Von der dänischen Perkussionistin Marilyn Mazur stammt folgendes Zitat: „Für mich muss Musik offen sein, ich muss ausprobieren müssen. Jedes Konzert ist für mich ein Labyrinth. Ich nehme einen Eingang, aber weder ich noch ein anderer Musiker weiß, wo wir am Ende herauskommen. Dieses Abenteuer, dieses Ungewisse muss da sein, um die Musik lebendig zu erhalten.“
Ihre Worte stehen für vieles, was im Jazz passiert und sie spiegeln sich auch in den Filmen, die wir für die achte Ausgabe von „Jazz’n’the Movies“ ausgewählt haben. Es sind, bis auf „Chico & Rita“, Dokumentarfilme, die die Musik oder das musikalische Ereignis in den Vordergrund stellen. Da das Gastland der diesjährigen Messe JAZZAHEAD Kanada ist, haben wir nach kanadischen Künstler*innen gesucht. Dazu gehört der Konzertmitschnitt „Oscar Peterson – The Berlin Concert“ (D 2007) sowie „Konitz – Portrait of the artist as a saxophonist“ (CDN 1987)

Die Reihe wurde von Ernst Steinhoff und Karl-Heinz Schmid kuratiert. Alle Filme werden mittwochs mit Einführung vorgestellt (außer „Genius Within”). In Kooperation mit der JAZZAHEAD 2022

Weitere Informationen im Flyer zur Filmreihe.

Genius Within: The Inner Life of Glenn Gould

CDN 2009, Regie: Michele Hozer, Peter Raymont, 106 Min., OmU
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Pianist Glenn Gould begeisterte bereits zu Lebzeiten durch sein musikalisches Genie Menschen auf der gan-zen Welt und auch nach seinem Tod 1982 hat die Faszination für ihn und sein Werk nicht nachgelassen. In bisher unveröffentlichten privaten Bild- und Tonaufnahmen, Archivmaterial, Interviews mit Goulds engsten Freunden und sogar Auszügen aus dem Tagebuch des Ausnahmekünstlers werden mythische Bilder durch-brochen. Der Film bringt uns dem Menschen Glenn Gould und seinen Gedanken zu Musik, Kunst, Gesell-schaft, der Liebe und dem Leben näher.

Zum Schwerpunkt KANADA im Rahmen der JAZZAHEAD 2022

Vergangene Filme aus dieser Reihe:

Konitz – Portrait of the Artist as a Saxophonist

CDN 1987, Regie: Robert Daudelin, mit Lee Konitz, Harold Danko, 80 Min., OV

Robert Daudelin begleitet in seiner Dokumentation von 1987 den Altsaxophonist Lee Konitz bei verschiedenen Konzerten und einem Workshop an der Concordia University in Montreal. Ebenfalls dabei ist Pianist Harold Danko, mit dem Konitz zu diesem Zeitpunkt schon seit 12 Jahren spielt. Alle Stücke in werden in voller Länge gezeigt und so entsteht ein Querschnitt aus dem Repertoire des Jazzvirtuosen. Zusätzlich gewährt Konitz in Gesprächen Einblicke in Privates, die durch Kommentare von Danko vertieft werden. Eins steht in Daudelins Film je-doch klar im Vordergrund: die Musik.

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Transmitting

D 2014, Regie: Christoph Hübner & Gabriele Voss, 84 Min., OmU

Die drei Jazzmusiker Joachim Kühn, Majid Bekkas und Ramón López erfüllen sich ihren Traum, in Marokko ein spezielles Musikprojekt zu realisieren. Sie wollen für eine CD die Gnawa-Musik vom Rand der Sahara mit ihrem europäischen Jazz zusammenführen. Dafür reisen sie in die marokkanische Wüste und spielen dort mit einer traditionellen Trommler-gruppe. Andere Musiker laden sie in ihr kleines Studio in Rabat ein. Das Treffen der verschie-denen Stile und Kulturen verläuft nicht immer reibungslos, und der Film zeigt, welche Arbeit hinter einer erfolgreichen Aufnahme stecken kann.

Oscar Peterson Trio – The Berlin Concert

D 1985, 80 Min.

Das grandiose Konzert des Jazzpianisten Oscar Peterson mit einem seiner legendären Trios - Niels-Henning Ørsted Pedersen am Bass und Martin Drew am Schlagzeug - wurde im Sommer 1985 in der Berliner Philharmonie aufgezeichnet. Das Trio spielt Verweise auf Klassiker wie Bach oder Duke Ellington wie auch eigene Kompositionen von Peterson wie „Blues Etude“ und „Cakewalk“. „Die Art und Weise, wie sich die drei Musiker ständig aufs Neue spielerisch herausfordern, wie sie auf glei-cher Augenhöhe miteinander kommunizieren, ist auch heute noch bestechend.“ (J. Seibold in AUDIO 3/2007)

Sing! Inge sing!

D 2011, Regie; Marc Boettcher, mit Charly Antolini, Klaus Doldinger, Emil Mangeldorff, Peter Herbolzheimer, 118 Min.

Der Jazz in Deutschland hatte eine Stimme: Inge Brandenburg. Aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, frühzeitig daran gewöhnt, auf eigenen Beinen zu stehen, Ende der 1950er Jahre plötzlich als beste europäische Jazzsängerin gefeiert, vom Time Magazin mit Billie Holiday verglichen, auf Händen getragen von den Musikern – und von der deutschen Plattenindustrie ignoriert und (erfolglos) auf Schlager reduziert. Ein Frauenschicksal der 1950er und 60er Jahre, einer Zeit, in der es in Deutschland keinen Platz gab für selbstbewusste Frauen mit überregionalen Träumen, mit dramatischem Interpretationsstil und einer emanzipierten Erotik.

Chico & Rita

E 2010, Regie: Fernando Trueba, Javier Mariscal, Tono Errando, 94 Min., OmU

Der alte Schuhputzer Chico wird von einer Melodie aus dem Radio an Swing, Bebop und seine Zeit als Jazzmusiker erinnert. Im Kuba vor dem Castro-Regime beginnt Chicos bittersüße Liebesgeschichte mit der Sängerin Rita. Nach ihren ersten gemeinsamen Erfolgen als Musiker zieht Rita nach New York, um dort Karriere zu machen. Auch Chico verlässt später Kuba, doch obwohl sich die Wege der beiden kreuzen, reißt sie das Schicksal wieder auseinander. Der Film zeigt in detailreicher Animation, wie sich Chico und Rita durch die Jazzszene der 1940er und 1950er Jahre bewegen und setzt dem Latin Jazz und Musikern wie Dizzy Gillespie, Charlie Parker oder Chano Pozo ein Denkmal.