des Alten Gymnasiums untergebracht war, und am Drehbuch „mitschrieb“, und Prof. Dr. Irmbert Schenk, Mitgründer des Kommunalkinos 1974 und Hochschullehrer für den Bereich Kommunikation/Ästhetik an der Universität Bremen seit ihrem Beginn 1971."

Eine Kooperation mit Worlds of Contradiction, einer interdisziplinären Initiative der Universität Bremen.

Ich bin ein Elefant, Madame

BRD 1969, Regie: Peter Zadek, mit Wolfgang Schneider, Heinz Baumann, Günther Lüders, Margot Trooger, 100 Min.
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Wir schreiben das Jahr 1968 in Bremen: Schüler Rull hat genug vom reglementierten und hierarchischen Alltag am Gymnasium. Am laufenden Band denkt er sich neue Provokationen aus, um seinem Wunsch nach einer Demokratisierung der Schule Gehör zu verschaffen. Rull kann nichts, aber auch gar nichts, auf sich sitzen lassen, mit jeder Faser bekämpft er das Establishment. Mit immer neuen Ideen und Aktionen provoziert er seine Umwelt. Als sich der Konflikt immer weiter hochschaukelt und Rull ein riesiges Hakenkreuz an die Wand des Gymnasiums schmiert, droht ihm der Rauswurf. Doch seine Mitschüler*innen zeigen sich solidarisch. Für sein filmisches Regiedebüt erhielt Theaterregisseur Peter Zadek 1969 den Bundesfilmpreis. Wolfgang Schneider wurde in der Rolle des Schülers Rull zudem als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet.

Eine Kooperation mit Worlds of Contradiction, einer interdisziplinären Initiative, die Kunst und Forschung zu Populärkultur in die Bremer Innenstadt bringt.

Peter Zadek dient der Mikrokosmos Schule als Versuchsanordnung für die 68er-Utopie einer klassenlosen und herrschaftsfreien Gesellschaft. Seine durchaus humorvolle und wilde Inszenierung ist zur selben Zeit auch scharfe Beobachtung und lässt Raum für eine etwas komplexere Sichtweise auf soziale Veränderung. Kino als Spielwiese für soziale Utopien. (Deutsches Filminstitut Filmmuseum)

Stilsicher gefasste Zeitkritik, die die allgemeinen Standpunktsuche zwischen den extremen Positionen von Autoritätsbeharren und sozialrevolutionärem Bewußtsein und die damit verbundenen Identitätskrisen, teils mit schockierenden Mitteln, zu spiegeln versucht. (Filmdienst)

Einer der ersten großen Kinosoundtracks zu Straßenkampf und Studentenrevolte. […] Bei der späteren Theaterikone Zadek verschmolz die Rebellion mit Agit-Prop, Ciné-Tract, Provo-Comedy und grellen Godard-Spasseken zum Anarchofeuerwerk schlechthin. Schüler Rull, gleichermaßen angepisst von den verkappten Nazilehrern wie von den Pseudorevoluzzern in seinem Gymnasium, löst mit einem Swastika-Graffiti eine große Klassenkampfrandale aus. Schlingensief in a nutshell. Ein zeitloser Spaß! (Paul Poet, Filmarchiv)

Vergangene Filme aus dieser Reihe:

Un/Sichtbar – 50 Jahre Universität Bremen

Bremen 2021, Regie, Kamera & Schnitt: Stella Balschuweit, Anja Binkofski, Leon Colic, Hannah-Sophie Eylers, Luzie Gliese, Nina Gunstmann, Lea Hasselbusch, Greta Hellmann, Shajana Reuter, Janna Weseloh; 6 Filme á 10 Minuten plus Filmgespräch

Die ethnografischen Kurzfilme von Studierenden, die „unsichtbare“ oder unbeachtete Orte, Einrichtungen und Personen der Universität Bremen sichtbar machen und dabei neue, ungewöhnliche und überraschende Perspektiven eröffnen, erleben an diesem Abend ihre Premiere Die Produktionen wurden von Studierenden des Instituts für Ethnologie und Kulturwissenschaft der Uni Bremen im Rahmen eines Seminars erstellt. Die Kurzfilme beschäftigen sich unter anderem mit den Lieblingsorten ehemaliger Studierender, dem Alltag im Uni-Kiosk „Onkel Walter“, mit der studentisch organisierten Fahrradwerkstatt sowie der Architekturgeschichte der Uni Bremen und der Biodiversität auf dem Campus.

Eintritt frei!

Tickets ab dem 8.10. unter www.uni-bremen.de/campus-city